Wer kein Deutsch kann, sollte zur BILD gehen

by Gunnar on 3. Mai 2009 · 29 comments

Lieber Stefan Hauck, Textchef der “Bild am Sonntag”,

in der heutigen Ausgabe ihres, auch liebevoll BAMS genannten, Revolverblättchens schreiben Sie in einem Text über den “Sturz” von Jürgen Klinsman (“Klinsi”):

“Ein bisschen überraschend vielleicht fängt dieser Text mit Helmut Schmidt an, dem Alt-Bundeskanzler, der sein Leben nutzt, um viele kluge Dinge zu sagen, zum Beispiel über das Rauchverbot und die chinesische Außenpolitik. Ein weniger kluger Satz von Herr [Helmut] Schmidt liegt 29 Jahre zurück und lautet: Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.”

Mal abgesehen davon, dass ein Anfang, der so holperig, so umständlich und so Ich-der-Autor-erkläre-euch-Deppen-mal-wie-ich-euch-überrasche daherkommt, jedem Volontär um die Ohren gehauen worden wäre: Das ist obendrein Blödsinn, Herr Textchef. Der Satz von Schmidt ist natürlich sogar sehr klug, nicht nur, weil er griffig ist und Schmidts Haltung hübsch zeigt, sondern auch weil er auf die korrekte Bedeutung von des Wortes “Visionen” hindeutet:

“Visionen” sind, wenn man die deutsche Sprache und nicht so ein pseudomodernes Management-Denglisch einsetzen will, Herr Textchef, immer noch “religiöse Erscheinungen” oder “Halluzinationen”.

Nur die fortschreitende Verstumpfung unserer Muttersprache durch Leute in Wirtschaftszweigen, die keine eigene Fachsprache entwickelt haben, deswegen mit Neid nach Amerika gucken und einfach ohne Sinn und Verstand englische Wörter und Konstruktionen in deutschen Satzstrukturen nageln, hat es ermöglicht, dass der Begriff “Vision”, der im Englischen auch sowas wie “Ziel” bedeuten kann, im Deutschen mittlerweile im Sinne von “richtungweisende, erneuernde Zukunftsvorstellung” einsetzbar ist. Das gilt aber nur für die Einzahl.

Und Sie, Herr Textchef, sollten doch das Streben haben, Deutsch korrekt zu verwenden.

Sogar in der BILD.

{ 27 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: