Wir sind alle Ego-Shooter

by Gunnar on 11. Juni 2008 · 19 comments

Remo und Anatol sind Ego-Shooter. Wie viele Jugendliche begeistern sie sich für „Counterstrike“. Mit drei anderen, die sie aus dem Internet kennen, bilden sie die „Mystic five“. Gemeinsam zurückschlagen, wenn sie angegriffen werden – ­darauf kommt es in „Counterstrike“ an.

So weit ist es gekommen: Im Schauspielhaus Bochum, einem Tempel klassischer Kultur und elitärer Kunst, wird ein Theaterstück über zwei CS-spielende Jungs aufgeführt, im Programmtext rührend-doof als Ego-Shooter bezeichnet.Weitere Infos hier, beim
Schauspielhaus. Das Stück heißt übrigens Strike! In dieser Nacht schlagen wir zurück. Würd’s mir ja gern angucken, aber Bochum ist arg weit weg. Hm. Vielleicht hätte ich mich aber auch bloß aufgeregt.

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Phil Juni 11, 2008 um 18:31

Na jetzt reichts aber wirklich. “Ego-Shooter” und “zurückschlagen” nur wegen counter-strike? Also hier hört der Spaß aber auf. Wenn Medien schlecht informieren ist das schon schlecht, aber wenn eine Lobby sogar vom Theater schlecht gemacht wird….
Wenigstens informieren könnte man sich, bevor man so ein Theaterstück macht. Macht doch auch keiner ein Stück wie:
Der Autofahrer: Lernte das Fahren, um zu töten.

Schlimm sowas, aber was soll man da machen ?
Emails ans Theater ?

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Phil Juni 11, 2008 um 18:51

Ich habe mich mal dezent bemerkbar gemacht bei diesem Haus. Ich hoffe, dass mir viele folgen werden.

“Guten Tag,
Ich würde mich gerne über das Stück “Strike! In dieser Nacht schlagen wir zurück”, welches am 18. und 27. Juni bei ihnen aufgeführt wird beschweren.
Alleine der Titel und der Klappentext lassen vermuten, dass sich die Regisseurin kaum ausreichend mit der Materie des Spiele Spielens beschäftigt hat.
So hat Counterstrike zum Beispiel nicht viel damit zu tun, zurückzuschlagen, nur weil es, ins Deutsche übersetzt, “Gegenschlag” heißt.
Auch die Spieler als Ego-Shooter zu bezeichen ist schlichtweg lächerlich und falsch. Ego-Shooter, das ist das Genre von Counterstrike. Sind Menschen, die Horror-Filme schauen etwa Horrors? Oder Auto-Fahrer Autos? Ich denke nicht.
Ich bin einerseits ein Fan vom Theater an sich, andererseits auch von PC-Spielen.
Dass in den Medien (oftmals schlecht über PC-Spiele und Spieler berichtet wird ist schon schlimm genug, doch wenn auch noch solche Stücke in seriösen Schauspielhäusern ein falsches Bild vermitteln, weiß ich nicht, wohin das führen soll.
Ich bitte sie natürlich nicht, das Stück abzusetzen oder ähnliches.
Es würde mich lediglich freuen, wenn sie sich in Zukunft besser mit den bei ihnen aufgeführten Stücken auseinandersetzen würden. So ein Stück ist von langer Hand geplant, die Proben dauern Monate. Da ist sicher mal eine Stunde Zeit, um sich über gegenschlagende Ego-Shooter wie Anatol und Remo zu informieren. Auch über eine Antwort würde ich mich freuen, denn nichts ist eindeutiger als so deutliche Kritik einfach zu ignorieren. “

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Nülls Juni 11, 2008 um 19:27

Ich geh jetzt als ausgleich CS zocken….. *grml* sowas blödes!

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mc|kenna Juni 11, 2008 um 19:44

Okay, der Klappentext ist naiv-aggressiv. Soll ja auch den Ottonormalmenschen ansprechen, der CS nur aus Amoklaufberichten kennt. Soweit, so aufregenswert.

Aber um mich mal mutig der Meckerkultur entgegen zu werfen: Ich würde liebend gerne mal das Stück sehen bevor ich mich darüber aufrege.

(Auch wenn der weitere Text im Link nichts Gutes vermuten lässt, so kann er aber auch ganz anders interpretiert werden)

Wenn wir uns über mangelnde Sachkenntnis beschweren, sollte man das Corpus Delicti doch auch gesehen haben – oder?

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Phil Juni 11, 2008 um 19:58

Das dachte ich mir auch. Leider ist Bochum zu weit weg für mich. Allerdings finde ich schon den Klappentext eine Frechheit, selbst wenn das Stück dahinter besser, gut sein mag.

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PropheT Juni 11, 2008 um 21:28

Ich frage mich, wen so ein Stück als Zielgruppe hat.

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Phil Juni 11, 2008 um 22:21

Einerseits besorgte Eltern und andererseits besorgte Zocker denke ich….

