Das Phänomen Basicthinking

by Gunnar on 17. Januar 2009 · 4 comments

Jaja, ich weiß, dass meinen Stammlesern die Heißluftbewegungen der Blogosphäre am Arsche vorbeygehen. Muss trotzdem rasch was zur Causa Basicthinking.de loswerden, okay?

Also: Basicthinking ist/war das Blog von Robert Basic (42, gebürtiger Kroate), einem Ex-Mitarbeiter der Deutschen Bank, der seit Jahren nebenher ein bisschen berät und hauptberuflich bloggt . Zum Thema IT hauptsächlich und das mit viel Fleiß — fünf, sechs, sieben (oft längere) Einträge pro Tag waren keine Seltenheit. Da machte es dann auch nichts, dass Grammatik und Rechtschreibung eher hilflos waren, bei Basic bekam man immer jeden Trend und jeden Hype mit. Wer des Englischen mächtig ist, hätte auch einfach Engadget oder Techcrunch lesen können, aber die sind nicht so nett persönlich.

Jener Herr Basic also entschloss sich neulich, sein Blog aus persönlichen Gründen zum Verkauf anzubieten (Kaliban berichtete) und es brach ein Sturm los — weil jeder Zeitungleser das Wort “Blog” kennt, aber kaum jemand eines mit Namen kennt geschweige denn liest, stilisierte die Mainstreampresse Basic zum deutschen Proto-Blogger hoch (“Alpha-Geek” nennt ihn SpOn; “Top-Blogger” fällt 3Sat als Titel ein) und berichtete flächendeckend über den anstehenden Verkauf.

Doch es gibt ja nicht nur die Mainstream-Medien; natürlich kochte die Sache auch in der Blogosphäre hoch: Robert hatte angegeben, mit dem Blog im letzten Jahr 37.000 Euro Umsatz gemacht zu haben (was ich nur schwer glauben kann, aber egal) und die üblichen Ventilatoren überschlugen sich mit Vermutungen über den möglichen Käufer und in welcher Weise das Blog fortzuführen sei. Ohne Robert Basic, was zumindest schwierig sein sollte, war der Mann doch bislang der einzige Autor. Ein Satz, der so oder ähnlich immer wieder fiel, war: “Bei entsprechender Vermarktung sollten sich die Werbeeinnahmen leicht verdoppeln lassen.” —- Äh, bitte?

Keine Ahnung, in welchem Markt sich die Leute bewegen, aber in dem, den ich kenne, schlittern die TKPs südwärts.

Eine Verdoppelung der Einnahmen, die mal lässig vorausgesetzt wird, ist in der richtigen Welt schwer bis unmöglich — wir sprechen hier über ein Blog, dem naturgemäß einige der übleren Sperenzchen, die Portale heutzutage machen, um die TKPs zu halten, verwehrt bleiben — keine redaktionelle Einbettung, keine Gigantobanner, keine Popups/-unders etc. — ich hielte es für sensationell, wenn sich für ein Blog mit Layout und Konzept von Basicthinking drei Werbeformen zu je 3 Euro TKP verkaufen ließen, womit BT bei Vollauslastung unter den 37K wäre, die Robert derzeit zu erlösen behauptet. Meines Erachtens lief da ordentlich Gefälligkeitswerbung. Die nach einem Verkauf natürlich erstmal weg ist.

Das Problem bei Blogs ist nun mal dasselbe wie bei allen deutschsprachigen Content-Sites — wenn man’s gut machen will, ist der Aufwand ist eigentlich zu hoch für den zu erzielenden Ertrag.

Daher wundert es mich auch nicht, dass BT nicht von jemandem gekauft wurde, der da ein Geschäftsmodell gesehen hat, sondern von jemandem, der vom Hype profitieren will: 46.902 Euro zahlte eine Hostingfirma (aus ihrem PR-Etat) und verspricht, das Blog “im Sinne von Robert” weiter zu führen.

Stolzer Preis für eine Content-Webseite dieser Größe, aber letztendlich Kleingeld für jemanden, der nur vom Hype profitieren und mithilfe der derzeit überall verblasenen Heißluft ein Produkt lancieren möchte.

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