September 2008

Das alte Problem

by Gunnar on 30. September 2008 · 8 comments

Anlässlich aktueller Ereignisse rund um den gestrigen Wiesn-Besuch verschiedener Kollegen möchte ich einmal wieder das alte Problem in Erinnerung rufen:

Die Tatsache, dass das Wiesn-Bier auf den ersten Schluck nach Wasser schmeckt und man gut zwei Maß braucht, um überhaupt die erste Wirkung zu spüren, heißt noch lange nicht, dass das Zeug keinen Alkohol enthält. Die Dröhnung setzt eben verzögert ein. Das zu schnelle Trinken ist ein klassischer Anfängerfehler, der mit Kopfschmerz nicht unter Hammerschlag bestraft wird und auch den einen oder anderen Wiesnklassiker inspiriert hat.

Mein alter Freund Niklas hat das Verhalten mancher Leute vor vielen Jahren mal allgemeingültig auf den Punkt gebracht:

“Trinken wie die Großen, Vertragen wie die Kleinen.”

Italienerinnen allein zu Haus

by Gunnar on 29. September 2008 · 10 comments

Dass am zweiten Wochenende der Wiesn München voller Italiener ist, das ist eine wohldokumentierte Tatsache. In den U-Bahnen und Frühstückscafés und auf dem Marienplatz wird praktisch kein Deutsch mehr gesprochen.

Dass es sich dabei vornehmlich um Männer in kleinen und mittleren Gruppen handelt, die zum Saufen herkommen, liegt in der Natur der Sache.

Komischerweise habe ich daraus noch nie gefolgert, dass in Venedig und Mailand und Verona und all diesen schönen Städten zum betreffenden Zeitpunkt tausende glutäugige italienische Strohwitwen herumsitzen müssen. Dabei liegt der Gedanke nahe — die Damen begleiten ihre Kerle ja nicht auf die Sauftour. Mein Freund Marc konstatiert also folgerichtig: Als männlicher Single in Italien wäre man an diesem Wochenende quasi konkurrenzlos.

Was zu tun bleibt: Ich gründe ein kleines Reiseunternehmen, miete ein paar Busse und verschicke aus Deutschland rottenweise Single-Männer in die Lombardei, Piemont und den Veneto.

Todsichere Geschäftsidee. Ich bin praktisch schon reich.

Allerdings muss man als Zielgruppe vermutlich mit norddeutschen Männern arbeiten, das bayrische Mannsvolk ist ja mit den Italienern auf dem Oktoberfest.

Das Ende von Graf von Beckstein

by Gunnar on 28. September 2008 · 4 comments

Sonntagslinks

by Gunnar on 28. September 2008 · 2 comments

### Der beste Porno dieses Jahrzehnts. (Mit Musik!)

### Die Fanboy-Waffe. Aus Metal Gear Solid. Will ich haben.

### Papa, was ist denn das da? Das auf dem Daaaaach?

### Huch. Google mit einem neuen Dienst: InQuotes. Ganz nett.

Kein Vergleich

by Gunnar on 27. September 2008 · 10 comments

Ich habe nicht wirklich eine Ahnung, wie es sich anfühlen würde, wenn meinem eigenen Kind etwas Schlimmes passierte.

Aber ich vermute, es ist so ähnlich wie das heulende Elend, das ich heute auf der hastigen Autofahrt in die Tierklinik empfunden habe, mit unserem jämmerlich wimmernden Kater Zorro auf dem Rücksitz, der sich bei einem Sturz aus dem dritten Stock die Hinterbeine gebrochen hat.

Nur eben um den Faktor 1000 potenziert.

Das kann nicht auszuhalten sein.

Das mit der Jacke

by Gunnar on 27. September 2008 · 2 comments

Wenn ich, in Eile, eine Jacke vom Wäscheständer nehme und direkt anziehen will, ist es mir egal, ob die Ärmel noch auf links gezogen sind. Ich stecke einfach meine Arme durch und drehe sozusagen beim Anziehen die Ärmel von innen nach außen.

Meine Frau zieht vorher sorgfältig die Ärmel heraus, streicht den Stoff glatt und schlüpft dann mit einer anmutigen Drehung in die Jacke. Absurd.

