Der Professor-Pfeiffer-Ehrenpreis in der Kategorie “Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden” geht an Süddeutsche.de, die es als erste Quelle geschafft hat, eine Querverbindung zu Computerspielen herzustellen:
Eine ehemalige Mitschülerin von Tim K., sagt hingegen unter Tränen: “Tim war schon immer sehr verschlossen. An den ist niemand rangekommen. Er hat immer nur so Ballerspiele gespielt.” [SZ]
Hat ein bisschen gedauert, aber hey, wir alle wussten doch, dass das kommen würde. Ist auch noch ein bisschen schwach, aber das kann man ausbauen.
Die beste Gelegenheit dazu hat heute abend Frank Plasberg, der sich beim ähnlich gelagerten Thema Emsdetten schon ordentlich den Ruf als seriöser Journalist ruiniert hat. Plasberg lädt denn auch natürlich Prof. Dr. Christian Pfeiffer zu Hart aber Fair ein, dazu Tom Westerholt, den Experten des WDR, der seinerzeit ausführlich im TV erklärt hat, wie man bei Counter-Strike die Waffen aus der gegnerischen Basis klaut. Vielleicht blenden sie auch noch, als Gegenpart, einen stammelnden 15jährigen ein.
*Seufz*.
Update: Das SZ-Zitat oben steht ein bisschen im Gegensatz zu dem, was die FAZ recherchiert hat. Aussagen aus dem Umfeld sind eben ein schwieriges Geschäft:
„Er war halt schlecht in der Schule“, versucht der 19-jährige Thomas eine Erklärung. Zumindest sei er in den vergangenen Jahren „mehr ein Einzelgänger geworden“. Sein wichtigstes Hobby jedoch habe er nie aufgegeben: „Tischtennis war seine Leidenschaft“, sagt Tomas. Mit Computern hatte er dagegen nicht viel am Hut. Für das Internet habe er sich auch nicht begeistert.“ [FAZ]
Update II:Weil ich diesen Beitrag jetzt zwei Tage alleine gelassen habe (war unterwegs), die Diskussion aber schon viel weiter ist, verweise ich auf die gewohnt saubere Arbeit der Kollegen von GameStar, die eine Presseschau und eine Faktensammlung online gestellt haben. Ich selber melde mich zu dem Thema im Laufe des Wochenendes noch einmal, denke ich. Generell finde ich aber, dass die Medien einigermaßen ausgewogen berichten. Mit Ausnahme der üblichen Verdächtigen, natürlich.


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@Stephan :
Wir sollten schon bei der Wahrheit bleiben. Der Typ hat seinen Schulabschluss eben doch geschafft, dass dem nicht so sei saugst Du dir doch aus den Fingern. So etwas zu behaupten ist genauso daneben wie die ganze Killerspielhysterie. Und inwiefern er gemobbt wurde ist auch nocht nicht klar. Da sollten wir ersteinmal weitere polizeiliche Untersuchungen abwarten.
Es ist makaber, aber ich habe den Eindruck, dass manche Politiker schon jetzt überlegen, wie sich dieser Vorfall am besten für den Wahlkampf nutzen lässt.
Wurden eigentlich mittlerweile ALLE Reporter aus Köln abgezogen?
Es ist zum kotzen, da wo die Scheiße frischer ist tummeln sie sich wie die Fliegen. Das ist einfach nur Heuchelei.
Quelle: faz.net
“Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat ein Verbot besonders brutaler Computerspiele gefordert.”
*ironie on*
Man hat also einen Sündenbock gefunden. Der Herr findet bestimmt viele Wähler, wenn er “Killerspiele” abschafft. *ironie off*
Das Bild aus dem “Chat” ist übrigens ein Fake. Erschreckend, wenn auch alles andere als überraschend, das wirklich alle auf diesen Zug aufgesprungen sind…
Um die Betreiber des “Chats” zu zitieren:
“Scheinbar ist recherchieren heutzutage uncool. Schlimm genug, bei Wikipedia abzuschreiben, aber hier? Grundgütiger.”
Dabei verhindern Verbote doch alles Böse. In den USA gibt es keine Minderjährigen die Alkohol trinken, in Deutschland niemanden der kokst…
Wenn mit Schusswaffen in Deutschland Gewalt ausgeübt wird, dann handelt es sich in den meisten Fällen um nicht legale Apparate…Naja
Solche reflexartige Hysterie lenkt aber ungemein gut, vom eigentlichen Problem ab.
