Der Professor-Pfeiffer-Ehrenpreis in der Kategorie “Berichterstattung über den Amoklauf in Winnenden” geht an Süddeutsche.de, die es als erste Quelle geschafft hat, eine Querverbindung zu Computerspielen herzustellen:
Eine ehemalige Mitschülerin von Tim K., sagt hingegen unter Tränen: “Tim war schon immer sehr verschlossen. An den ist niemand rangekommen. Er hat immer nur so Ballerspiele gespielt.” [SZ]
Hat ein bisschen gedauert, aber hey, wir alle wussten doch, dass das kommen würde. Ist auch noch ein bisschen schwach, aber das kann man ausbauen.
Die beste Gelegenheit dazu hat heute abend Frank Plasberg, der sich beim ähnlich gelagerten Thema Emsdetten schon ordentlich den Ruf als seriöser Journalist ruiniert hat. Plasberg lädt denn auch natürlich Prof. Dr. Christian Pfeiffer zu Hart aber Fair ein, dazu Tom Westerholt, den Experten des WDR, der seinerzeit ausführlich im TV erklärt hat, wie man bei Counter-Strike die Waffen aus der gegnerischen Basis klaut. Vielleicht blenden sie auch noch, als Gegenpart, einen stammelnden 15jährigen ein.
*Seufz*.
Update: Das SZ-Zitat oben steht ein bisschen im Gegensatz zu dem, was die FAZ recherchiert hat. Aussagen aus dem Umfeld sind eben ein schwieriges Geschäft:
„Er war halt schlecht in der Schule“, versucht der 19-jährige Thomas eine Erklärung. Zumindest sei er in den vergangenen Jahren „mehr ein Einzelgänger geworden“. Sein wichtigstes Hobby jedoch habe er nie aufgegeben: „Tischtennis war seine Leidenschaft“, sagt Tomas. Mit Computern hatte er dagegen nicht viel am Hut. Für das Internet habe er sich auch nicht begeistert.“ [FAZ]
Update II:Weil ich diesen Beitrag jetzt zwei Tage alleine gelassen habe (war unterwegs), die Diskussion aber schon viel weiter ist, verweise ich auf die gewohnt saubere Arbeit der Kollegen von GameStar, die eine Presseschau und eine Faktensammlung online gestellt haben. Ich selber melde mich zu dem Thema im Laufe des Wochenendes noch einmal, denke ich. Generell finde ich aber, dass die Medien einigermaßen ausgewogen berichten. Mit Ausnahme der üblichen Verdächtigen, natürlich.

„mehr ein Einzelgänger geworden“. Sein wichtigstes Hobby jedoch habe er nie aufgegeben: „Tischtennis war seine Leidenschaft“, sagt Tomas. Mit Computern hatte er dagegen nicht viel am Hut. Für das Internet habe er sich auch nicht begeistert.“
FAZ:
http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~E8696575023CE43D9B3E3ABB794BC51B8~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Mal schauen, welche Aussage eher in den Medien aufgenommen wird..
Alles einfach zum heulen..
Das Klischee zu bedienen ist einfacher und zudem eine schnelle Erklärung. Die ‘Meute’ hat ihre Hexe die sie unbedingt verbrennen will, weil alle es so wollen. In der Haut des Eigentümers der Waffen möchte ich jetzt auch nicht stecken.
Das wird den trauernden Familien auch nicht helfen, außer ‘falsche’ Wut und Ablehnung schüren. Es sind Kinder ermordet worden, aufgrund dessen das ein anderes Kind sich nicht um sie geschoren hat. Wie kann man das erklären, wenn man den gestörten Kopf nicht befragen kann?
Endlich sagts mal einer. Kann ja nicht mehr lange dauern, bis jemand herausfindet, dass er auch Metal hört. Immerhin war er schwarz gekleidet.
Gut, dass die Erklärung für solche Taten immer so einfach ist. Ohne die Ballerspiele wäre er ja gar nicht auf die Idee gekommen, eine Waffe aus dem Schrank seiner Eltern mitzunehmen und ein bisschen “im RL zu zocken”.
Dass irgendetwas mit der Erziehung schief gelaufen ist kann zum Glück nicht sein, wäre ja viel zu weit hergeholt.
Don’t Panic!
Die alten Reflexe werden in den nächsten Tagen wieder in die Journalie und Politik zurückkehren, spätestens wenn bekannt wird, dass der Täter eine Videospielkonsole oder einen PC zu Hause stehen hatte. Dann ist der ursächliche Zusammenhang zu der Tat ja schon erbracht.
