Juni 2009

Dr. Burda und die armen Verleger

by Gunnar on 30. Juni 2009 · 23 comments

Dr. Hubert Burda, deutscher Großverleger und eigentlich niemand, der im Netz großflächig zu spät gekommen wäre, fordert heute…

[…] Wir benötigen vernünftige und verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Zeitungen und Zeitschriften. […] Freier, verantwortungsvoller Journalismus muss refinanzierbar bleiben. Und wenn die strukturelle Krise der freien Presse deren finanzielle Spielräume enger werden lässt, muss die rechtliche Absicherung der wirtschaftlichen Basis umso mehr ein Selbsterhaltungstrieb unseres Rechtsstaats sein. […] (Quelle: faz.net)

…tja, was fordert er? Staatshilfen? Care-Pakete? Nein, er will ein Gesetz, das vor der, uh, Ausbeutung durch Suchmaschinen schützt. Ein hübsches kleines Gesetz extra für die Verlage, damit die ihren, nun, “verantwortungsvollen Journalismus” (welches seiner Magazine meint Dr. Burda hier: Focus, Bunte, Frau im Trend, Super-Illu?) weiter wirtschaftlich betreiben können. Leistungsschutzrecht heißt das ganz hübsch. Der Perlentaucher führt aus: Ein Leistungsschutzrecht für Verlage bedeutet, dass Verlage künftig auch ohne Einverständnis ihrer Autoren – ja sogar gegen den Willen ihrer Autoren – Zitate aus Artikeln in ihren Zeitungen schützen und damit kostenpflichtig machen können. Heise.de fasst die Angelegenheit unter der schönen Überschrift Verleger fordern Schutz vor und Geld von Suchmaschinen zusammen. Weitere Reaktionen hier, hier, hier und hier.

Mal ganz offen gesprochen, liebe Verleger — wer da das hohe Wort von kritischer Öffentlichkeit, von Qualitätsjournalismus, von Vierter Gewalt im Munde führt, muss sich auch die Frage gefallen lassen, was denn in den Medienhäusern da so Schützenswertes produziert wird. Brauchen wir den Boulevard, der nach Gutdünken Menschen erhebt und demütigt, brauchen wir Qualitätsmedien, die ihre Autoren auspressen, brauchen wir die ganze Masse an Ventilatoren für dpa-Meldungen, den ganze Promi-Klatsch, den ganzen Blätterwald für Partikularinteressen? Wird das Volk unmündig, wenn die Joy eingeht und Maxim nicht wiederkommt?

Oder haben wir es hier doch mit einer nicht recht zukunftsfähigen Industrie zu tun, die nicht weiß, wie sie der Krise begegnen soll und prophylaktisch nach dem Staat schreit, für den Fall, dass ihnen in den nächsten Jahren auch nichts einfällt?

Dabei sind die Rezepte klar: Preise für Printprodukte soweit erhöhen, dass sie sich notfalls ohne Werbung tragen (wenn’s WIRKLICH Qualitätsjournalismus ist, zahlen die Leute schon — siehe Brand Eins), aufgeblähte Apparate eindampfen, im Web maßvoll investieren und sich bei neuen Projekten an der eigenen Kernkompetenz entlanghangeln, anstatt mit Ausgabenkanonen auf Einnahmespatzen zu schießen.

Zugegeben: Ich (als alter Zeitschriftenmacher) wäre natürlich auch froh, wenn das alles immer so weiter gehen würde, wenn man auch heute noch als Chefredakteur einer Fernsehzeitschrift 30.000 Mark monatlich verdienen könnte, wenn Auflagen und Werbeeinnahmen auch heute noch wie von selber steigen würden. Aber so ist die Welt nicht — wenn wir unsere Jobs behalten wollen, müssen wir eben ein bisschen härter arbeiten, ein bisschen schlauer sein, ein bisschen querer denken.

Das ist nicht so angenehm, aber zumutbar.

Ohne Worte

by Gunnar on 30. Juni 2009 · 7 comments

(c) livia iacolare

(c) livia iacolare

[von Liva Iacolare, via restart my heart]

Deutsche Wertarbeit

by Gunnar on 29. Juni 2009 · 25 comments

Schmale Straße mit Randbewuchs, unübersichtliche Kreuzung. Ich rolle vorsichtig voran, muss dann aber doch etwas plötzlicher als gedacht bremsen, weil von rechts auf dem Radweg ein Fahrrad mit einem krampfig über den Lenker gebeugten Kurier heranschießt. Es folgt ein leiser Schlag, wie ein Händeklatschen, ein kaum hörbares Knirschen — eine Frau ist mir von hinten draufgeschwebt.

Wir steigen aus, begutachten den Schaden — nichts zu sehen bei beiden Wagen, nicht einmal ein Kratzer. Alter Passat auf neuen BMW und kein Schaden? Das ist deutsche Wertarbeit, denke ich noch und beruhige die aufgelöste Fahrerin.

Pustekuchen: Die Prüfung hinterher ergibt 2.500 Euro Schaden bei mir, wenigstens, und Totalschaden bei ihr. Absurd.

Offenbar wird bei modernen Autos der Teil direkt unter der Stoßstange aus Porzellan-Preziosen der Ming-Ära hergestellt.

Montagsmusik. Jetzt mal ein bisschen was Besinnliches, ist ja bald Weihnachten.


[Gaslight Anthem: Here’s looking at you kid]

Sonntagslinks

by Gunnar on 28. Juni 2009 · 11 comments

SITE: Was die IMDB für Filme und Mobygames für Spiele, ist Boardgamegeek für Brettspiele: fette Datenbank & lebendige Community. ###

SITE: Spezify ist eine ziemlich spezielle Meta-Suchmaschine. ###

VIDEO: Aus dem Leben eines Apfelkerns. (Animation) ###

VIDEO: Growing Up — ein Kurzfilm über’s Erwachsenwerden. ###

VIDEO: Nach all diesen Jahren im Schatten seines Bruders, dreht Luigi endlich durch. ###

VIDEO: Schwer ist es, mit der Ego-Shooter-Krankheit zu leben. ###

BILD: Schinken essen oder nicht — ein Flussdiagramm. ###

BILDER: “Internetsperre zeigt Wirkung: Michael Jackson tot” schrieb jemand neulich auf Twitter. Schön. Der Rest der Welt zeigt seine Trauer anders. ###

BILDER: “Game Idea is born. Guns are added.” — Der Lebenszyklus eines Videospiels. ###

BILDER: Eine ganzer Haufen kreativer Visitenkarten.

BILDER: Tolle Lego-Dioramen zu Filmen und so. ###

ARTIKEL: Nur der Sysadmin hätte das Unglück verhindern können… ###

ARTIKEL: Hannelore Kraft, Spitzenkandidatin der NRW-SPD, versucht, einen kritischen Blogger mundtot zu machen. Pfui. ###

ARTIKEL: Richtig Handeln in Finanzfragen — was würde Bilbo tun? ###

ARTIKEL: SpOn über den Online-Wahlkampf: “Sie werden sich noch wünschen, wir wären politikverdrossen.” ###

LISTE: 4 Heilige Frauen, in deren Leben Käse eine wichtige Rolle spielte. Uh. ###

LISTE: Blogger-Zeuchs: 31 Twitter-Plugins für WordPress. ###

LISTE: Alle möglichen Web-Nerd-Fachtermini in allgemeinverständlicher Weise erklärt. ###

LISTE: Roadsign Hacks. Was ist eigentlich die deutsche Übersetzung davon? ###

COMIC: Dieser Strip ist vermutlich so nerdig, dass ihn kaum jemand versteht und die, die ihn verstehen, kennen ihn bestimmt schon. Mist. ###

DING: Die Space Invaders — als Kühlschrankmagneten. Wow. ###

DING: Sachen, die es geben sollte: das Statistik-Türschild. ###

Überleben, wenn die Zombies kommen

by Gunnar on 23. Juni 2009 · 47 comments

zombieWann immer ich ein neues Gebäude betrete, schaue ich mir an, wie die Fluchtwege sind, ob man die Türen blockieren kann, ob Geräte in der Nähe sind, die man als Waffen verwenden kann. Ich schaue nach allem, was meine Überlebenschance im Falle eines Zombieangriffs erhöht. Manchmal gehe ich im Kopf mögliche Anti-Zombiemaßnahmen durch. Vorläufige Erkenntnisse: Flughäfen sind oft Todesfallen, Hotels generell zu offen gebaut, das IDG-Hauptgebäude hält eine Belagerung sicher eine Weile durch. Vermutlich hat der Architekt deshalb die Treppenhäuser zu eng geplant.

Uh. Das macht ihr sicher alle so, oder? Kann ja auch so schnell was passieren. Besser, man ist vorbereitet. Gewappnet. Präpariert. Gerüstet. Weiß Bescheid. Kennt die Tricks.

Ich meine, jeder macht sich Gedanken über Zombies, nehme ich an. Zumindest aber ein substanzieller Teil der Wikipedia-Befüller und Onlinecommunitybenutzer. Ist offenbar eine Art kulturelles Phänomen. Bringt der Zombie an sich irgendwelche uralten Saiten in uns zum Schwingen, erinnert sich unser Stammhirn an das Leben im Kral, wo die Medizinmänner an jedem ungeraden Dienstag Menschen in Zombies und Zombies in Anwälte verwandelt haben?

Oder sehnt sich der getriebene Bewohner der allzu komplexen und mit Fallstricken durchsetzen modernen Welt einfach unbewusst nach einem infizierenden Biss eines Zombies und dem dann folgenden Unleben ohne Verantwortung, Stress und Steuererklärungen?

Die Probleme der Watchmen

by Gunnar on 23. Juni 2009 · 0 comments

Warnung: Dieses Video ist nur witzig, wenn man Watchmen, also den Film, ihr wisst schon, gesehen hat. Vielleicht reicht’s auch, den Comic gelesen zu haben. Naja. Egal. Und so.

Hossa, der Herr Jürgen Rüttgers (CDU) aus Westfalen. Ich meine, hey, er ist ja schon was älter, da muss man sich mit diesem Internet und all dem nicht so auskennen, das nimmt ihm keiner übel, aber so ein Rundumschlag ist nun ein bisschen heavy. Klingt wie ein Versuch, sich die Zukunft wegzuwünschen. Wer’s nicht mitbekommen hat: Rüttgers sprach beim Medienforum NRW den anwesenden Verlegern nach dem Munde (“ich lese zwölf Zeitungen täglich”), redete Printmedien groß und das Internet klein, verdammte Killerspiele (als hätte sein Bundesland nicht eben erst in einem spektakulären Coup die weltgrößte Spielemesse an Land gezogen) und sprach sich obendrein Zensursula-mäßig dafür aus, “umstrittene Webseiten” auch ohne Gerichtsbeschluss zu sperren. Fuck the Grundgesetz, sozusagen. Dreifache Realitätsflucht.

Dass er den Qualitätsjournalismus als solchen lobte und für unverzichtbar hielt, ist schön und irgendwie lobenswert, dass er aber als Beispiel für die Unterlegenheit des Internet ausgerechnet die Sache mit dem Wilhelm bei Wikipedia heranzog, ist nachgerade grotesk — wenn dieser Fall irgendwas gezeigt hat, dann, das sowas wie Recherche oder das Überprüfen von Informationen nicht mehr zum Selbstverständnis des so genannten Qualitätsjournalismus zählt.

Ach, die CDU und das Internet, das geht nicht zusammen. Oder ist das ein eher nordrheinwestfälisches Problem?

Montagsmusik. Zur Stärkung des Herzens vor einer Woche der niederdrückenden Lohnarbeit, der Krise und der allgemeinen Bosheit der Welt. Mit Gitarren, natürlich. Und ein bisschen Geschrei.


[Thrice: Image of the Invisible]

Sonntagslinks

by Gunnar on 21. Juni 2009 · 17 comments

VIDEO: Jibjabs jüngstes Werk: He’s Barack Obama — come to save the day! ###

VIDEO: Wäre es nicht schöner, die Dinosaurier in Jurassic Park würden freundlich “Hey” sagen, anstatt immer so albern herumzubrüllen? ###

VIDEO: Katzencontent galore: Der coolste Weg, die Treppe herunter zu kommen. ###

VIDEO: Zum Auswendiglernen: der gottseidank nur halb peinliche Zensursula-Song. ###

VIDEO: 41 interessante Minuten: eine Art Arte-Doku über die Mondlandung. Auf Englisch, allerdings. ###

BILDER: Fotos von der Demo gegen Internetsperren in München, gestern. ###

BILDER: Multicolor Porn, eine Fotosammlung von Edward Olive. ###

BILD: Pac-Man verfolgt die Geister bis in den Tod! ###

BILD: Wenn ich nicht schon einen Blackberry hätte, würde ich bestimmt einen Blockberry kaufen. Ist auch viel billiger, vermutlich. ###

TEXT: Parteibuchbesitzer Nico über seine aktuellen Probleme mit der SPD. ###

TEXT: Schriftsteller Falko erklärt, warum er nicht die Piratenpartei wählen kann. ###

ARTIKEL: Wer ist der Platzhirsch beim Thema Echtzeitsuche im Netz? ###

ARTIKEL: Weltrekord! Die größte Schlumpf-Party aller Zeiten! ###

ARTIKEL: Ein Amerikaner muss vor Gericht, weil er ein Monster aus Materialien einer öffentlichen Baustelle gebaut hat. ###

LISTE: Zwanzig Produkte, die vom iPhone inspiriert wurden. ###

SITE: Oh, man kann mit der Google-Buchsuche komplette Zeitschriften durchblättern. ###

FILE: Die originale Stellungnahme (PDF) der KJM für die BPJM zum Indizierungsantrag für den österreichischen Spieleversender GamesOnly. Bisschen bizarr. ###

BLOG: Mir ist in diesen Tagen mal wieder aufgefallen, dass das Lawblog wirklich gut ist, auch wenn man sich für Gesetzesthemen gar nicht allzu sehr interessiert. ###

DINGE: Wunderschöne Holzschilder mit Typografie, auf alt getrimmt. ###

DING: Die offizielle Rorschach-Skimaske. Uh. Hoffentlich treffe ich niemals jemanden, der sie auf hat. Das ist dann vermutlich kein guter Mensch. ###

DING: Wenn man seine Flasche so markiert, benutzt sie sicher niemand anderer. ###

DING: Ein Piratenpartei-T-Shirt gibt’s kostenlos bei 3DSupply. ###

DING: Wow, ein Kicker-Tisch für Mädchen. Mit Barbies! Sensationell. ###

DING: Das Sonnenglas sammelt tagsüber Sonne und setzt sie abends frei. Oder so. Wäre bei Plants vs. Zombies sicher sehr hilfreich. ###

Ich bin der Doktor. Doktor wer?

Juni 20, 2009

Puh. Man tut sich schon ganz schön was an, wenn man frisch in eine Fernsehserie einsteigt, die gestartet ist, bevor man geboren wurde.

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Der Bundestag gegen die Realität, Teil 13445

Juni 18, 2009

In dem Versuch, die Jugend vollends dem Parteiensystem, der Demokratie und dem Prinzip Wählen gehen zu entfremden, greift die etablierte Politikerblase in einer Zangenbewegung von zwei Seiten an.

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