Ich war so frei in meinem Post andersrum zu denken…und wer die Illustration verwenden will…Bitte sehr Copyleft mit Urhebernennung ;)
Vielleicht sollten die auffällig vorgestapften Denkpfade mal verlassen werden und das undenkbare näher beleuchtet werden.
Kein Mensch hat Tim K. in Aktion gesehen… Diese Tat trägt die Handschrift eines Profikillers…
http://www.gerhard-wisnewski.de/Allgemein/Kriminalfaelle/Erfurt-Amok-Der-Dritte-Mann-Teil-1.html
http://www.gerhard-wisnewski.de/Allgemein/Kriminalfaelle/Erfurt-Amok-Der-Dritte-Mann-Teil-2.html
http://www.gerhard-wisnewski.de/Buch/Verschlusssache-Terror/Leseprobe.html
http://www.derwesten.de/nachrichten/games/2009/3/12/news-114192912/detail.html
hat mich sehr beeidruckt das unser lieber herr Pfeifer sich so radiakl gewandelt hat.
Bei allem Verständnis für die Posts gegen – in diesem Fall aber eigentlich bisher kaum erfolgte – Pauschalverurteilung von Computerspielen möchte ich doch mal trotzdem einen Gedanken in die Debatte werfen (die bisher mal wieder eigentlich keine ist):
Es gibt schon eine ziemlich deutliche zeitliche Korrelation zwischen der Zunahme und Heftigkeit von Amokläufen und der immer heftiger und häufiger werdenden Gewaltdarstellung in den Medien, was einen vielleicht doch zumindest stutzig machen sollte.
Mein Hoffnung wäre, dass Spieleproduzenten und -journalisten (ebenso natürlich Film- und Fernsehleute und jeder, den es sonst so angeht) erkennen, dass auch sie eine gewisses Maß an gesellschaftlicher Verantwortung tragen, und die Spirale in Sachen Gewaltdarstellung ein paar Drehungen zurücknähmen. Davon ginge die Welt nicht unter. Um mal ein spielefernes Beispiel zu nehmen: Wer braucht schon als Horrorfilme getarnte sadistische Folterorgien?
Schön wäre auch zu sehen, wenn wir Spieler mal wirklich über die Sinnhaftigkeit von Gewaltdarstellungen diskutieren würden, anstatt immer gleich reflexartig zu behaupten, das sei alles kein Problem. Das ist genauso belegt oder unbelegt wie das Gegenteil. Hier könnten vielleicht (hint, hint) Spielemagazine den ein oder anderen Beitrag leisten. Mit anderen Worten: Es wäre schön, wenn sich jeder mal kurz an die eigene Nase fassen könnte. Es hilft ja keinem, wenn jeder immer nur behauptet, irgendein Anderer sei aber noch viel mehr schuld.
Depressive blieben natürlich trotzdem depressiv, Labile trotzdem labil, Waffen gehören sicher eh nicht in die Nachttischschublade und Eltern haben auch Verantwortung. Alles richtig. Aber andererseits: Muss in Spielen meterhoch das Blut spritzen? Muss man Gegner in grafischer Perfektion mit Kettensägen zerlegen können? Müssen massenhaft Köpfe durch die Gegend rollen, um ein Spiel gut zu machen? Auch als erwachsener Spieler kann man sich das ja gelegentlich ruhig mal fragen.
Spaß gemacht haben Spiele jedenfalls auch schon bevor das möglich war, und hätte es derartiges nie gegeben, würde es wohl auch kaum jemand vermissen. Abgesehen vielleicht von den Pfeiffers dieser Welt, die dann keine ganz so einfachen Feinbilder mehr hätten.
Ich sehe diese “Korrelation” zwischen Mord und expliziter Gewaltdarstellung in den Medien also nicht so offensichtlich an. Weiterhin impliziert eine Korrelation in keinster Weise einen kausalen Zusammenhang. Diese Presse tut aber so, als sei das immer so. Für mich ist das daher ein Behauptung die erst einmal belegt sein möchte.
Wenn man schon den Begriff “Korrelation” bemüht, dann sollte man doch bitteschön auch das Vehikel betrachtet, in dem sie beobachtet wird: Medien. Wir stellen also fest dass die Medien eine Eskalierung von Gewalt, Mord und Totschlag andeuten und auch selbst zu immer weiter ausufernder Gewaltdarstellung neigen. Das eine bedingt offensichtlich das anderes, und: Ist die Presse auf einmal eine Abbildung der Realität? Sicherlich nicht.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1871/umfrage/opferzahl-bei-amoklaeufen-in-westlichen-demokratien-seit-1966/
Kein offensichtlicher kausaler Zusammenhang nach steigenden Jahreszahlen erkennbar, ergo “je höher das Jahr, desto schlimmer” stimmt nicht.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/2229/umfrage/mordopfer-in-deutschland-entwicklung-seit-1987/
Seit Jahren sinkt die Zahl der Mordopfer. Jeder einzelne ist noch zuviel.
Nur: Glaubt man bestimmten Medien, müsste es genau umgekehrt sein. Doom1 (nehme ich jetzt mal als legitimen Ahnen der Egoshooter) kam Ende 1993 auf den Markt. Würde ein kausaler Zusammenhang zwischen Egoshootern und der Bereitschaft zu morden bestehen, müssten die Mordopferzahlen aufgrund der immer weiter steigenden Verbreitung von Computern und Internetzugängen steigen. Insbesondere seit 2001, dem Jahr, in dem Counterstrike in die Läden kam.
http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1870/umfrage/herkunft-der-waffe-bei-amoklaeufen/
Hoppla. Ach ne, kömmer nich’ machen, is’ die Lobby zu groß…
Nur weil ich Splatter mag, soll ich (ein kleines bisschen) Mitschuld an solchen Attentaten haben ? Sehe ich gar nicht so ein. Klar kann man auch ein verdammt schönes Leben ohne solche Medien haben, aber hey, es macht Spass und ist imho relativ harmlos. Warum mir so etwas Spass macht hinterfarge ich natürlich, und ich denke ich weis es auch, aber weiter problematisieren muss man das meiner Meinung nach nicht.
Tjoah…. das Problem an der ganzen Diskussion um die “Schuld der Killerspiele(r)” ist, das es wahrscheinlich bei entsprechend labilen durchaus ein Mitauslöser für solch eine Tat sein kann, aber eben nicht muss. Es gibt genügend Menschen die Spiele mit gewaltorientiertem Hintergrund/Spielprinzip spielen und dadurch nicht beeinflusst werden. Und ich finde auch das die Differenzierung zwischen einem Spiel, in dem Waffengewalt zwar der Hauptaspekt des Spieles ist, aber nicht durch extreme Animationen unterstützt wird, und einem Spiel das wirklich gewaltverherrlichend ist (ich nenne hier mal exemplarisch solche Spiele wie Postal oder Manhunt (die in meinen Augen totaler Schund sind)) gestaltet sich oftmals deshalb schwierig, weil die Ansätze von Politik und Medien sowie den Spielern häufig weit auseinanderklaffen.
Jedenfalls, es ist nicht vollkommen zu widerlegen das manche Computerspiele sich auf die Bereitschaft eines Amokläufers auswirken können. Aber ich bezweifle sehr stark das darin ein Hauptmotiv zu sehen ist.
Ich hoffe das den Angehörigen und Bekannten geholfen wird, mit dieser Tragödie umzugehen. Ich hoffe auch das die Eltern des Jungen Hilfe bekommen und nicht plötzlich überall als Hauptschuldige gesehen werden.
Taluien
Es ist wohl kaum haltbar, Ego-Shooter als alleinige Tatmotivation darzustellen. Problematisch finde ich, wenn dann jedenfalls einige Spielefans in der Bemühung, ihr Hobby zu verteidigen ebenso unsachlich wie mancher dieser Kritiker argumentieren. Nur, weil man keine Kausalität zwischen Spielekonsum und Amoklauf feststellen kann, sollte das meines Erachtens nicht heissen, dass eine Korrelation zwischen Beidem damit thematisch unwesentlich (geworden) ist…
Ich halte es für durchaus möglich, dass ein psychisch kranker Mensch, der auch real ein Interesse an Waffen (entwickelt) hat, die virtuelle Realität, die Ereignisse oder (Inter-)Aktionsmöglichkeiten in einem solchen Spiel in anderem Kontext erlebt als der durchschnittliche Spieler, der real nie auch nur eine am Fenster sitzende Fliege mit der Tageszeitung zerdrücken würde – und der in der Beschäftigung mit Ego-Shootern womöglich keine andere, “überschaubare” Unterhaltung sieht als z.B. Musikhören, Bücherlesen oder Filmegucken.
