Wenn ich einen Bundesligaverein trainierte,…

by Gunnar on 29. Mai 2009 · 15 comments

… dann würde ich alles ganz anders machen. Die herkömmlichen Trainer mögen einen Trainerschein gemacht und Sporttheorie gebüffelt haben, aber ich, ich kann auf die Erfahrung von 5.000 Partien Pro Evolution Soccer zurückgreifen. Dort habe ich gelernt, wie der Fußball wirklich funktioniert.

Erstmal würde ich meine Mannschaft auf die von mir entwickelte 4-4-1-Formation einschwören. Nun werden Kleingeister sagen, uh, 4-4-1, da fehlt doch einer. Das ist nur bedingt richtig — der zehnte Feldspieler ist mein Joker, nennen wir ihn “Libero”. Für die Position kaufe ich Maik Franz oder David Jarolim oder sonst einen eher, uh, robusten, Spieler. Vielleicht reicht es auch, Bernd Hollerbach zu reaktivieren. Der läuft dann ein bisschen im Mittelfeld herum, bis sich bei einem unserer Angriffe eine Gelegenheit ergibt. Da springt er Karateka-artig dem gegnerischen Spielmacher in die Beine, in der Hoffnung, den Mann kampfunfähig zu treten. Klar gibt’s dann mal ‘ne rote Karte, aber das macht nichts — unser Spielsystem sieht ja gar nicht vor, dass elf Spieler von uns auf dem Platz stehen. Nach ein paar Wochen reicht es dann sicher, wenn ich kurz nach Spielstart meinen Kampfsport-Spezialisten zum Spielfeldrand winke, ein paar Worte mit ihm wechsle und dann auf einen empfindsamen Leistungsträger der anderen Mannschaft zeige. So dass es JEDER sieht. Dann muss gar nicht wirklich gefoult werden, allein die Angst um Leib und Leben sollte den gegnerischen Spielmacher oder Starstürmer um sein Selbstvertrauen bringen (–> intermittierende Verstärkung).

Ich sehe schon Heulsuse Gomez ängstlich über den Platz schleichen, nicht wagend, meinem Libero den Rücken zuzukehren.

Um das Gefühl von Horror noch zu unterstützen, startet der Libero mit einer niedrigen Rückennummer und arbeitet sich, je nach Anzahl erlegter Feinde, von Spiel zu Spiel hoch. Eine Saison mit einer Rückennummer höher als 30 betrachte ich für ihn als persönlichen Erfolg, dann gibt’s eine Sonderprämie. Vor dem Spiel blenden wir auf der Anzeigetafel zu Motörheads I am the Sword die schönsten Knochenbrechszenen ein, um die gegnerischen Fans zu provizieren.

Aber das ist noch lange nicht alles.

Im Mittelfeld setzen wir drei Freistoßspezialisten ein, alle mit einer anderen Teilexpertise: flach, hart, geschnibbelt beispielsweise. Unser Angriffspiel basiert folglich darauf, erst gar nicht in den Strafraum eindringen zu müssen, wo man vielleicht den Ball abgenommen kriegt. Das ganze Ding mit dem Laufen, Passen, auf Abseits achten ist auch viel zu kompliziert. Wir schieben uns einfach ewig den Ball vor dem Strafraum hin und her, bis wir in eine Fernschussposition kommen (Notiz an mich: Was kostet eigentlich der Hitzelsperger?) und einfach draufdreschen können. Irgendwann geht einer rein und sei es nur wegen dem Wind. Alternativ entnerven wir die Verteidigung mit Finten und Gesten so lange, bis wir irgendwo im Bereich 20 bis 30 Meter vor dem Tor einen Freistoß bekommen. Dann zieht sich die gesamte Mannschaft siegessicher lachend hinter die Mittellinie zurück (gibt ja eh gleich Anstoß), nur der Mittelstürmer und der Freistoßschütze bleiben an ihren Plätzen. Der Schütze schießt, der Mittelstürmer (2 Meter groß, 120 kg Muskelfleisch) stemmt einen in der Mauer aus dem Weg. Zack, Tor. Sollte das Manöver aus irgendwelchen unwahrscheinlichen Gründen fehlschlagen, gibt’s immerhin keinen Konter, weil der Rest des Teams ja schon in Abwehrpositionen steht.

Der Mittelstürmer hat übrigens generell die Aufgabe, den 2.-Reihe-Schützen Bälle zurück zu spielen, keinesfalls soll er aufs Tor schießen. Tut er es hoch, nehme ich ihn vom Platz und wechsele einen Praktikanten ein, zur Strafe. Gleiches gilt, wenn Spieler flanken. Das ist verboten. Wir tasten uns mit simplen Flachpässen langsam über das Feld und erzielen unsere Treffer mit Weitschüssen.

Ein Überzahlspiel im Mittelfeld brauchen wir dazu nicht, daher müssen auch die Außenverteidiger keine Sturmläufe unternehmen, im Gegenteil. Die bleiben schön hinten und starren böse vor sich hin, bis der Feind sich das nächste Mal über die Mittellinie wagt.

Sichere Sache. Wir gewinnen alle Spiele mit 1:0. Also. Wer in den internationalen Wettbewerb will, aber keine Mannschaft hat, die das Spiel machen kann (Frankfurt? Hannover?), möge mich anrufen.

Ich stehe bereit. Ablösefrei.

{ 14 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

{ 1 trackback }

Previous post:

Next post: