Noch ein letzter Gedanke zur US-Wahl:
Obama hat bekanntlich gewonnen, mit 64.975.682 zu 57.118.380 Stimmen, beziehungsweise 53 zu 46 Prozent. Ist das nicht, bei aller Freude über den ersten schwarzen Präsidenten und die schönen Mehrheiten der Demokraten in Senat, Kongress und bei den Gouverneuren, ein bisschen knapp?
Wir hatten eine perfekte Ausgangssituation für die Demokraten: einen total abgewirtschafteten Präsidenten, dessen Skandale kaum noch zu zählen sind, eine bedrohliche Wirtschaftskrise (die das Establishment scheiße aussehen lässt), einen in der Bevölkerung ungeliebten Krieg mit toten GIs. Dazu die ideale Frontstellung eines rhetorisch begabten, jungen, schönen, smarten Demokraten gegen einen sehr alten Republikaner mit total bescheuerter Vizekandidatin und mäßigem Rückhalt in der eigenen Partei. Plus, nicht zu vergessen, einen sensationellen Wahlkampf Obamas mit Millionen von neu registrierten Jungwählern und den größten Werbeausgaben, die jemals ein Kandidat getätigt hat, am Ende mehr als das doppelte von dem, was McCain zur Verfügung hatte (es wäre in Deutschland unvorstellbar, dass ein Kanzlerkandidat um 20.00 gleichzeitig auf RTL, ARD und ZDF einen halbstündigen Werbefilm platziert).
Besser geht’s eigentlich nicht.
Und doch sah der Sieg Obamas Mitte September gefährdet aus — die Daten erlauben zumindest die Deutung, dass der spektakuläre Zusammenbruch der Lehman Brothers Bank der kleinen McCain’schen Aufholjagd die Wucht genommen hat. Und am Ende gewinnt Obama klar, aber mit weniger Vorsprung als, sagen wir, Clinton bei seiner Wiederwahl.
Was hätte denn noch passieren müssen, damit es nicht knapp wird? Ein öffentliches Bekenntnis McCains zum Satanismus? Die Entlarvung von Sarah Palin als französische Staatsbürgerin? Ein Niedersteigen von Jesus aus dem Himmel mit Lightshow, Engels-Chören und einer Wahlempfehlung für Obama?

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Ich glaube, dass das teilweise an der Art in den USA zu zählen liegt. Die absoluten Zahlen sind ja eher uninteressant, die Hauptsache ist doch, 51% in einem Staat zu bekommen, der viele Wahlmänner hat. Natürlich haben die Anzahl der Wahlmänner auch etwas mit Einwohnerzahlen zu tun. Obama hat aber gar nicht mehr versucht, die verlorenen Staaten im Bible-Belt zu bekommen und dort einfach sehr schlecht abgeschnitten. Generell ist es aber schon erschreckend, bestätigt aber meine Sicht auf das Land.
Meine Erklärung dafür ist, dass Amerikaner im Durchschnitt betrachtet offenbar wirklich GANZ anders ticken als unsereiner, soweit man solche Verallgemeinerungen treffen kann.
Sehr bezeichnend dazu die nicht wenigen Stimmen, die etwa eine öffentlich organisierte Krankenversicherung ernsthaft als ‘Sozialismus’ bezeichnen.
Noch deutlicher ein anderer Kommentar eines Wählers, der sagte, einen wie Obama könne er nie wählen, der würde nur wollen, dass er am Ende leben müsse wie eine Europäer. Was scheinbar eine unfassbare Horrorvorstellung sein muss – wenn auch mutmaßlich gespeist aus völliger Ahnungslosigkeit.
Nebenbei interessant übrigens auch, das McCain wenn ich mich recht entsinne bei allen Altersgruppen über 30 die Nase vorn hatte (je älter desto stärker natürlich) und bei Männern sehr weit vor Obama lag. Etwas unwissenschaftlich könnte man also sagen, dass nicht Amerika Obama ins Amt gewählt hat, sondern amerikanische Frauen unter 30.
