August 2008

Oh so tired

by Gunnar on 24. August 2008 · 8 comments

Ich liege auf dem Sofa, in einer Art Wachkoma, wie Treibsand hält mich diese tiefe Erschöpfung umfangen, die ich, wie jedes Jahr, zusammen mit 346 Visitenkarten und amtlichen Kopfschmerzen von der Games Convention mitgebracht habe.

Meine Gedanken wandern mit der Geschwindigkeit von Gletschern. Fetzen: Facebook nervt mit seinen Versuchen, mich zu Facebook-konformen Aktivitäten zu zwingen; Leipziger Taxifahrer sind offensichtlich kollektiv lebensmüde; die FDP-Wahlplakate für den Bayern-Wahlkampf sind peinlich, aber natürlich nicht so peinlich wie die der REPse, die den ihrer Klientel angemessen doppeldeutigen Slogan der Heimat zuliebe blau wählen auf ihre Aushänge drucken.

Uh.

Mein Arm ragt im Liegen über das Sofa hinaus, ich höre ein Mauen, dann schiebt die Tigerkatze ihren Kopf in meine Handfläche. Streichelt sich sozusagen selber. Ich bin aber zu kraftlos, um mitzumachen. Nach drei Versuchen gibt sie auf.

Ich sollte irgendwas tun, am Sonntag nachmittag — Spazierengehen mit dem Baby, endlich Braidtm weiterspielen, meinen Koffer ausfräumen* oder ein Geschichtlein für den kleinen Wettbewerb vom NZZ Folio schreiben. Es geht aber nicht. Mein Hirn kann allenfalls 4.5 Prozent meiner potenziellen Maximalleistung aktivieren, das reicht nicht für mehr als Sofakoma und sinnloses Gedankenkreisen. Mir fällt von irgendwoher ein, dass der Satz Cornelius parkte den SLK in der Garage, schaltete alle Lampen des Hauses auf Hangarbeleuchtung — bei schlechter Laune hasste er Dämmerlicht — und fütterte seine Kois mit Flocken aus feingemahlenen Hartz-IV-Empfängern eigentlich gut genug ist, um ihn für eine etwaige spätere Verwendung aufzuschreiben, doch irgendwas stimmt daran nicht. Fünfzehn Gletscherminuten später weiß ich es — in “Microserfs” kommt ein ähnlicher* vor. Ach Mist. Möglicherweise stammen die meisten meiner coolen Sätze aus Popliteraturbüchern und ich weiß es nicht mehr und halte mich für originell. Nunja.

Dieser Text führt nirgendwo hin. Demnächst Kohärenteres an dieser Stelle.

Bsirske fliegt auf Meilen

by Gunnar on 4. August 2008 · 8 comments

Übrigens sollten Journalisten, die Rabatte auf alles und jedes beanspruchen, weil sie einen Journalistenausweis haben, die Debatte sehr zurückhaltend führen.

Herr Leyendecker argumentiert in seinem Kommentar über die Taktlosigkeit des Herrn Bsirske, auf Freimeilen per First Class in den Urlaub zu fliegen, während Ver.di die Lufthansa bestreikt, wie immer schlüssig und gekonnt. Er zeigt auf, dass Herr Bsirske seine Aufsichtsratsvergütung immer brav abgibt, stellt fest, dass der Fall Hansen doch eigentlich ungleich schlimmer sei und wundert sich über die besondere Qualität der Empörung, die Gewerkschaftlern bei Abzocke-Verdacht entgegen schlägt:

Einige Affären der vergangenen Jahrzehnte lassen zumindest den Schluss zu, dass Gewerkschaftsleute möglicherweise immer noch eine höhere moralische Fallhöhe als andere Gesellschaftsgruppen besitzen.

Aber das zentrale Problem entgeht ihm. Dabei ist das alles ganz einfach — wenn ein Manager oder ein Redakteur oder ein Hausmeister seine Job-Privilegien ausnutzt, so ist das vielleicht moralisch nur halbschön, aber der Mann arbeitet immerhin in seinem Job, weil ihn irgendwer für die bestmögliche Besetzung gehalten hat.

Bsirske hingegen sitzt keineswegs im gepolsterten Ledersessel der Lufthansa-Aufsichtsrats, weil man ihn für seine Lebensleistung ehren wollte oder sonstwie viel von ihm hält — Bsirske ist der entsandte Stellvertreter der Arbeiter und Angestellten des Unternehmens. Und als solcher ist es mindestens ungeschickt, vermutlich aber eher ein Anzeichen von entwickelter Großmannssucht, das Freiflugprivileg für Privatreisen zu nutzen. Und auch noch in der First, wo doch nur arrogante Bonzen und geföhnte Promis reisen. Bäh.

FDP will nicht schwarz sein

by Gunnar on 3. August 2008 · 2 comments

fdp bayern

Kann man sich vorstellen, dass die FDP irgendeines anderen Bundeslandes so für sich werben würde? Absurd. Die zugehörige Wahlkampf-Webseite ist auch eine Schau.