Dass solche unterschiedlichen “Käuferschichten” auch eine kritische Selbstreflexion des Mediums PC-Spiele an sich anregen sollten, hielte ich für selbstverständlich. Aber da scheint es einigen, Verantwortlichen wie Spielern, einfacher, auf thematisch in die andere Richtung überreagierenden Kommentatoren wie z.B. Prof. Pfeifer rumzureiten.
Wobei mich Prof. Pfeiffer bei der “hart-aber-faier” Sendung extrem überrascht hat. Als Eingangsstatement nannte er auf die Frage nach den möglichen Gründen erstmal soziale Isolation, dann Mobbing, dann Mißerfolg und Depression, dann den Zugang zu Waffen. Als LETZTES und mit dem Zusatz “das KANN sein, ich will mich da nicht aus dem Fenster lehnen” nannte er den eventuellen Einfluss von Computerspielen. Normalerweise geifert der doch wie ein scharfgemachter Rottweiler im Zwinger los, sobald er die Chance hat gegen Spiele ins Feld zu ziehen. Vielleicht war das ja aber auch nur ein Pfeiffer-Bot oder Doppelgänger ;).
Was mich ein bisschen traurig macht dieser Tage: Der Amoklauf war keine 2 Stunden her und schon positioniert sich alle Interessenvertreter (Spieler, Schützen) massiv a la “Bitte nicht wieder uns die Schuld geben” – teilweise ohne überhaupt angegriffen worden zu sein. Das hilft weder den Opfern noch in Zukunft so etwas zu verhindern…ein Spiegelbild unserer egoistischen Gesellschaft. Und by the way: Die mediale Ausschlachtung dieses Amoklauf ist diesmal kaum zu ertragen.
@Markus,
dieses Mal hat Prof. Pfeife dem Vater des toten Amokläufers die Schuld in
die Schuhe geschoben, weil dieser ja ein Waffennarr sei und somit einen
negativen Einfluss auf seinen Sohn gehabt haben muss. Der Vater hat also versagt und diese Meinung wird von Boulevard-Zeitungen wie die Bild auch noch vertreten.
Ich persönlich fand die Sendung total sinnlos! Kurzfristig mal eine seltsam aussehende Psychologin eingeladen (die wahrscheinlich mal bei Prosieben “Look of Love” landen wird). Dann ein stotternder Schüler, der seine Argumente überhaupt gar nicht richtig formulieren und rüberbringen konnte und ein PC-Freak aus dem WDR, der dem hysterischen CDU-Politiker immer eine Angriffsfläche geboten hat.
Und zum Schluss hat der Moderator nochmal ein Zitat von Johannes Rau
eingeblendet, im Zusammenhang mit den anderen Amokläufen, dass man diese Tat nicht verstehen kann/wird.
Mit so einem Zitat zum Schluss einer Sendung, die 12 Stunden nach den
Ereignissen ausgestrahlt wurde, soll einem wohl deutlich gemacht werden,
wie sinnlos diese Sendung doch war, da es keine Informationen gab, die diesen
Amoklauf erklären und somit keine Diskussionsgrundlage?
Stattdessen hat Hart aber Fair schnell mal eine alte “Killerspieldiskussion”
aufgewärmt, mit zweifelhaften Gästen.
Ich werde diese Sendung in Zukunft meiden.
Ja wir wollen ja bloß nicht den Eltern die Schuld geben, wenn die ihr Kind nicht vernünftig erziehen und Schusswaffen frei zugänglich im Haus herumliegen lassen. Die Gesellschaft ist natürlich schuld, mit den übertriebenen Gewaltdarstellungen überall, denen man zu jedem Zeitpunkt seines Lebens ausgesetzt ist, und vor denen es absolut kein Entrinnen gibt. Wir Mitglieder der Gesellschaft sollten uns was schämen, die Schuld bei den Eltern zu suchen. Also wirklich.
Ich hatte mir geschworen, dass ich diesmal meinen Mund halte. Dass ich nicht wieder wütend werde über soviel Inkompetenz, die von denen, die von Computerspielen nun mal keinen blassen Schimmer haben und daher die erstbeste Antwort als Wahrheit annehmen, auch noch geglaubt wird. Habe da gesessen, mich mit anderen Dingen abgelenkt und wollte widerstehen.