Es ist ein Wunder, dass zwei so unterschiedliche Menschen verheiratet sind.

Der Herr der Scheiben

by Gunnar on 26. September 2008 · 6 comments

Neulich besuchte mich einer meiner Freunde, schon ein älterer Herr, aber weise. Ich erzählte ihm, dass ich neulich Spore gekauft hätte und sehr glücklich mit dem Spiel sei. Ich zeigte ihm die DVD. Zu meiner Überraschung riss er sie mir aus der Hand, warf sie in die Mikrowelle und schaltete auf die höchste Stufe. Ich wurde wütend — ich mochte Spore, hatte mich daran gewöhnt.

Doch er sagte nur: “Keine Angst, der DVD geschieht nichts.”

Nach ein paar Minuten nahm er die DVD, reichte sie mir und sagte: “Schau
sie dir an.” Die DVD war gar nicht heiß, lag kühl in meiner Hand und
erschien mir schwerer als zuvor. Ich betrachtete die DVD und erst sah
ich nichts Besonderes, dann aber erkannte ich um das Loch in der Mitte
herum eine Art Inschrift. Die Inschrift leuchtete hell und doch wie von
Ferne, wie aus einer großen Tiefe.

Ich sah Buchstaben:
12413AEB2ED4FA5E6F7D78E78BEDE820945092OF923A40EElOE5IOCC98D444

“Ich verstehe die feurige Inschrift nicht”, sagte ich.

“Aber ich”, versetzte mein Freund, “die Buchstaben sind Hex, ein alter
Code, und die Sprache ist die von EA, die hier nicht ausgesprochen
werden soll. Auf Deutsch heißt es: “Ein DRM, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.

Das aber sind nur zwei Zeilen eines Gedichtes, das wir Experten der Spielekunde schon sehr lange kennen:

Drei DRMs den Marktführern hoch im Licht
Sieben Kopierschutzsysteme den Kundenhassern mit Herzen aus Stein
den Nachreleasepatchern der Online-Registrierungen neun

Ein DRM dem dunklen Herrn auf dunklem Thron
im Lande EA, wo die Profite woh’n

Ein DRM sie zu knechten,
sie alle zu finden,
sie endlos zu gängeln
und dreimal zu binden

im Lande EA, wo die Profite woh’n

Dies ist mein bescheidener und (leicht verspäteter) Beitrag zur Spore-Kontroverse, weitere Infos hier, hier, hier und hier.

Donnerstagslinksammlung

by Gunnar on 25. September 2008 · 3 comments

Schnell, schnell, schnell. Klick, klick, klick.

### Uh. Die unfassbare Gewalttätigkeit von Videospielen: Wario schrottet Youtube.

### Uh. Die unfassbare Gewaltlosigkeit von Videospielen: Die SZ hat Grand Theft Childhood auch endlich gelesen, immerhin nur sechs Monate nach Erscheinen. Ist ja auch ein dickes Buch.

### Biografien in sechs Wörtern: Became my mother. Please shoot me.

### Dieses Hulu rockt offenbar: Ach, die Amerikaner haben sogar im Internet besseres Fernsehen.

### Die CSU ist doch gegen die Pendlerpauschale. Q.E.D.

Am Rande & in eigener Sache: kaliban.de hinkt noch ein bisschen hinter der alten seite kaliban.org her, was Verlinkung und derlei Dinge angeht. Wäret Ihr, geschätzte Leser, so freundlich, diese Seite auf Technorati euren Favoriten hinzuzufügen? Danke. Ahem.
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Ach, das sinnlose Morden

by Gunnar on 24. September 2008 · 2 comments

Seit ich nur noch selten beruflich über Spiele schreibe, finde ich langsam von der Kritiker- in die Konsumentenrolle zurück. Am Wochenende etwa wollte ich mir was Gutes tun und kaufte mir im Markt der Medien (praktischerweise quasi gegenüber von unserer Wohnung) Warhammer Battle March, ein, nunja, Strategiespiel für die Xbox 360.

Jaja, Strategiespiel für Konsole, soll man nicht machen, ich weiß. Aber ich habe ja schon früher Konsolenstrategie gespielt und bin da leidensfähig. Zudem ist ja Battle March nix anderes als Mark of Chaos mit einer Zusatzkampagne — und Mark of Chaos habe ich auf dem PC trotz aller offensichtlicher Schwächen sehr geliebt. Also.

