840 Minuten Solitaire

by Gunnar on 6. Februar 2009 · 15 comments

Kleine Bitte: Kann mal jemand die Geschichte Schneit es draußen noch? lesen, die vorgestern im NZZ Folio erschienen ist?

Da geht es um einen computerspielsüchtigen Menschen, dem der Autor (der preisgekrönte Journalist Daniel Ryser) folgendes zuschreibt: Er spielt ordentlich “World of Warcraft”, so richtig mit Gilde und so. Er spielt ausführlich “Warhammer 40K”, womit wohl “Dawn of War” gemeint ist. Er ist nebenbei Fußballreporter, weil er mit EAs “Fussball Manager” alle Spielernamen und Fachbegriffe gelernt hat. Er hat einen Job, wenn auch nur Teilzeit. Er hat eine Freundin und auch Freunde. Er berichtet, dass er schon mal 72 Stunden am Stück spielt. Er erzählt, er habe mal alle Spiele auf seinem Rechner gelöscht und sei dann 14 Stunden am Stück auf “Solitaire für Windows” hängen geblieben.

Bin das nur ich, der ich überall Unkorrektheit wittere, wenn über Spiele geschrieben wird — oder klingt das nicht ein bisschen arg übertrieben? Klingt das nicht, als hätte der Autor zwei, drei, vier Leute und ein bisschen was Irgendwogehörtes zu einer Person destilliert? Und überhaupt, 72 Stunden am Stück? 14 Stunden Solitaire? Wer überlebt denn sowas?

Ist auch sonst eine komische Geschichte. Meinungen, anyone?

Dark EldarP.S. Das Bild zum Artikel ist aus dem Menü von Dawn of War: Soul Storm, zeigt einen Dark Eldar und ist sehr verwegen mit “Die Konsole macht’s möglich, ein anderer zu sein: Monstertöter, Weltenretter, Superheld – wie in Warhammer 40 000″ unterschrieben. Wobei Dawn of War nun nicht auf Konsolen läuft und vor allem kein MMO ist, bei dem man eine Rolle spielt. Aber ach, geschenkt.

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Nils B. Februar 6, 2009 um 17:59

Wenn man sich nur etwas mit Videospielen auskennt sollte man um alles was in den Mainstreammedien darüber geschrieben wird einen großen Bogen machen. Man wird sonst beim Gedanken an die Recherchequalität von Themen, mit denen man sich nicht auskennt, sehr depressiv.

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Flo_the_G Februar 6, 2009 um 18:01

Also ich bekomme schon nach 10 Minuten Solitär Augenkrebs…

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Petra Februar 6, 2009 um 18:27

Äh… Also ich kenne einen Spielesüchtigen, der hat _keine_ Freundin und seine Freunde hören zwischendurch dann mal wochenlang nix von ihm, wenn er wieder abgesackt ist. Seinen Job schafft er aber.

72 Stunden am Stück geht ja schon in Richtung Weltrekord… Besonders unglaubwürdig finde ich die 14 Stunden Solitair – das macht doch niemand, der sonst anspruchsvolle Spiele spielt, oder? Für mich klingt es auch so, als hätte Dein Autor da ein paar Infos einfach zusammengeworfen. Ich habe die Geschichte aber auch nicht gelesen.

Wer Englisch kann, sollte lieber bei YouTube “The Guild” von und mit Felicia Day gucken – sie sagt von sich selbst, spielesüchtig gewesen zu sein und die Serie ist sehr gut produziert und sehr lustig. :-)

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Toast Februar 6, 2009 um 18:45

” Zwerge und Orks gehe und um Kampfroboter, die so gross seien wie Häuser”
Also schon da hab ich den Eindruck, dass dort mehrere Leute in einen Topf geworfen werden, um die pöhsen Spiele zu verdammen.
Zelda, Vorläufer von Chaträumen.
Maximale Punktzahl in Final Fantasy.
Ehrlich, das klingt, als hätte jemand sämtliche Dokus zum Thema Spielesucht mitsamt einem Stichwortfilter durch einen automatischen Textverarbeiter geschickt. Faktisch mangelhaft, von der Schreibweise recht schweinejournalistisch boulevardisierend. Traurig, die NZZ kenne ich sonst eigentlich anders.

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Stefan Februar 6, 2009 um 19:40

Es scheint, als gehören Überspitzungen und Vermengungen von unterschiedlichen Tatsachen inzwischen zum journalistischen Standard. Solche eher unglaubwürdigen Geschichten finden sich ja nicht nur in der Spiele-Branche wieder. Da sich aber unser “Killerspiele-”Klientel in dieser Sparte ausnehmend gut auskennt, fallen hier die Sorglosigkeiten und Fehlinformationen besonders auf.

Für mich hat sich durch die bekannten einseitigen Berichterstattungen über die Spielebranche die Meinung verfestigt, dass man im allgemeinen journalistische Publikationen vorsichtig interpretieren sollte, da man in anderen Bereichen in der Regel nicht über dieses elementare Hintergrundwissen verfügt. Wer kann schon erahnen, ob in anderen Ressorts nicht ebenso schlampig publiziert wird?

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Ellenn Februar 6, 2009 um 20:50

Also auf so Spielen wie “Tetris”, “Dr. Mario” oder “Puzzle Bobble” kann ich schon mal locker 3-4 Stunden hängenbleiben, obwohl ich auch wesentlich anspruchsvolleres spiele.

Und das vor ein paar Wochen hier verlinkte “99 Bricks” hat mich unzählige Lebensstunden gekostet.

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Player1 Februar 7, 2009 um 02:44

Ich kann – obwohl sicher kein Hardcore Gamer (mehr) – vieles, das von den unzähligen Ahnungslosen zusammenfantasiert wird, schon lange nicht mehr ernst nehmen. Und mich entsprechend auch nicht mehr allzu sehr darüber aufregen.

Die aus völliger Ignoranz geborene Genaralablehnung von Computerspielen bei weiten Teilen unserer (vor allem älteren) Mitbürger mit all ihren seltsamen Reportagen, Studien, Aufrufen usw. wird sich in nicht allzu langer Zeit von selbst erledigt haben, nicht anders als das beim Kino oder Fernsehen der Fall war. Was dann – und zwar besser früher als später – aber folgen sollte, ist eine differenzierte Debatte über das Medium und die Qualität einzelner Spiele. Denn ebenso wie Computerspiele kein Teufelszeug sind, ist – auch das analog zu Film & Fernsehen – nicht alles was Computerspiel heißt, automatisch eine gute Sache.

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Phil Februar 7, 2009 um 11:47

Viel schlimmer vinde ich: “Bis heute hat er über dreihundert verschiedene Spiele gespielt, über zehntausend Franken in Spiele investiert und Tausende Stunden vergeudet. ”
Denn wir wissen doch: Zeit, die man mit dem Zocken verbringt ist verschwendete Zeit. -.-

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henk Februar 7, 2009 um 16:44

ach, naja… ich habe es ehrlich gesagt nicht geschafft den Artikel zu ende zu lesen. Wenn Blödheit weh tun würde, müsste der Autor des Artikels nur noch schreiend durch die Gegend rennen… ach..

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Tulio Februar 7, 2009 um 20:11

Wie es wirklich war:

“Ich habe es in meiner Verzweiflung einmal sogar geschafft 14 – VIERZEHN – Minuten am Stück Solitaire zu spielen”.

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David Februar 8, 2009 um 02:54

Traurig, die NZZ kenne ich sonst eigentlich anders.

Kennen wir auch sämtliche Medien nicht eigentlich anders, wenns gerade um Computerspiele geht?

Lustig finde ich gleich am Anfang über dem eigentlichen Artikel den Link “Leserbriefe schreiben”. Die rechnen anscheinend schon damit, dass man als Einzelperson Beschwerdebriefe der Menge X in mehrstelliger Höhe schreiben wird.

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Alex Februar 8, 2009 um 16:52

Das wirklich, wirklich Traurige daran ist doch im Grunde nur, dass man nicht mehr davon überrascht sein sollte…

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C's kleiner Bruder Februar 9, 2009 um 10:08

… <— Das sagt eigentlich alles!

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Gnaur Februar 11, 2009 um 20:39

Hatte in letzter Zeit Gelegenheit, die Schweizer ein bißchen besser kennen zu lernen, gut genug um zu verstehen, dass ich ihren Humor nicht verstehe, der aus tiefem, plakativ humorlosen Ernst gekoppelt mit gelegentlich Absurditätsspitzen und einer offensichtlich völlig anderen Wahrnehmung und Bewertung der Realität zu bestehen scheint.

Anders gesagt: ich halte den Artikel für eine schweizer Variante von Satire. Nah genug an der Realität um glaubhaft zu erscheinen und auch echte Probleme aufzuzeigen, aber absurd genug um sie wieder in Frage und zur Disposition zu stellen.

Ansonsten: bei Solitaire verliere ich immer.

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Merian Februar 18, 2009 um 11:29

Hab mal ~23 Stunden am Stück Deus Ex 2 gedaddelt. War dann durch und hatte tagelang Rückenschmerzen. Von daher – 72 Stunden -ähm.

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