Kürzlich hörte ich einen Vortrag von einem Psychologen und Lebenshelfer über die Leichtigkeit des Seins. Der freundliche ältere Herr, Jens Corssen mit Namen, sagte vieles Bedenkenswerte, aber besonders hübsch fand ich die “Vier Regeln des Selbstentwicklers” — die simple Maxime dahinter ist, immer bei sich selbst anzufangen und nicht immer alles auf andere zu schieben. Also:
1. Nie jemandem etwas einreden
2. Nie jemandem etwas ausreden
3. Keine ungefragten Ratschläge geben
4. Keine ungefragten Beurteilungen aussprechen
Hm. Ich gebe gerne zu, dass die Welt ein bessere Ort und die meisten Partnerschaften glücklicher wären, wenn alle so handeln würden.
Aber erfordert das nicht unmenschliche Anstrengungen? Ich (ebenso wie die meisten Leute, die ich kenne) gebe bestimmt 25 Mal am Tag ungebeten und mit milder Bosheit meine Meinung bekannt. Ist irgendwie ein Teil der Kultur.
Naja, ich will’s mal versuchen.

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Ok, dann musst Du Deinen Blog jetzt wohl dichtmachen…;)
Wäre schade drum.
1 und 2, okay. Aber dass 3 und 4 die Welt auch nur ein Stück weit bessern würden, glaub ich kaum. Da kommts, denke ich, eher drauf an, auf welche Art man seine Ratschläge oder Beurteilungen kundtut.
Seine Maxime ist im Grunde ja toll. Und richtig. Aber manchmal, ganz, ganz selten, liegts dann halt doch an den anderen und nicht an einem selbst. Soll vorkommen. :)
Alter Klassiker für solche Fragen: Friedemann Schulz von Thuns “Miteinander reden – Psychologie der Kommunikation”. Ausgezeichnete Bücher, auch für Nicht-Psychologen gut zu lesen.
ja, auch gelegentlich soll es an den anderen liegen…
Allerdings sollte man wirklich bei sich selbst anfangen, denn wenn man mal anfängt darüber nachzudenken, <> mich eine gewisse Gewohnheit oder Handelsweise stört ist schonmal viel gewonnen, statt dem anderen zu sagen, dass es einen stört…
Und ja, natürlich gebe ich auch mit Vorliebe den ganzen lieben langen Tag auch ungebeten meine Meinung zum Besten ;-)
könnte also schon unterschreiben, dass die Welt im ganzen dadurch etwas besser würde, aber auch um einiges langweiliger *g*
Also mit 3 bin ich auch nicht einverstanden.
Ich lass jemanden doch nicht ins offene Messer laufen, wenn er die Gefahr/sein Unglück nicht kommen sieht.
Diese vier Regeln gelten definitiv NICHT innerhalb einer WG. Wenn ich meinen Mitbewohner nicht darauf anspreche, dass er dran ist mit Bad / Küche / Wohnzimmer putzen, dann würde er’s nie tun (bzw. erst zu seinem Auszug). Aber gut, er hat halt ne Freundin und ist deswegen beschäftigt.
3. Keine ungefragten Ratschläge geben
@maulwurf: absprachen über den alltag sind ja durchaus was anderes als “ungefragte ratschläge”.
Ich finde Nr.4 ist das einzige, das überhaupt in Frage käme eingehalten zu werden!
Ich werde bestimmt weiterhin Menschen, die mir wichtig sind, Dinge ausreden, bevor sie einen Fehler damit begehen! Wie Sebastian schon sagte, nicht “jemanden ins offene Messer laufen lassen”. Das ist auch auf 1+2 übertragbar.
Also die vier Punkte, vor allem die ersten beiden, erinnern mich den Roman “Der Vorleser” von Helmut Schlink. In einer Szene hat der Hauptcharakter ein Gespräch mit seinem Vater, der Philosoph ist und dieser sagt, man darf Menschen keine Entscheidungen abnehmen, wenn diese sie treffen wollen, denn das würde gegen die Würde des Menschen verstoßen.
Auf der Ebene hat der Herr Corssen sicherlich irgendwo Recht.
Ich finde es auch unheimlich nervig, wenn jemand mir ständig Ratschläge geben will, oder mich beeinflussen möchte, aber dafür bin ich wohl auch irgendwo etwas zu arrogant^^.
Aber die eigene Meinung verkünden, nein, darauf könnte ich nicht verzichten. Das passiert schon ganz von selbst.