Ich starte das Spiel, schaue mir die Introfilmchen aller drei Parteien an. Ach. Schön. Besonders das des Imperiums kann ich mir stundenlang im Loop ansehen. Bis die Augen bluten. Fühle mich gleich wieder zuhause. Alles klasse soweit. Dann das erste klitzekleine Problemchen: Ich erkenne gar nix auf dem Bildschirm. Irgendwie alles braunmatschig, garniert mit unlesbaren Hieroglyphen. Sind es meine alten Augen? Brauche ich eine Brille? Nähere Inspektion verrät: Das Spiel sieht ganz normal aus, es kalkuliert offenbar aber mit einem HD-Fernseher. Aha. Nun, ich habe aber keinen HD-Fernseher, in meinem Wohnzimmer sitzt Idi Amin auf dem Sideboard und denkt nicht an Rücktritt.

Was soll ich da machen, zoomen zerstört die Übersicht. Ich setze mich näher an die Mattscheibe, knapp vor Nasenberührung. So werden Figuren und Interface-Elemente nahezu erkennbar, auch wenn das möglicherweise daran liegt, dass ich einfach instinktiv so Kleckse anwähle, die mir vertraut erscheinen und die sich dann durch die kehlige Sprachausgabe (Kill da Stunties!) als freundliche Orktruppen herausstellen. Funktioniert schon einigermaßen. Ist ja auch kein schweres Spiel.

Eigentlich. Wird aber schwer, wenn man nicht versteht, wozu die ganzen komischen Buttons auf dem Gamepad da sein sollen. Ich spiele natürlich als erfahrener Ex-Redakteur nicht das Tutorial, muss mir also die Bedienung durch Ausprobieren erschließen — sollte doch möglich sein, bei EAs Konsolenfassung von Schlacht um Mittelerde ging’s ja auch. Ich drücke und ziehe und suche und denke und rätsele und probiere und erkenne und mache und gewinne auch die ersten Schlachten, aber Sinn, Sinn ergibt das alles nicht, was mir das Spiel da als Steuerung anbietet. Dass Formationswechsel blöd zu machen sind — geschenkt. Dass Spezialfähigkeiten blöd auszulösen sind — mir doch egal, sowas brauchen nur Loser. Dass aber die der am häufigsten zu benutzende Spielmechanismus, das Anwählen und Abwählen der eigenen Truppen mir nicht in Fleisch und Blut übergehen will, vergällt mir das ganze Spiel.

Grrr. Ich bin sicher, ich hätte mir in zehn Minuten beim Haarewaschen eine logischeres Kontrollschema ausdenken können. Was sind das für Leute, die da einfach mein geliebtes Warhammer-Universum nehmen und undurchdachte Spiele dafür rausbringen? Da ließ sich ja Shadow of the Horned Rat besser steuern.

So geht das nicht. Ich muss doch das Tutorial spielen.

Oder aufgeben.

Ach Fuck.

Ein Hauch von Haarspray

by Gunnar on 23. September 2008 · 3 comments

Der Autor dieser Zeilen lenkt seine Schritte durch die tödlich unbelebte Innenstadt eines regionalen Oberzentrums, als sein Augenmerk auf das Schaufenster eines örtlichen Frisörs fällt. Besagtes Fenster zeigt nicht etwa, wie in der Branche üblich, großformatige Fotos von Profimodels mit samtweichen Haaren im Profil, um die ansässige Hausfrauenschaft zu demütigen. Nein, es ist voller Pokale und Ehrenurkunden und Siegerurkunden — eine Flut von Silber und Gold.

Zwinkern, neu fokussieren und genaueres Hinschauen — aha, es handelt sich um Ehrungen, die offenbar der Inhaber des Friseurladens bei diversen Landes- und Bezirksmeisterschaften erschnitten hat. Bilder der siegreichen Frisuren, offenkundig inspiriert von der Haartracht amerikanischer Jugendlicher der frühen 50er, hängen dekorativ daneben. Und zeigen männliche Jugendliche mit dörflichem und/oder Migrationshintergrund, auf dem Kopf raffiniert geformte Haarhörner.

Es gibt also BundesfriseurspieleLandesmeisterschaften für Friseure!

Warum überrascht mich das nur so? Wir sind doch in Deutschland, dem Geburtsland der Ehrenurkunde, und der Gedanke mit der Regionalmeisterschaft erweist sich bei näherer Betrachtung als durchaus logisch und folgerichtig.

Mit ein wenig Fantasie vermag man sich leicht einen solchen Wettkampf vors innere Auge zu rufen: die Mehrzweckhalle des Vereins für Turnsport und Leibesübungen, geweiht zu einem Tempel der Haarkunst — Kreativität liegt knisternd in der Luft; ein Hauch von Haarspray durchzieht die Halle. Souveräne Preisrichter, Veteranen des Handwerks, durchmessen gravitätisch den Raum; überall schnippeln nervös schwitzende Wettbewerber, die ärgerlich auf die Meisterwerke der Konkurrenten schielen. Dazu, natürlich, Modelle beiderlei Geschlechts mit anmutigen, der Schwerkraft nachlässig trotzenden Frisuren.

Kurzum, eine schöne Sache, die mehr Aufmerksamkeit verdient hätte.

Dabei gerät man selbstverständlich ins Grübeln, wenn man, wie ich, von Haus aus gelernter Sozialpädagoge ist. Müßte es etwas derart Spannendes nicht auch für unsere ehrenwerte Profession geben?

Verwegene Bilder steigen in meinem Geist auf.

Ein städtisches Jugendzentrum, geschlechtsneutral eingerichtet. Integrität liegt knisternd in der Luft; ein Hauch von Patchouli durchzieht die Räume. Der stolze Vorjahressieger, der mit seinem Klienten vor die unbestechlichen Preisrichter tritt; der Klient, der, anfangs scheu, dann mutiger werdend, von seinen Therapieerfolgen erzählt (“Cornelius hat mir da unheimlich geholfen, als ich nicht so klarkam“); das konspirative Getuschel der Preisrichter (“Wie hat er das gemacht?“, “Schwerpunktberatung?“, “Gestalttherapie?“, “Modelllernen?“, “Einfach abgerichtet wie ein Tier?“). Ein güldener Pokal mit der Inschrift “SüdniedersächsischeR BezirksmeisterIn im Skinhead-Bekehren” in den Händen einer kräftigen Projekt-Initiatiatorin mit Kurzhaarschnitt und Lesbenzöpflein; Bewerber, die siegesbewußt Vorher-Nachher-Photos ihrer Klienten herumzeigen (“auf dem zweiten Bild ist sein Bewußtsein ganz klar erweitert”); jedenfalls eine mehr als fesselnde Angelegenheit.

Wäre das nicht sehr, sehr schön?

Jaja, das ist eine sehr alte Geschichte, zehn Jahre alt ungefähr. Gerettet aus der Konkursmasse von kaliban.org. Hier mit neuer Heimstatt. Stilistisch ganz mild überarbeitet.

Die Freiheit steckt in der Fluppe

September 22, 2008

Kleiner Nachschlag zum Beitrag Plakatschämen 2008. Dieses geklebte Machwerk ärgert mich gleich auf drei Arten: 1. Der erste Blick — “die Freiheit in Bayern ist bedroht”?. Ah. Uh. Bisschen hohes Register. Jaklar, wir haben hier die schnüffelfreudigste Landesregierung überhaupt, aber… …ob die FDP dem Einhalt gebieten würde, ist mehr als fraglich. Das Abstimmungsverhalten der FDP […]

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Sonntagslinksammlung

September 21, 2008

Schnell, schnell, klick, klick. Videojournalismus für Anfänger (eine Kritik an SpON) Hat der CERN-Teilchenbeschleuniger die Welt schon zerstört? Wählt die Violetten (für spirituelle Politik)! Heribert Prantl: Kein Kölsch für die Mafia Schnell, schnell, klick, klick. Videojournalismus für Anfänger (eine Kritik an SpON) Hat der CERN-Teilchenbeschleuniger die Welt schon zerstört? Wählt die Violetten (für spirituelle Politik)! […]

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