Ich wollte früher immer Fantasy-Romane schreiben, weil ich erkannt hatte, dass man für Fantasy nicht recherchieren muss. Keine Ahnung, wie eine Phaserkanone funktioniert? Macht nichts. Polizeiarbeit — ein Buch mit siebzehn Siegeln? Egal. Ein paar absurde Länder, deren Kulturen irgendwie so Mixturen aus dem keltischen Irland, Sparta und dem Hof des Kalifen von Bagdad sind, die kann sich jeder ausdenken. Und ein obskures Magiesystem ebenso — in Harry Potter etwa verhalten sich die Zauberstäbe unlogischerweise wie Schusswaffen: Wer aus der Deckung ballert, gewinnt, allen Expelliarmus!-Rufen zum Trotz. Und — hat’s die Gelddruckmaschine etwa verlangsamt? Also. Fantasy, das isses.
Irgendwann habe ich sogar mal ein Anfangskapitel geschrieben, das in meiner Erinnerung großartig ist — es behandelte den Aufbruch des rothaarigen Helden (Anti-Klischee!) im strömenden Regen (Atmosphäre!) zu einem Treffen mit dem König (Erwartungshaltung aufbauen!) –, aber das ist auch schon seit mehr als zwanzig Jahren verschollen. Vermutlich besser so. Abgesehen von diesem Kapitel habe ich immer nur Karten gemalt und mir Schlachten und Kriegszüge überlegt. Meine große Geschichte von dem Freibeuter Ryan etwa kam nie weiter als bis zu dem Angriff der Orks der Nordmarschen auf das Land Dawn (quasi meine Version von Rohan), der nur von den Entsatztruppen der Herren von Cargh gestoppt werden konnte, die in der Stunde der Not erstmals die Tore zu ihrer von Bergen umschlossenen Hochebene öffneten.
Oder so.
Das Kartenzeichnen und Schlachtenausdenken fand ich dann so anregend, dass ich nie dazu gekommen bin, mir irgendwelche Figuren und Handlungsstränge zu überlegen. Was mich zu der Frage bringt, ob da draußen noch mehr Leute wie ich sind, die Fantasy hauptsächlich wegen der Beschreibungen der Waffengänge konsumieren. Die wie ich die Kapitel mit dem Krieg um Minas Tirith 15 Mal intensiv durch- und die Wanderung Frodos durch Mordor nur anderthalb Mal quergelesen haben. Ich hatte schon immer eine Schwäche für die Fantasy-Spielart, die so Geschichtsbuch-mäßig daherkommt und mit einer leicht präteziösen Ernsthaftigkeit ihre Historie abhandelt.
Vielleicht ist das meine Marktlücke: Ich pfeife auf Handlung sowie Dialog und schreibe einfach ein Fantasybuch namens Die Geschichte des großen Krieges. Reihe Gefecht an Gefecht, jeweils mit ausführlichem Kartenmaterial. Klar habe ich dann schon auf Seite 4 alle weiblichen Leser vergrault, aber es müste doch mit dem Teufel zugehen, wenn das 16jährigen Jungs nicht gefallen würde. Ha!

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also ich halte das für eine hervorragende idee!
ich würde mich zwar nicht gerade als fantasy-fan bezeichnen und bin auch keine 16 mehr, aber der gedanke an ein solches buch begeistert mich voll und ganz.
und falls du doch keine zeit/lust hast, ein solches buch zu schreiben, erfreu uns weiterhin mit solchen einträgen!
