Morden mit dem Joystick

by Gunnar on 9. Juni 2008 · 10 comments

Pfarrer oder überhaupt Redner in religiöser Mission beherrschen den »Heiligen Bogen«, so bezeichnete Hans Dieter Hüsch, gotthabihnselig, das seinerzeit mal — gemeint ist die rhetorische Fertigkeit, von jedem möglichen Sujet zurück auf das Wirken Gottes zu schließen. Fragt man so einen Redner etwa nach, sagen wir, der Bierversorgung auf der Party, antwortet er 25 Kisten — die Vorräte sind sozusagen unendlich, ganz wie die Liebe Gottes. Und wie die Liebe Gottes sind sie berauschend und erwärmend. Oder so. Mag noch bessere Beispiele geben. Verschwörungstheoretiker haben dieses Manöver mit anderen Vorzeichen übrigens auch drauf.

Und die Verleumder von Computerspielen in Medien und Politik, die sind auch sehr eifrig bei Sache, wenn es um das Herstellen von Zusammenhängen zwischen Games und Gewalt geht, egal wie hanebüchen die Verbindung, egal wie dünn die Faktenlage. Den Sonderpreis für die sinnloseste Verknüpfung in diesem Monat erhält die SZ von heute für ihren Artikel »Bluttat im Computerparadies« (leider nicht online einsehbar).

Meinen Kommentar dazu gibt’s hier, bei meinem Arbeitgeber.

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Ellenn Juni 9, 2008 um 14:18

Danke. Ich habe die SZ im Abo, und ich bin gerade richtiggehend sauer und weiss noch nicht so recht wie ich reagieren soll.

Wie konstruiert und vorurteilsbeladen solche Artikel sind merkt man auch schon daran, dass diese Schmierfinken den Joystick noch für ein populäres Eingabemedium halten. Heutzutage “mordet” man doch mit einem Gamepad oder Maus & Tastatur.

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Toast Juni 9, 2008 um 15:37

Schon zur Kenntnis genommen. Neidhart ist doch eigentlich ein recht zuverlässiger und tiefgehender Korrespondent, mit sehr viel Fachwissen was die japanische Gesellschaft angeht – und somit weiß ich echt nicht, warum auf einmal so ein Arschloch im Wandschrank (TM @ Pispers) herhalten muss.

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Marvin Juni 9, 2008 um 16:00

Ja, manche reporter sind halt wie sie sind… aber respekt, dass du in so kurzer zeit nen artikel dazu und noch nen passenden Blogeintrag erstellt hast ;-)

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siR Juni 9, 2008 um 17:30

Der Titel “Morden mit dem Joystick” macht mich auch richtig aggressiv! Ich könnt jetzt jemanden mit dem Joystick ermorden!!!

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siR Juni 9, 2008 um 17:33

Ohoh, mea culpa! Ich dachte, der Titel des Berichts sei “Morden mit dem Joystick”. Dann werd ich jetzt mal meinen Joystick wieder verstauen und die SZ Redakteure verschonen…

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Gunnar Juni 9, 2008 um 17:57

@toast: ich hatte nicht den eindruck, dass er wirklich fundiert über japan schreibt — aber ich habe auch bloß drei artikel gelesen. klang alles so nach “huh, ist das fremd hier, schauen sie mal”-journalismus.

mir schien eher, dass russland sein spezialgebiet ist. aber was weiß ich?

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Toast Juni 9, 2008 um 21:36

@gunnar
Ich konnte ihn schon live erleben, als er über Japan, Esskultur und Ursprünge der Gegenwartskultur gesprochen hatte, und da schien er mir ziemlich aufgeklärt.
Irgendwie widerspricht das dem, was ich jetzt so lese.
Warum auch immer…

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Drizzt Juni 9, 2008 um 23:04

»[...] (leider nicht online einsehbar). [...]«

Fast beschleicht einen das Gefühl, die wissen warum das nur in der gedruckten Ausgabe erschienen ist. Die “Auswahl” von Leserbriefen ist da viel einfacher. Wenn ich tippen sollte, dürfte – sollten überhaupt welche sum Thema abgedruckt werden – die Mehrzahl positiv sein. Oder entsprechend gekürzt worden sein (was sich ja jede Redaktion vorbehält).

Und das nachdem sich teilweise die Feuilletons doch schon angenähert hatten an das “neue” Medium Computerspiele (s. Telepolis). Traurig.

Grüße,
Drizzt

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Björn Juni 12, 2008 um 20:43

Kotaku deutet an, dass die “Amoklauf = Killerspiele”-Idee nicht nur in Deutschland existiert, sondern interessanterweise auch in Japan populär ist:

http://kotaku.com/5015348/akihabara-killing-to-cause-japanese-internet-regulation

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rollinger Juni 16, 2008 um 13:27

Weiß man jetzt eigentlich schon, ob Hr. Fritzl “die SIMS” spielte?

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