Böse Killerspiele und billige PR-Tricks

27. März 2009

in Die Bosheit der Welt

Böse Killerspiele und billige PR-Tricks

Die kriselnde Konsumkette Kaufhof hat ja kürzlich publikumswirksam vorgelegt mit der Auslistung von potenziellen “Killerspielen”, da es war nur eine Frage der Zeit, bis Trittbrettfahrer folgen würden, die aus dem Thema auch ein bisschen PR-Profit schlagen wollen. Aktuelles Beispiel ist das ansonsten eher unbekannte Anzeigenportal Kalaydo, das sich in einer Pressemeldung ordentlich auf die Brust trommelt:

Köln, 27. März 2009 – Jugendschutz wird beim regionalen Online-Anzeigenportal kalaydo.de ernst genommen. Getreu den Qualitätsgrundsätzen von kalaydo.de erfolgt eine strenge Kontrolle der Kleinanzeigen, um die Sicherheit der Plattform zu erhalten. Ein Sicherheits-Team sichtet alle Anzeigen in der Rubrik „Kaufen und Verkaufen“ und prüft sie auf Verstöße gegen die Grundsätze von kalaydo.de. Anstößige oder jugendgefährdende Angebote werden sofort entfernt. In den Rubriken „Computer & Konsolen“ und „Filme & Musik“ wird zudem darauf geachtet, dass sich keine Angebote finden, die erst ab 18 Jahren zugelassen sind. So genannte „Killerspiele“, deren bedenkliche Wirkung auf Jugendliche nicht ausgeschlossen wird, gelangen so erst gar nicht auf die Plattform.

Die Anbiederei ist schon peinlich genug, noch weit peinlicher ist aber, dass die Pressemeldung mindestens fahrlässig falsch, wenn nicht gar eine kalkulierte Lüge ist — bei jeder von fünf Stichproben im Laufe des heutigen Tages fanden sich sowohl Spiele als auch Filme mit der USK/FSK-Einstufung “Ab 18 Jahren”. Beispiel gefällig?

Killerspiele bei Kalaydo. Screenshot vom 27.3.09, 14:30

----------Killerspiele bei Kalaydo. Screenshot vom 27.3.09, 14:30----------

Max Payne oben, Fallout 3 unten. QED. Fallout 3 steht übrigens schon seit dem 17.3., die Sammlung mit Max Payne seit dem 26.2. drin — offenbar wird da nicht nur nicht auf Jugendschutz kontrolliert, es verkauft sich auch noch nichts.

Außerdem ist es mir, da Kalaydo, abgesehen von dem mysteriösen “Sicherheitsteam”, nun auch wirklich gar keine Jugendschutzmechanismen anbietet, problemlos gelungen, ein eigenes “Ab 18″-Spiel nicht nur anzulegen, sondern gleich auch noch ein Video hinzuzufügen. Das wäre auf seriösen Plattformen wie eBay so nicht möglich.

Ich muss kotzen, ehrlich. Von Bigotterie bekomme ich immer Magenkrämpfe.

{ 2 trackbacks }

urks.de - Aufstehen! Überleben! Schlafen gehen! : urks.de // reloaded
29. März 2009 um 01:07
Spieleindustrie: Die Angst vor der PR - PR-Fundsachen - PR-Studenten der Hochschule Darmstadt bloggen und podcasten zu Public Relations und Web 2.0
5. April 2009 um 10:59

{ 13 comments… read them below or add one }

1 Phil 27. März 2009 um 14:42

Deus Ex ist auch ab 18…

Schon ziemlich peinlich, wenn man erst solche “hehren” Motive hat und es auch noch großspurig verkündet – und dann doch Spiele ab 18 zu finden sind.

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2 Jan 27. März 2009 um 15:09

Eine zurecht unbekannte und sogar kostenpflichtige Community für Schüler hat auch was gegen gewalthaltige Spiele:

Merke: Dümmer geht immer

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3 Rene 27. März 2009 um 15:12

Ich fand ja besonders diesen Satz sehr schön:

“So genannte „Killerspiele“, deren bedenkliche Wirkung auf Jugendliche nicht ausgeschlossen wird, gelangen so erst gar nicht auf die Plattform.”

Das hält einen natürlich nicht davon ab, Filme wie Hostel oder Kill Bill weiter auf der “Plattform” zu haben. Mal schauen ob die Partnerseiten wie Frankfurter Rundschau oder Westdeutsche Zeitung eine “News” über diese peinliche PR-Aktion bringen.

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4 Drizzt 27. März 2009 um 15:49

@Herrn Kaliban:
Wenn Sie Bigotterie nicht leiden können und Magenkrämpfe davon bekommen, haben Sie sicher schon lange keine Nachrichten mehr gesehen/gelesen, anderenfalls müssten Sie gar nicht mehr in der Lage sein aufzustehen, außer natürlich da tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein. ;)
Mir zumindest geht es derzeit so, dass ich gar nicht so viel essen kann, wie ich gerne brechen würde, wenn ich die neusten Ideen unserer von der Leine gelassenen oder ihres paranoiden Kollegen aus dem Ministerium für Staatssicherheit Innenresort oder von einem anderen Wichtigtuer aus dem Berliner Zirkus lese/höre.

Grüße,
Drizzt

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5 PhanThomas 27. März 2009 um 15:53

Oha, so kann also auch versuchen, die erfolglose Plattform etwas bekannter zu machen (vielleicht hätte es ein ansprechenderer Name schon getan). Dumm nur, dass man dort anscheinend ohnehin nicht versteht, wie man sich richtig vermarktet, nein, man kommt mit diesem Ausguss an Peinlichkeit auch erst zu einem Zeitpunkt, zu dem die ganze Welt den Blick (zum Teil leider) schon wieder auf andere Themen gerichtet hat (Wirtschaftskrise ist ja wieder in aller Munde). Na ja, kann man wohl getrost ignorieren, diesen Schwachsinn. Werd die Seite so oder so nicht aufsuchen. Basta.

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6 Manuel 27. März 2009 um 16:36

Vielleicht gilt die Kontrolle bei Kalaydo nur für neu eingestellte Artikel.

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7 Gunnar 27. März 2009 um 17:49

Hm. Offenbar. Meinen Versuch mit Age of Conan haben sie mittlerweile gelöscht.

Händisch, offenbar.

Naja, da ohnehin nur drei oder vier Spiele pro Tag eingestellt werden, können sie das im Auge behalten. Ändert nichts dran, dass genügend alte Spiele/Filme auf der “Plattform” stehen.

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8 Eldest 27. März 2009 um 18:24

Wahrscheinlich platzt gerade der Traffic bei denen, weil du auf die Deppen hingewiesen hast^^.

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9 aeq 27. März 2009 um 20:38

Hmm, ich schaätze, dass es sich bei dem Killerspielverbot dieser “Community” um einen klaren Publicity-Gag handelt. Die werden erstens nicht in der Lage sein ihre Mitglieder hinreichend zu kontrollieren und zweitens erhalten sie so sicherlich ein Maß an, wenn auch verhältnismäßig immernoch geringer, Aufmerksamkeit, welches ihnen auf seriösen Wegen verwehrt bleiben würde.

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10 Kashi 28. März 2009 um 13:21

Ich frage mich wen diese Leute damit täuschen wollen… vielleicht glauben ja wenigstens einige Eltern das ihre Kinder auf dieser Schülerplattform sicher sind und werfen deshalb dem Betreiber das Geld in den Rachen. Ich finde nur das solche Aktionen das falsche Signal senden, Leute ohne Bezug zum Thema Computerspiele bekommen ja den Eindruck das Spiele wirklich potentiell gefährlich währen. Ahnlich get es mir mit der Aussage des Pianisten Ling Ling. Gerade er als Spieler, selbst wenn es nur gelegentlich ist, sollte die Problematik besser verstehen (auch wenn ich es ihm nicht vorwerfen will, dazu habe ich denke ich mal auch nicht das Recht).

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11 David 28. März 2009 um 17:27

” So genannte ‘Killerspiele’ ” – ich wusste gar nicht, dass das schon ein Fachbegriff ist, anerkannt und festgenietet in irgendwelchen Bestimmungen a la “Was ist ein Killerspiel? Hier die allgemeingültige Definition!”.

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12 Dominik Jungowski 30. März 2009 um 10:41

Viel interessanter als die FSK18 Filme bzw. USK18 Spiele, die ja angeblich nie auf dieser ach so tollen Auktionsseite landen, finde ich, dass selbst indizierte Ware öffentlich verkauft wird (Max Payne auf deinem Screenshot)

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13 Kunzilla 30. März 2009 um 10:49

Alles eine lächerliche Sache, die sich wohl nie klären wird. Ich finds nurnoch lächerlich und auch nicht mehr lustig, irgendwie.

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