Unser Restaurant

by Gunnar on 4. November 2008 · 13 comments

Keine Ahnung, wer die Sendung Mein Restaurant von Vox kennt oder sieht, aber jedenfalls kommt die neueste Folge heute abend um 20:15. Darin geht’s um fünf Paare, die alle ein Restaurant eröffnen, mit Kohle von Vox, und dann über den Verlauf der Folgen je nach Gutdünken der Jury (mit dem ubiquitären Tim Mälzer, natürlich) noch mehr Kohle kriegen oder auch nicht, damit sie das Personal oder Speisekartenupgrades bezahlen können oder was auch immer. Jedenfalls gewinnt am Ende nur eines der Restaurants, und der Rest muss dicht machen.

Warum erwähne ich das? Bin ich eine Programmzeitschrift?

Nein, aber einer der Läden, die Grinsekatze, liegt in München, fußläufig zu unserer Wohnung. Und wir waren dort am Sonntag mittagessen, aus Fernsehguckerneugier und weil es bei uns aus unerfindlichen Gründen an brauch- und bezahlbaren Restaurants fehlt.

Das war eine mild surreale Erfahrung, dem Personal stand die Nervösität in die Gesichter geschrieben und ein geieriges TV-Team* wuselte um die Tische, immer auf der Suche nach möglichst spektakulären O-Tönen und Bildern — wobei “spektakulär” wohl in erster Linie negativ gemeint war: Als eine Bedienung mal kurz über das Kassensystem maulte, kam der Redakteur angesprungen und meinte: “Okay, und jetzt sag noch mal in die Kamera wie scheiße du das findest und warum das total arbeitsverhindernd ist”. Die Bedienung wiegelte ab “Ich weiß ja, was das Problem ist, ist nicht so schlimm”, und erntete dafür einen vernichtenden Blick. Ähnliches passierte, als ein Kellner ein Glas zerbrach. Und dann nochmal, als wir unser Essen mit Verspätung bekamen — die Bedienung entschuldigte sich nett, der Redakteur unterbrach: “Stop! Jetzt komm noch mal rein und sag deutlich, wofür du dich entschuldigst.” Und dann, an uns gewandt: “So, wie lange haben sie jetzt warten müssen?”

Da war uns der Herr aber schon so unsympathisch, dass wir instinktiv und trotz fast 40 Minuten Wartezeit mit immer nörgeliger werdender Tochter freundlich lächelnd “ach, nur 20 Minuten, alles okay” sagten.

Ist schon irgendwie fies für die Restaurantbetreiber, das alles, aber hey, so ist das wohl — wer sich in die Fänge des Fernsehens begibt, muss deren Regeln mitspielen.

Und jetzt mal gucken, ob wir in der Folge vorkommen oder ob die uns rausgeschnitten haben, weil wir nicht böse genug waren.

* Am Rande: Unglaublich, wie klischeehaft das TV-Team zusammengesetzt war: Magerer Redakteur, Mitte 40, zerfurchtes Gesicht, Typ “vom Leben gezeichnet” plus kräftiger Kameramann mit Bart und Ich-war-schon-in-Indien-und-habe-alles-gesehen-Ausdruck plus jungspundiger, hübscher Ton-Assi mit arschritzezeigender Hiphopperhose und modisch verwuscheltem Haar. Die werden offenbar auch gecastet.

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