Man muss es mal sagen: Was die Familien der Opfer von Winnenden in ihrem offenen Brief fordern, ist vielleicht teilweise naiv, aber mehr als angemessen.
Insbesondere das:
Wir wollen, dass der Name des Amokläufers nicht mehr genannt und seine Bilder nicht mehr gezeigt werden. Am aktuellen Beispiel von Winnenden zeigt sich, dass die derzeitige Berichterstattung durch unsere Medien nicht dazu geeignet ist, zukünftige Gewalttaten zu verhindern. Auf nahezu jeder Titelseite finden wir Namen und Bild des Attentäters. Diese werden Einzug finden in unzählige Chatrooms und Internet-Foren. Eine Heroisierung des Täters ist die Folge.
Bei Gewaltexzessen wie in Winnenden müssen die Medien dazu verpflichtet werden, den Täter zu anonymisieren. Dies ist eine zentrale Komponente zur Verhinderung von Nachahmungstaten.
Wenn davon wenigstens das, was leicht umzusetzen wäre, tatsächlich umgesetzt würde, wäre die Welt sicher ein besserer Ort. Und, vermutlich, gäbe es weniger Irrsinnstaten wie die von Winnenden.

Gerade die Stilisierung von Amokläufern zu “Titelhelden” motiviert potenziell Anfällige sicherlich auch , ihre Ideen umzusetzen.
Wenn, wie ich beobachten muss, die BILD eine Woche lang über jedes Detail des Amokläufers aus Winnenden berichtet, muss sich jeder “Superstar” doch wie ein armes Würstchen vorkommen.
Auch werden mittlerweile medizinische Diagnosen, ob nun wahr oder nicht oder vielleicht völlig aus der Luft gegriffen, veröffentlicht.
Warum meldet sich nicht da so eine Institution wie der Presserat, der ja sich selbst verpflichtet, die “Vermeidung unangemessen sensationeller Darstellung von Gewalt u. Brutalität” zu forcieren.
Respekt vor diesem offenen Brief.
Das was sie da sagen sie schon in Ordnung. Aber ich fand es reichlich unpassend, dass auch wieder von den Eltern gefordert wurde Kindern den Zugang zu Waffen zu erschweren (find ich gut) UND Killerspiele zu verbieten.
Die Menschen sind verzweifelt, das ist natürlich. Aber mit solchen Bemerkung werten sie sich und die Opfer ab.
Den Menschen gehört mein tiefstes Mitgefühl, aber solche Aussagen werden auch durch Verzweiflung, meiner Ansicht nach, nicht gerechtfertigt.
@Eldest :
Wobei man den Angehörigen das noch verzeihen kann, niemand kann ermessen was die durchmachen.
Dass das aber unser Bundespräsident aufgreift, finde ich schon skandalös und dumm. Aber ich habe Köhler noch nie als besonders intelligent und eloquent empfunden.
Ich muss sagen, ich fand die Spiegel-Online Berichterstattung dazu besonders perfide:
Auf nahezu jeder Titelseite finden wir Namen und Bild des Attentäters. Diese werden Einzug finden in unzählige Chatrooms und Internet-Foren. Eine Heroisierung des Täters ist die Folge”, hieß es in den Schreiben. Die Unterzeichner forderten, dass bei Gewaltexzessen wie in Winnenden die Medien dazu verpflichtet werden müssen, den Täter zu anonymisieren. “Dies ist eine zentrale Komponente zur Verhinderung von Nachahmungstaten.”
Der 17-jährige Tim Kretschmer hatte bei seinem Amoklauf am 11. März 15 Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet…
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,614664,00.html#ref=rss
Das wirklich schizophrene: Ich habe soviele Blogs und Tweets zum Thema Medien-Aufbereitung gelesen und alle die darüber kritisch schreiben, verbreiten die Geschichten noch weiter und tragen die Details in alle Ecken des Internets. Somit sind auch Kritiker wie Niggemeier am Ende nicht ein Stück besser – sie können es sich auch blos nicht verkneifen, das Thema aufzugreifen und noch größer zu machen, damit ihr Blog/Tweet gelesen wird.
@Eldest: Was dieses mal extrem auffällt: Mit welcher Ignoranz und Aggresivität die Spieler auf alle einschlagen, die sich auch nur wagen, das Thema Gewalt-Spiele als eine der Ursachen zu benennen, ist unglaublich. Da fehlt mittlerweile jeder neutrale Blick für die eigentliche Sache. Schon wenige Minuten nach bekanntwerden des Amoklaufes, haben Spielewebseiten Verteidigungsbeiträge gepostet und die Schuld in alle Richtungen verteilt. Hatten Spiele einen Einfluss auf den armen Kerl? Wer kann das schon sagen. Aber es mit so einer Ignoranz auszuschließen, wird ganz sicherlich den Opfern nicht helfen und auch nicht helfen, echte Gründe für so eine Tat aufzuarbeiten. Das Opfer sich jetzt für weniger Gewalt in Spielen und anderen Medien einsetzen ist wohl das wenigste was auch Spiele-Fans (wie ich selber einer bin) kommentarlos akzeptieren können oder?
@einkay: Auch ich war schon etwas verwundert mit welcher Giftigkeit die Gamer-Community sofort reagierte… aber kann es einen verwundern? Ein paar Tage hat es nur gedauert und schon sind all die üblichen Verdächtigen dabei Spiele zu verteufeln und sie verbieten zu wollen, in üblicher “Erst handeln, dann denken!” – Manier.
Spieler haben einfach Angst, daß demnächst so viel Hysterie ausgelöst wurde, daß die wirklichen Entscheidungsträger meinen, das Bauernopfer “Spiele” könnte dem brodelndem Volk dargeboten werden. Genug konservative Vielredner die dies immer wieder fordern gibt es ja schon.
Computerspieler sind es einfach leid als Dauerprügelknaben herhalten zu müssen, da die wirklichen Probleme ( Labilität des Amokläufers, familiäre und soziale Probleme ) dann ja doch nie zum Hauptthema werden… es wird immer der möglichst einfach zu verteufelnde Buhmann gesucht.
@einkay :
Es geht nicht darum unser schönes Hobby zu beschützen, man ist inzwischen nur hochgradig genervt wie unsachlich Medien und Politiker gegen Spiele hetzen. Die Spielergemeinde ist da ja schon einiges gewöhnt und hat es vorausgeahnt, dass da wieder eine Welle Blödsinn auf uns zukommt. Und sie hatten Recht. Niemand hat etwas gegen eine sachliche Diskussion, was aber von Seiten der Spielegegner kommt ist hochgradig unsachlich. Und es ist darüberhinaus unmoralisch und verachtenswert, wie die Spielegegner solche Taten instrumentalisieren um ihre politische Agenda durchzusetzen.
Stell Dir vor es ist Amoklauf, und niemand geht hin
niemand dichtet sich Gründe oder fragt nach dem Sinn.
Stell Dir vor es ist Amoklauf und niemand läuft mit,
(v)erklärt Täter, verfolgt Opfer auf Schritt und Tritt.
Stell Dir vor es ist Amoklauf und niemand sieht zu,
delektiert sich am Leid ohne Rast ohne Ruh.
Stell Dir vor es ist Amoklauf und niemand war da,
allein die Tat bleibt – unfassbar – wie sie’s immer schon war.
Tja, und dann gibt’s da natürlich noch die Abteilung “blinder Aktionismus”, herausstechendstes Beispiel der Mist, den die Metro Group da grade abzieht.
Nicht, daß es mich wirklich stört, bei Kaufhof keine USK-18-Titel zu finden (immerhin hole ich mir meinen Stoff aus dem englischsprachigen Ausland), aber daß Saturn und Media Markt zum Erwerb besagter (aus dem öffentlichen Verkauf genommenen) USK-18-Titel Ausweisnummer und Adresse aufnehmen geht entschieden zu weit.