Wir können jetzt schon einmal vorsorglich die Köpfe einducken.
Jetzt springt auch die FAZ in einem Kommentar auf den Zug auf:
“Insbesondere mit Videospielen, die auf militärischen Schießsimulatoren beruhen (Ego-Shooter), würden Jugendliche wie Soldaten „zum Töten konditioniert“, hieß es in einer Studie aus dem Jahr 2000. (…)Aber bei einigen wenigen kann sich solches virtuelles Training mit anderen Faktoren zu realer Mord- und Rachelust verdichten: Ein schwaches Selbstbewusstsein, gepaart mit unerfülltem Geltungsbedürfnis, Kränkungen von Eltern und Klassenkameraden genügen schon.”
http://www.faz.net/s/RubAB001F8C99BB43319228DCC26EF52B47/Doc~E30408669021D48178F27640DBD6D335D~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Wahrscheinlich liest der Autor keine FAZ…
Auf RTL wurde auch lang und breit über die Waffenvernarrtheit undprivate Aggressivität berichtet um dann in den letzten 10 Sekunden des Berichts Counterstrike einzublenden und es als eine der Ursachen für den Amoklauf aufzuzeigen. Sowieso ist die Berichterstattung interressant: Wenn ich mich nicht täusche waren heute Morgen die Gesichter auf Spon noch nicht unkenntlich gemacht worden und es war auf einem Bild grinsende Schüler zu sehen, die noch nicht ganz realisiert hatten was gerade geschieht. Das gleiche Bild war nun auf RTL eingeblendet ( auch unkenntliche Gesichter) mit dem Kommentar, wie verängstigt die Schüler in den Klassen sind.
Ich hoffe dass ich Spon jetzt nicht unrecht tue, falls mir meine Erinnerung hier einen Streich spielt.
Ich bin von Beruf her Hüter von Recht und Ordnung und folglich ein Waffenträger. Darüber hinaus geselle ich mich öfters am Montag zu einer CoD4-Runde.
Wenn das Medien wüssten … ist ja nur ne Frage der Zeit bis ich zum Massaker Einladungen verschicke…
Naja. Ich bin ja der Meinung, dass man unter dem direkten Eindruck des Geschehens nicht in erster Linie an die Auswirkungen auf sein Hobby denken sollte.
Und irgendwie hat die Hart-aber-Fair Sendung heute abend auch was Positives: Es ist noch zu wenig über den Täter bekannt, als das sich Pfeiffer zu sehr aus dem Fenster lehnen kann. Ich habe daher die Hoffnung, dass Computerspiele nicht im Zentrum der heutigen Sendung stehen werden. Gäbe es die Sendung erst in 3-4 Tagen, wäre wahrscheinlich mehr über den Täter bekannt und die Diskussion könnte vieleicht anders verlaufen.
Und auch wenn man einer kausale Beziehung zwischen Computerspielen und Amokläufen widerspricht muss man doch zugeben, dass der typische Amokläufer nun mal eine Affinität zu Gewaltvideos, Waffen und Spielen entwickelt hat. Insofern ist es gar nicht so falsch, diese Dinge im Rahmen der Berichterstattung zu benennen.
Insgesamt finde ich auch, dass die Presse nicht mehr so schnell den Bogen zu Computerspielen spannt, wie noch vor ein paar Jahren. Inzwischen wird doch eher realistisch vom vereinsamten und frustrierten Verlierertypen gesprochen, der sich an der Welt für sein Leben rächen will.
@Stratis: die affinität zu gewaltvideos und videospielen wurde allerdings zum symptom und nicht zur ursache erklärt, was ein gewaltiger schritt weg von kriminalisierung von spielen ist.
@FAZ-artikel von johannes_mario_simmel: in dem artikel steht am ende auch, daß die gesellschaft hellsehen… äh, “hilferufe” als solche erkennen sollen. dabei wurde ausdrücklich gesagt, daß es keinerlei ankündigung oder auffälliges verhalten des schülers gegeben habe, auch seine eltern sind entsetzt. trotzdem geht’s in der presse los mit pauschalisierungen; von der SZ bin ich enttäuscht, die FAZ hat mich nur bestätigt.
in der pressekonferenz vorhin wurde die frage nach computerspielen seitens der reporter gestellt, der computer werde aber noch ausgewertet, weswegen man also noch keine schlüsse ziehen könne. die ganzen aussagen von mitschülern, die unter schock das private verhalten eines ihnen fremden einzelgängers bezeichnen, mag ich noch nicht ernst nehmen. und “hart aber fair” heute abend wird wohl das pfeiFFen im walde…
Herr Kaliban, lassen sie sich doch mal von einer solchen sendung einladen!
Ich möchte an dieser Stelle nur hinweisen auf:
http://www.faz.net/s/Rub475F682E3FC24868A8A5276D4FB916D7/Doc~E5FD5CF6127E94CEFB97D5EEE125AE74A~ATpl~Ecommon~Scontent.html
Mutmaßungen hin oder her, Fakt ist doch: Hätten die Amokläufer keinen Zugang zu Waffen, würden solche Dinge – zumindest in diesem Ausmaß – nicht passieren. Jeder kennt aus seiner eigenen Schulzeit die verschlossenen Einzelgänger, die bischen verschrobenen Typen, die halt mit dem Mainstream nicht so recht warm werden.
Ich möchte nicht behaupten, dass jeder Einzelgänger ein potentieller Amokläufer ist, aber dass solche Leute, die nicht akzeptiert werden, im Kopf das eine oder andere Szenario durchspielen, es den anderen mal so richtig zu zeigen, ist wohl wahrscheinlich. Meistens bleibt es im Kopf, aber manchmal halt nicht. Und wenn man dann im Wohnzimmer ne Knarre rumliegen hat, passieren solche Sachen.
Und so sehr ich Computergames liebe und so sehr das – wiederkehrende – lächerliche Counter-Strike-Argument nervt. Eines muss man auch mal akzeptieren: Auch wenn es keinen Kausalzusammenhang zwischen Jugendgewalt und Games gibt – zur größerer Friedfertigkeit tragen Shooter mit Sicherheit auch nicht bei. Man sollte den Entwicklern und Publishern mal die Frage stellen, ob die häufig praktizierten “Larger-than-life”-Gewaltdarstellungen in Spielen wirklich nötig sind. Beispiel: Age of Conan – nichts im Spiel ist fertig, aber die zig Splatter-Enthauptungsszenen waren natürlich implementiert. Kann sein, dass es an meinem fortschreitenden Alter liegt, aber wenn ich spiele passiert es immer öfter, dass ich mir denke: “Oh ne, muss ich den Headshot jetzt wirklich aus der Brainperspektive sehen?”.
Wo ich natürlich jedem Recht gebe: Es ist schon deprimierend, welche “Experten” die Medien zu solchen Gelegenheiten immer wieder auffahren.
update: das “hart aber fair”-lineup: Bosbach, CDU / Bondü, Psychologin / Pfeiffer, bekannt / Westerholt, WDR-computerspielexperte / Struzek “19jähriger Schüler, spielt regelmäßig Computerspiele”.
in zahlen: politik 1, psychologin 1, gamesthema 3. nun heißt das thema nicht, “Machen Computerspiele Mörder?” sondern: “Was macht Kinder zu Amokläufern?” … wird bestimmt eine wahnwitzig facettenreiche diskussion mit vielen erklärungsmustern.
einschlägige Sendungen wollen keine Leute die das Gegenteil sagen, von dem was sie verbreiten wollen. Petra war auch mal bei Mona Lisa, hat was gesagt was denen nicht passt und deshalb wurde sie auch net gezeigt.^^
Selbst wenn man wiedererwartend “Killerspielen” die Schuld geben wird, sowie etwaigen Filmen, ist dies kein Grund ganze Branchen einer brachialen Zensur zu unterwerfen. Denn wenn ein Konsument der genannten Medien die Realität nicht mehr vom Spiel/Film unterscheiden kann, dann liegt das nicht am Medium sondern am Konsumenten. Die Gründe hierfür sind anderweitig zu suchen. Erziehung, soziales Umfeld, Gesellschaft.
Ich denke, dass es da schon eher sinnvoll wäre, Waffen im Privatgebrauch zu verbieten. Wenn man im Schützenverein, neben dem Bier trinken und Skat spielen dann doch mal schießen mag, kann man ja zu einem Modell greifen und simuliert rumballern. Wie im Computerspiel eben. Da kann man jemandem allenfalls den Gewehrkolben übern Schädel ziehen. Wobei … das tut bestimmt auch weh :/
Ich warte auf den Tag, an dem Menschen auf der Straße ängstlich zusammenzucken wenn man sagt, das man Computerspieler ist.
Möchte aber an der Stelle mal noch mitteilen, dass ich es schockierend und äußerst tragisch finde was da schon wieder passiert ist. Es ist zutiefst bedauernswert, dass man von Seiten zuständiger Behörden und der Regierung bisher nicht in der Lage war, die sich ständig wiederholenden Amokläufe zu unterbinden und statt dessen immer den Weg des geringsten Widerstands ging (eben nicht jener, der Selbstkritik).
[...] fürchtet extreme eine Killerspieldebatte. Das wird wohl nicht ganz zu umgehen sein. Das hindert Kaliban allerdings nicht daran, voller Heiterkeit der “Süddeutschen” den [...]
Zu Waffen im Privatgebrauch hat der Spiegel einen sehr interessanten Beitrag, der aufzeigt, was die Spielergemeinschaft von den Waffenbesitzern unterscheidet: Eine Lobby.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,612735,00.html
Da wird den ganzen Artikel über Waffenbeschränkungen geredet und dass das ja alles nichts bringt, um dann am Schluss Herrn Beckstein einen Bogen zu den wahren Schuldigen ziehen zu lassen. Guess who..
Aber wie Stratis gesagt hat, verfallen wir jetzt auch in unsere alten Muster und regen uns über die Medien auf und vergessen dabei fast den wahren Hintergrund.
Ich werde mir jetzt erstmal eine Nachrichtenpause verschreiben und … keine Ahnung… an die Menschen denken die es erwischt hat… Mehr bleibt einem ja nicht..
Ich könnte kotzen
War der Amoklauf nicht erst heute morgen?
Das Blut ist noch nicht einmal trocken und schon beginnen die Analysen…
Aber wie schon bei Erfurt und Emstedden, mal wieder ein Einzelgänger, welcher ob nun zu gut oder zu schlecht, wahrscheinlich auch ausgeschlossen wurde, d.h. vereinsamte und für den im Endeffekt der mutmaßlich offene Waffenschrank von Papi die willkommene Lösung aus dem tristen Alltag war.
Mitgefühl an die Angehörigen der Opfer.
Und das PC-Spiele die Schuld bekommen war klar, allerdings hält es sich ja noch in Grenzen, wenn man aber erst Minesweeper mit Blutmod auf dem PC findet….
@BenTonic:
Wo ist das Problem, wenn rechtschaffene gesetzestreue Bürger eine Waffe besitzen? Weisst du welchen Affentanz man aufführen muss, und wieviel Zeit und Geld es kostet legal an eine Waffe zu kommen? Welche Auflagen es für den Erwerb und die Lagerung gibt?
Wegen der Fahrlässigkeit des Vaters des Täters willst du allen die sich an die Regeln halten die Rechte beschneiden?
Hat man so in Großbritannien gemacht. Da gibts jetzt zwar keine Sportschützen mehr (bzw. sie müssen im Ausland trainieren), dafür stechen sich die Jugendlichen halt mit Messern ab. Und gegen den illegalen Waffenhandel hat es wohl auch nichts genützt.
…und kurz nach der “seriösen” Berichterstattung auf RTL über das Geschehene,
wird aus familienpsychologischen Gründen ein Pferd erschossen, welches dann fachgerecht von Kindern (Jugendlichen) aus sozial schwachen Familien zerlegt wird, um das Gemeinschaftsgefühl zu stärken! (gesehen: heute um 20.30h; “Teenager ausser Kontrolle”)
…ob Peter Klöppel das gewollt hat..??^^
@Peter
Mir ist lediglich ein Rätsel wofür Bürger eine Waffe benötigen (rechtschaffene habe ich jetzt mal überlesen). Besteht Gefahr für Leib und Leben? Sind wir im Kriegszustand. Da ist mir doch der Affentanz und das Geld egal, weil ich keine will. Da investiere ich die Zeit und das Geld in Dinge die mein Leben verschönern oder das der Menschen die mir am Herzen liegen und nicht in Dinge die Leben auslöschen.
Inwiefern man Jungendliche davon abhält sich mit Messern abzustechen und illegaler Waffenhandel unterbunden wird sind Probleme der zuständigen Behörden. In beiden Fällen handelt es sich aber zunächst um eine Straftat. Der Besitz einer Waffe ist, nach dem “Affentanz”, keine und über die Einhaltung etwaiger Lagerungsregeln müssen wir nicht diskutieren denke ich.
Bei Computerspielen ist das mit den Waffen eine andere Sache. Denn Waffen in Computerspielen töten keine Menschen.
@ikke
… da wirkt der Titel der Sendung doch gleich wieder passend.
Heute mittag in der Redaktion auch schon drüber geplaudert, wann die ersten Verweise auf die Killerspiele kommen. Tada, schon sind sie da, wenn auch erst in kleinerer Form. Das Thema wird in den kommenden Tagen ohnehin noch weiter ausgebaut werden.
Erschreckend finde ich: zwei Amokläufe in zwei Tagen, an völlig unterschiedlichen Plätzen auf der Welt. Erstmals auch jemand aus gutem Hause. Sonst ist es ja immer nur jemand aus sozial schwachen Zuständen.
Bin positiv erstaunt gewesen über die Hart aber Fair-Sendung
Ich wusste schon immer, dass Tischtennis mich verderben kann..
Was hätten die Medien bloß gemacht, wenn der Junge keine Ballerspiele o.ä. gespielt hätte?
Sie hätten eventuell noch Fehler eingestehen müssen – das ist für deutschen Behörden das Schlimmste.
mal ne informative frage: welches spiel meint herr Bosbach, in welchem man als protagonist unschuldige, um hilfe flehende menschen foltert und tötet und dafür belohnt wird? vielleicht kennen es ja die brancheninsider…
In dem [URL=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,612735,00.html]schon oben erwähnten[/URL] SpOn-Artikel findet sich auch wieder ein sehr geistreiches Zitat des Herrn G. Beckstein:
“Fernab dessen müsse zudem geklärt werden, ob Tim K. Killer- und Gewaltspiele auf dem Computer gespielt habe: ‘Nicht jeder Nutzer macht einen Amoklauf, aber ein hoher Anteil unter den Amokläufern hat Killerspiele genutzt”, so Beckstein zu SPIEGEL ONLINE: “Da sollten wir nachbohren.’”
Ich vermute mal ganz dreist, dass “ein hoher Anteil” der Jugendlichen “Killerspiele” spielt.
Btw: Wer sich mal was Schlechtes tun möchte surft bei Bild.de vorbei.
Sollte man eigentlich nie tun, aber wer mal so richtig über reißerische Berichterstattung kotzen möchte.. Da wird einem echt schlecht.
Ich vermute er meint “Manhunt”. In Postal 2 kann man auch unschuldige Bürger abknallen, aber da wird afaik weder gefoltert noch gefleht. Kann mich aber auch irren, da ich es nicht gespielt habe.
[...] Blog-Beiträge zum Thema hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, dort, hier, [...]
Mal was anderes:
gestern war nicht nur ein normaler Vollmond, sondern auch noch eine Verbindung
zwischen saturn und uranus-opposition -
diese Kräfte – Mattscheibe, Verblendung, Ausbrechen, Revolution -
alles gleichzeitig – in Deutschland und USA –
da entlädt sich was – was stimmt nicht in Deutschland und USA ??
achso, Manhunt also. ist aber auch indiziert bzw verboten, oder nicht?
Ist beschlagnahmt, darf also in Deutschland nicht verkauft, verbreitet, öffentlich vorgeführt werden, etc …..
Finde ich aber persönlich falsch, egal wie asozial ein Spiel auch sein mag. Aber das ist wieder eine andere Diskussion.
Noch etwas zur Berichterstattung : Während sich die ÖR bei der Darstellung der Ereignisse zurückgehalten haben musste ich gerade auf SAT1 sehen, wie die Leichen in der Schule abtransportiert wurden. Die haben mit der Kamera tatsächlich in die Schule reingefilmt, wo Helfer die zugedeckten Körper auf Bahren weggetragen haben. Das hat mich doch empört, weil es einfach total unsensibel ist. Schlimm.
Ich möchte die Berichterstattung von Spiegel Online kommentieren.
Heute morgen musste ich lesen, dass ein Mann sich empörte “Ich hoffe, dass
[die Eltern] eine richtig ordentliche Strafe kriegen”.
Sind also die Eltern daran schuld, dass ihr Sohn Menschen erschossen hat? Nein! Kann es nicht auch sein, dass nur der Schütze und niemand anderes daran schuld ist? Die obige Aussage ist im Schock Zustand eines Menschen berechtigt, aber nicht um anschließend in einem Artikel zitiert zu werden. Weiter geht es im Spiegel Online Artikel
“Wie kann das sein, dass der an die Waffen dran kommt?”, schimpft ein
anderer. Seine Eltern betreiben ein Bistro ein paar hundert Meter weit von
der Albertville-Schule entfernt, den ganzen Vormittag schlossen sie sich ein,
sie hatten Angst. “Wir haben die ganze Zeit telefoniert dabei”, sagt der Sohn,
der bei Porsche in Zuffenhausen in der Produktionslogistik arbeitet.
Die Frage danach, wie der Schütze nur an die Waffe kommen konnte, finde ich “sehr intelligent”. Dieser Satz suggeriert “wie konnte der Vater dies nur zulassen!”. Noch einmal, warum soll der Vater an dem Amoklauf Schuld sein? Die Aussage von dem “Sohn”, der bei “Porsche” arbeitet ist dann der Höhepunkt der unseriösen Berichterstattung. Was um alles in der Welt ist an dieser Aussage gut “Wir haben die ganze Zeit telefoniert”. Für mich heißt das eher “Wir sind Sensationsgeil und kommen gerade im Fernsehen! Also rufen wir mal alle Freunde, Verwandte und Bekannte an”. Dass einer solch dummen Aussage wieder durch journalistische Tricks Wert beigemessen wird, indem unwichtiger weise erzählt wird, dass der “Sohn” bei Porsche arbeitet ist die Höhe einer unseriösen Berichterstattung. Der Spiegel Online Redakteur sollte sich einmal Gedanken machen, ob er nicht doch lieber seinen Arbeitgeber wechseln und zur Bildzeitung gehen sollte.
Was meines Erachtens auch zu einer guten Berichterstattung gehört ist, dass einmal an die Eltern des Täters gedacht wird, da sie auch Eltern sind und ein Kind verloren haben. Ich kann mir vorstellen, dass jetzt viele „empörte“ Winnendener vor ihrem Haus stehen und ihnen nur das Schlimmste wünschen. Es ist meines Erachtens zu einfach (und auch naiv), die Schuld bei den Eltern zu suchen, Gott stehe ihnen bei. Dies soll aber nicht heißen, dass ich die Tat ihres Sohnes für richtig halte.
Man hat mittlerweile herausgefunden, dass der Täter zum Tatzeitpunkt Socken trug. Nach genauerer Recherche stellte sich heraus, dass in den letzten Jahren erschreckend viele Amoktäter Socken trugen. Politiker fordern jetzt ein bundesweites Verbot von Socken.
Guten Morgen alle miteinander.. Die Polizei hat nun endlich das Motiv:
“Es gebe „erste Ansatzpunkte für ein Motiv“, sagte der Waiblinger Polizeichef Ralf Michelfelder. (…) Der Amokläufer hat anscheinend in den vergangenen Monaten viel Zeit mit Killerspielen am Computer verbracht. Zu seinen Hobbys gehörte auch das Schießen mit Softairwaffen. „Das kann ich bestätigen“, sagte der Polizeisprecher Klaus Hinderer in Waiblingen der Deutschen Presse- Agentur dpa. „Wir haben bei ihm unter anderem das Spiel Counterstrike gefunden.“ Der Computer sei ausgewertet worden, sagte Hinderer.”
FAZ:
http://www.faz.net/s/Rub77CAECAE94D7431F9EACD163751D4CFD/Doc~E8BDD78CFA14E4BC19F863E5BF08AD542~ATpl~Ecommon~Sspezial.html
Für mich als Laie ist das kein Motiv, aber was weiß ich schon..
Ich schließe mich deiner Meinung an. Ich persönlich hab erst gegen Abend über das Fernsehen davon erfahren und hab ab 20:15 Uhr diverse Sonderberichte verfolgt und war zum einen über den Vorfall – ABER AUCH ÜBER DIE BERICHTERSTATTUNG DIVERSER SENDER – sichtlich geschockt! Hierbei nochmals Daumen hoch für den Brennpunkt der ARD, welcher wohl leider als einziger Bericht keine unter Schock stehenden Kinder vor die Kamera gezerrt hat und den Trauernden anständig Respekt gezollt hat! Ich musste über meinen Unmut hierüber auch bereits gestern abend bloggen…
Heute schrieb die RP: “In seinem Zimmer fanden sich zahlreiche Horror-Videos”
Na dann kann es ja losgehen. Es fand sich zwar auch eine Handfeuerwaffe ungesichert im Schlafzimmer seiner Eltern, sowie genügend Munition, aber nein, die Horrorvideos sind natürlich wichtig.
Ich hoffe, dass dieses tragische Ereignis einfach mit Trauer hingenommen und verstanden wird. Wenn jetzt wochenlange Diskussionen über Killerspiele/Videos, Sicherheit in Schulen usw. losgehen, möchte ich nicht in der Haut einer der Betroffenen stecken…
Ach komm, da hätte doch niemand damit gerechnet, dass man einen populären Egoshooter auf einem PC eines JUGENDLICHEN findet …
Wenn man jetzt noch illegal heruntergeladene MP3s und Filme findet, bricht für mich eine Welt zusammen..
Es sind 15 Leute erschossen worden, wie abgestumpft sind wir Spieler eigentlich, wenn unser erster Gedanke nach so einem schrecklichen Ereignis ist:
“Oh gott, jetzt werden sie wieder schlecht über uns Gamer reden und unsere Spiele verbieten.” ???
Sumo:
Wie abgestumpft sind Medien und Politik eigentlich, wenn sie die Ursachenforschung schnellstmöglich torpedieren, damit sie die Tat für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren können?
Es geht letztlich nicht darum, dass “schlecht über uns Gamer” geredet wird. Es geht darum, dass Politik und Medien mit Lügen, Halbwahrheiten, und voreiligen Schlüssen um sich werfen, und damit effektiv verhindern, dass die Angehörigen der Opfer die Sache in Ruhe verarbeiten können. Unsinnige Hysterie bringt aber einfach mehr Quote, dazu noch ein paar Bilder von Blutflecken und Polizeiabsperrungen, und als Sahnehäubchen am Schluss kann man ja dann noch einen Bericht über die durch Killerspiele abgestumpften Spieler senden, die sich nach dem “Massaker”, “Gemetzel” oder “Amoklauf” als erstes Gedanken über ihre Spiele machen.
Pfeiffer ist ja ein bischen zahmer geworden – wissenschaftlich ist er trotzdem nach wie vor nicht ernst zu nehmen.
Danke für den durchweg guten Blog und auch diese Meldung, Gunnar!
Sicher nicht der erste Gedanke nach so einer Tat und auch nicht der zweite. Aber nach ein paar Berichten im TV dämmert es einem schon: nun stehen Spieler wieder unter Generalverdacht und ich muss mich schuldig fühlen, weil ich auch zu “denen” gehöre und das Spielen solcher Spiele auch noch verteidige.
Ich denke es ist nur normal und nicht abgestumpft, dass man solche Schuldzuweisungen reflexartig von sich weisen möchte und muss.
Liebe Amokläufer,
bevor ihr die nächste Tat begeht, gewährt der computerspielenden Menschheit einen großen Dienst und deinstalliert alle Egoshooter und packt die Sims2 und irgend ein Teil der “Need for Speed”- Serie auf die Platte. Nennt eure Sims “ischbringeuchalleum” und das Fahrerprofil “ischmacheuchplatt”. Danke.
Ach, ich habe vor einigen Wochen übrigens eine spannende Amazonempfehlungsliste bekommen von der ich wohlweißlich gleich einen Screenshot machen musste: http://www.godi.knighthawk.de/wp-content/uploads/2009/02/amazon-empfehlungen.jpg
Interessant ist zumindest in dieser Reihe das zweite von links, unten. Naaa was sagt uns das über Kant, Wissenschaftstheorie und Pratchett? Naa?
sowohl bei SpOn, als auch in den Nachrichten auf Bayern 3 wird Counterstrike als Motiv bezeichnet oder damit in Verbindung gebracht, nicht mehr nur als Auslöser oder Trainingssimulation. Es wird außerdem impliziert, dass die Polizei ebenfalls so denkt, was alle Ego-Shooter-Spieler unter einen Generalverdacht stellen würde und Spiele nicht mehr nur als bequeme nachträgliche Erklärung für Einzelfälle herhalten.
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,612826,00.html
Um die Toten und Verletzten tut es mir leid. Die Medien (u.a. SpOn, Zeit) sollten den Betroffenen ein paar Tage oder Wochen Ruhe und Aufarbeitungszeit gönnen, bevor sie in ihrer unerträglichen Sensationsgier auf die Opfer einstürzen. Der vom Iran monatelang gefangen gehaltene Fischer, der am Tag nach seiner Heimkehr von Günther Jauch persönlich belästigt wurde ist hier in meinen Augen ein Held, weil er ihn Eiskalt hat abblitzen lassen.
P.S.: Die Gamer sollten den unsachgemäß verwendeten und falsch definierten Begriff Killerspiele nicht auch noch selbst verwenden, auch nicht in Anführungsstrichen und von Spielegegnern fordern ihre Verallgemeinerung genau zu spezifizieren.
Ich habe die dumpfe Vermutung, dass fast alle Amokläufer regelmäßig Brot gegessen haben. Wenn da mal nicht ein kausaler Zusammenhang besteht.
