Managerkrisen und Krisenmanager

by Gunnar on 5. Dezember 2008 · 23 comments

Ich bin ja, ehrlich gesagt, bei all diesen Wirtschaftsthemen, mit denen man heutzutage als Zeitungsleser so konfrontiert wird, nur ein Laie. Das eine Semester VWL Grundkurs, das ich so um 1995 belegt habe, reißt da nicht viel raus. Daher möge man mir meine naiven Fragen verzeihen, aber:

Was genau macht die aktuellen Probleme der Autoindustrie so besonders, dass man gleich nach staatlicher Hilfe rufen darf, ohne als Abzocker angeprangert zu werden?

Ich sehe schon ein, dass das blöd ist, wenn man weniger Autos verkauft, die Preise durch den Boden schlagen und man obendrein in den Bilanzen kleinere strukturelle Ungeeimtheiten entdeckt.

Aber wie unterscheidet sich das, sagen wir, von der Verlagskrise? In den Medienhäusern gehen seit Jahren die Umsätze südwärts, weil das schöne alte Geschäftsmodell nicht mehr funktioniert und die Kunden sich erdreisten, einfach ihr Kaufverhalten zu ändern. Dazu kommen regelmäßige Paradigmenwechsel auf den Werbemärkten, ein gewaltiger und Ressourcen verschlingender Innovationsdruck durch das Internet und die Tatsache, dass uns China frech das Papier wegkauft. Aber hey, haben die Verlage nach Schutzschirmen, Staatsgarantien und Wagenladungen von Steuergeldern geschrien? Nein, denn den Verlagen ist, das merkt man auf jeder Podiumsdiskussion, irgendwie schon klar, dass diejenigen von ihnen, die ihre Ausrichtung zu langsam ändern, vom Zeitgeist hinweggefegt werden. Print ist ein Rückzugsgefecht, Online ein Minenfeld, Hoffnung blüht zumeist nur in den Nischen. Die Verlage haben das alles noch lange nicht im Griff und vielleicht schaffen sie’s auch nie, aber immerhin arbeiten sie aktiv an ihrem Überleben mit. Naja, jedenfalls einige.

Die Autoindustrie konnte doch durchaus erahnen, dass Benzin tendenziell teurer wird und die Konjunktur generell irgendwie zyklisch funktioniert — dennoch setzt man, auch und gerade in Deutschland, voll auf Spritverbrauch und immer mehr Elektro-Ausstattungsschnickschnack, der die Kisten anfälliger und teuer macht. Und die Tatsache, dass das ganze Ding mit dem Leasing konzeptionell auf Wachstum und steigende Preise ausgelegt ist und in Zeiten zurückgehender Kaufkraft oder steigender Kreditzinsen wie eine Splitterbombe auf die Bilanzen wirken kann, kann den Herren in den Chefetagen doch auch nicht total unbekannt gewesen sein.

Mir ist das alles rätselhaft.

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Christian Dezember 5, 2008 um 17:50

Besonders schön ist dann, wenn man – wie ich – in einer Agentur arbeitet, die sich bedingungslos an einen der großen nahezu insolventen Autobauer gekettet hat und darin den Heilsbringer schlechthin gesehen hat. Ohne sich groß um andere Geschäftsfelder oder neue, potentere Kunden zu bemühen.
Tja, nun wurde bei uns also gkürzt und ich darf mir ab Februar was anderes suchen. Toll.

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Merian Dezember 5, 2008 um 18:36

In der Autoindustrie arbeiten einfach mehr Menschen und ergo sitzen bei Firmeninsolvenzen mehr Leute auf der Straße. Nur so erklärt sich mir das Klopfen an den Toren der Regierungen.

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Konrad Erben Dezember 5, 2008 um 18:48

Als BWL’er sag ich mal folgendes:
Die Autoindustrie ist einfach zu groß um sie pleitegehen zu lassen, durch all die Zulieferer und die Zulieferer der Zulieferer würde eine Dominoreaktion ausgelöst gegen die die Pleite von Lehman Brothers wie ein (man verzeihe mir den Ausdruck) warmer Pups aussieht.

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Michael Dezember 5, 2008 um 18:57

als VWLer sage ich dazu:

Man sollte ihnen nicht helfen. Das wissen die Autobauer. Hier geht es nur um den Wahlkampf und da sind die Arbeiter bei Autobauern und Zulieferen wichtige Stimmen.

Opel könnte man mit einer Bürgschaft vorrübergehend helfen, die kriegen hauptsächlich Turbulenzen wegen ihrem Mutterkonzern. Opel darf aber kein Geld bekommen, das geht direkt an GM. Bürgschaften bei Banken helfen da mehr.

Der REst der Zulieferer darf kein Geld bekommen. Wohin soll das führen?

Morgen steht dann die nächste Branche bei der Kanzlerin auf der Schwelle und verlangt: “Gebt uns Geld! Wir haben über Jahre riesige Überkapazitäten angehäuft und jeden Trend verschlafen.”

So sieht es leider aus. Die deutschen (naja, eigentlich auch die restlichen europäischen) Autobauer haben einfach gewaltige Überkapazitäten, sprich zu viele Arbeitskräfte und Produktionsstätten. Das wissen die Autobauer. DAs wissen die Zulieferer. Das wissen die Politiker.

Naja, aber es wird wieder darauf hinlaufen, dass Gewinne mal wieder von der Solidargemeinschaft aufgefangen werden müssen…

Und von den Folgen für die Realwirtschaft: MUMPITZ. Die Deutschen hören von heute auf morgen nicht auf Autos zu kaufen. Die nächsten Jahren werden halt was schwerer, es gibt mehr Arbeitslose und der ein oder andere Konzern geht pleite. That’s the way it goes. Da hilft es auch nichts, die STaatsverschuldung höher zu treiben indem man noch schnell ein paar Milliarden an Steuergeldern in den Wind bläst.

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Kasimir Dezember 5, 2008 um 19:08

@Michael:
Das ist tatsächlich ganz klassische VWL-Logik, die du da bringst.
Naja, gehen halt ein paar Konzerne ein, muss auch, denn der Markt reguliert sich ja schließlich selbst, nicht wahr?
Nichts reguliert sich da von selbst. Siehe Finanzkrise. Der ganze Schrott ist unter großen Getöse in sich zusammengefallen. Wenn der Staat mit seinen Bürgschaften jetzt fehlte, würde es sehr viel wahrscheinlicher werden, dass eine Weltwirtschaftskrise Millionen von Menschen arbeitslos macht.
Sieht für mich schwer danach aus, als wäre es fatal, wenn der Staat sich raushielte. Der Markt frisst alles.

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Konrad Dezember 5, 2008 um 20:50

@Michael
Du hast mit den Überkapazitäten völlig Recht, nur übersiehst du das die Autoindustrie keine kleine Branche ist und wenn der Riese umfällt werden eine Menge Zwerge mit erdrückt.

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Dago Dezember 5, 2008 um 21:49

@Kasimir: Du darfst dabei aber nicht vergessen, dass der Staat bereits vorher ohne Ende in den Markt eingegriffen hat und damit auch die Finanzkrise selbst zu verantworten hat. In einer reinen Marktwirtschaft wäre es gar nicht soweit gekommen – soweit die Sicht eines BWLers. (auch wenn ich VWL so gar net abkann, hat Michael folglich recht :) )

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einkay Dezember 5, 2008 um 21:58

Das Problem ist doch: Selbst wenn jetzt wieder geholfen wird – der nächste CEO wird dann wieder nicht von Gewinnmaximierungen um jeden Preis abgehalten – bis die Opel-Bank dann anfängt totsichere Immobilien-Zertifikate aus der USA zu kaufen oder mit Leerverkäufen an der Börse zu spekulieren. So lange die Unternehmen jede krumme Nummer fahren, um noch mehr rauszuholen und sich vor absehbaren Entwicklungen verschließen, müssen sie auch die Konsequenzen tragen, wenn es in die Hose geht. Geht also Opel morgen vor die Hunde ist das sicherlich ein Drama für alle Beteiligten aber genau so werden dann die belohnt, die ihre Produktpaletten frühzeitig angepasste haben und marktgerechte Autos auch für Krisen im Angebot haben – auch wenn die dann leider von Toyota gebaut werden. Schöne kleine Geschichte: Ich wollte vor 2 Jahren mir einen Ersatz für mein 5 Jahre altes Auto kaufen. Hauptpunkt: Bei gleicher Größe sollte es einfach nur weniger verbrauchen – nach 5 Jahren Fortschritt dachte ich, naiv wie ich bin, dürfte das ja wohl kein Akt sein. Aber es war nicht möglich: Es gab keinen Benziner-Kombi der weniger verbauchte als mein 5 Jahre alter Wagen und das am ganzen Markt und quer durch alle Marken in diesem Preissegment. Unglaublich.

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Player1 Dezember 5, 2008 um 23:28

Der Grund ist ganz einfach: Ich lebe auftragsmäßig weitgehend direkt von der Autoindustrie (hat sich so ergeben), da ist dann selbstredend jede Subvention gerechtfertigt, egal in welcher Höhe.

Ich plädiere, wenn man schon dabei ist, dann außerdem noch für ein Gesetz, das den Herstellern vorschreibt, monatlich neue Modelle vorzustellen. Für die zugehörige Werbung sind dann keine Filmaufnahmen oder Fotos mehr erlaubt, jegliche Marketingbildmaterial muss ab dann zwingend per 3D-Grafik erzeugt werden. Sieht inzwischen ja oft ohnehin schöner aus. Haben also alle was davon. ;-)

Ansonsten stimme ich aber einfach dem Vorkommentator Nr.3 zu. Die Autoindustrie ist, ob man das nun besonders toll findet oder nicht, viel zu wichtig. Nicht nur im Hinblick auf die bekannten Konzerne und direkte Teilezulieferer. Auch große Teile des Maschinen- und Anlagenbaus, eines der wenigen Industriefelder, in denen Deutschland führend ist, hängen ziemlich direkt an den Autoherstellern und deren Lieferanten.

Nach Branchenschätzung hängt angeblich mittelbar jeder dritte Arbeitsplatz am Auto. Und selbst wenn es tatsächlich nur die Hälfte wäre, hinge der deutsche Arbeitsmarkt immer noch am Auto wie ein Junkie an der Nadel.

Das muss man nicht mögen, innerhalb von ein paar Jahren ändern lässt es sich aber sicher nicht.

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Marjan Dezember 6, 2008 um 00:08

mich wundert in erster linie, daß jetzt plötzlich kein mensch mehr autos kauft. gerade in deutschland hat die finanzkrise den mittelstand doch gar nicht erreicht (oder irre ich mich?), massenpanik scheint auch nicht ausgebrochen zu sein.

persönlich denke ich allerdings, daß bei staatlicher hilfsaktion auf kosten der steuerzahler (und wenn’s nur bürgschaften sind) für den staat am ende auch was rausspringen soll. egal ob es nun kontrolle über gehälter, köpfe, gremien etc. oder direkt geld ist, mein gerechtigkeitsempfinden sieht dazu keine alternative.

im übrigen noch sinngemäß ein spruch von Dieter Nuhr: wenn man zur bank geht und einen kredit über 4.000 € haben möchte, scheißen die sich ein. wenn man einen kredit über 400.000.000 € aufnehmen möchte, bieten sie einem einen kaffee und stuhl an.
oder vom report mainz: in den letzten tagen hat sich eine neue währungseinheit entwickelt. die milliarde.

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Michael Dezember 6, 2008 um 00:38

@Kasimir: Was wäre die Alternative? Milliarden in den Markt pumpen? Verpufft! Konjunkturprogramm wirken erst in mehreren Jahren, wenn sie denn wirken.

Dann lieber das Geld sparen und bei Arbeitslosigkeit damit die Sozialkassen auffüllen. Ist meiner Meinung nach vernünftiger als den Staat weiter in die Krise zu fahren.

Ne Wirtschaftskrise geht irgendwann vorbei. Es werden Leute arbeitslos, dafür gibt es Sozialsysteme.

Ein Staatsbankrott ist da VIEL schlimmer. Dann gibt es nämlich auch kein Geld mehr vom Staat.

Abwarten und Tee trinken.

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Der mit dem Gnu im Schuh Dezember 6, 2008 um 00:39

Deutschland war ja ein paar mal Exportweltmeister. Da fragte ich mich damals, was “wir” also exportieren. Der größte Anteil davon: Autos (danach Chemie/Pharma).

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Michael Dezember 6, 2008 um 00:40

NACHTRAG:

Auch wenn viele Arbeitsplätze am Auto hängen: Die Leute kaufen noch Autos. Ist ja nicht so dass jetzt auf einmal alle Autokonzerne und Zulieferer gleichzeitig morgen früh 2 Millionen Leute vo rdie Tür setzen.

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Niklas Dezember 6, 2008 um 10:24

@michael: du behauptest “Die Deutschen hören von heute auf morgen nicht auf Autos zu kaufen.” – doch. genau das tun sie.

es geht um neuwagen und da gibt es nun mal kaum zeitdruck. “ob ich den alten nun noch 6 monate länger fahr? mal sehen, in der zeitung steht ja, dass ich arm bin…”

die 6 monate sind für den einzelnen ein klacks und für die autoindustrie eine katastrophe.

und dieses ganze gewäsch mit trends verschlafen: hand aufs herz wir alle würden uns schon nen SUV oder zumindest ein GROSSES auto kaufen, wenn wir die kohle übrig hätten. sprit ist auch gerade günstig. die medien schreiben halt mal gerade kleinwagen chick. ich erinner mal an den lupo – der wurde eingestellt, vor vielen jahren.

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Niklas Dezember 6, 2008 um 10:27

@gunnar: eure 20 “3redakteure/6praktikanten” redaktionen sind einfach komplett wumpe für die wirtschaftliche entwicklung. da muss kein landstrich geschlossen werden, da muss noch nicht mal der kiosk um die ecke zu machen… :)

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Maulwurf Dezember 6, 2008 um 11:05

Warum die Verleger nicht nach dem Staat rufen? Das hat bestimmt auch mit der (propagierten) Staatsferne der Verlage und der Unabhängigkeit der Medien zu tun.
Außerdem: Was tut man, um Kosten zu sparen? Richtig, Leute rausschmeißen. Das tun die Verlage gerade fleißig, damit die Rendite nicht angetastet werden muss. Klar drückt das auch auf die Qualität, aber bei den Medien merkt das (fast) keiner. Wenn mein Auto klappert und auseinanderfällt, merk ich das sofort.

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Gunnar Dezember 6, 2008 um 12:42

@niklas:

verlage, druckereien, papierfabriken, presswerke, speditionen, das ganze grossosystem — da hängen schon einige arbeitsplätze dran.

aber nun ja, verglichen mit der autoindustrie ist das nix.

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HilkMAN Dezember 6, 2008 um 21:12

@:

Äh nein, ein großes Auto würde ich mir sicherlich nicht kaufen, wenn ich Geld hätte. Das bitte ich nicht zu verallgemeinern. Ich mag nicht typisch sein, aber das kann ich ja durchaus mal aussprechen. Und “die Autoindustrie” mit “Gunnars Verlag” vergleichen zu wollen, ist ja auch ein bisschen gewagt – ich würde dann doch lieber ohne eine Autoindustrie weiterleben als ohne ein Verlagswesen.

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Rüdiger Dezember 7, 2008 um 10:08

Gunnar, die Verlage rufen sehr wohl nach dem Staat. Nicht in der direkten “Hasse ma ne Millarde”-Art der Autobauer, wenn ich mich aber richtig entsinne, wurde in den vergangenen Monaten und Jahren unter anderem gefordert/vorgeschlagen,
- die Mehrwertsteuer für Printerzeugnisse zu senken oder gleich ganz abzuschaffen,
- Tageszeitungen zum schützenswerten Kulturgut zu erklären und notfalls zu subventionieren und
- mit staatlicher Unterstützung eine Werbekampagne zugunsten der Tagespresse zu starten (wenn mich nicht alles täuscht, wurde das auch umgesetzt).
Und das sind nur die Beispiele, die mir auf Anhieb einfallen, da gab’s vermutlich noch weit mehr.

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Nülls Dezember 7, 2008 um 14:35

Die momentane Wirtschaftslogik ist keine, sondern eine reine Ideologie. Und Ideologien ist gemein, dass sie irgendwann mit der harten Wahrheit konfrontiert werden.

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Gunnar Dezember 7, 2008 um 15:09

@Rüdiger: Das mit der Mehrwertsteuer kommt erst jetzt, nach fünf Jahren Krise, und auch nur, weil ein Medienmanager, der sein Haus nicht in Ordnung hat, denkt, er könne auf einen aktuellen Trend aufspringen.

Das zählt noch nicht ;-)

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Thomas W. Dezember 7, 2008 um 15:33

Tatsächlich ist die letzte Wirtschaftsblase mitsamt daraus resultierender Krise offensichtlich hauptsächlich durch die Krisenbekämpfung nach der Internetblase verursacht worden: Der amerikanische Staat hat damals Unsummen billigen Geldes (niedrigste Zinsen) in den Markt gedrückt und damit sowohl den Konsum (billige Verschuldung, niedrige Sparquote in den USA) als auch die irre Immobilienentwicklung angeheizt.
Warum man nach dem Platzen der Kapitalblase jetzt wieder wie irre Geld nachschießt und somit die nächste Fehlentwicklung erzeugt, ist mir schleierhaft. Zumal die heutige Krise ja nichts weiter als der Ausgleich, die überfällige Korrektur für den Irrsinn der letzten Jahre war: Man hat praktisch vorher insbesondere in den USA, GB und Spanien auf Kosten von morgen (also nun “heute”) gelebt. Das hohe Wirtschaftswachstum in diesen Wundernationen war letztlich Hokuspokus, vorgezogen auf Kosten der Zukunft. Und jetzt ist Zahltag. Pumpt man nun wieder neues Geld rein, so muss dennoch irgendwann jemand dafür zahlen. Dies ist so, als wenn der Nachbar bei gleichem Job sein Haus ausbaut, ständig neuere und größere Autos in der Garage stehen hat und die eigene Frau ständig darauf verweist, wie toll doch dieser Nachbar ist und warum man selbst nur leicht renovieren kann. Doch irgendwann ist Schluss, denn der Nachbar hatte den Luxus nur auf Pump finanziert. Dann klingelt dieser Nachbar bei einem und bittet um weiteres Geld, damit er seinen Konsum fortsetzen kann. Würde man ihm dieses Geld geben? Wie gesagt, irgendwann muss man für alles zahlen… Aber das will wohl in der Politik derzeit niemand hören. Wie geht es eigentlich dem Holzmann-Konzern? Die damalige Sanierung hat über 2 Milliarden Euro gekostet, das Unternehmen ist mittlerweile wohl liquidiert.

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C's kleiner Bruder Dezember 10, 2008 um 10:15

Das Problem ist (meiner subjektiven Meinung nach, bin seit 3 Jahren in der Branche tätig), dass der Druck auf den Staat immens groß ist, da eine unglaublich große Anzahl von Arbeitsplätzen an den OEM’s (Original Equipment Manufacturer = Autobauer) hängen, die so genannten Tear one, Tear two, … supplier (Zulieferer, Zulieferer der Zulieferer etc.). Und damit hängen eben auch diverse Gewerkschaften (Bspw. IG Metall) drin, die vermutlich mächtiger sind, als man sich eingestehen will. Und bevor die sagen: “Ok, lassen wir Opel pleite gehen” friert eher die Hölle zu. Fakt ist auch, dass es bisher schon Entlassungen in den Zehntausenden gab, die aber gewissermaßen “untergegangen” sind. Z.B. bei BMW: 5500! (3500 Zeitarbeiter, 2000 durch Abfindungen).
Hier ein Beispiel für die Abhängigkeiten von nur einem durchschnittlichen Werk:
http://www.ku-eichstaett.de/Fakultaeten/MGF/Geographie/tourismus/kompetenzforum/Kompetenzforum%202008/HF_sections/content/Kleinhenz3.pdf

In USA um Detroit herum sind bisher 50 000 Menschen Arbeitslos geworden, dort gibt es mittlerweile zig-tausende Häuser für unter 1000$ zu kaufen, weil die Menschen nichts mehr haben. Und dabei ist NOCH gar keiner der US-Autobauer pleite!
In allen deutschen Häfen gibt es keinen m² Platz mehr, weil jegliche Stellmöglichkeit mit Autos belegt ist, die auf Käufer warten. Ich denke nicht, dass der Höhepunkt der Krise bisher auch nur abschätzbar ist.
Letztendlich ist die Frage doch, ist es für den Staat besser, jetzt Milliarden zu investieren, die Krise ohne große Verluste zu überstehen, oder soll er abwarten um im nachhinein Milliarden zahlen zu müssen, für all die “Opfer” der Krise, die dann nur noch mit Hilfe des Sozialstaates überleben können.
Sicher sind zum großen Teil Management-fehler die Ursache, aber letztlich richten sich die OEM’s auch großteils nach der Nachfrage. Und wieviel Audi A2′s, Smarts, Lupos, etc. Autos fahren in Deutschland herum?! Und dass die Konsumenten bei täglich neuen Hiobsbotschaften und “allen geht es schlecht” Nachrichten erstmal ihr Geld bei sich behalten, finde ich auch nicht weiter verwunderlich, entschärft die Krise aber keinesfalls.
Ich bin sicherlich kein Wirtschaftsexperte, aber ich denke wie in den meisten Fällen, kann man das nicht einfach schwarz-weiß sehen. Sicherlich gibt es einige schuldige Manager, aber sollen deswegen die kleinen Leute zu opfern werden? Wenn ich es entscheiden müsste, ich wüsste um ehrlich zu sein nicht, was ich tun soll.

Aber solange ich bei Jobsuchen im I-net noch 32000 offene Stellen für Ingenieure finde, mache ich mir zumindest um meine Zukunft keine Sorgen. :-)

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