OMFG, der liest Bücher! (Teil 1)

by Gunnar on 10. April 2009 · 8 comments

Ich wollte schon lange mal wieder ein paar Kurzrezensionen zu kürzlich gelesenen Büchern aufschreiben, hab’s aber immer vor mir hergeschoben. Jetzt sind’s so viele, dass ich sie auf zwei Postings aufteilen muss. Rest folgt morgen oder Montag. Los geht’s im subjektiven Schnelldurchlauf:

Tannöd (Andrea Maria Schenkel) Krimi
Tatsachen: Dutzendfach preisgekröntes Werk, erzählt einen (bis heute ungelösten) historischen Mord auf einem einsamen Hof in einem bayrischen Dörflein nach. Gruselig: Der Mord wurde ein paar Tage lang nicht bemerkt, weil der Mörder offenbar noch auf dem Hof geblieben ist und das Vieh versorgt hat.
Meinung: Ganz ehrlich, das ist kein Roman, nicht mal eine Kurzgeschichte, nur eine Montage leidlich authentisch wirkender Texte, mal subjektiv, mal pseudo-historisch. Liest man so in 40 Minuten runter, ist durchaus spannend und streckenweise toll geschrieben, macht aber nicht recht satt. Mehr Hype als Substanz.
Insgesamt: Typisches Verschenkbuch, muss man nicht selber haben.

055328789301lzzzzzzzRendezvous with Rama (Arthur C. Clarke) Sci-Fi
Tatsachen: Spielt 2077. Ein, uh, Objekt, dringt ins Sonnensystem ein — ein metallischer Zylinder, 60 km lang, 20 dick. Ist offenbar eine Art Raumschiff, aber nix genaues weiß man nicht. Captain Norton muss hinfliegen und nachgucken.
Meinung: Typisches Hard-SF-Buch — faszinierende Prämisse, logisch ausgearbeitet. Mit starken Augenmerk auf die Technik und das Abenteuer des Fremden. Ein aufregender, halbwegs komplexer Plot oder auch nur ausgefeilte Charaktere findet man in dieser Spielart der Science Fiction meistens eher nicht. Ist auch bei “Rama” so. Macht aber nichts, das Buch liest sich schnell weg, ist jede Minute spannend und öffnet ein Fenster in eine aufregende Welt, in der man gerne noch verweilen möchte.
Insgesamt: Guter Einstieg in das Werk von Clarke. In einer SF-Sammlung Pflicht.

glattauer darumDarum (Daniel Glattauer) Krimi
Tatsachen: Der Journalist Haigerer erschießt willkürlich einen Menschen, nur so. Er stellt sich, aber niemand glaubt ihm, dass er der Täter ist.
Meinung: Gute Idee, ganz gefällig geschrieben, aber zu viel Buch für die Idee. Der Roman schleppt sich so dahin, während man darauf wartet, dass der Autor einem verrät, warum der Mörder die Tat überhaupt begangen hat. Die Auflösung ist dann aber lange nicht so aufregend, wie man gehofft hätte.
Insgesamt: Nicht gerade schlecht, aber auch nichts besonderes. Die späteren Bücher des Autors (etwa Gut gegen Nordwind) sind deutlich, deutlich besser.

Old Mans War John ScalziOld Man’s War (John Scalzi) Sci-Fi
Tatsachen: Die Menschheit führt Krieg im All, im ganz großen Stil — mit Hunderten anderer Rassen kämpft man um kolonisierbare Planeten. Neue Rekruten holen sich die Weltraumtruppen von der Erde, wer 75 wird, hat das Recht, in die Armee einzutreten und dort einen neuen Körper zu bekommen.
Meinung: Erstaunlich, dass es in diesem Jahrtausend ein Autor wagt, zu schreiben, wie Robert A. Heinlein in den 60ern — die Helden sind harte Jungs, haben ausreichend Sex, ein bisschen Selbstzweifel, aber am Ende treten sie den Aliens in den Arsch. Für’s Vaterland. Die Aliens sind zahlreich, haben größtenteils schlechte Laune, verhalten sich aber oftmals einfach wie Menschen. Die Technik ist absurd forgeschritten, aber das gute, alte Kampfmesser ist immer noch im Einsatz. Nett. Bunt. Laut. Es gibt auch eine deutsche Übersetzung, die, dafür hat Heyne Prügel verdient, “Krieg der Klone” heißt.
Insgesamt: Abenteuer-Sci-Fi ohne großen Anspruch. Gut lesbar, aber letzten Endes trotz einiger guter Ideen nur Fastfood.

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