Schon wieder falsch gelesen, sozusagen

by Gunnar on 11. Mai 2009 · 7 comments

Ach, ich habe es schon wieder getan. Soll ich doch nicht. Ist ja auch eine Schande, bereits gelesene Bücher nochmal zu lesen, wenn ungelesene stapelweise herumliegen. Aber es ist so passiert — zum einen habe ich dieses miserable Gedächtnis (nach durchschnittlich acht Jahren habe ich von einem Buch alles vergessen, es bleibt nur das vage Gefühl, es zu kennen), zum anderen ist da manchmal diese unerklärliche Unlust, sich auf Neues einzulassen. Letzteres ist sicher eine Alterseinscheinung, die im Laufe der Jahre bestimmt progressiv schlimmer wird und am Ende dazu führt, dass meine Tochter irgendwann für mich das programmieren muss, was in 15 Jahren statt eines Videorecorders in unserem Wohnzimmer steht.

gap cycle stephan r donaldsonAber ich fasele. Ich wollte doch von einem Buch erzählen. Also. Das Buch, das ich mittlerweile schon zum dritten Mal gelesen habe, ist This Day all Gods die aus der Gap-Serie von Donaldson. Ist der letzte Band einer Space Opera, Science Fiction also, aus fünf Bänden. Die Reihe hat zwei Handlungsstränge, einmal geht es (eher im Kleinen) um die Polizistin Morn Hyland, die von einem irren Piraten gefangengehalten und gequält wird, dazu kommt ein eher episch angelegte Part, wo die Geschichte von Warden Dios erzählt wird, der ist sozusagen Befehlshaber der (privaten) Erdstreitkräfte, hält seinen Chef, den Tycoon Holt Fasner, begründet für schlimmer als Hitler und versucht, dessen Karriere mit einer kniffligen Intrige zu beenden. Und dann sind da noch die Amnion, absurde Außerirdische, die Menschen durch Injektion einer Flüssigkeit zu einem der ihren mutieren lassen können, was an gewisse Urängste rührt und sie weitgehend unbeliebt macht.

Naja, das ist alles ganz gefällig erzählt, ein bisschen langatmig vielleicht, aber durchaus spannend — doch was die Serie in meinen Augen wirklich bemerkenswert macht, ist die Art wie Donaldson den Plot konstruiert und mit dem Thema Kommunikation umgeht. Denn: Anders als in manch anderen Scifi-Epen, wo der Captain mal eben von der Brücke aus eine Echtzeit-VoiP-Verbindung in den Andromeda-Nebel herstellt, weiß man hier nicht, was am anderen Ende der Galaxis passiert. Nachrichten reisen per Drohne oder Raumschiff. Das führt zu allerliebsten Verwicklungen, wenn die Leute auf der Erde Bruchstücke von den Ereignissen im Sektor der Amnion mitbekommen, die Geschehnisse (die der Leser genau kennt) falsch interpretieren und ungünstige Aktionen in Gang setzen, die wiederum von den Leuten im Sektor der Amnion falsch aufgefasst werden und so weiter. Das macht die ganze Sache komplex, aber Donaldson hält die Bälle ganz gut in der Luft.

Langer Rede kurzer Sinn: Das kann man lesen. Wenn man Scifi mag, natürlich. Gibt’s sogar auf Deutsch, jedenfalls Restbestände.

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