Ach, ich habe es schon wieder getan. Soll ich doch nicht. Ist ja auch eine Schande, bereits gelesene Bücher nochmal zu lesen, wenn ungelesene stapelweise herumliegen. Aber es ist so passiert — zum einen habe ich dieses miserable Gedächtnis (nach durchschnittlich acht Jahren habe ich von einem Buch alles vergessen, es bleibt nur das vage Gefühl, es zu kennen), zum anderen ist da manchmal diese unerklärliche Unlust, sich auf Neues einzulassen. Letzteres ist sicher eine Alterseinscheinung, die im Laufe der Jahre bestimmt progressiv schlimmer wird und am Ende dazu führt, dass meine Tochter irgendwann für mich das programmieren muss, was in 15 Jahren statt eines Videorecorders in unserem Wohnzimmer steht.
Aber ich fasele. Ich wollte doch von einem Buch erzählen. Also. Das Buch, das ich mittlerweile schon zum dritten Mal gelesen habe, ist This Day all Gods die aus der Gap-Serie von Donaldson. Ist der letzte Band einer Space Opera, Science Fiction also, aus fünf Bänden. Die Reihe hat zwei Handlungsstränge, einmal geht es (eher im Kleinen) um die Polizistin Morn Hyland, die von einem irren Piraten gefangengehalten und gequält wird, dazu kommt ein eher episch angelegte Part, wo die Geschichte von Warden Dios erzählt wird, der ist sozusagen Befehlshaber der (privaten) Erdstreitkräfte, hält seinen Chef, den Tycoon Holt Fasner, begründet für schlimmer als Hitler und versucht, dessen Karriere mit einer kniffligen Intrige zu beenden. Und dann sind da noch die Amnion, absurde Außerirdische, die Menschen durch Injektion einer Flüssigkeit zu einem der ihren mutieren lassen können, was an gewisse Urängste rührt und sie weitgehend unbeliebt macht.
Naja, das ist alles ganz gefällig erzählt, ein bisschen langatmig vielleicht, aber durchaus spannend — doch was die Serie in meinen Augen wirklich bemerkenswert macht, ist die Art wie Donaldson den Plot konstruiert und mit dem Thema Kommunikation umgeht. Denn: Anders als in manch anderen Scifi-Epen, wo der Captain mal eben von der Brücke aus eine Echtzeit-VoiP-Verbindung in den Andromeda-Nebel herstellt, weiß man hier nicht, was am anderen Ende der Galaxis passiert. Nachrichten reisen per Drohne oder Raumschiff. Das führt zu allerliebsten Verwicklungen, wenn die Leute auf der Erde Bruchstücke von den Ereignissen im Sektor der Amnion mitbekommen, die Geschehnisse (die der Leser genau kennt) falsch interpretieren und ungünstige Aktionen in Gang setzen, die wiederum von den Leuten im Sektor der Amnion falsch aufgefasst werden und so weiter. Das macht die ganze Sache komplex, aber Donaldson hält die Bälle ganz gut in der Luft.
Langer Rede kurzer Sinn: Das kann man lesen. Wenn man Scifi mag, natürlich. Gibt’s sogar auf Deutsch, jedenfalls Restbestände.

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Kenne die Serie. Ist empfehlenswert. allerdings hat mir der Zweifler-Zyklus vom selben Autor noch einen Tick besser gefallen.
Ach, was waren das für Zeiten, als noch alles was als scifi oder fantasy durchgehen wollte ein Zyklus sein musste :)
hey, das ist doch heute noch so.
Ich lese meine Bücher auch mehrfach, ich meine, sonst hätte ich mir sie ja nicht kaufen müssen, sondern bloß einmal aus der Bibliothek ausleihen müssen. Derzeit wird mal wieder der originale Dune-Zyklus gelesen. Und um ehrlich zu sein: ich warte keine acht Jahre bei den meisten Büchern. Wobei ich nicht mal sicher bin, ob mir das überhaupt helfen würde. Ich kann mich meist recht gut an ganze Passagen eines Buches/Films/… erinnern. Stört mich aber nicht, wenn die Geschichte bzw. der tiefergehende Inhalt gut ist.
Grüße,
Drizzt
Das fand ich auch schon immer total widersinnig, dass diese Raumfahrer mit ihren riesigen Bildschirmtelefonen immer Direktverbindungen zu Planeten herstellen, die Lichtjahre entfernt sind; schließlich würde sich ja selbst eine Nachricht in Richtung Mars um mehrere Minuten verspäten. Schön, dass sich da ein Autor anscheinend auch mal dran gestört hat und diesen Umstand auch noch sinnvoll in seine Handlung eingebaut hat. Jetzt müsste ich nur noch die Zeit finden den besagten Zyklus zu lesen…
Dass Nachrichten nicht sofort übermittelt werden, gibt es ja in anderen Büchern auch. Ich bin wahrlich kein SciFi-Experte, aber kenne das zB auch aus den Büchern von Lois McMaster Bujold.
Und zu Stephen R. Donaldson: Ich habe vor vielen Jahren seine Thomas Covenant-Saga gelesen und würde mir die nicht noch einmal geben. Dabei lese ich Bücher eigentlich auch gern öfters, aber das war für mich irgendwie zähe Kost (aber tolle Charaktere!). Vielleicht sollte ich aber mal kucken, wie Donaldson so mit Sciene Fiction zurecht kommt :-).
Besten Dank für den Tipp!
Nachdem man bei einem Zyklus nicht mit dem Finale anfangen sollte, habe ich mir erst mal “The real story” zu Gemüte geführt. Und dafür, dass der erste Band ja angeblich schächer als der Rest der Serie sein soll, fand ich ihn recht beeindruckend. Freue mich jedenfalls auf die weiteren Teile. Mein Dank an Herrn Kaliban für unterhaltsame Stunden ist nach The Shield, Deadwood, Rome und Firefly um einen Aufzählunspunkt reicher.
Gibt’s noch weitere Bücher, deren wiederholte Lesung neue Anschaffungen unberührt im Bücherregal verstauben läßt? Und überhaupt, wo sind beim neuen Seitendesign die Empfehlungen geblieben? Fragen über Fragen.
Beste Grüße,
Archie