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Drizzt Juni 12, 2008 um 02:12

Die Inquisi… ähm … sachliche und fundierte Diskussion geht auch an anderer Stelle weiter: http://www.heise.de/newsticker/meldung/109311

Das Theaterstück hört sich verdächtig an. Da fragt man sich, ob da nicht etwas Einfluss vom Kultusministeriums der Stadt ausgeübt wurde… Ganz nach dem Motto: dieser Laden bekommt von uns im Jahr x € Zuschüsse, da können wir schon mal den Einstieg in die gesellschaftliche Diskussion verlangen.

Grüße,
Drizzt

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Drizzt Juni 12, 2008 um 02:14

Es war natürlich “Kultusministerium des Landes” gemeint… ich hatte irgendwie “Bremen” im Kopf…

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Christoph Juni 12, 2008 um 10:57

…Frage am Rande: Hat irgendwer von Euch das Stück gesehen oder kennt den genauen Inhalt, einfach um auszuschließen, daß einen *positiven* Eindruck von Computerspielen vermittelt? Teamwork, Zusammenarbeit, soziale Interaktion? Könnte ja sein, auch wenn ich es nicht für sehr wahrscheinlich halte. Aber vor allem Schimpfen: Audiatur et altera pars.

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Maak Juni 12, 2008 um 11:56

hey, moment mal.

ich KOMME ja aus bochum!

da geh ich hin.

mit bier und chips.

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Phil Juni 12, 2008 um 14:11

Schöne Nachricht. Nachdem ich gestern meine beschwerrdemail geschrieben habe, kam heute (unerwartet) schon eine Antwort. Besagte Frau Van Boxen war sehr freundlich und bote mir an, mir morgen doch die Probe anzuschauen und mich anschliessend mit ihr und dem Autor über das Stück zu unterhalten. Schade, dass ich der Bitte nicht nachkommen kann, da Bochum zu weit entfernt ist für mich. Aber nett schien mir das alle Male.
Ich bin gespannt, was Maak zu dem Stück sagt (denn du wirst discher berichten oder?)
Maak ist btw. auch ein Beweis für meine these, dass da Zocker hinegehen, um sich anzugucken ,was man mit ihrem image macht ;)
Grüße Phil

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Jan Juni 12, 2008 um 16:30

Vielleicht sollten sich jene, die sich bereits jetzt echauffieren, erst einmal das Stück ansehen. Einem Otto-Normal-Besucher dieses Kulturhauses die Materie des Spiel bzw das Drumherum soll für jene auch ansprechend sein. Dann kann man nicht mal schnell das Spielprinzip völlig korrekt darlegen. Besser geht es allemal, aber es hätte auch schlimmer sein können. Also, vielleicht erst einmal das Stück sehen, um eine Interpretation wagen zu können.

Dieses Mecker- und Schimpfniveau, was bei wirklich vielen, vielen Spielern vorzufinden ist, verursacht mehr ein negatives denn ein positives Bild. Vielleicht sollte man eine Aufführung besuchen und danach möglichst mit Verantwortlichen diskutieren. Ganz direkt. Aber auch da frage ich mich, ob das so geht – wahrscheinlich würden dann viele schon wieder die Beherrschung verlieren, weil die Verantwortlichen sie nur teils verstehen würden (da sie sich mit SPielen nur sehr geringfügig auskennen), und das schon wie ein alteingesessener Automatismus zur Aggressionssteigerung zu führen scheint.

Zum Glück wird die Spielerschaft in der Öffentlichkeit durch Persönlichkeiten wie Herr Lott vertreten, schade, dass es nur wenige gibt, die diese spezielle Mischung aus Protest, ja sogar subtiler Auflehnung, Eloquenz und Verantwortungsbewusstsein besitzen.

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David Juni 12, 2008 um 19:59

@ Jan
“Besser geht es allemal, aber es hätte auch schlimmer sein können. [...] (da sie sich mit SPielen nur sehr geringfügig auskennen)”

Ich denke, dass man sich durchaus darüber aufregen darf, wenn man allein schon diesen Text liest. Denn wenn man sich schon nicht mit dem Medium Videospiel, geschweige denn dem Inhalt der Spiele und allem, was dazu gehört (Presse, Jargon etc.) ausreichend auseinander gesetzt hat, braucht man sich nicht zu wundern, wenn die Spielergemeinde einmal mehr aufschreit.
Desweiteren wird von uns jetzt verlangt, dass uns doch gar kein Urteil erlauben sollten, ohne die Vorstellung gesehen zu haben. Mir zumindest aber wird der Eindruck vermittelt, dass man sich, laut Klapptext, ebenfalls nicht mit dem Thema “Ego-Shooter” auseinandergesetzt hat.
In der Schule wird uns eingebläut, dass wir nur das aufschreiben dürfen, was wir auch wirklich wissen, bzw. uns auch adäquat auszudrücken wissen – sprich: kontextbezogen arbeiten. Das ist auch richtig so. Nur blöderweise haben das anscheinend manche Leute damals in der Schule nicht so recht begriffen.