Kleiner Faktencheck in eigener Sache:
Bei Männern lagen Obama und MacCain ungefähr gleich auf, bei Frauen Obama in Front und altersmäßig kippt es doch erst ab 45 in Richtung McCain (Quelle: CNN)
Ich denk mal, dass immer ca 40% Demokraten und 40% Republikaner wählen. Die 20% um die sich die Kandidaten (eigentlich) prügeln sind die Unentschlossenen oder Wähler einer 3. Partei.
ganz genau so ist es, meinen infos zufolge sind jeweils sogar 45% absolut unumstößliche stammwähler. selbst wenn Jesus vom himmel herabstiege, die republikaner wiesen auf ihren ursprünglichen und biblischen glauben hin, abseits von jeder (womöglich gefaketen) religiösen erfahrung. es wird, wie schon angemerkt, um die “swing states” gekämpft, also um die staaten, wo leute sich noch den wahlkampf anhören. gestern abend bei der Illner saß eine junge republikanische US-journalistin, die viel für Obama übrig hatte, ihre werte (abtreibung, todesstrafe) allerdings besser von McCain vertreten sah.
ich glaube, amerikanische politik lässt sich am besten mit vereinstreue bezeichnen. die eltern haben einen schon als kind ins stadion geschleift, man hat eine lebenslange mitgliedschaft, fehltritte lassen vielleicht köpfe rollen, nicht aber einen selbst von seinem lieblingsverein abwenden.
Verwunderlich finde ich auch, dass zum Beispiel in Kalifornien oft gegen die Homo-Ehe aber für Obama gestimmt wurde.
Wie immer wenn ich bei Kaliban vorbeischaue, kann ich davon ausgehen, dass Herr Kaliban mit irgendetwas unzufrieden ist. ;)
Aber immerhin, es handelt sich in Amerika um eine Demokratie. Und eine Wahl, die mit 53% zu 46% ausgeht ist nunmal in einem demokratischen Staat ein ziemlich eindeutiges Ergebniss.
naja, es gab ja schon viel eindeutigere ergebnisse — ronald reagans erdrutsch z.b.
Hieß es nicht, dass sich von den 213Millionen Wahlberechtigten 180 beteiligt hätten?
Nach den Zahlen oben wären es aber nur etwa 120Millionen? Es haben doch nicht 60Millionen Leute garnichts angekreut oder “weiß nicht”.
Man muss auch dazu sagen, dass Obama enorm aufgeholt hat.
Bei Spreeblick war das recht gut zu sehen.
http://www.spreeblick.com/2008/11/04/wahlumfrage-sieht-mccain-klar-vor-obama/
@eldest
evtl. sollte man dir das Wahlsystem der USA erklären, es gibt auf den Wahlzetteln bedeutend mehr Parteien wie die Demokraten oder die Republikaner…
Da sie in den USA aber das Mehrheitswahlsystem haben, wird ein Bundesstaat dem Sieger zugeordnet und der Rest fällt untern Tisch, das wäre auf Deutschland umgemünzt, man sieht nur noch, wer CDU und SPD gewählt hat (da eine von beiden immer die stärkste Partei ist) und die ganzen Stimmen für die Grünen, die FDP und zum Glück auch die der Linken *g* nicht mehr zu sehen wären…
bzgl. der Wahl, hab irgendwo aufgeschnappt, dass die weisen Wähler irgendwie 53% zu 47% Obama gewählt haben, die stark Pigmentierten Amerikaner aber zu 95% Obama. Und da soll einer sagen, es gäbe keinen Rassismus mehr…
Ah okay. Das Wahlsystem verstehe ich schon, nur hat mein Lehrer mir bis jetzt verpasst zu sagen, dass es mehr als zwei Parteien zu wählen gibt.
stark pigmentiert ist eine großartige umschreibung…
@: Naja, Schwarze darf man ja, political correctness sei dank, nicht mehr sagen.
@thomas: so’n quatsch. natürlich darf man “schwarze” sagen. warum sollte man nicht?
Vor 2 Monaten hätte ich gedacht: so ein Kommentar kann ja nur aus Bayern kommen, wo demokratische Wahlen mit 60% für jemanden ausgehen können/müssen. Hat sich ja aber geändert!
@groove: wir sind jetzt offiziell auch eine demokratie!
@Eldest, Unlogicial:
ihr irrt. 213 mio sind wahlberechtigt, 180 mio haben sich registriert, 120 mio haben abgestimmt. bei 60 mio nicht-obama-mccain-stimmen gäbe es kein 53% : 46%.