Eine halbe Stunde in der Hölle

by Gunnar on 20. Februar 2009 · 12 comments

Neulich sagte dieser Analyst, man müsse die Emerging Markets beachten, dürfe aber die Mature Markets nicht vernachlässigen. Und Go-to-Market sei wichtig und Verticals auch, und die Economies of Scale sollten die Companies beachten, und der Bedarf nach Business Intelligence bliebe sicher stabil, und Digital Marketing sei weiterhin im Kommen und biete viele Opportunities.

Er sprach in schneidigem Offizierston, der Powerpointpräsentation halb zugewandt und las immer das Schlüsselwort von der Leinwand ab, um es in einen nachlässigen deutschen Halbsatz einzubinden. Immer deutsche Satzstruktur, deutsches Hilfsverb, deutsche Artikel, englisches Hauptwort.

Nach fünf Minuten explodierten die ersten Synapsen in meinem Hirn, nach 10 Minuten wurden meine Haare weiß, nach 15 Minuten hatte ich den Vornamen meiner Tochter vergessen, nach 20 Minuten setzte Schnappatmung ein, um die 25. Minute herum habe ich mir im Delir ein Ohr abgerissen. Den Rest weiß ich nicht mehr.

{ 12 comments… read them below or add one }

Kelloggs Februar 20, 2009 um 08:27

Hört sich nach einer gemütlichen Runde Bullshit-Bingo an und erinnert mich schmerzhaft an die zuletzt durchlittene Business Intelligence Vorlesung.

Antworten

Silencer Februar 20, 2009 um 08:42

Warum musst Du Dich denn mit solchen Leuten abgeben?

Antworten

Merian Februar 20, 2009 um 09:10

Ich sollte deinen Blog nicht mehr auf der Arbeit lesen. Meine Kollegen werfen schon seltsame Blicke zu mir herüber weil ich so lache. Ich weiß, sollte eigentlich Mitleid mit dir haben. Aber dafür schreibst du einfach zu unterhaltsam, das lässt alles vergessen.

Antworten

Toast Februar 20, 2009 um 11:00

Manager-Sprachvergewaltigung und journalistisches Feingefühl für Sprache ist eben schwer zu vereinbaren. Mein Beileid. Ich werde in meinem Leben versuchen, jeden Kontakt mit durch BWL abgehobenen Vorher-Menschen zu vermeiden. -_-

Antworten

Marjan Februar 20, 2009 um 12:36

aah, dieser wohltuende und -dosierte hass in deinem blog ist einfach eine wohltat. in die hölle mit denen, die’s verdienen! genauso grandios dein twitter-eintrag: Leute, die “Herausforderung” sagen, wenn sie “Problem” meinen, gehören in den Neunten Kreis der Hölle verbracht.

Antworten

Carsten Februar 20, 2009 um 13:48

Merian, Du hast mir aus der Seele geschreiben ;-)

Antworten

Jens Scholz Februar 20, 2009 um 18:07

Wir können hier also einen klassischen Talk-Action-Gap verorten.

Antworten

Matthias Februar 20, 2009 um 18:16

Das hört sich ja fast so an wie….
http://www.youtube.com/watch?v=1mu4sfNbt3I
;-)

Antworten

Mr. GG Februar 20, 2009 um 20:39

hey, wenn man die target group reachen will, dann muss einfach der business case und die timelime approved werden, ansonsten könnte man das commitment, das zur growth der cash cow beiträgt, nicht penetraten. ohne powerpoint, das man in einem offside-meeting und etlichen jour fix gesigned hat, läuft der workflow einfach nicht. völlig klar, so ist das eben in der new media, sagt mir immer unsere professional-consultant-business-web 2.0-internet-creative-agency für office-solution-management-tools!

Antworten

Norathia Februar 20, 2009 um 21:17

Deswegen immer ‘nen Flachmann in der Tasche haben. Erst leer trinken in einem Zug, dann als Wurfgeschoss verwenden. Beruhigt Seele und Geist.

Antworten

foxi Februar 21, 2009 um 02:19

Der Anlass heiligt die Videos: >> http://www.youtube.com/watch?v=uqHd_Y3LOc0 <<

Antworten

Player Februar 22, 2009 um 01:34

Das Beruhigende daran: Mit einer Wahrscheinlichkeit von ca. 110,142% hatte das Männchen nicht einen Deut mehr Ahnung von alledem als seine Zuhörer.

Antworten

Leave a Comment

Previous post:

Next post: