Falls es jemanden interessiert, ich war vorhin zu Gast beim “Tagesgespräch”, einer Sendung des Bayrischen Rundfunks, die im Radio (BR 2) und im TV (BR Alpha) live übertragen wird. Ist eine klassische Call in-Sache — Moderator und Gast unterhalten sich, Zuschauer können anrufen und ihren Senf dazudrücken. Thema diesmal waren Videospiele. Aus Spieleexpertensicht ist das naturgemäß nicht tiefgehend — BR 2 hat ein Zielpublikum, das im Durchschnitt knapp 60 Jahre alt ist und dem Thema entsprechend fern steht. Hätte also schief gehen können, aber der Moderator Achim Bogdahn war exzellent vorbereitet, und es haben ununterbrochen Leute angerufen, die zudem alters- und vorbildungsmäßig sehr gemischt waren: junge Spieler, ältere Nicht-Spieler, ängstliche Mütter, vorurteilsfreie Väter, alles dabei.
Mir hat’s echt viel Spaß gemacht. Wer’s sich anhören mag, kann das bei den Jungs von BR-Online tun.
Dauert eine knappe Stunde (ohne Werbung, natürlich), aber es lohnt sich durchzuhalten, bis die freundliche alte Dame anruft, die sich als “spielsüchtig” bezeichnet — sie spielt so gerne Zither.
Was ich auch noch nicht wusste: Der Moderator hat bei so einer Sendung einen Touchscreen vor sich, auf dem er die Anrufer sieht: Name, Ort und einen Satz als kurze Einschätzung des Redakteurs im Hintergrund. Auf Basis dieses Vorwissens kann der Moderator live entscheiden, wen er wann einspielt — und wen vielleicht auch nicht. Zudem kann die Redaktion ein Popup-Fenster mit Anregungen einspielen: Sowas wie Nimm doch als Nächsten die Nummer 3 dran oder so. Ganz interessant. Radio-Magie.

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Ja, die nette alte Dame, die wohl nicht ganz genau wusste, mit welcher Art von Spielesucht sich das Tagesgespräch heute befasst hat. Hat mich echt überrascht, dass ihr im Studio da nicht laut loslachen musstet – Respekt ;-)
meine frau hat gesagt, der moderator und ich hätten unverschämt gegrinst. nunja.
Mein Gott, Gunnar, du bist doch noch keine 70! “Damals gab’s ja noch kein Internet…”
@Rüdiger: Aber das World Wide Web gibt es doch erst seit 1993, also ist seine Aussage doch gar nicht so unwahrscheinlich.
Und kurz vor Schluss rutscht dem Moderator doch tatsächlich noch “Killerspiele” raus…
Beim Thema Amokläufe und “Killerspiele” (ich hasse dieses Wort) hast Du sehr gut argumentiert. Diese Argumente sollten sich mal einige Politiker zu Herzen nehmen.
Moritz, ich bezweifle nicht die Richtigkeit der Aussage, nur hört es sich, getragen von Gunnars leicht müdem Tonfall, an wie Opas Erzählungen aus dem Krieg.
@Rüdiger: Ok, da ist was dran :D
Schade fand ich an der Sendung, dass zum Großteil die negativen Aspekte genannt wurden. Gunnar kann, wie ich finde, einem die Welt der PC- & Videospiele nämlich sehr gut näher bringen, auch für Personen, die nichts damit zu tun haben (habe meinen Eltern ein paar Ausschnitte gezeigt ^^) und da wären beispielsweise ein paar Sätze über das gemeinsame Spielen an einer Konsole oder die Faszination der Spiele sehr schön gewesen. Nichtsdestotrotz ein großes Lob an Herrn Lott ;-) Wünsche mir häufiger solche Auftritte in den öffentlichen Medien *gg*
Ich finde auch deine Art mit “Außenstehenden” über Computerspiele zu reden sehr beeindruckend. Man hat ja gehört, dass so ein mancher Anrufer mit Vorurteilen oder einer schlechten Meinung über Computerspiele ins Gespräch gekommen ist, aber anstatt gleich Gegenargumente vorzutragen bist du vorsichtig auf sie eingegangen und hast versucht die Sache aus ihrer Sicht zu sehen… stets freundlich und bemüht ihnen dieses Phänomen verständlich zu erklären. Ich denke so ein Verhalten ist wirklich hilfreich, um Computerspiele in Deutschland als seriöses Unterhaltungsmedium zu Akzeptanz zu verhelfen. Also ein echt super Gespräch und mehr davon wäre natürlich klasse ;-)
@gunnar: Gut, ob ihr gegrinst habt, weiß ich nicht. Leider habe ich das Gespräch nur im Radio/Podcast gehört…
Hmpf, eigentlich schade, denn etwas kam irgendwie zu kurz. Es trifft zwar nicht auf das extrem isolierte WoW zu, aber wer einmal in den Weiten von internationalen Spielen (allen voran Eve) mitgespielt hat, wird es wohl kennen:
Isländer, Autralier, Russen, Amis, Briten, Serben, alle kommunizieren miteinander in einer vereinten Sprache (Englisch), wo jeder, egal wie gut oder schlecht er die Sprache beherrscht mit anderen redet und organisiert. Die Koordination von über 10.000 Spielern läuft online über englisch, mit effizienten Verwaltungsstrukturen, CEOs, Direktoren und Diplomaten. Während Multikulti und das Modell des “Weltbürgers” im realen Leben noch nicht angekommen sind, funktioniert es online schon perfekt. In Eve kooperiert eine rein russische Allianz seit Jahren mit einer rein Amerikanischen. Wenn das kein positiver Aspekt ist, dann weiß ich auch nicht mehr weiter.
@genossemzk: Ich glaube, das liegt auch daran, dass sich Englisch im Internet und in der IT-Branche einfach durchgesetzt hat. Erfreulich ist es natürlich trotzdem, dass Menschen aus der ganzen WElt keine Probleme mit der Kommunikation im Internet haben.
Kannst du das Soundfile hier irgendwo fest archivieren? Ich finde da sind ein paar wirklich beispielhafte Kommentare drin. Sehr schön.
http://www.kaliban.org/stuff/br.mp3
http://www.kaliban.org/stuff/br2.mp3 ?
genau.
hab mir das interview auch angehört. fand es positiv, dass nicht zwanghaft versucht wurde, das schönste hobby der welt in den schmutz zu ziehen. was ich immer noch nicht verstehe ist, wie man videospiele für amokläufe verantwortlich machen kann. ich kann mich noch erinnern, wie es mal hieß die horrorfilme (wie freitag der 13te) wären schuld an amokläufen. grundsätzlich bin ich der meinung, dass man volljährige bürger NICHT bevormunden muss. ich bin seit mittwoch 26 jahre alt und ärgere mich zusehends darüber, was mir die leute in berlin alles verbieten.
Tolle Seitentritte gegen den BR (“Jetzt erfährt man sogar im BR davon”) und die bayerische Kultur (“Ich dachte, hier sei alles katholisch”) … ^^