März 2009

Krisensichere Geschäftsmodelle

by Gunnar on 31. März 2009 · 3 comments

Einerseits ist es ja beruhigend zu sehen, dass es auch Firmen gibt, die, urks, in der Krise prosperieren. Anderseits ist das eine mild unappetitliche Art, Werbung zu machen.

wolhans plakat[Gesehen in München, Leuchtenbergring, März 2009]

Nordic Walking und schiefe Becken

by Gunnar on 30. März 2009 · 21 comments

Gestern, im Café saßen am Nebentisch zwei Damen Ende 30. Bisschen graumausig, bisschen eso, dachte ich. So Typ Erzieherin mit heilpädagogischer Zusatzausbildung. Und lauschte indiskret ein bisschen ins Gespräch:

“Ja, der Fritz, den habe ich jetzt soweit, der geht auch zur Therapie. Männer haben es ja nicht so mit den alternativen Heilmethoden, aber er gibt schon zu, dass er sich jetzt besser fühlt. … Ich mach ja jetzt Nordic Walking, das finde ich besser als Joggen, da kann ich die Landschaft eher genießen, beim Joggen fehlt mir was für den Oberkörper. … Eigentlich mag ich ja morgens keinen Sport machen, das passt nicht zu meinem Biorhythmus. … Ja, das Heilfasten, das wollte ich auch mal ausprobieren, soll ja so befreiend sein. … Ja, mit dem Rücken, da habe ich ja immer Probleme. Vermutlich Beckenschiefstand, das haben die Stefanie und die Marie und die Elli auch. … Ich probiere da jetzt mal die Dorn-Therapie, das ist so eine sanfte Methode ohne OP, Chemie und so. Das passt gut zu mir.”

Und so weiter und so fort. Ununterbrochen. Nur Gesundheitsthemen mit Eso-Quatsch. Man kann beim Zuhören schon im Hintergrund das Klingeln der Heilpraktikerkassen wahrnehmen.

Kein Wunder, dass eine ganze Industrie existiert, deren einziger Lebenszweck es ist, diesen Typ Frau vom Geld zu trennen.

Wieder ist es Montag, wieder belästigt der Herr Kaliban seine jugendlichen Leser mit Altherrenmusik und den dazugehörigen absurden Bildern. Leute, die nach 1990 geboren sind, sollten vielleicht beim Hören der Musik die Augen schließen und das Video ignorieren. Ahem. 80er-gestählte Veteranen dürfen hinschauen.


[Peter Murphy: Cuts you up]

Sonntagslinks

by Gunnar on 29. März 2009 · 3 comments

ARTIKEL: 30 brauchbare Hausfrauentricks. Ich hätte beispielsweise nicht gewusst, wie man Kaugummi aus der Frisur der Leute entfernt, denen man es eben da reingeschmiert hat. ###

ARTIKEL: Gestohlene Ideen in der Science Fiction. Unübersichtlicher Beitrag, aber ziemlich interessant. ###

ARTIKEL: Der Guardian zeichnet das Twitter-Phänomen nach, aus ziemlich britischer Sicht. ###

ARTIKEL: Münchens teuerste Wohnung — 20.000 Euro (pro Quadratmeter). ###

BERICHT: Das Ende der Schlacht DFB gegen Jens Weinreich. ###

BERICHT: Ein Chat mit einem (entwaffnend ehrlichen) Scammer. ###

BERICHT: Nicht nur Games, auch Gaming Blogs sind böse, böse, böse. ###

ARTIKEL: Die Welt durch die Augen von Flickr gesehen. ###

ARTIKEL: Futuro — oder: Was man 1968 in Sachen Architektur für Sci-Fi hielt. ###

ARTIKEL: Jens Berger über Zensur: Das schöne neue Netz. ###

VIDEO: Fonts were created by Man. They rebelled. They evolved. Battlestar Helvetica. ###

VIDEO: Dieser absurde Typ malt die Mona Lisa nach. Mit, uh, Burger-Fett. ###

VIDEO: D&D-Parodie: Der Magier, der Paladin und der andere Typ näheren sich der finsteren Festung Farador. ###

VIDEO: Bioshock in 60 Sekunden. Schnell, schnell, wir haben doch keine Zeit. ###

BILD: Aber ich, ich habe doch NEIN! gesagt. #Papst #Kondome #Sex ###

BILD: Erstaunlich, wie lange es Google nun doch schon gibt. ###

BILDER: 50 schöne Fotos mit Langzeitbelichtung. Sehenswert. ###

SITE: Mir bislang völlig entgangen: 3min, das hübsche Video-Portal der Telekom. Reinklickenswert. ###

SITE: Am Computer braun werden mit: Computertan. ###

SITE: Fuck my Life. Kleine Geschichten über unglückliche Begebenheiten. ###

Danke, ich nehm’ ihn gleich mit

by Gunnar on 28. März 2009 · 1 comment

Flohmarkt-Verschenkung. Gesehen in München-Haidhausen.

Flohmarkt-Verschenkung. Gesehen in München-Haidhausen.

Böse Killerspiele und billige PR-Tricks

by Gunnar on 27. März 2009 · 15 comments

Die kriselnde Konsumkette Kaufhof hat ja kürzlich publikumswirksam vorgelegt mit der Auslistung von potenziellen “Killerspielen”, da es war nur eine Frage der Zeit, bis Trittbrettfahrer folgen würden, die aus dem Thema auch ein bisschen PR-Profit schlagen wollen. Aktuelles Beispiel ist das ansonsten eher unbekannte Anzeigenportal Kalaydo, das sich in einer Pressemeldung ordentlich auf die Brust trommelt:

Köln, 27. März 2009 – Jugendschutz wird beim regionalen Online-Anzeigenportal kalaydo.de ernst genommen. Getreu den Qualitätsgrundsätzen von kalaydo.de erfolgt eine strenge Kontrolle der Kleinanzeigen, um die Sicherheit der Plattform zu erhalten. Ein Sicherheits-Team sichtet alle Anzeigen in der Rubrik „Kaufen und Verkaufen“ und prüft sie auf Verstöße gegen die Grundsätze von kalaydo.de. Anstößige oder jugendgefährdende Angebote werden sofort entfernt. In den Rubriken „Computer & Konsolen“ und „Filme & Musik“ wird zudem darauf geachtet, dass sich keine Angebote finden, die erst ab 18 Jahren zugelassen sind. So genannte „Killerspiele“, deren bedenkliche Wirkung auf Jugendliche nicht ausgeschlossen wird, gelangen so erst gar nicht auf die Plattform.

Die Anbiederei ist schon peinlich genug, noch weit peinlicher ist aber, dass die Pressemeldung mindestens fahrlässig falsch, wenn nicht gar eine kalkulierte Lüge ist — bei jeder von fünf Stichproben im Laufe des heutigen Tages fanden sich sowohl Spiele als auch Filme mit der USK/FSK-Einstufung “Ab 18 Jahren”. Beispiel gefällig?

Killerspiele bei Kalaydo. Screenshot vom 27.3.09, 14:30

----------Killerspiele bei Kalaydo. Screenshot vom 27.3.09, 14:30----------

Max Payne oben, Fallout 3 unten. QED. Fallout 3 steht übrigens schon seit dem 17.3., die Sammlung mit Max Payne seit dem 26.2. drin — offenbar wird da nicht nur nicht auf Jugendschutz kontrolliert, es verkauft sich auch noch nichts.

Außerdem ist es mir, da Kalaydo, abgesehen von dem mysteriösen “Sicherheitsteam”, nun auch wirklich gar keine Jugendschutzmechanismen anbietet, problemlos gelungen, ein eigenes “Ab 18″-Spiel nicht nur anzulegen, sondern gleich auch noch ein Video hinzuzufügen. Das wäre auf seriösen Plattformen wie eBay so nicht möglich.

Ich muss kotzen, ehrlich. Von Bigotterie bekomme ich immer Magenkrämpfe.

Franz Kafka International Airport, Prag

by Gunnar on 27. März 2009 · 1 comment

Komme gerade nicht zum Bloggen. Ideen verhanden, Lebenszeit nicht. Schnell ein Video als hingeworfener Happen, Zwischencontent sozusagen.

Fahrenheit 451 Remix 2009

by Gunnar on 25. März 2009 · 15 comments

“Es war eine Lust, Feuer zu legen.
Es war eine eigene Lust, zu sehen, wie etwas verzehrt wurde, wie es schwarz und zu etwas anderem wurde. Das gelbe Strahlrohr in der Hand, die Mündung dieser mächtigen Schlange, die ihr giftiges Kerosin in die Welt hinaus spie, fühlte er das Blut in seinen Schläfen pochen, und seine Hände waren die eines erstaunlichen Dirigenten, der eine Symphonie des Sengens und Brennens aufführte, um die kärglichen Reste der Videospielgeschichte vollends auszutilgen. Auf dem Kopf den Helm mit dem Zeichen 451, in den Augen einen flammenden Widerschein dessen, was nun kommen sollte, knipste er das Feuerzeug an, und das Haus flog auf in eine gierige Lohe, die sich rot und gelb und schwarz in den Abendhimmel hineinfraß. Er selber war umschwirrt wie von einem Schwarm von Leuchtkäfern. Ein altes Witzwort kam ihm in den Sinn, und er hätte am liebsten eine aufgespießte Wurst in die Feuersbrunst hineingehalten, während die Spielepackungen zischend und knisternd vor dem Haus den Flammentod starben. Während die Counter-Strikes und World of Warcrafts und Far Crys in Funkenwirbel aufsprühten und von einem brandgeschwärzten Wind verweht wurden.”

Und noch ein offener Brief

by Gunnar on 24. März 2009 · 8 comments

Liebe Politiker,

wir wenden uns nur ungern an Sie, bis zuletzt hatten wir gehofft, die aktuellen Stürme ohne Staatshilfe zu überstehen. Nun aber ist es soweit — der Druck der Krise ist unerträglich geworden.

Die Ego-Shooter-Verkäufe, stets ein sichere Säule unseres Geschäfts, brechen zusammen. Die Raubkopien nehmen zu, weil die Konsumenten in der Finanzkrise keine Vollpreisprodukte mehr kaufen wollen. Die Entwicklung neuer Brands ist risikoreich, die Ausbeutung bestehender Brands funktioniert zunehmend schlechter. Die Konkurrenz durch kostenlose Browserspiele wird stärker, wir stehen unter enormem Innovationsdruck.

In diesen Zeiten werden unsere Bilanzen über Gebühr durch überflüssiges Personal mit schlechter Ausbildung (PR, Marketing) und eingestellte Projekte belastet. Wir fordern daher, einen Bad Publisher zu gründen, der von uns Personal und schwierige Projekte übernimmt.

Blut und Morde,

die Spiele-Publisher

Essen wie Herr Kaliban

by Gunnar on 23. März 2009 · 10 comments

Ich bin kein besonders guter Koch, meist fehlt es mir an der Lust, etwas in Angriff zu nehmen, was zwischen jetzt und dem Ende des Hungers eine größere Zeitspanne als 15 Minuten ausbreitet. Meist improvisiere ich schnell irgendwas zusammen, je nachdem, was der Kühlschrank und die Speisekammer so hergeben: Aufläufe, Salate, Gemüsepfannen, derlei Dinge. Dabei gelingen mir selten Highlights, meist schmeckt es auch irgendwie improvisiert. Naja, die teuren Biozutaten müssen’s dann retten.

Anlass dieses Postings ist allerdings die Tatsache, dass mir eben ein schnell zusammengebauter Salat ziemlich gut gelungen ist. Dieser hier:

Feldsalat nach Herrn Kaliban

Packung Feldsalat
halbe Mango
drei Erdbeeren
Mini-Dose Mais
halbe Packung Patros-Feta
milde Chilischote

zwei Teelöffel Dijon-Senf
drei Teelöffel Sahnejoghurt
drei Teelöffel Balsamico-Essig
optional: zwei Teelöffel Kirschsaft

Den Feldsalat sorgfältig putzen, auch Stiele entfernen. Mango und Erdbeeren und Feta und Chili sehr, sehr klein schneiden. Beim Chili die Kerne entfernen, damit es nicht zu scharf wird. Das Ganze leicht pfeffern. Alles gut mit dem Mais vermengen.

Das Dressing (Senf, Essig, Joghurt, Saft) separat anrühren und erst kurz vor dem Servieren auf den Salat geben. Alles noch einmal gut vermengen.

Guten Appetit.

Ce parfum de nos années mortes

März 23, 2009

Guten Morgen, liebe Mitlesende. Herr Kaliban empfiehlt, eine potenziell anstrengende Woche mit schöner Musik zu beginnen. Das ist letzten Endes besser als Lichttherapie, Barbiturate oder Gummibärchen. [Noir Desir: Le Vent Nous Portera] Guten Morgen, liebe Mitlesende. Herr Kaliban empfiehlt, eine potenziell anstrengende Woche mit schöner Musik zu beginnen. Das ist letzten Endes besser als Lichttherapie, […]

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Sonntagslinks

März 22, 2009

VIDEO: Owow. Das Gerät brauche ich für meinen Partykeller. Will sagen bräuchte ich für meinen Partykeller, wenn ich denn einen Partykeller hätte. ### VIDEO: Die Geschichte des Internet, hübsch animiert. ### VIDEO: Absurder Unsinn mit Schafen, Hunden und ziemlich vielen LEDs. ### VIDEO: Eine Kritik am deutschen Journalismus am Beispiel von Winnenden. Das Thema wird […]

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