Ich selber habe als Kind sehr oft bei einem extrem brutalen, rassistischen Gewaltspiel mitgemacht, wo es nicht etwa darum ging, Fabelwesen zu besiegen, sondern Menschen mit einer anderen Hautfarbe zu erschießen. Es hieß “Cowboy und Indianer”.
Der Kolumnist Harald Martenstein geht im heute erschienenen Magazin der ZEIT ganz subjektiv und persönlich das Thema »Killerspiele« an. Und findet angenehm unverschraubte Worte. Auch für meinen alten Feind, den Prof. Dr. Pfeiffer:
Neuerdings behauptet Christian Pfeiffer, dass 4,9 Prozent der 15-jährigen Jungen in Deutschland in rechtsextremen Gruppen organisiert seien. Ich frage mich, mit welcher Wissenschaft man auf eine so genaue Zahl wie “4,9 Prozent” kommen kann. Insgesamt wären das 34.000 rechtsradikal organisierte Jugendliche. Der Geschäftsführer der Initiative “Schule ohne Rassismus” hat in der taz darauf aufmerksam gemacht, dass es nach Angaben des Verfassungsschutzes in Deutschland überhaupt nur 31.000 Mitglieder von rechtsradikalen Organisationen gibt. Möglicherweise sagt der Verfassungsschutz die Unwahrheit. Ich glaube eher dem Verfassungsschutz als Christian Pfeiffer.
Hübsch gesagt. Kompletter Text auch hier, bei zeit.de.

Hoffentlich bemerken jetzt endlich auch die “großen” Zeitungen (OKay, Bild nicht, aber die merken ja eh nix), dass die “Thesen” und “Untersuchungen” von Pfeiffer im besten Fall unwissenschaftlich und im schlechtesten Fall glatte Lügen sind.
Der Mann wird dafür bezahlt stimmige populistische “Untersuchungen” zu propagieren die dann von Politik und Medien bequem zur Verdammung und einem “Seht ihr, DAS ist der Schuldige, also müsst ihr nicht drüber nachdenken ob vielleicht am System was nicht stimmt” benutzt werden um die Massen zu beruhigen.
Aber ich glaub da noch nicht dran. Solang nicht ein differenzierter Bericht im Fernsehen oder einer großen deutschen Tageszeitung auftaucht, der nicht mit dem Unterton “Spiele haben aber auf jeden Fall und überhaupt den auslösenden und größten Einfluss” befürchte ich, dass solche Texte wie von Herrn Martenstein die lobenswerte Ausnahme bleiben :(
Gnah, hinter “Einfluss” fehlt natürlich “versehen ist,”… Kopf denkt schneller als Finger tippen :(
Die ZEIT ist ja immerhin eine halbwegs große, ernstzunehmende Zeitung. Anderes Thema, ähnlicher Effekt: Das heutige SZ-Magazin schreibt ebenso unverblümt über den Rechtsradikalismus in Kärnten. Aber in beiden Fällen gilt: Ich fürchte, daß diese kritischen Magazine oder überhaupt die seriöse Berichterstattung in den Zeitungen in den meisten Fällen bislang vor allem diejenigen erreicht, die ohnehin derselben Ansicht sind, so daß quasi offene Türen eingerannt werden. Denn so wie wir verstärkt nach Pfeiffer-kritischen Artikeln suchen bzw diese bewußter wahrnehmen, so guckt halt auch “die andere Seite” nach Vorwürfen *gegen* Killerspiele und such nicht primär deren Entlastung.
Ist Herr Pfeiffer eigentlich ein Gegenbeweis zum heutigen Tweet von Herr Kaliban, dass sich Kompetenz nicht vertäuschen läßt?
Oh, den habe ich sogar schon gestern in der Zeit lesen können und fand ihn ebenfalls sehr gut.
Endlich mal jemand, der einen unverklärten Blick auf sowas hat.
Hoffen wir nur, dass die Stimme nicht ungehört bleibt. Renommierte Aussagen gab es ja schon zuhauf, wahrnehmen will die Öffentlichkeit aber nur das, was sie hören will. Kennt man ja.
Sehr schöner Artikel. Gerade die Subjektivität macht ihn erfrischend anders. Aber ich muss doch zugeben, dass ich ein wenig die Donnerstagslinks vermisse. ;-)
Auch wenn ich mir wünschen würde, dass der Artikel eine gewisse Wirkung, vielleicht auch bei Politikern, zeigt, halte ich das realistischer Weise für Utopie. Ganz einfach deshalb, weil die Pappnasen von den Konservativen Rückendeckung für ihre »alles verbieten, was es 1920 nicht auch schon gab«-Strategie brauchen. Mir fehlt z.B. in den Medien die Thematisierung der Tatsache, dass Pfeiffer auch zur CDU gehört. Das wird meist nicht und wenn nur am Rande erwähnt. Würde halt die schöne These der Unabhängigkeit ein wenig stören.
Und für den Fall, dass jemand glaubt, ich finde die Clowns von der SPD besser: weit gefehlt. Um ehrlich zu sein, ist Wählen in der Zwischenzeit ein zweifelhaftes Privileg, weil man eigentlich nur zwischen Pest und Cholera abstimmen kann. Naja, hoffen wir mal, dass eine neue Partei etwas frischen Wind in den Laden bringt (nein, nicht die LINKE (die würde ich genauso wenig wie diese Idiotentruppe vom anderen Ende des politischen Spektrums wählen)).
Grüße,
Drizzt
P.S.: Ich nenne meinen derzeitigen Favoriten nicht, ich will hier keine Wahlwerbung machen.
*hust* Die FDP hat ja durchaus ihren Reiz *hust*
Guten morgen! :)
Komme grade von einer Garten-Party und will mich hier in keine große Diskussion einmischen (dafür bin ich viel zu voll) aber eins will ich trotzdem loswerden:
Drizzt spricht mir aus der Sehle! Sowohl politisch (es gibt derzeit keine Partei die meine Interessen echt wiederspiegelt) als auch abseits der politik ist derzeit keine Partei/Fraktion aktiv deren Denken ich vollständig zustimme. Am meisten da schon Herr Kaliban, der oft (aber nicht immer) das schreibt was ich denke :)
Ich werde mich jetzt weiter dem Bierkonsu widmen und versuchen andere Probleme zu ignorieren, aber solltet ihr irgendwann eine Revolution starten könnt ihr auf mich zählen ;)
PS: “Herr Doktor Pfeiffer” ist quasi mein Nachbar… leider lässt er sich auf gespräche/diskussionen mit “Killer-Spielern” nicht ein… oder er denkt ich bin die Reinkarnation des Satans oder so.
@Drizzt : Der Herr Pfeiffer ist seit 1969 Mitglied der SPD.
FDP? Oh ja, klasse! Noch mehr Liberalisierung. Davon kann man gar nicht genug bekommen. Bekommen ja schon einige zu spüren.
Also das was einige jetzt zu spüren bekommen ist aber von einer Rot-Grünen bzw. Schwarz-Roten Regierung eingeleitet worden, von Liberalisierung kann da keine Rede sein…
Nun ja, da bin ich anderer Meinung. Dass der Staat nicht mehr in den Geschäften herumpfuschte, die sich auf den Märkten abspielten, war sehr wohl eine voranschreitende Liberalisierung. Dass freie Märkte dazu neigen, ungezügelten Gierschlunden zum Opfer zu fallen, die dann offensichtlich zu Marktversagen führen, ist genau das Resultat. Dass der Mensch als Person in solch einer Denkweise der Wirtschaft untergeordnet wird, kommt noch dazu.
Aber gut, für politische Stammtischdiskussionen ist Herr Kalibans Blog eindeutig die falsche Plattform. ;-)
@Ellenn: meinte ich doch. *g* Irgendwie sowieso gleich, die einen haben halt Magenschmerzen bevor sie Bürgerrechte abschaffen und die anderen nicht. (Habe ich in der Tat kurzzeitig verwechselt. Sorry.)
@Konrad: Ich hoffe einfach mal, dass das »*hust*« deine Ironie-Tags waren. Denn die FDP ist nur so lange toll, bis sie an die Macht kommen. Die sind bei ihren Ansichten weitestgehend »sehr flexibel«.
Grüße,
Drizzt
@Drizzt
Also jetzt bin ich ja neugierig, wenn nicht CDU oder SPD und auch nicht FDP, wer denn dann? Die Grünen etwa??
Die Grünen sind für mich die einzig wählbare Partei, was anderes könnte ich überhaupt nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren. Eben das kleinste Übel.
@Konrad: Nein, die Grünen habe genauso gezeigt, dass sie für ein bisschen Macht vieles bis alles opfern. Ich meine, rennen auf der »Freiheit statt Angst«-Demonstration mit, aber mit dem Schily zusammen haben sie den »Otto-Katalog« beschlossen.
Und genau das ist – wie ich schon schrieb – mein Problem. Von den etablierten Parteien kann man eigentlich keine mit gutem Gewissen wählen. Aber da ich (wieder: s.o.) hier für keine Wahlwerbung machen möchte, werde ich jetzt keine Namen nennen. Nur so viel: die wären noch recht unverbraucht. Ich glaube auch nicht, dass sie alles besser machen würden, aber vielleicht mal wieder etwas frischen Wind in den Laden bringen.
Grüße,
Drizzt
Sehr schön, ich mag ihn jetzt schon, nur nach dem kurzen Textauszug in deinem Blogpost.
In großen Teilen stimme ich mit Drizzt Meinung über die großen Parteien überein, aber nicht, das man die Linke nicht wählen kann. Wenn einer glaubt, das die, falls sie in eine Regierungskoalition kommen, nicht auch Kompromisse schließen würden und stattdessen die Deutsche Bolschewistische Republik ausrufen würden, dem würde ich mal darauf hinweisen, daß sie in Berlin seit Jahren mitregieren.
Aber bis sie den Weg der Grünen gehen ( die man heutzutage echt nur noch als die Öko-FDP bezeichnen kann ) und alle Prinzipien verlieren, Hauptsache an der Macht, dauert das noch eine Generation. Und die Linke hat ja nicht nur schlechte Ideen.