Herr Kaliban geht in die Politik (vielleicht)

by Gunnar on 4. Mai 2009 · 26 comments

Kurz vorweg: Es kann sicher nicht schaden, die ePetition gegen Internetzensur zu unterzeichnen. Nervt allerdings ein wenig, rein von der Methodik her. Aber Demokratie muss ja ein bisschen schmerzhaft sein, sonst wirkt sie nicht.

wahlSo. Und weil wir gerade beim Thema Demokratie sind — hey, es ist ja Europawahlkampf. Kriegt man aber nicht so mit, natürlich. Fünf Plakate, ein paar Twitter-Botschaften, Kundgebungen vor 15 Parteigängern — Europawahl verhält sich zu Bundestagswahl wie Spatzengeburtstag zu Hitchcocks “Die Vögel”.

Aber in diesem Zusammenhang kam mir gerade die sensationelle Idee, eine Partei zu gründen. Aber nicht einfach so eine normale, nein, heutzutage muss man kreativ sein, Ressourcen zerstören um Neues zu schaffen, um-die-Ecke-denken und all sowas. Also: Meine Partei funktioniert nicht wie alle anderen nach dem Motto: “Elitäre Gruppe mit starken persönlichen Interesse an Macht, Reichtum, Redezeit sucht beeindruckbare breite Masse mit Stimmrechten”. Meine Partei rekrutiert auch keine Mitglieder. Meine Partei rekrutiert Kandidaten — jeder, der will, kommt auf unsere Liste. Andere haben Wähler und Mitglieder, wir haben Kandidaten. Hunderttausende. Millionen.

So. Nun hat man natürlich nichts davon, Kandidat zu sein, wenn man auf dem Listenplatz 457.389 steht. Also verlosen wir die Plätze im Parlament, die wir gewinnen, unter den Kandidaten. Das ist sicher verfahrenstechnisch schwierig, weil das so bestimmt nicht vorgesehen ist, aber irgendein Schlupfloch wird sich finden lassen (wenn die CDU ihre Parteispenden an der Steuer vorbeikriegt, schaffen wir es auch, Zufallskandidaten nach Straßburg zu schicken). So hat jeder Wähler eine kleine, aber reelle Chance auf einen lukrativen Sitz im EU-Parlament, vier Jahre easy street bei vollen Bezügen. Das ist so fair, so zwingend, so eklatant logisch, dass wir gar kein Parteiprogramm mehr brauchen. Aus einem gewissen Vollständigkeitsdenken heraus würde ich aber natürlich ein paar Forderungen aufstellen, die zur ungewöhnlichen Kandidatenkür passen: Weniger Verschwendung, mehr gesunder Menschenverstand, mehr direkte Demokratie, mehr Kontrolle der Nebenjobs von Abgeordneten et cetera.

Bundesweit fünf Prozent sollten zu schaffen sein. Das wären so zehn Gewinner. Die sicher mehr Bezug zum normalen Volk haben als die Nasen, die von den etablierten Parteien als Belohnung für Jahre der Gefügigkeit entsendet werden. Und möglicherweise bessere Arbeit machen.

Super Plan. Aber was habe ich eigentlich davon? Hm. Schönheitsfehler.

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