Ungeordnete Gedanken zur Hessenwahl

by Gunnar on 18. Januar 2009 · 26 comments

(c) Mathias Richel, BerlinDie SPD stürzt ab: So sehr ich der windigen Ypsilanti-Mannschaft in Hessen alles Schlechte wünsche, der harmlose Herr Schäfer-Gümbel tut mir doch ein bisschen leid (obwohl er als Ypsilanti-Vertrauter gilt). Naja, offenbar ist der 20 bis 25-Prozent-Korridor jetzt die Flughöhe der SPD, auch für andere Wahlen im Superwahljahr 2009. Wenn’s nicht noch schlimmer wird. Am Rande: Hätte es nicht vielleicht geholfen, wenn die Frau Y. VOR der Wahl zurückgetreten wäre, anstatt erst jetzt?

CDU stagniert: Die Tatsache, dass die CDU nicht viel zugewonnen hat, obwohl sie quasi ohne Konkurrenz antreten durfte, könnte immerhin ein mildes Anzeichen dafür sein, dass sogar die veränderungsunwilligen Hessen die Verbrechertruppe um Herrn Koch im Grunde satt haben. Vielleicht.

FDP mit fetten Gewinnen: Offenbar belohnen die FDP-Wähler die Tatsache, dass sich ihre Partei der Ampel verweigert hat, mit Liebe und Prozenten. Absurd eigentlich, denn wofür sind kleine Parteien da, wenn nicht dafür, mit einer gewissen moralischen Flexibilität Unregierbarkeit vermeiden zu helfen. Erstaunlich auch, dass es überhaupt noch Leute mit ihrem Gewissen vereinbaren können, FDP zu wählen, wo doch in den letzten Monaten die Finanzkrise das ganze neoliberale Weltbild in Fetzen gerissen hat — ich erinnere nur an Klassiker wie “Wir glauben an die Selbstregulierung der Märkte” und “Ein Zuviel an staatlicher Kontrolle hemmt das Unternehmertum”.

Grüne mit fetten Gewinnen: Offenbar belohnen die grünen Wähler die Tatsache, dass sich ihre Partei der Jamaika-Koalition verweigert hat, mit Liebe und Prozenten. Absurd eigentlich, denn wofür sind kleine Parteien da, wenn nicht dafür, mit einer gewissen moralischen Flexibilität Unregierbarkeit vermeiden zu helfen. Erstaunlich aber, dass die Grünen für ihre bedingungslose Hingabe an eine rot-rot-grüne Regierung, die ja immerhin die betonlinken Lafontainer einschließt (eigentlich keine Partei, mit der die vorstädtischen Food-Coop-Akademiker was anfangen können), nicht auch ein bisschen bestraft worden sind. Aber irgendwo müssen die ehemaligen SPD-Wähler ja hin. Und offenbar ist der Kernklientel der Grünen tatsächlich alles egal, Hauptsache, der Koch verschwindet. Das ist ja immerhin ein Standpunkt.

Linke unverändert: Erstaunlich, trotz einer Reihe von Skandälchen in der hessischen Linken hält sich die Partei auf der 5-Prozent-Grenze. Waren also doch nicht nur Protestwähler beim letzten Mal. Und vielleicht hat ihnen die Finanzkrise ein paar Wähler in die Netze geschwemmt, wäre ja keine Überraschung.

Soweit, so schrecklich. Kaum nötig zu erwähnen, dass die Wahlbeteiligung wohl auf ein Rekordtief zuläuft. Immerhin gibt es jetzt eine Regierung, keine ästhetisch oder inhaltlich ansprechende zwar, aber man muss ja heutzutage in der Demokratie schon mit wenig zufrieden sein.

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