Der bebrillte Junge mit der Eule

by Gunnar on 12. Juli 2008 · 10 comments

Tim Hunter

Tim Hunter ist ein normaler, 12jähriger Junge in England, der seine Mutter verloren hat. Er trägt eine Brille und hat schwarze Haare. Nebenbei ist er der potenziell mächtigste Magier der Welt und wird daher von ein paar irren Zauberern unter die Fittiche genommen, damit er nicht der Dunklen Seite anheim fällt. Als erstes schenken ihm die Magier eine Eule als Schoßtier, dann beginnt eine wilde Reise in die Welt der Magie.

Kommt das jemandem bekannt vor? Klingt das wie eine schlechte Harry Potter-Kopie? Ist es aber nicht, Neil Gaiman erfand Tim Hunter bereits Anfang der Neunziger für eine Comic-Miniserie — Harry Potter Band 1 hingegen erschien erst 1997. Wenn man Übles denken wollte, könnte man Frau Rowling vorwerfen, sie hätte sich bei Herrn Gaiman inspirieren lassen. Gaiman wischte das Thema aber selber vom Tisch: “I wasn’t the first writer to create a young magician with potential, nor was Rowling the first to send one to school.”*

Das alles ist übrigens schon eine alte Sache, das Gaiman-Zitat stammt aus dem Jahr 2000. Ich kam nur grad drauf, weil ich in einer Sekunde der Muße in meinen Comics gestöbert und die Books of Magic mal wieder zur Hand genommen habe. Die Geschichte selber hat dann mit den Potter’schen Pubertätserlebnissen nicht allzu viel zu tun — Tim Hunter wird von DC-Recken wie dem kettenrauchenden Trenchcoat-Träger John Constantine unterichtet (anstatt auf ein Magierinternat mit lauter gleichaltrigen Mädchen gehen zu dürfen), trifft Königin Titania vom Elfenland, pflegt enge Bekanntschaft mit einem Succubus und erschafft en passant einen Haufen Parallelwelten, was die ohnehin komplexe Handlung weiter erschwert.

Ist nicht direkt mein Lieblings-Gaiman, aber durchaus lesenwert. Hier kaufbar.

{ 10 comments… read them below or add one }

alyobaarbetous Juli 12, 2008 um 23:07

Wieder eines der Fakten, die man wohl nie erfahren hätte, wenn man nicht auf deinem Blog wäre :D
Ich finde die Ähnlichkeit zwischen dem Comic und Harry Potter aber schon sehr auffällig. Besonders das mit der Eule und der Mutter.
Ein Comic Leser war ich nie, werd aber wohl bald damit anfangen, zwecks den XIII Comics und (vor allem!) den Dark Tower Comics!

Antworten

David Juli 13, 2008 um 01:07

Ich dachte erstmal an eine HP-Satire. Davon hab ich Barry Trotter (von Michael Greber) gelesen. Köstlich.
Aber da hier gerade von Comics die Rede ist… Ohwei. Ich hätt mal wieder Lust meine alten LTBs zu lesen. Oder Asterix.

Antworten

Sonja Juli 13, 2008 um 08:10

Die originalen Books of Magic sind sehr, sehr gut. Die verschiedenen Fortsetzungen sind es nicht alle, da gibt’s solche und solche… “Life During Wartime” mochte ich zum Beispiel sehr, auch wenn’s ziemlich weit vom originalen Universum entfernt ist.

Antworten

Basileus Juli 14, 2008 um 10:38

Die Books of Magic sind schon ziemlich genial.

Kleiner Comic-Tipp am Rande: “Planetary” von Warren Ellis. 26 Hefte, im DC-Imprint Wildstorm erschienen.

Lesen, lesen, lesen. Aber sofort!

Antworten

Gunnar Juli 14, 2008 um 19:02

Da habe ich noch nie von gehört.probiere ich mal aus.

Antworten

Basileus Juli 15, 2008 um 09:49

Um die 1000 Anspielungen auf Pulp- und Comic-Helden bei Planetary zur Gänze zu verstehen, empfehle ich diese Seite:
http://home.earthlink.net/~rkkman/frames/index.html

Antworten

Basileus Juli 15, 2008 um 09:54

Hm, ich sehe gerade, dass man die gesammelten Ausgaben ganz simpel bei Amazon bestellen kann.

Sag dann mal bitte, was Du darüber denkst. ;-)

Antworten

Gunnar Juli 17, 2008 um 11:24

hm. habe mal sammelband 1 gelesen.

ist schon gut, ich kann aber mit der konstruktion nicht allzuviel anfangen. diese relativ isolierten einzelgeschichtchen, die nicht wirklich auserzählt, sondern immer nur angedeutet werden, das ist mir zu fragmentarisch.
die eigentliche faszination dahinter — das superheldenmultiversum und all die anspielungen auf pulp-helden und historie — erschließt sich mir auch nicht recht. ich mag zwar auch top 10, aber da war es so selbstironisch verpackt, dass es mir leichter runterging.

nichts für ungut und trotzdem danke für den tipp.

Antworten

Basileus Juli 18, 2008 um 14:08

Hmm… ich könnte jetzt sagen, dass die ersten Geschichten isoliert scheinen, das Ganze aber im Endeffekt eine einzige große Geschichte über die 26 Bände ist, wo ich zum Schluss dagesessen bin und nur noch dachte… Wow!

Will sagen, die Fragmentierung ist nur eine scheinbare, alles gehört mit allem zusammen. ;-)

Aber gut, ich hatte mir über den o. a. Link schon einen Überblick verschafft, bevor ich weiter als Heft 3 kam, von daher ist mir das vermutlich gar nicht so aufgefallen.

Wenn die Motivation da ist, rate ich, gib der Serie als Ganzes eine Chance, wenn nicht, hoffe ich, dass das Lesen trotzdem Spaß gemacht hat.

Antworten

Gunnar Juli 18, 2008 um 16:14

hmmm… einen band probiere ich noch ;-)

Antworten

Leave a Comment

Previous post:

Next post: