Amok, Winnenden und die Medien

by Gunnar on 11. März 2009 · 83 comments

Der Professor-Pfeiffer-Ehrenpreis in der Kategorie “Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden” geht an Süddeutsche.de, die es als erste Quelle geschafft hat, eine Querverbindung zu Computerspielen herzustellen:

Eine ehemalige Mitschülerin von Tim K., sagt hingegen unter Tränen: “Tim war schon immer sehr verschlossen. An den ist niemand rangekommen. Er hat immer nur so Ballerspiele gespielt.” [SZ]

Hat ein bisschen gedauert, aber hey, wir alle wussten doch, dass das kommen würde. Ist auch noch ein bisschen schwach, aber das kann man ausbauen.

Die beste Gelegenheit dazu hat heute abend Frank Plasberg, der sich beim ähnlich gelagerten Thema Emsdetten schon ordentlich den Ruf als seriöser Journalist ruiniert hat. Plasberg lädt denn auch natürlich Prof. Dr. Christian Pfeiffer zu Hart aber Fair ein, dazu Tom Westerholt, den Experten des WDR, der seinerzeit ausführlich im TV erklärt hat, wie man bei Counter-Strike die Waffen aus der gegnerischen Basis klaut. Vielleicht blenden sie auch noch, als Gegenpart, einen stammelnden 15jährigen ein.

*Seufz*.

Update: Das SZ-Zitat oben steht ein bisschen im Gegensatz zu dem, was die FAZ recherchiert hat. Aussagen aus dem Umfeld sind eben ein schwieriges Geschäft:
„Er war halt schlecht in der Schule“, versucht der 19-jährige Thomas eine Erklärung. Zumindest sei er in den vergangenen Jahren „mehr ein Einzelgänger geworden“. Sein wichtigstes Hobby jedoch habe er nie aufgegeben: „Tischtennis war seine Leidenschaft“, sagt Tomas. Mit Computern hatte er dagegen nicht viel am Hut. Für das Internet habe er sich auch nicht begeistert.“ [FAZ]

Update II:Weil ich diesen Beitrag jetzt zwei Tage alleine gelassen habe (war unterwegs), die Diskussion aber schon viel weiter ist, verweise ich auf die gewohnt saubere Arbeit der Kollegen von GameStar, die eine Presseschau und eine Faktensammlung online gestellt haben. Ich selber melde mich zu dem Thema im Laufe des Wochenendes noch einmal, denke ich. Generell finde ich aber, dass die Medien einigermaßen ausgewogen berichten. Mit Ausnahme der üblichen Verdächtigen, natürlich.

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