Kurz was zur Lage der Nation

by Gunnar on 9. Februar 2009 · 10 comments

michael glosOkay, Wirtschaftsminister Michael Glos ist also quasi weg. Auf eigenen Wunsch und vor der Zeit. Schon komisch, ich hätte doch gedacht, ein Ministeramt sei eine Ehre und eine Berufung, etwas, was man mit voller Kraft und ganzem Herzen im Dienste des Vaterlandes ausfüllt. Nichts, was man einfach aus Genervtheit weg-oskart. Oder zu dem man sich zwingen lassen muss. Gibt ja auch nicht allzu viele Politiker, die man nicht mit einem Rollkommando aus ihren Büros holen muss, wenn die Zeit abgelaufen ist. Aber nunja, Glos war nicht eben erfolgreich und hatte in der eigenen Partei nicht mehr viele Freunde — die Seehofer-CSU hat, so hört man, wohl alles getan, um ihren eigenen Berlin-Entsandten zu diskreditieren und zu frustrieren. Medien sprechen von einem “zerrütteten Verhältnis” zwischen Glos und Seehofer. Insofern kommt der Glos’sche Rücktritt für Beobachter der königlich-bayrischen Politik nicht so wahnsinnig überraschend.

Nachfolger wird der absurd benamste Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Wilhelm(*) Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, landläufig und in Zeitungsschlagzeilen einfach “zu Guttenberg” genannt. Der ist jung, gut angezogen, adelig und gilt als ganz patent. Aber da er aus Franken kommt und mit Glos einen Franken ersetzt, liegt der Verdacht nahe, dass auch in diesem Fall die CSU-Granden mal wieder weniger auf Eignung und Neigung als vielmehr auf Landsmannschaft gesetzt haben.

Wiewohl es nachgerade bizarr wäre, wenn man in Zeiten der Wirtschaftskrise eine so zentrale nationale Position nach regionaler Herkunft besetzt hätte.

Aber so ist das in Bayern.

P.S. Aber ich bin ja durchaus gespannt, wie sich einer wie Guttenberg auf einem richtigen Posten außerhalb der heimischen Lande schlägt, bislang hat der ja einen allzu glatten Lebenslauf: Reich geboren, Abi, Wehrdienst, Jurastudium, nebenbei schon in der Familienfirma unterwegs, nach Abschluss dann Geschäftsführer in der Guttenberg GmbH, adelige Heirat, zwei Kinder, nebenbei ein bisschen Parteikarriere, Bundestag mit einem sicheren Mandat, Generalsekretär und jetzt, ziemlich plötzlich, Wirtschaftsminister. Wow.

{ 9 comments… read them below or add one }

müllerhansi Februar 9, 2009 um 10:45

Nach der nächsten Bundestagswahl stellt die FDP:
- den Papst
- die Bundeskanzlerin
- das kombinierte Wirtschafts-, Finanz-, Bank-, Geld- und Rentenlotterie-Ministerium. Außerdem das Partyministerium (Wowereit).

Wer von der CSU will da noch für die paar Monate den Kopf hinhalten?

Antworten

Sebi_313 Februar 9, 2009 um 12:57

weg-OSKERT :-D

der war gut *thumbs up*

Antworten

Marjan Februar 9, 2009 um 15:03

Gunnar, du hast noch ein Wilhelm zwischen Philipp und Franz vergessen, ordnung muß sein. ;)

Antworten

Gunnar Februar 9, 2009 um 15:10

Grmpf.

Antworten

Player1 Februar 9, 2009 um 16:58

Was auch immer in den letzten Wochen konkret vorgefallen sein mag, mich wundert ehrlich gesagt, dass der Mann überhaupt fast 3 1/2 Jahre durchgehalten hat. Wenn ich mich recht erinnere, war er ja ehedem eh schon nur als Notnagel für den lieber in Bayern bleibenden Stoiber eingesprungen, der wegen der Großen Koalition sein angedachtes Superduperspezialwirtschaftsministerium nicht so bekommen hätte, wie gewünscht.

Gelästert und gestichelt wurde über den Müllermeister als Wirtschaftsminister jedenfalls aus allen Richtungen seit dem ersten Tage seiner Amtszeit. Wobei ich mir nicht sicher bin, ob die lieben lästernden Politikerkollegen (mutmaßlich vor allem Juristen oder ähnliches) selber auch nur einen Deut kompetenter gewesen wären.

Wie auch immer, Guttenberg ist mir bisher zwar erst in zwei, drei Interviews begegnet, machte dort immerhin den Eindruck, ein heller Kopf mit Fähigkeit zum Selberdenken zu sein. Was ja schon mal nicht verkehrt ist – wenn ich auch höchstens 0,3 Promille seiner politischen Ansichten teilen dürfte.

Nebenbei: Ein Glück, dass die Haderthauer nicht mehr CSU-Generalsekretärin ist. Oder Söder. Sonst wäre einer von denen womöglich noch Wirtschaftsminister(in) geworden.

Antworten

Marjan Februar 9, 2009 um 22:44

in der sekunde Ullrich Deppendorf, kommentar in den tagesthemen: “Michael Glos hat den christlich-sozialen Lafontaine gemacht.”

sehr schöne vorarbeit, Herr Kaliban!

Antworten

N. Februar 10, 2009 um 21:16
Niklas Februar 11, 2009 um 00:17

Der “Wilhelm” ist erfunden. Siehe Bildblog!
Gruß,
Niklas

Antworten

Gunnar Februar 11, 2009 um 08:33

Argh. Marjan! Rechtfertige Dich!

Antworten

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: