Eine alte Theorie von mir, die ich aus beruflichem Überlebenswillen eigentlich nie in der Öffentlichkeit äußere, ist, dass in den so genannten Kommunikationsberufen viele der Aufgaben eigentlich zu leicht sind — vieles könnte eigentlich auch von Praktikanten oder gut trainierten Schimpansen erledigt werden. Kein Wunder, dass man in vielen Agenturen schon nach einer Woche Mitarbeit eine tragende Rollen ausfüllen kann, was die Agenturen wiederum dazu verführt, ihr Kerngeschäft gänzlich in die Hände von mit zwei Äpfeln und einem Gratis-T-Shirt bezahlten Praktikanten zu legen, was wiederum zu Aufständen, Überschwemmungen in Oberbayern und Schändungen von Jungfrauen führt. Vermutlich. Was man jedenfalls in Kommunikationsberufen können sollte, wenn man schon nicht am offenen Herzen operieren, Dinkelbrot backen oder sonstwas Nützliches kann, ist das Instruieren von spezialisierten Dienstleistern, das so genannte Briefen. Die spezielle Unfähigkeit beginnt auf den untersten Ebenen (Äh, der Kunde will da so eine Broschüre, so wie die hier. Könnt ihr das?) und manifestiert sich in seiner reinsten Form in der Person des Marketingleiters (Das gefällt mir nicht. Macht das anders. Wie anders? Na, anders.).
Ich würde mich ja selbständig machen, als Autor des Standardwerks Briefing für Vollpfosten oder als Inhaber der Agentur Be Brief, die für kommunikationsbehinderte Angestellte mit Leitungsfunktion die eigenen Mitarbeiter oder die Horden der in kreativer Armut dahinsiechenden Freelancer mit konkreten Arbeitsanweisungen versorgt. Aber das funktioniert nicht — die Leute denken ja, sie würden super briefen und die Dienstleister wären schuld.
Ach, die Welt.

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Das mit der ersten deutschen Hymnenstrophe bei der EM und den vielen bunten Tagesthemen-Fahnen sollen ja auch alles Praktikanten verbrochen haben. Was mag da noch alles kommen…
deswegen hat sich meine werbekaufmännische ausbildung wie eine ausbildung zum bürokaufmann angefühlt. na und zu meinem kommunikationswiss.-studium sag ich mal nix….
die aufgaben sind nicht unbedingt einfach aber da es sich um standes- und weitgehend traditionslose jobs handelt, kann man vieles mit gesundem menschenverstand bewältigen.
der ist leider nicht weit verbreitet.
ps: natürlich sind die dienstleister schuld. wenn ich nen mieses briefing habe, muss ich mir ein besseres geben lassen. zur not selbst machen und freigeben lassen.
genau. selber machen. das ist ja das, was alle tun, weil die briefenden versagen. dafür wird der dienstleister aber eigentlich nicht bezahlt.
das muss er sich hinterher über eine art schmerzensgeldpauschale wiederholen.
also, wer als agentur kein richtiges briefing betreiben kann, der hat es auch nicht “verdient” in der kommunikationsbranche zu arbeiten. :P
Ganz kurz mal eben was ganz anderes. Das ist mittlerweile der 5te Eintrag aus dem Zeitraum von neulich (Definitionssatz: meiner), der um 23:00 verfasst wurde. Ist das mutwillig oder Zufall?
Ist zwar vermutlich eine Frage, die sonst keinen interessiert, ist mir eben nur aufgefallen.
Ich wünsche eine gute Nacht.
alle beiträge entstehen in der viertelstunde freizeit zwischen 22:45 und 23:00.
Es liegt ja nicht immer am Briefing… die Vorgaben werden ja auch gern mal ignoriert. Das ist wie beim Friseur, wo Uschi dann entgegen klarer Ansage einem unabgesprochen den Lieblingshaarschnitt von Manni schneidet.
Sehr schön erkannt.
Ich habe mal in einer Firma gearbeitet, die für ein sehr erfolgreiches deutsches Portal bekannt wurde. Das allerdings wurde komplett von Praktikanten, Azubis und einem einzigem “richtigem” Programmierer gebaut. Als es verkauft wurde, bekamen die Praktikanten und Azubis eine Prämie von 100€, der Programmierer eine Xbox360 und die Chefs einen zweistelligen Millionenbetrag. :-)
Da hört sich der Berufswunsch von kleinen Kindern “Chef oder Boss” doch garnicht so schlecht an.
Es ist doch beinahe eine Kunst, aus ein paar Euros das dutzendfache herauszuholen, un dabei auch nichts zu tun.
Diesem Beitrag kann ich mal nur voll und ganz zustimmen.
Wenn ich mir einige “vielversprechende” Konzepte von sogenannten “Führungspersönlichkeiten” in meiner Agentur angucke, muss ich mich insgeheim fragen, ob in sich deren Köpfen nur eine kleine Erdnuss befindet.
Gunnar ist heute im Fernsehen! Yay! :D