Ich möchte an dieser Stelle noch rasch an die hübsche Theorie erinnern, dass Obama überhaupt nur denkbar geworden ist, weil die Serie 24 den amerikanischen TV-Guckern jahrelang mit David Palmer einen gütigen, kompententen, edlen, schwarzen Präsidenten vorgeführt hat. Zur Gewöhnung.
Übergabe eines verskillten Landes
Previous post: Obama, natürlich
Next post: Donnerstagslinks


{ 9 comments… read them below or add one }
Diese ’24′-Theorie habe ich gestern auch irgendwo gelesen. Halte das aber für extrem verkürzt und eine gewaltige Überschätzung einer TV-Serie. Dafür war wohl eher ein langwieriger gesamtgesellschftlicher Prozess seit den 60er Jahren verantwortlich. Die Tatsache, dass Fernsehmacher auf Idee kamen, einen schwarzen Präsidenten zu erfinden, war dann wohl eher der Ausdruck der Tatsache, dass dies nun langsam möglich wird.
Wichtiger waren jedenfalls sicher die zwei schwarzen (noch dazu Republikaner und zur Hälfte Frau) Außenminister in den letzten acht Jahren.
Ansonsten bleibt jetzt nur noch zu hoffen, dass neben dem Land nicht auch der Kandidat verskillt ist (Charisma: 100, Problem Solving: 5 oder so).
Außerdem ist Obama bis jetzt mehr Popstar als Präsident.
Auch schoen, “verskillt”. Da hab ich doch mal wieder ein neudeutsches Wort dazugelernt.
“Außerdem ist Obama bis jetzt mehr Popstar als Präsident.”
Das ist so ein Satz aus dem Republican Playbook, und irgendwie Quatsch. Was ist die Aufgabe eines Praesidenten? Ein Praesident vertritt und inspiriert das Volk. Er trifft Entscheidungen auf dem hoechsten Level, aber vertraut seinem Kabinett und Angestellten, das Land eigenstaendig zu fuehren.
Was hat Obama bisher gemacht? Er hat Massen von Amerikanern inspiriert und es verstanden, schwierige Zeiten im richtigen Licht dazustellen. Er hat Millionen von unterrepraesentierten US Buergern vertreten. Und er hat seinen Wahlkampf-Strategen die Fuehrung der Campaign ueberlassen, ohne jemals sein eigenes Profil zu verlieren.
Das ist praesidential. Popstars ziehen eine Show auf – Unterhaltung, meistens ohne echte Meinung. Das trifft auf Obama nicht zu.
Meine Theorie ist ja seit Wochen, dass in den USA jetzt eine neue Serie von Anschlägen droht, die nur Jack Bauer verhindern kann.
Leider wird Obama dann aber bald sterben … also in äh … Staffel 5? Also 5×24 Stunden? Mittwoch, den 10. November also. Aber bis dahin kann ja viel passieren.
Btw. wird jetzt dein Blog von der CIA beobachtet oder meins, wegen der Begriffe “Obama” und “sterben” in einem Satz? :p
Bei “Das fünfte Element” ist ein schielender Schwarzer der Präsident der Welt – sicherlich nur um zu zeigen was in dieser abgedrehten Zukunft so alles möglich ist.
Wenn Obama nun anfängt zu schielen sind wir fast dort angekommen.
Michael Moore hat das in “Stupid white men” doch schön analysiert: Wenn auf einem Sender wie Fox, ein schwarzer Präsident auftaucht, dann liegt das nicht an der Überzeugung, sondern der Erkenntnis, dass es immer weniger weiße Zuschauer gibt. Immerhin durfte in “Bruce allmächtig” ein schwarzer sogar Gott spielen.
Naja, ihr habt irgendwie alle Recht: Natürlich liegt es an einem Prozess, dass es möglich ist, dass ein Schwarzer Präsident wird. Ohne diesen Prozess hätte es sich mit Sicherheit keine Fernsehserie, die viel Quote will, getraut, so ein Wagnis einzugehen. Auf der anderen Seite wurden mit der Serie eben gerade die Zielgruppen an ein “Schwarzer ist Präsident” gewöhnt, die vorher trotz des Prozesses seit den 60ern, mit Sicherheit strikt einfach “gegen Schwarz” gewählt hätten. Sicher gibts diese Subjekte immer noch, aber der Prozentsatz ist stark gesunken…
Ich fand schon in Michael Moore’s Film die Behauptung Schwachsinn, nur “Schwarze würden noch fernsehen”.
In “Idiocracy” ist übrigens auch ein Schwarzer Präsident. Ob das allerdings Obama zum Wahlsieg verholfen haben könnte, wage ich zu bezweifeln.
Zu Gott in “Bruce almighty”. Der Vergleich hinkt, schliesslich sieht der durchschnittliche Amerikaner seinen Präsidenten mindestens eine Stufe höher als Gott an!
Und vielen Dank für die Erklärung, warum Obama nicht bloss Popstar ist… “popular star”, woher die Bedeutung eigentlich kommt, trifft dennoch zu. Aber eben nicht nur!
Statt “24″ könnte da doch eher “The West Wing” ein Vorbild gewesen sein, auch wenn Matt Santos (Jimmy Smits) eher Latino war.
{ 1 trackback }