Und dann saß ich doch wieder über zwei Stunden an einem Artikel und habe mir in meinem Blog den Frust von der Seele geschrieben. Obwohl es ein Kampf gegen Windmühlen ist. Aber auch Windmühlen müssten doch eigentlich mal Probleme kriegen, wenn der Wind zu kräftig bläst. Müssten sie nicht? Die können doch nicht immer wieder damit durchkommen.
Heute gesehen auf sueddeutsche.de: Ein Plakat von Schülern mit der entscheidenden Frage:
Was können ALLE besser machen?
Umrahmt von den Begriffen Schüler/Lehrer/Freunde/Medien und noch ein paar mehr, die im Bildausschnitt nicht zu sehen waren.
Mehr ist zu alledem nicht mehr zu sagen, außer vielleicht dass diese sehr zu recht gestellte Frage in relativ starkem Kontrast zum allgemein beliebten ‘Was können alle ANDEREN besser machen?’ steht…
@Sarah: Deine Sicht auf die Dinge ist gerechtfertigt. Natürlich wird man nie ganz ausschliessen können, dass Computerspiele Menschen beeinflussen. Genauso wenig wie man das bei allen anderen Medien ausschliessen kann, seien es Filme, Bücher, Musik … you name it. Eine kritische Reflexion von Computerspielen ist daher wünschenswert und wird auch betrieben: aber beinah nur von Spielerseite aus. Die Reaktion der Gegenseite sieht man dieser Tage wieder in Zeitungen, Nachrichten und Talkshows vertreten. Übertreibungen, Verallgemeinerungen und nicht selten schlichtweg Lügen. Ganz ehrlich: Die Spieler-Fraktion ist schon lange bereit zum Dialog.
Nur will das von den Killerspielhetzern niemand hören. Der Sündenbock, den sie sich jahrelang zusammen geschustert haben, soll bitte noch ein paar Jahre halten. Ein ernsthafter Dialog wäre dafür der Anfang vom Ende. Und das wissen sie. Es ist zu hoffen, dass sie das wissen. Mir ist es lieber, daran zu glauben, dass sie großen Teilen der Gesellschaft wirklich bewusst etwas vorlügen, als daran, dass sie das, was sie da erzählen, tatsächlich für die Wahrheit halten.
Das soll keine neue Schuldzuweisung werden, aber meiner Meinung nach ist die gesamte “Abendunterhaltung” derart verkommen, dass man genauso dort nach Ursachen forschen kann.
Nach der Überzeugung der Programmdirektoren bereitet dem Quotenvieh wohl nichts größeren Fernsehspaß, als in immer neuen Formaten die freiwillige Demütiging der Teilnehmer zu erleben. Dabei ist es egal, ob der Mist bei DSDS, Topmodel & Co. nur gestellt ist. Hauptsache für Schadenfreude ist gesorgt, wenn der böse Dieter mal wieder so richtig in Fahrt kommt…
@Banedon: Auch wenn ich mich ungern einer allgemeinen Medienschelte anschließen möchte, muss ich zustimmen. Neben der Schadenfreude in den von dir erwähnten Produktionen ist es aber noch ein weiterer Faktor, der meiner Ansicht nach gerade für Jugendliche ziemlich üble Auswirkungen haben kann:
Ich nenne es einfach mal Überdramatisierung: Jeder ach so kleine Furz wird als große Katastrophe und Drama von epischem Ausmaß hingestellt. Die Zahnspange sieht scheiße aus, alle sagen, ich sei zu dick, keiner mag mich. Viele Klamotten stehen mir nicht, und die Freundin hat gesagt, ich wirke unnatürlich. Große Katastrophe, dramatischer Soundtrack, alles scheiße, Welt im Arsch. Das Leben hat keinen Sinn mehr. Und im Extremfall nehm ich noch ein paar von den Ärschen mit, die mich immer geärgert haben.
Was meiner Meinung nach fehlt ist, die Sorgen junger Leute ernst zu nehmen, aber auch klar zu sagen, Junge, das ist kein unlösbares Problem, schauen wir mal, wie wir es angehen können. Und nicht diese ständige Überemotionalisierung. Die ich hier übrigens auch aus manchem Kommentar rauslese, wenn es um das geliebte Hobby Shooter geht. Wie Sarah weiter oben ja schon vernünftigerweise gesagt hat, tragen Shooter sicher nicht dazu bei, einen instabilen Charakter zum friedfertigen Gutmenschen zu machen. Das wird man ja auch mal erwähnen dürfen.