Bochum wollte ich ohnehin besuchen. Ich war grade auf der Website und wollte mir Karten bestellen – nur gehts nicht.
Laut Tabelle gibts in der Preiskategorie E noch genug freie Karten. Aber dann sagts mir “Nicht zum Verkauf zugelassen”. Bin ich da der einzige mit dem Problem?

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Pheonixx Juni 12, 2008 um 20:30

Irgendwie habe ich mich beim Lesen direkt an einen anderen Kaliban-Beitrag erinnert gefühlt:

“Frau Pfeiffer hatte sich unser kleines Gespräch offenbar anders vorgestellt, innerlich wohl schon auf mein zerknirschtes Gesicht spekuliert, wenn sie das Spiegel-Zitat nochmal aufs Tapet bringt. Sie schaute mich sichtlich geschockt an und stieß nur ein “Sie, Sie, Sie sind ja ein richtiger Ego-Shooter” hervor.”

Unglaublich wie manche Leute sich das Genre vorstellen. Selbst ich finde das lächerlich, dabei mag ich eigentlich gar keine Ego-Shooter (und das nicht wegen der obligatorischen Gewaltdarstellung ;-) sondern weil mir das Setting meist nicht zusagt.)

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Pyri Juni 12, 2008 um 23:20

Ich wollte bereits eine kurze offene Anfrage schreiben, ob sich da in Deutschland vom Boulevard über das Feuilleton irgendetwas ausgeweitet hat auf die Theater, aber dann stellte ich fest, dass dort doch nichts (mehr) von Menschen als Spiele-Genres zu lesen ist über den Link, kurzum: “Remo und Anatol sind Ego-Shooter” steht da nirgends.
Nun, wenn “Anatol beschließt, sich auch im wirklichen Leben nicht alles gefallen zu lassen”, dann will ich mal ganz optimistisch sein und trotz der Tatsache dass das Stück für 13-jährige Jugendliche bereits zugelassen ist hoffen, dass er zumindest über 16 Ist, also eine zensierte USK-Fassung von Counter-Strike für ihn schon geeignet, sich seine Kulturform bei dem fiktiven Totalverbot von “Killerspielen” nicht wegnehmen lässt, sondern auf die Barrikaden steigt und mit seinen Freunden für den Erhalt ihrer Sportart demonstriert, etc. Eigentlich alles ganz selbstverständlich für mich, doch obwohl dies ein sehr traurig-aktuelles Beispiel dafür wäre wie beliebige Gruppen von Menschen diskriminiert werden können, und sei es bloß von ihrem Medienverhalten her, so gibt es für mich leider keine Anzeichen dafür, dass dieses Bewusstsein auf deutschen Bühnen zu erwarten ist, sondern eher schon dessen glattes Gegenteil – eben eine Verlängerung der Stigmatisierung von Computer- und VidesopielerInnen als potentielle GewaltverbrecherInnen. Schade. Sehr schade

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Phil Juni 12, 2008 um 23:52

Schnell reagiert, das mit dem Ego-Shooter haben sie rausgenommen. positiv, wie schnell wir was bewirken können, negativ, wie schlecht sich die viele nMeinungne von uns jetzt machen, da sie sich alle auf einen Pfeiler stützen, der nun fehlt (größtenteils).

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Pyri Juni 19, 2008 um 12:55

Hallo! War da wohl ziemlich voreingenommen – hab gewartet bis hier jemand berichtet, über die Uraufführung des Stücks von gestern, nun ja – mittlerweile hab ich doch noch weiter recherchiert und man kann da sozusagen “Entwarnung” geben. Vor mittlerweile über fünf Tagen fand eine Lesung statt bei der sich unter anderem herausstellte, dass den Verantwortlichen entgegen der Befürchtungen sogar an einer Thematisierung von Kriminalisierung von Videospielen gelegen zu sein scheint. Die (Er-)Kenntnisse welche die CS-Spieler im Stück vom Spiel her haben sind eher architektonischer als gewalthandelnder Natur. CS Soll während der Performance sogar gespielt werden etc. Richtig verifizieren konnt ich das alles zwar noch nicht, ein längerer Artikel findet sich aber zum Beispiel eben hier: http://www.krawall.de/web/Living_Games_Festival/news/id,31329/s,,

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Lorenz Hippe Juli 1, 2008 um 09:26

Hallo! Ist ja`n Ding was ist hier abgeht. Ich bin übrigens der autor des stückes “Strike! In dieser nacht schlagen wir zurück.” Das Stück wird zur Zeit auch noch am Theater Osnabrück gespielt. Wer den ganzen Text mal lesen möchte, um sich ein eigenes Bild zu machen (und mir vielleicht eine kritische Rückmeldung zu geben), bitte hier melden, dann kommt das stück ins Haus. ich habe das Stück aus Interviews mit aktiven und ehemaligen Spielern entwickelt. Mir war wichtig, jenseits der Pro-und Contra Diskussion eine Geschichte zu erzählen, ein Verständnis wecken soll, um was für eine Welt, die ja viele gar nicht kennen, es sich eigentlich handelt. Für die, die es kennen, sollte es auch interessant sein. Bin gespannt, was ihr sagt.

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