Wie die meisten Europäer und Alles-was-ich-über-Politik-weiß-habe-ich-von-Spiegel-Online-Laien habe ich keine rechte Ahnung, was da soeben in den USA passiert ist. Und was der (historische?) Sieg des schwarzen Senators mit dem absurden Namen Barack Obama für das Land und die Welt bedeutet. Mir schwant, an ihm hängen mehr Hoffnungen auf Veränderung als gut für irgendwen sein kann. Aber egal, von hier aus sieht es nett aus — jung schlägt alt, schön schlägt hässlich, verändern schlägt bewahren, Newcomer schlägt Establishment, Frieden schlägt Krieg, linkshalbrechts schlägt ganzrechts.
Irgendwie ein Sieg der Ästhetik.

absurden Namen: Barack Hussein Obama
stimmt. hätte man mir vor fünf jahren gesagt, dass mal ein us-präsident so heißen wird, hätte ich’s vermutlich nicht geglaubt.
@Gunnar
Ich kenne da jemanden der sich zum Jahreswechsel einen Präsidenten Obama in 2008 gewünscht hat…
ich etwa?
ach ja: http://kaliban.de/2007/12/bitte-so-werden2008/
ist ja alles schön und gut aber das war das endgültige ende des respekts vor dem alter: russland und in den usa in den händen von kindern :)
ein sieg der ästhetik? wohl mehr als das. wenn man bilder sieht aus den USA, wo die leute in den strassen vor freude tanzen, weil ein schwarzer mann die präsidentschaftswahl gewonnen hat, wird klar, dass es um mehr geht als einen “sieg der ästhetik.”
es ist ein sieg des anderen amerika, von dem wir europäer fast nicht mehr geglaubt haben, dass es in dieser größe überhaupt noch existiert.
@500 beine: was ist denn mit ihnen, herr glumm? wusste gar nicht, dass sie zu solchem überschwang fähig sind.
aber: ja. hoffen wir, dass das passiert, was die wähler wollen.
“Irgendwie ein Sieg der Ästhetik.”
Sehr passend. Aber leider auch noch in einem anderen Sinne: Ich würde nicht behaupten, dass es überhaupt nicht um Inhalte ging, aber zumindest in den Medien standen in den letzten Monaten Oberflächlichkeiten viel zu stark im Vordergrund. Noch viel mehr als bisher. Immer und immer wieder wurde vor allem diskutiert, wer sein Angebot am besten verkaufen kann, viel zu selten ging es darum, wer überhaupt das bessere Angebot macht. Oder was er überhaupt anbietet.
Und auch beide Kandidaten selbst haben nicht gerade dazu beigetragen, den Wahlkampf zu einem Kampf um Inhalte zu machen. Barrack Obamas Reden erinnerten bei Licht betrachtet irgendwie immer ein wenig an eine Mischung aus Pfingstpredigt und Versicherungsverkaufsgespräch, McCain (und noch mehr Palin, “Drill baby, drill”) hatte vor allem markige Sprüche im Angebot, die man eher in einer mittelprächtigen Hollywood-Adaption eines US-Wahlkampfs erwarten würde.
Für meinen Geschmack alles keine gute Entwicklung. Wobei ich ein wenig die Hoffnung hege, dass das vor allem ein Medienphänomen ist und die Menschen selber doch auch noch ein wenig auf die Inhalte schauen. Lässt sich aber von hier aus natürlich schwer beurteilen.
Dem Namen nach von Barack Hussein Obama, hat es ja keine gute Bedeutung nach dem Irak Krieg, aber man darf gespannt sein über die Leitungen die er erbringen wird. Ich hoffe nur das es jetzt endlich mehr Frieden und nicht noch mehr Krieg geben wird. Aber das wird ja die Zukunft zeigen. Viel Erfolg.
Wie sollen die Menschen denn auf Inhalte und nicht auf die medienwirksame Präsentation achten, wenn die Inhalte nur über besagte Medien transportiert werden können?
Dass das freie und umfassend recherchierende Medium eine Utopie ist, stell ich mal außer Frage. Ich würde mir aber dennoch allgemein mehr Diskussionsrunden im Fernsehen wünschen.
Da werden zwar auch subjektive Meinungen verstreut, aber man weiß wenigstens, wer das sagt und kann sich daraus in einem produktiven Prozess eine eigene Meinung bilden.
In Beiträgen und Berichterstattungen liegen diese Quellen nicht so offen und man ist viel mehr den Intentionen der Redakteure ausgesetzt, die entscheiden, in “welche Richtung” sie recherchieren möchten.
Dass der Wahlkampf bei Obama so stark auf die neuen Medien ausgeweitet wurde, find ich dagegen nicht schlimm. Es sollte nur nach den ganzen markigen Versprechen auch in den Diskussionsrunden echte Kompetenz gezeigt werden, damit der Wähler eine Chance hat, sich ein so objektives Bild wie möglich zu verschaffen.
Wie so oft heißt die Devise: Abwarten.
Das Programm von Obama sagt mir immerhin schon mal zu (erneuerbare Energien, Unterstützung der Mittelklasse, Steuersenkung, etc.), doch ob das auch so bleibt muss sich erst noch zeigen. In einem Jahr wissen wir da wieder mehr.
Ich erwarte auch gar nicht dass bis dahin Probleme gelöst sind. So etwas baut man mal nicht eben in einem Jahr ab. Das scheinen viele Leute immer zu vergessen. Bin auch gespannt wie sehr die Euphorie, die auch hierzulande präsent ist, bei unseren eigenen Wahlen zu spüren sein wird ;)
btw: Hatte heut morgen N24 laufen, wo sie in Harlem Leute dazu interviewt haben. Eine Frau meinte “Es ist mir egal was er macht, das Wichtigste ist, dass es ein schwarzer Präsident ist”. Bei so einer Aussage fass ich mir einfach nur an den Kopf…
@D@mien: was ist daran zum an den kopf fassen?
Klingt fast so, als wäre Herr Lott nicht ganz mit dem Wahlergebnis einverstanden.
@moritz: bitte?
Ich fasse mir insofern an den Kopf weil ich glaube, dass die Frau, die übrigens ebenfalls schwarz war, sich nicht um das Programm von Obama Gedanken gemacht hat, sondern einfach nur einen Afroamerikaner im Amt sehen will.
Möchte ihr an dieser Stelle natürlich nichts vorwerfen, aber ich bin mir durchaus sicher dass es einige Wähler gab, die so gedacht haben.
@damien: schon klar, aber da ist ja nix falsches dran. da hat ja nicht nur was damit zu tun, dass man sich einen präsidenten wünscht, der aussieht wie man selber, sonder eben auch, dass ein schwarzer präsident eben ein zeichen für den reifeprozess der demokratie amerika ist.
ich bin kein freund der cdu, aber die schlichte tatsache, dass unser kanzler eine frau ist, halte ich für ein positives zeichen.
Zur Verteidigung der Wahlkampfstrategen muss ich sagen, dass man die Inhalte, die Obama jetzt anpacken muss, schwer an den Wähler vermittelbar sind und noch schwerer damit Stimmen zu bekommen.
Ich hoffe, dass die Leute Obamas Fähigkeiten nicht allzu überschätzen(denn ich schätze die Persönlichkeit Barack Obama um so mehr), denn die Probleme von, die eine Bushregierung(und die davor) hinterlassen hat, sind einfach so viele, dass da wohl 4 Jahre nicht ansatzweise reichen werden. Außerdem werden wohl auch die Europäer nicht mehr auf die bösen Amerikaner schimpfen können, sondern müssen sich endlich selbst mir ihren Problemen befassen.
Zumindest werden es 4 interessante Jahre. :)
ps: @Herrn Kaliban
Beim Wunschzettel auch noch “Barack” falsch schreiben… :)
@Gunnar: Naja, der “Sieg der Ästhetik” macht den Eindruck, als sei es nur das und nicht mehr. Vielleicht habe ich den Blogeintrag auch falsch aufgefasst.
@Moritz: achso, nee, das wollte ich nicht sagen.