Ich schließe mich meinem Vorredner an. Uneingeschränkt.
Die Presse scheint es nun nach all den Jahren begriffen zu haben: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/0,1518,613181,00.html
Schön, dass endlich auch mal nachgedacht statt stigmatisiert wird. Aber woran liegt’s?
Hat heut abend eigentlich wer Galileo geschaut? Wo sie den Lehrer der beim Erfurt-Massaker dabei war erst auf die Games-Con in Leipzig geschleift haben und dann zu so-nem über-nerd der nur vorm PC hockt und sich über sinnlose Gewalt kringlig lacht? “Joa, die stehen halt da und ich kann mir überlegen wie ich die möglichst brutal umlege. Raketenwerfer, Molotov-Cocktail und HS mitm Gewehr, was immer ich will.” (sinngemäss) Welchen Azubi die da wohl gezwungen haben, den “Gamer” zu spielen…
Ich würd mich ja gar nicht mehr drüber aufregen, aber ich treff auf so viele Leute (vor allem ältere), die den Schund glauben.
@Ellenn
Tja da bin ich mit dem nicht vorhandenen Schulabschluß leider einer Zeitungsente aufgesessen. Habs dann auch gemerkt nachdem ich meinem Beitrag hier geschrieben hatte…
@Styg
Die rückläufige Opferzahl bei Amokläufen könnte auch mit der besseren, medizinischen Erstversorgung der Opfer seit damals zusammenhängen. In “Bowling Columbine” wurde das angesprochen. Auch wenn Michael Moore da viele Fakten zusammengeschustert hat, denk ich da ist was dran.
@Christopherus
Den hab ich auch gelesen. Ist für mich bisher der beste Artikel zu Winnenden bei SPON.
Vorweg ich spiele keine Egoshooter und hoffe, ich stelle mich durch die Schilderung meiner Schulerlebnisse hier nicht ins Abseits.
Mir ist kein Computerspiel bekannt, in dem man als Spielinhalt bzw. Spielziel Mobbing betreibt.
Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sich in einem Mobbingopfer viel Frust aufstaut und der Wunsch es den anderen heimzuzahlen. Gerade auf die stillen, schüchternen Jungen schießen sich oft gerade erst die Mädchen ein. In meiner Schulzeit ist mir genau das passiert. Ich kann mich noch gut an eine Schulstunde erinnern in der ich total niedergemacht wurde, wärend die Sozialkundelehrerin überfordert auf ihrem Stuhl hockt, nix dazu sagt oder tut, sondern nur im Geiste auf ihre Rente zu warten scheint. Einmal bin ich ausgeflippt und habe nen Mitschüler, der mich laufend piesackte und triezte angegriffen. Dabei hatte ich aus Reflex oder was weis ich auf einmal meine Bastelschere in der Hand, mit der ich ihn auch bedroht habe. Im nachhinein habe ich mich selbst über mich erschrocken, aber zumindest wurde ich danach viel weniger gemobbt und es ging mit mir auch wieder in den schulischen Leistungen aufwärts.
Computerspiele habe ich zu dem Zeitpunkt schon gespielt, müsste 4D Stunt Driving gewesen sein, ein Rennspiel in dem man Strecken selber erstellen konnte. Das brutalste zu der Zeit war wohl Wolfenstein 3D, was mich kaum interessiert hat.
Um den Bogen zurück zur derzeitigen “Abendunterhaltung” zu spannen, sehe ich dort vor allem eines. Menschen, die durch ihre Popularität eine Vorbildfunktion haben putzen, weil es anscheinend Quoten bringt, die Teilnehmer teils übel herunter. Sowas mag teilweise gefaked sein, aber welche Botschaft soll damit beim Zuschauer ankommen. Supermodel und DSDS sind die neue Familienunterhaltung, und wenn der Bohlen einen disst sehen das sehr interessiert auch 8′järige. Interaktiv seinen Star mobben kann man mittlerweile im Dschungelcamp (mir tat der Küblböck damals echt leid).
Was wenn die Schülerin, über die sich der Herr Raab vor einiger Zeit so exzessiv lustig gemacht hat, Amok gelaufen wäre?
Diese Belustigung auf Kosten anderer, auch wenn sie dies freiwillig mit sich machen lassen, sind für mich ein echter Missstand in der Gesellschaft.
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