Bsirske fliegt auf Meilen

by Gunnar on 4. August 2008 · 8 comments

Übrigens sollten Journalisten, die Rabatte auf alles und jedes beanspruchen, weil sie einen Journalistenausweis haben, die Debatte sehr zurückhaltend führen.

Herr Leyendecker argumentiert in seinem Kommentar über die Taktlosigkeit des Herrn Bsirske, auf Freimeilen per First Class in den Urlaub zu fliegen, während Ver.di die Lufthansa bestreikt, wie immer schlüssig und gekonnt. Er zeigt auf, dass Herr Bsirske seine Aufsichtsratsvergütung immer brav abgibt, stellt fest, dass der Fall Hansen doch eigentlich ungleich schlimmer sei und wundert sich über die besondere Qualität der Empörung, die Gewerkschaftlern bei Abzocke-Verdacht entgegen schlägt:

Einige Affären der vergangenen Jahrzehnte lassen zumindest den Schluss zu, dass Gewerkschaftsleute möglicherweise immer noch eine höhere moralische Fallhöhe als andere Gesellschaftsgruppen besitzen.

Aber das zentrale Problem entgeht ihm. Dabei ist das alles ganz einfach — wenn ein Manager oder ein Redakteur oder ein Hausmeister seine Job-Privilegien ausnutzt, so ist das vielleicht moralisch nur halbschön, aber der Mann arbeitet immerhin in seinem Job, weil ihn irgendwer für die bestmögliche Besetzung gehalten hat.

Bsirske hingegen sitzt keineswegs im gepolsterten Ledersessel der Lufthansa-Aufsichtsrats, weil man ihn für seine Lebensleistung ehren wollte oder sonstwie viel von ihm hält — Bsirske ist der entsandte Stellvertreter der Arbeiter und Angestellten des Unternehmens. Und als solcher ist es mindestens ungeschickt, vermutlich aber eher ein Anzeichen von entwickelter Großmannssucht, das Freiflugprivileg für Privatreisen zu nutzen. Und auch noch in der First, wo doch nur arrogante Bonzen und geföhnte Promis reisen. Bäh.

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