Es ist richtiggehend widerlich, jetzt wieder sämtliche profilierungswütigen Politiker/Experten/Fachmänner aus ihren Löchern kriechen zu sehen um “ihre” Diagnosen und Analysen zu einem Sachverhalt zu erstellen, der ohne weitere Informationen nicht in Ansätzen transparent betrachtet werden kann. Hätten diese Menschen einen _FUNKEN_ Pietät, Anstand oder moralisches Gespür, würden sie einfach ihre Klappe halten.
Die Berichterstattung der Medien grenzt an Perversität. Die Jagd nach dem finalen Fangschuß – hätten sie ihn gefilmt, würden sie’s aussstrahlen – natürlich nur aufgrund der umfassenden Berichtersattung.
Der Großteil der deutschen Presse/des deutschen TV ist stumpf bis zum erbrechen. Nach Horden flennender Kinder nochmal die große Blutlache, dann ab in die Joghurette-Werbung damit man in der Zwischenzeit den Abstransport der Leichensäcke einschneiden kann…
Ohne Zugang zu realen Waffen, hätte er nicht halb so viele Menschen verletzen können.
Überzogene Gewaltdarstellungen und Spielen und Filmen müssen dennoch nicht sein, zumindest nicht bevor man nicht mindestens einmal mit der Bundeswehr im Auslandseinsatz war.
Oh Mann!
Die Öffentlichkeit sucht halt wieder nach einfachen Antworten, die das Unerklärbare erklärbar machen. Je einfacher die Erklärung desto besser. Ballerspiele werden da immer wieder gern bemüht.
Jemand der Gewaltfantasien hat, wird sich auch nur gewaltätige Medien reinziehen und sich so weiter reinsteigern. Vielleicht tritt er auch einem Schützenverein bei wie der Erfurter Täter. Damals hatten sie direkt nach der Tat irgendeinen Vertreter eines Schützenvereins interviewt, der vor der Gefahr, die von illegalen Waffen ausgeht, warnte. War schon peinlich als rauskam, das der Erfurter Täter legal an seine Waffe gekommen ist.
Tim K. wurde in der Schule massiv gemobbt – sogar von einer Lehrerin!? -, hat seinen Schulabschluß nicht geschafft, hatte kaum Freunde und es würde mich nicht wundern, wenn die Eltern oft keine Zeit für ihn hatten. Hab grade gelesen, dass er vor einiger Zeit einen verzweifelten Brief an seine Eltern geschrieben hat, wie frustriert er ist. Tja wenn dann noch mehr als ein Dutzend Schußwaffen im Elternhaus rumliegen. Egal ob weggeschlossen oder nicht.
Der Amoklauf ist einfach tragisch. Schuld ist der Täter letztlich selber. Er hat schließlich rumgeballert, egal was ihn dazu getrieben hat, und da er sich selbst umgebracht hat, kann man auch nur über die Ursachen spekulieren. Was die Medien ja auch grad auch fleißig tun.
Bin mal gespannt, wie sich Bild, RTL & co. diesmal blamieren. Die schnell zusammengeschusterte, animierte Flashgrafik des Amoklauf-Ablaufs auf Bild.de ist schon mal super. Mal sehen wann sie dann ein Bild des Grundriß der Schule haben mit der genau eingezeichneten Leichen wie nach dem Erfurter Amoklauf.
Bayern2 / Bayern alpha hatte heute im Tagesgespräch die Geschehnisse in Winnenden als Thema. Mit dabei Prof. Dr. Pfeiffer. Leider habe ich den Anfang nicht mitbekommen. Zum Ende hin ging es nicht mehr sehr viel um PC-Spiele und es war recht konstruktiv, was von Seiten Herrn Pfeiffers kam.
Link zum TagesgespräcH: http://www.br-online.de/bayern2/tagesgespraech/index.xml;jsessionid=G141ZQZV1SCIUCSBUKUCFEQ
Wahrscheinlich wird dort bald ein Podcast zum Nachhören sein.
[...] Tim K. nun etwas aus Computerspielen und Internet gemacht oder eher aus Tischtennis und Alleinsein? Bis jetzt existieren im Netz immer noch beide Versionen. In den Medien aber nur noch die erste: Killerspiele. Killerspiele haben den Amoklauf vorbereitet, [...]
Ich sehe gerade vor meinem geistigen Auge, wie die Leute vom Kölner Aufruf blöken “Wir haben es ja gesagt!!!”. Gruselig…