Dieser Text klingt nach Männer/Frauen-Klischee, beschreibt aber das wahre Leben. Das Leben von Herrn Kaliban.
Wenn man mit einem Mann essen geht, ist das ziemlich easy: Es gucken beide kurz in die Speisekarte, wählen das, was sie immer nehmen, verständigen sich mit zwei Sätzen über die Biersorte und bestellen dann. Nach dem Essen wirft jeder einen Zwanzigeuroschein auf den Tisch, dann ist man draußen.
Wenn man mit einer Frau essen geht, passieren merkwürdige Dinge. Es fängt damit an, dass die Frau wissen will, was der Mann wählt. Er zögert kurz, sagt dann: Nun, den Burger vielleicht. Sie: Immer isst du Fleisch. Er: Grkmpf. Sie: Nimm doch den Fisch. Er: Grkmpf. Sie: Ach nein, nimm doch den Salat, ich bestelle den Fisch und wir können ja dann nach der Hälfte tauschen. Dann kann jeder zwei Gerichte probieren. Er: Grkmpf.
Kein Mensch weiß, warum Frauen nicht einfach was für sich bestellen und damit gut. Aber es geht ja weiter:
Der Kellner kommt. Er: Ich nehme den Caesar’s Salad, ohne Chicken. (seufzt leise und bitter) Sie: Ich hätte gerne den Zander, aber kann ich den auch mit Reis statt der Kartoffeln haben? Der Kellner: Sehr gerne. Sie: Und statt dem Beilagensalat einfach Gemüse der Saison? Der Kellner: Sehr gerne. Sie: Und achten Sie drauf, dass der Fisch nicht zu weich gekocht ist. Ach, und mein Freund nimmt noch ein bisschen Brot zu seinem Salat. Der Kellner: Grkmpf. Er: Grkmpf.
Es mag sein, dass Männer auch mal was an dem Gericht von der Karte ändern, klar. Aber hey, Weihnachten ist öfter.
Dann kommen die Teller. Der Mann beginnt zu essen. Die Frau kommentiert ausführlich Textur und Farbe des Fisches, probiert von der Portion des Mannes und widmet sich dann ihrem Gericht. Möglicherweise ist der Fisch mittlerweile ein bisschen kalt. Natürlich schmeckt es ihr nicht — der Reis pappt, das Gemüse ist fad und der Fisch kühl. Sie nimmt sich von seinem Salat, mit einem bezaubernden Augenaufschlag. Er seufzt, tauscht mit ihr den Teller und isst ihren Fisch auf.
Das Drama nimmt noch eine Weile seinen Lauf, mit Dessert (“Eigentlich sollte ich das nicht essen”) und Espresso (“Haben Sie den auch ohne Koffein?”). Dann fährt er sie heim.
Nachdem er sie abgesetzt hat, holt er sich noch einen Döner beim Türken an der Ecke.

{ 25 comments… read them below or add one }
“Dann kommt die Teller” – Ein irritierender Satz.
Ansonsten sehr lustig, wenn auch etwas klischeebeladen. Ich selbst und zwei meiner besten Freunde, alle hetero, sind mindestens so kompliziert und mimosenhaft wie die meisten Frauen.
Fisch ist schwules Fleisch…
So true. Ändert sich aber sobald man eine der seltenen Frauen gefunden hat die heiratsfähig ist. Die machen so einen Quatsch nicht.
Kleiner Salat. Und die Soße auf einem Extrateller.
…
Manche Filme haben halt auch noch nach Jahren Gültigkeit. ^_^
Aber ich bin froh, dass ich nicht so bin, wie die angesprochenen Frauen, und das, wo ich so sehr viele davon in der Familie habe.
Da kann der Herr Kaliban in gewisser Weise froh sein, dass er mit mir nicht essen geht… ich esse nämlich nicht immer das Selbe. Und das obwohl ich Mann bin. Ich lass mich da auch immer etwas von der Speisekarte überraschen und wenn ich schon nicht selbst koche, dann möchte ich auch Abwechslung haben. Und wenn das bedeutet, dass ich statt dem Reis lieber die Folienkartoffeln haben möchte, dann frage ich ob das geht. Auf der anderen Seite, bei »Essen teilen« hört der Spaß auf… ich vernichte vielleicht die Reste von meiner Begleitung. ;)
War dennoch sehr amüsant zu lesen, obwohl ich mal annehme, dass das etwas überzeichnet dargestellt war, oder? Zumindest in meinem Bekanntenkreis wüsste ich niemanden, der ein solches »Theater« veranstaltet.
Grüße,
Drizzt
P.S.: Brot gehört aber irgendwie schon zum Salat dazu (wenn der keine Beilage zu einem Hauptgericht ist) und da erwarte ich eigentlich, dass sich das von selbst zu meinem Salat gesellt. Ohne nachfragen.
@drizzt: Nein, das ist wahrscheinlich alles passiert. Genau so. Ohne die Tatsachen nett auszuschmücken und blogfertig aufzuarbeiten. Ehm.
@gunnar: Ein netter Blog zu dem Thema: http://www.kopfschuettel.de. Sehr lesenswert!
Wie gesagt, ich ging ja auch davon aus, dass es übertrieben ist. Nur das Problem ist: habe in der Zwischenzeit schon viel zu viele Dinge gesehen, wo ich immer dachte »das kann nie im Leben wahr sein«, dass ich sicherheitshalber noch ein »[...], oder?« angehängt habe.
Mir ist schon klar, dass sich Herr Kaliban hier auch einiges ausdenkt. Ich meine, wäre sonst auch etwas langweilig, oder?
Grüße,
Drizzt
Das mit dem Essen teilen ist eingentlich ne nette Sache, vor allem wenn man mit mehreren essen geht. Wenn jeder weiß wieviel er isst kann man überall probieren. In meiner Familie funktioniert das wunderbar :)
Fisch und Salat machem ein breites Kreuz und entfernt zuverlässig jeden Bauchansatz (zumindest zusammen mit 2x 60 Minuten Schwimmen die Woche). Das ist grob geschätzt etwa 35,87x männlicher als Döner futtern, Grillen und Biertrinken zusammengenommen.
Sorry, musste sein. ;-)
Ähmmm…..nein. Grillen und Biertrinken, mehr männlich geht nicht. Überprüfen sie ihre sexuelle Orientierung, “player1″. XD
Nun,
auch ich halte die Geschichte für absolut glaubwürdig. ;)
@Ellenn: Das Problem an Klischees ist, daß sie nie völlig falsch sind. Sonst wären sie ja nicht entstanden…
P.S.: Weiß im digitalen Zeitalter eigentlich noch irgendjemand, was ein Klischee ursprünglich ist? Mal kulturpessimistisch in die Runde gefragt…
@player1
naja, ich grille lieber und trinke dazu ein Bier… ;-)
Döner kommt nur dann rein, wenn ich keine Zeit habe…
Fisch esse ich gar nicht und Salat recht selten, trotzdem hab ich einen flachen, trainierten Bauch, das an sich finde ich männlich genug *g*
Natürlich esse ich Salat. Solange er in nem Döner oder Burger steckt. Aber Salat als Hauptgericht werde ich wohl erst Essen, wenn ich 20 Kilo zugenommen hab. Das gleiche gilt für Fisch. If it smells like fish it ain’t a dish. Solange wird in der Speisekarte immer nach dem dicksten Steak gesucht.
Ich kenne allerdings auch Männer, die sogar bei ner McDonalds Bestellung Änderungswünsche haben oder mit dem Kellner diskutieren, weil sie glauben eine normale Cola und keine Light bekommen zu haben.
Super, das gefällt mir. Frauen wissen eben meist (nicht genau), was sie wollen… jemanden, der ihren Teller leert, damit sie selber sich den süssen Seiten des Lebens zuwenden können =D
@Unlogical
Mein ganzer Neid ist dir sicher. Ging mir allerdings früher auch mal so. Leider falle ich so langsam in die Kategorie ‘Alter Sack’, und da stehen dann die meisten spätestens Mitte 30 vor der ganz persönlichen Entscheidung Mann oder Michelin-Männchen.
Hier gilt es dann zu (im wahrsten Sinne des Wortes) abzuwägen, ob Grillwürste mit Kartoffelchips oder ein als Homo sapiens identifizierbarer Körperbau männlicher sind. ;-)
@Gachmuret:
Zu dieser Erkenntnis bin ich auch schon gekommen. Und der Sinn eines blogs mit Kommentarfunktion ist es, die Beiträge des Autors zu kommentieren. Und inspiriert durch diesen Eintrag wollte ich nur mitteilen, dass das Leben trotz der vielen Klisches mit wahrem Kern doch noch ein ganzes Stück bunter und vielfältiger ist. Und das ist gut so, sonst wär es ja verdammt langweilig.
Freu mich schon darauf, mit Euch mal wieder das Überraschungsmenü zu bestellen…da kann ja so viel nicht passieren.
:-)
P.S.: Meine Göttergattin bestellt die Pizza aber auch nicht so, wie sie im Prospekt steht… ;-)
… also in meiner Familie ist der Vater das “Problemkind” am Tisch, wenns um Sonderwünsche geht… Klischees haben halt auch ihre Ausnahmen :P
Das ist korrekt. Aber Väter verhalten sich nur zuhause so. Wenn sie dann mit anderen Männern essen gehen, sind sie wieder ganz normal.
;-)
Interessant wird es dann auch noch wenn der Kellner eine Kellnerin ist… meine Erfahrung :
Ich: Cheesesteak ; Kellner : Okay.Getränk? ; Ich: Coke . … Cheesesteak kommt Cola kommt und so weiter, finito.
__
Ich: Cheesesteak ; KellnerIN: Welcher Käse darf denn sein , wir haben American oder Chedder. ; Ich: Grmpf -.- American , wie jeder andere normale auch (^_^), Kellnerin: Okay. Getränk dazu?; Ich: Coke ; Kellnerin: Normal , Light oder Zero? ; Ich: normal, please … grmpf…….usw. … auch toll ^^
Oder beim Türken um die Ecke, der erwiesenermaßen NUR vernünftige Döner hat, plötzlich ausschweifend türkische Spezialitäten bestellen, die schon in der Auslage nach Mist aussehen, und sich dann über die mangelnde Qualität wundern.
Nett, an diesen genialen Text von dir erinnert zu werden, wirklich einer deiner Besten :) Mehr davon!
Das kann man eigentlich nur unterschreiben…..
Leider….
{ 3 trackbacks }