Auf der Spur des Schwätzers

3. Februar 2009

in Medienmissbrauch

Auf der Spur des Schwätzers

Eigentlich hätte ich es besser wissen müssen, aber ohne Risiko für die eigene Unversehrtheit machen Experimente nun mal keinen Spaß.

Aber immer langsam. Also. Ich war früher mal großer Fan der Werke von Wolfgang E. Hohlbein, auch die deutsche Fantasy-Allzweckwaffe genannt. “Früher” meint so um 1988 herum — das war eine Zeit, in der alle Welt um mich herum mit Geschmacksverwirrungen zu kämpfen hatte, was mein Vergehen ein wenig relativieren mag. Obwohl mein Freund Niklas versuchte, mich zu kurieren, hörte ich erst nach gut 25 Hohlbein-Büchern im Regal auf. Und das auch nur, weil mir der Autor auf einer Podiumsdiskussion (war das in Hamburg? Auf einem Rollenspiel-Con?) ausgesprochen unsympathisch war. Im Nachhinein fielen mir dann doch noch ein paar stilistische Unzulänglichkeiten, eine gewisse Leblosigkeit der Charaktere und eine Neigung zur Wiederholung von ganzen Textpassagen auf.

hexerSoweit meine Erinnerung. Jetzt das Experiment — todesmutig kaufte ich neulich im (übrigens großartig sortierten) Schmorl & von Seefeld in Hannover ein hohlbein’sches Hörbuch (siehe Bild) für die gewagte Summe von Sechseurofünfundneuzig. Zusammen mit drei anderen Hörwerken, um vor der Verkäuferin nicht wie ein alternder Bettnässer dazustehen. Und dann habe ich es mir angehört, bis zur Hälfte ungefähr. Obwohl es sogar mit Musik unterlegt ist! Und der Autor selber liest!

Und das Fazit? Naja, wie erwartet: Nach schwach zehn Minuten begann ich leicht aus den Ohren zu bluten, nach einer Viertelstunde fielen mir die Augenbrauen aus, nach einer halben Stunde hatte ich Schwierigkeiten, mich an die Namen meiner Brüder zu erinnern. Mir heute unerklärlich, wie ich dieses umständliche, geschwätzige, sich ewig wiederholende Zeug gut finden konnte. Karl May ist Hochliteratur dagegen. Bei Hohlbein stand und steht das Adjektiv, im Journalismus Prügelknabe und Armendroge, in hoher Achtung — Treppenstufen knarren nicht, sie “knarren hörbar”, Tränen sind immer “heiße Tränen”, die Dunkelheit hat stets Augen, die “unsichtbar”, aber auch “gierig” sind. Et cetera.

Und jetzt sitze ich da mit meinem hochwertigen Halbgehörtbuch. Hm. Ich wage kaum zu fragen, aber — will es vielleicht jemand haben? Jemand von Ihnen, geschätzte Mitlesende?

Ich würde es verschenken, frei und franko. An denjenigen, der mir innert zweier Wochen in die Kommentare dieses Beitrags die überzeugendste Begründung schreibt, warum er dieses Hörbuch haben muss. “Der Hohlbein schreibt super, und Sie sind ein arroganter Fatzke, Herr Kaliban” zählt genauso wie “Meine Schwester hat mir Übles angetan, ich will dies Hörbuch nachts leise vor ihrem Zimmer abspielen, um ihre Träume zu vergiften.”

Und ich lege auch noch was Nettes in das Päcklein, versprochen.

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Einer muss es ja nehmen | kaliban
19. Februar 2009 um 08:26
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1 Frau F. 17. Februar 2009 um 18:56

Auch ich vote für Nr. 17.

Für den Fall, dass Nr. 17 aus irgendwelchen Gründen disqualifiziert werden muss, hier der wahnsinnig überzeugende Grund dafür, das Hörbuch mir zukommen zu lassen:

Mein Mann hat Hohlbein früher (als Jugendlicher… das sagen sie alle…) geliebt und bereits das von mir für ihn (aus Spass) gekaufte Hohlbein-Hörbuch “Intruder – der Albtraum beginnt…” rigoros abgelehnt.
Das Hörbuch wäre für mich also die ideale Möglichkeit, ihn erneut aufzuziehen – ohne dafür zu bezahlen!

P.S.: Um ganz ehrlich zu sein, auch ich habe Hohlbein gelesen – nicht viel, aber gern… früher… ich würde heute auch nicht mehr Hanni & Nanni lesen – obwohl…
Notiz an mich selbst: Muss Keller durchsuchen. Gibts da eigentlich auch Hörbücher?

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