Es ist an der Zeit, eine der fundamentalen Wahrheiten unserer Zeit auszusprechen: Alles im Leben ist wie World of Warcraft. Beispielsweise das Aufziehen von Kindern, das ist sogar exakt wie WoW spielen.
Phase: Installation // Schwangerschaft
Was passiert: Die erste Phase dauert erschreckend lange, gefühlt ewig. Der verbrauchte Platz ist größer als man vorher dachte. Bevor der Vorgang abgeschlossen ist, muss man diverse Dokumente bearbeiten. Man ist voller Vorfreude, wünscht sich aber genervt, dass die Sache jetzt endlich losgehen möge und betet, dass kein Fehler auftritt.
Phase: Level 0-1 // Monat 0-3/4
Was passiert: Eigentlich passiert noch nicht recht was, aber das ist ganz gut, denn man versteht auch nicht, worum es geht. Man versteht auch überhaupt nicht, was alle anderen an der Sache so toll finden. Immerhin stellt man schnell fest, dass man mit der Grundausstattung nicht klar kommt, sondern Add-Ons benötigt (Milchpulver, Schnullis, Cosmos). Andererseits stellt man auch fest, dass man viele von den Addons, die einem die Leute aufgeschwatzt haben, doch nicht benötigt (Wärmelampe, Badewanne, Cosmos).
Phase: Level 2-20 // Monat 4/5 bis Jahr 3/4
Was passiert: Der Flow kommt. Das System spielt seine Stärken aus, die Belohnungstrukturen greifen: ständige kleine Fortschritte, täglich neue Fertigkeiten, erste Spezialisierungen, man beginnt, die Sache zu beherrschen und lernt die Ratschläge anderer Leute zu ignorieren. Schön. Man denkt drüber nach, einen Twink zu starten.
Phase: Level 20-79 // Jahr 3/4 bis 17/18
Was passiert: Die Taktung der Fortschritte nimmt ab, man stellt fest, dass man ohne Grinden und andere repetitive Tätigkeiten nicht weiter kommt. Erstmals braucht man auch die Hilfe anderer Leute und muss einer merkwürdigen Organisation beitreten (Kindergarten, Schule, Gilde). Und kann nicht umhin, an langwierigen Veranstaltungen teilzunehmen (Mathearbeit, Raid). Man ärgert sich immer wieder über systembedingte Unzulänglichkeiten, kann sich aber dennoch ein Leben ohne nicht mehr vorstellen. In schwachen Momenten überlegt man, zu cheaten (Internat, Nachhilfe, Goldfarmer).
Phase: Level 80 // Jahr 18
Was passiert: Irgendwie ist man fertig. Hat’s geschafft. Kann gegenüber wildfremden Leute mit seiner Leistung protzen und ungefragte Ratschläge erteilen. Trotzdem endet es nicht, sondern will immer noch monatlich Geld und Aufmerksamkeit. Das wusste man zwar theoretisch vorher, hat es aber irgendwie verdrängt.

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Danke, danke, danke, lange nicht mehr so gut gelacht.
Irgendwie hast du Komplett Recht :-)
Hmm, Spitzenartikel, nur hast du mir grade irgendwie die Lust auf WoW genommen^^
Nerd, mehr sage ich dazu nicht. ;)
Grüße,
Drizzt
die tags… lol
Und die Werbung fuer den Goldfarmer im Feed hilft auch gleich fuers Ambiente :) Mal wieder schoen geschrieben! Andere Themen, aber aehnliche Machart: http://johnaugust.com/archives/2007/seven-things-warcraft
Hat mir sehr gut gefallen :) Ich hab zwar in meinem Leben nur 2h WoW gespielt und es waren auch gleich die langweiligsten 2h in meinem Leben – ich denk aber ein kleines Würmchen könnte mich da mehr begeistern :) Später halt…viel später
Naja, da musste dann aber noch ein wenig leveln, ganz so weit biste ja noch nicht…*lach*
Haha gut geschrieben, aber mit Level 80 ergo 18 Jahren ist es nicht vorbei, gibt ja noch Addons wie die mögliche Freundin/der Freund und deren Nachwuchs ;).
Und dann gibt es die Phasen wo die Kontake seltener werden aber man sich immer wieder gerne zurück erinnert im Sinne von “weißt du noch damals!?”.
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