Interessante Idee, ich gehöre auch zu den Sich-Schlachten-Ausmalern. Schreibe auch an zwei Projekten, eines davon kann man durchaus Fantasy nennen. Postapokalypse, gereicht an Song of Ice and Fire mit einem Schuss Gaiman-Planescape. Oder so. ^^
Aber es gibt auch Schlachten und ich feile an großen Karten, deswegen vollstes Verständnis von mir. Als Tabletop-Spieler komme ich da auch leicht vom Pfad ab. -_-
Ja, spannend. Das Karten malen und Kriegszüge ersinnen habe ich damals im Alter von 16-19 mit Pen&Paper-Rollenspielen ausgelebt. Bis ins kleinste Detail: “Ich steh hinter der Ecke, da kann mich keiner treffen” – “Aber hast du nicht gesagt, du wollest gerade schauen, was hinter der Ecke ist” – “Seufz”
Ich gehöre noch in die Zielgruppe und fühle mich auch durchaus angesprochen. Ich lese sehr gerne Bücher mit Handlung, aber wenn die Schlachten dramatisch, gut und evtl. auch mit Witz geschrieben sind, nehme ich das auch gerne.
Salvatore hat einen Hack & Slay Stil, allerdings geht mir das nach einer gewissen Lesezeit eher auf den Sack.
Ich fühle mich an mich vor einigen Jahren erinnert. Da war es spaßiger, Karten für WC3 zu basteln, als sie dann am Ende zu skripten. Mittlerweile gehe ich da genauer ran und bemühe mich (erfolgreich), erstmal eine Handlung zu schreiben und danach diese Handlung in Maps und Trigger zu wandeln!
Ich kann zum letzten Teil nur sagen: signd!
Ich warte indes immer noch darauf, dass endlich ein Programmierer deine Idee des “Land of Loading” in sein Spiel einbaut, natürlich dann mit einer von dir gezeichneten Karte (du hast ja scheinbar reichlich Material). Wäre schon schön, irgendwie.
Ohh Gott, wie furchtbar. Warum tut sich Herr Kaliban nicht mit jemanden zusammen, der gut ist, z.B. Charaktere zu erfinden?
Bei mir ists umgekehrt. Die Schlachten überlese ich meistens schnell, während die Geschichten dazwischen viel interessanter sind – außer, wenn zwei kleine Hobbits durch eine langweilige Sumpflandschaft wandern. ;)
Komisch. Der Text hätte auch von mir sein können :D
Das Problem, heutzutage ist nur, dass es keiner großen Schlachtenerzählungen mehr bedarf seit es die “Total War” Serie gibt. Da kann man sich ja beliebige Mittelalterschlachten selber nachbauen.
Eben genauso wie ich es früher mit den Figuren aus Heroes Quest und Claymore Saga gemacht habe x-)
Hm, also der alte Herr Tolkien hat es vermutlich doch ganz ähnlich gemacht.
Oder andersherum: schreib doch ersteinmal deine Schlachtgeschichten, und baue die “Geschichte” später darum herum.
Gab es das Silmarillion (oder Teile davon), nicht auch bereits schon vor dem HdR?
So würde ich jetzt wenigstens anfangen, wenn ich denn derartige Schreibgelüste verspüren würde.
hm… so ein Buch gibt es doch schon fast und heißt “Die Kunst des Krieges”. ;)
ps: ja ich weiß, dass das eigentlich etwas komplett anderes ist, da es eben keine Fiktion ist und auch der Schwerpunkt eher auf einer Sammlung von “Weisheiten” liegt.
klingt nach nem super Plan!
Aber müsstes du dann nicht auch wieder recherchieren? Ich meine, damit das ganze Buch lesenswert bleibt, müsstest du doch unmengen an überraschenden Taktiken einbauen. Dazu müsstest du dann in Richtung Militärhistorie recherchieren. Bei 1-3 Schlachten bekommt man das vielleicht noch selbst hin, aber bei einer ganzen Saga, die nur aus Schlachten besteht, dürfte dies äußerst schwierig sein…
Nun ja, wer so Literarut mag (wie ich auch) könnte sich die Dämonen zu Gemüte führemn. Die Geschichte ist überschaubar, aber die Schlachtbeschreibungen herrlich markaber. Das Problem bei Fantasygeschichten: Keine Recherche aber trotzdem muss alles irgendwie einen Sinn ergeben.