Ach, das Internet.
Da ist es in der Welt, mit seiner Allverfügbarkeit und Allwissende-Müllhalden-Haftigkeit, und macht so vieles von dem überflüssig, was unsere Generation für selbstverständlich genommen hat. Kein Studienanfänger kann sich heute noch vorstellen, wie wir früher Löcher in 5 1/4-Zoll-Disketten gestanzt haben, um sie doppelseitig verwenden zu können. Keine von euch 16jährigen Gören, die ihr selbstgedrehte Handypornos auf dem Schulhof gegen Spice tauscht, weiß, wie sich das Geräusch eines analogen Modems anhört. Kein jugendlicher Führerscheinanfänger weiß, wie beschwerlich es damals war, wenn man unterwegs jemanden anrufen wollte und erstmal einen kaltherzigen Telefonautomaten mit Markstücken füttern musste, um Zugang zum Telefonnetz zu bekommen.
Aber egal. Kaliban.de ist, obwohl als Blog ja quasi der Postpostpostmoderne zugehörig, ein Hort der Erinnerungen, ein Tempel der 80er, eine Sickergrube des Sinnlosen Trivialwissens über jäh vergangene Zeiten. Also. Woran ich heute erinnern möchte, sind die Pseudo-Zeitschriften. Die haben nichts mit richtigen Zeitschriften zu tun, das waren so nachlässig kopierte Blattsammlungen, auf denen sich Menschen, die sich Pseudos nannten (wohl von “Pseudonym”), Botschaften schrieben, die sie Pöngs nannten. So albernes, lustiges, triviales Zeug in Kurzbeiträgen. Eine Art analoges Twitter, ein rundenbasierter Chat. Absurd. Die Heftchen kamen dann alle paar Wochen raus und man schaute nach, was die anderen zu den eigenen Beiträgen geantwortet hatten.
Hier ist ein Beispiel — das Heft namens “Das Fragezeichen” hatte es immerhin auf 192 Ausgaben gebracht.
Die Pseudo-Szene war, wiewohl heute vergessen, wegweisend: In Sachen Signal-to-Noise-Ratio und Orthografie hat man Twitter vorweg genommen.

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ha ha, danke für den reminder an die gute alte floppy-disk. auch ganz toll das vorläufermodell, die 3,5 zoll diskette, die man, wenn ich mich richtig erinnere, abkleben musste, um sie vor erneutem überschreiben zu schützen.
Hmmm, erinnert ein wenig an die Discmags, ist mir in der Tat noch nie begegnet, so eine Pseudo-Zeitung.
Diskette…. Ha! Kasette musste man haben! Ich erinnere mich noch gut dran, dass dann irgendwann kam, dass man die Kasette wenden soll.
Was aber viel merkwürdiger ist: Hier treiben sich 16jährige Gören rum, die selbstgedrehte Handypornos gegen Spice tauschen?!
56K Modem, das war auch ein Ding. Besonders gut erinnere ich mich an die Sonntage, da konnte man kostenlos telefonieren und dank Sondernummern auch surfen.
Mittlerweile muss ich Leuten zeigen um zu demonstrieren wie ein Modem mal klang…
Trotzdem geht’s mir mit DSl 6000 besser :)
habt ihr auch immer mitgesungen?
http://www.sonnyradio.com/dialupkid.htm
Jaaa… Pseudozeiten… ich hab in der ALLES angefangen, die gute alte Rubrik 870. Was soll ich sagen: Da hab ich die abgedrehtesten Leute kennengelernt. Und erst vor nem viertel Jahr gabs mal ein Wiedersehn. Die Leut hamm sich äußerlich zwar verändert, sind aber immer noch so abgedreht und cool wie zu C64/Amiga-Zeiten.
Vielleicht erfindet jemand endlich die Floppy-CD/DVD/BluRay or whatever. Oder einen Floppystick. Obwohl… das widerspricht sich ja selbst.
Jaja, als mir meine Grosseltern Anfang der 80er erzählten dass sie damals “in der guten alten Zeit§ als Funker gearbeitet haben und Nachrichten “gemorst” wurden, fand ich das entsetzlich antquiert und war froh in einer viel moderneren Welt zu leben, mit meinem Atari Telespiel, dem NES und diversen anderen 8-Bit Daddelmaschinen.
Und jetzt bin ich der Opa den die Teenies blöd ansehen wenn ich ihnen erzähle, dass es damals “in der guten alten Zeit” weder Handies noch Internet gab.
Ich bin dann schon 3 Jahre älter als die erwähnten 16-jährigen, kenne auch noch den wunderbaren Einwählton, wobei ich mich immer gefragt habe, was das Modem da überhaupt macht, dass es sich so anhört, als würde gleich ein Fax kommen. Und warum macht das Modem den Ton heute nicht mehr?
Bin auch froh um jede Telefonzelle, die ich finde. Finde es viel schöner von da aus zu telefonieren. Und die Telefonkarten erst, mit den lustigen Motiven drauf…
Zwar habe ich ein Handy, aber immer noch dasselbe seit meiner Konfi: Ein Siemens A55 – und selbst da wars schon längst überholt. Ohne bescheuert unnützen Kram wie Kamera, Realtones, MMS-Funktion, GPS, UMTS, SMS-Speicher für bis zu dreistellige Anzahlen usw. Hauptsache es kann schreiben, darstellen und anrufen. Als Neuware könnt ichs auch noch verkaufen, wenn man vom äußeren Zustand ausgehen würde :D
Ja, das waren Zeiten ! Ich habe es erlebt, wo Morsen noch gelernt wurde und habe später in mühevoller Kleinanarbeit in den frühen 90′er Jahren meine erste ISDN-Karte in den Firmen-PC eingebaut. Nur um das INTERNET zu bewundern und in den ersten Foren zu posten.
Zu Zeiten meiner Ausbildung habe ich noch 5 1/4 ” Disketten kennen lernen dürfen und Lochstreifen gestanzt, die dann dem übermächtigen Administrator des Rechenzentrums übergeben wurden. Um dann später zu hören bekommen: “Dein Programm habe ich abgebrochen, da kamen ja nur leere Seiten anstatt Protokolle aus dem Drucker raus”.
Ach ja, und unseren Paraktikanten zeige ich heute gerne eine 70 MB Wechselplatte im 5 1/4″ oder eine DIN A3 große Leiterplatte mit sagenhaften 8 MByte Speicher. Und dann waren noch die 16.000 DM teuren 450 MB Festplatten, die alle halben Jahre ausfielen, und bei denen man die fehlerhaften Sektoren mit der Hand noch eintragen musste. Das low level Formatieren dauerte übrigends 3-4 Stunden. Da bin ich dann in der Zwischenzeit dem extra angereisten Servicetechniker immer in den Biergarten gegangen. :-)
Ja, das Psoido – erwähnte ich Dir gegenüber, dass ich da mal Klebescherge war? Also Layouter, aber noch ohne Commupter? Das war aber richtig viel früher als dieses Ding, auf das Du da verweist, und Pöng hieß da auch nix. Und als das ganze noch in kommerziellen Kleinanzeigenzeitungen stattfand (bis zu zehn Seiten im Heißen Draht beispielsweise), traf sich die Szene Mittwochs gegen 18 Uhr am Bremer Bahnhof, um die druckfrische Ausgabe zu ergattern. Immerhin ist da anno 1989 unser USA-Reisebericht mit Biertest erschienen – den hätte ich heute furchtbar gern noch mal in den Fingern, schließlich existiert der nicht digital…
Super Artikel, aber wer ein Modem hatte war ja schon RICHTIG SCHNELL unterwegs. Ich hatte ein 300 Baud Akkustikkoppler, da musste man den Telefonhörer in so 2 Muscheln reinquetschen. Und wenn man gerade auf einer Mailbox “surfte” und etwas zu laut hustete, gab es sofort Übertragungsfehler. Man konnte die übertragenen Textzeilen während des Übertragens mitlesen, weil das Zeichen für Zeichen passierte.
Von der Autorin Daniela Böhle gibt es eine Geschichte, in der Sie als Zukunftsvision ihren Enkeln erzählt, das es in Ihrer Jugend keine Handys gab und das man sich Einkaufszettel geschrieben hat, weil man niemanden aus dem Supermarkt anrufen konnte um herauszufinden, was man braucht. Sehr komisch. Als Video auf Duschlauch: http://www.youtube.com/watch?gl=DE&hl=de&v=BqYjZwhH43g
Echte Männer hat man daran erkannt, dass sie Maschinencode-Listings aus Zeitschriften abgetippt haben. Und nur Weichlinge haben dabei einen Checksum-Prüfer verwendet.
Ich glaub das Geräusch eine Analogen Modems würde ich gerne vergessen. Ich halte das nicht für einen nostalgischen Wert. ^^
Jaja, damals als die Gummischuhe noch aus Holz waren…
… und die Erde eine Scheibe
Aber ich gebe zu ein klein wenig vermisse ich den Modem-Einwahlton auch. Es bereitete einen schon einmal mental auf die große weite Welt, auf damals gefühlte unendliche Weiten und ungeahnte Möglichkeiten vor. Oder ach, die gute alte AOL Ampel die plötzlich tatsächlich und wirklich auf grün sprang! Phantastisch.
Moin,
“Das Fragezeichen” hatte es immerhin auf 192 Ausgaben gebracht?
Wieso hatte?
Wir sind aktuell bei Nr. 216.
LG
Scotty
Ja, ich kenne das auch noch, damals im Reviermarkt, Rubrik 41 (Mitteilungen und Grüße), später dann im Rhein-Ruhr-Markt, Rubrik 725 (Briefkasten). Von letzterem habe ich noch die Jahre 1991/92 auf Papier, die 41er habe ich leider irgendwann mal entsorgt.
Meine Güte, das ist schon fast 20 Jahre her, da merkt man doch, dass die Zeit verrast *gg*
Sich langsam aufs digitale Altenteil vorbereitend:
Herzliche Grüße
Toastie/Al-Kahira
Kennt jemand noch welche von den “alten” Pseudos aus der BLUBBER ??? (Ende der 80er, damals hatten wir uns wegen Boykottierung der 41er vom RM abgekapselt und nannten unsere Pseudozeitung BLUBBER)
Gruß Knuddelmaus
Die Zeit mit den Pseudos war schön.
Jaja, die Pseudozeit – der Vorläufer unserer Internetforen. Begonnen hatte alles in den Zeitungen mit kostenlosen privaten Kleinanzeigen, die als “Forum” genutzt wurden. Einem geschenkten Gaul haut man nicht auf die Fresse.
Wer ein wenig im Netz recherchiert stellt fest, daß es einige Pseudos der frühen Achtziger tatsächlich noch gibt. Irgendwie vermisse ich die 45/20er (aus dem Sperrmüll) und die Rubrik 27.
Herr Schnaton bitte zur Information an Gleis 3…
Grüße,
Herr Rossi (SKF-13 et. al.)