Dr. Burda und die armen Verleger

30. Juni 2009

in Die Doofheit der Medien

Dr. Burda und die armen Verleger

Dr. Hubert Burda, deutscher Großverleger und eigentlich niemand, der im Netz großflächig zu spät gekommen wäre, fordert heute…

[...] Wir benötigen vernünftige und verlässliche politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen für Zeitungen und Zeitschriften. [...] Freier, verantwortungsvoller Journalismus muss refinanzierbar bleiben. Und wenn die strukturelle Krise der freien Presse deren finanzielle Spielräume enger werden lässt, muss die rechtliche Absicherung der wirtschaftlichen Basis umso mehr ein Selbsterhaltungstrieb unseres Rechtsstaats sein. [...] (Quelle: faz.net)

…tja, was fordert er? Staatshilfen? Care-Pakete? Nein, er will ein Gesetz, das vor der, uh, Ausbeutung durch Suchmaschinen schützt. Ein hübsches kleines Gesetz extra für die Verlage, damit die ihren, nun, “verantwortungsvollen Journalismus” (welches seiner Magazine meint Dr. Burda hier: Focus, Bunte, Frau im Trend, Super-Illu?) weiter wirtschaftlich betreiben können. Leistungsschutzrecht heißt das ganz hübsch. Der Perlentaucher führt aus: Ein Leistungsschutzrecht für Verlage bedeutet, dass Verlage künftig auch ohne Einverständnis ihrer Autoren – ja sogar gegen den Willen ihrer Autoren – Zitate aus Artikeln in ihren Zeitungen schützen und damit kostenpflichtig machen können. Heise.de fasst die Angelegenheit unter der schönen Überschrift Verleger fordern Schutz vor und Geld von Suchmaschinen zusammen. Weitere Reaktionen hier, hier, hier und hier.

Mal ganz offen gesprochen, liebe Verleger — wer da das hohe Wort von kritischer Öffentlichkeit, von Qualitätsjournalismus, von Vierter Gewalt im Munde führt, muss sich auch die Frage gefallen lassen, was denn in den Medienhäusern da so Schützenswertes produziert wird. Brauchen wir den Boulevard, der nach Gutdünken Menschen erhebt und demütigt, brauchen wir Qualitätsmedien, die ihre Autoren auspressen, brauchen wir die ganze Masse an Ventilatoren für dpa-Meldungen, den ganze Promi-Klatsch, den ganzen Blätterwald für Partikularinteressen? Wird das Volk unmündig, wenn die Joy eingeht und Maxim nicht wiederkommt?

Oder haben wir es hier doch mit einer nicht recht zukunftsfähigen Industrie zu tun, die nicht weiß, wie sie der Krise begegnen soll und prophylaktisch nach dem Staat schreit, für den Fall, dass ihnen in den nächsten Jahren auch nichts einfällt?

Dabei sind die Rezepte klar: Preise für Printprodukte soweit erhöhen, dass sie sich notfalls ohne Werbung tragen (wenn’s WIRKLICH Qualitätsjournalismus ist, zahlen die Leute schon — siehe Brand Eins), aufgeblähte Apparate eindampfen, im Web maßvoll investieren und sich bei neuen Projekten an der eigenen Kernkompetenz entlanghangeln, anstatt mit Ausgabenkanonen auf Einnahmespatzen zu schießen.

Zugegeben: Ich (als alter Zeitschriftenmacher) wäre natürlich auch froh, wenn das alles immer so weiter gehen würde, wenn man auch heute noch als Chefredakteur einer Fernsehzeitschrift 30.000 Mark monatlich verdienen könnte, wenn Auflagen und Werbeeinnahmen auch heute noch wie von selber steigen würden. Aber so ist die Welt nicht — wenn wir unsere Jobs behalten wollen, müssen wir eben ein bisschen härter arbeiten, ein bisschen schlauer sein, ein bisschen querer denken.

Das ist nicht so angenehm, aber zumutbar.

{ 3 trackbacks }

Google vs Verleger – no-index als Experiment — ☠ Camp Ring2
1. Juli 2009 um 10:53
Probefahrers Ponyhof
1. Juli 2009 um 20:08
Der neue alte Journalismus
31. August 2009 um 10:51

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1 Konrad 30. Juni 2009 um 22:48

“wenn wir unsere Jobs behalten wollen, müssen wir eben ein bisschen härter arbeiten, ein bisschen schlauer sein, ein bisschen querer denken.”

“Dabei sind die Rezepte klar: Preise für Printprodukte soweit erhöhen, dass sie sich ohne Werbung tragen”

Wiederspricht sich das nicht?

Das mit den Preisen überzeugt mich ohnehin nicht so ganz, grade bei Magazinen wie Gamestar/Gamepro ist der klassische Käufer eher jung und finanziell nicht so gut betucht, dass er sich das Heft auch für 15 € leisten kann.

Achja, und um die Maxim ist es eigentlich ziemlich schade, die hatten nen guten Kalender…

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2 Gunnar 1. Juli 2009 um 09:33

nö. das widerspricht sich nicht. ist ein teil der maßnahmen.

und wer hat was von 15 euro gesagt?

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3 Thearcadier 30. Juni 2009 um 22:57

Ich glaub, die Klatschpresse wird als letztes eingehen. Habe mal irgendwo gelesen, dass dort die Nachfrage das Angebot weit übersteigt. Deshalb wird ja jeder Vollhonk und jede Tussi auf penetranteste Art hochgehalten. Aud diesem Grund existieren ja auch diese sogenannten IT-Girls…

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4 Lord Quinex 30. Juni 2009 um 23:06

Und wenn alle ach-so-wertvollen Zeitschriften dichtmachen:
Wenn sie sich von selbst nicht halten könne, warum müssen wir sie dann am Leben erhalten?

Wenn zu wenig Leute eine Zeitschrift kaufen, dann geht sie unter. Wir sind ein (ziemlich) demokratisches Land, und wenn die Mehrheit nur “Schund” oder gar nichts lesen will, warum hat dann der Gesetzgeber oder irgenteine Elite zu bestimmen, das trotzdem gelesen werden muss?

Wofür eine Zeitschrift, die eine kritische Meinung des Volkes sein will, wenn es eine solche gar nicht groß gibt.

Und wenns nicht an den Lesern liegt, dann wohl am Misswirtschaften der entsprechenden Herrausgeber. Und dafür Gelder gesetzlich rüberzuschicken ist absolut dämlich. Man muss sich doch überall anstrengen, um zu verdienen und sich zu verkaufen, warum also nicht in manchen Richtungen des Journalismuses?

Und was ist denn “Verantwortungsvoller” Journalismus?

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5 Sheak 30. Juni 2009 um 23:26

Diese Reaktion war aber zu erwarten. Wenn man keine Daseinsberechtigung mehr hat, schafft man sich selbst eine, und zwar mit großem publikumswirksamen Artikeln.

Aber auch die Postkutschenfahrer haben es nicht geschafft, erfolgreich die Eisenbahn verbieten zu lassen.

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6 Kai 1. Juli 2009 um 00:04

Ärger mit dem Adoptivvater?

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7 Kasimir 1. Juli 2009 um 00:43

Ganz einfach: Was zieht die Leute weg vom Papier hin zu online? Nun, erst einmal Aktualität, aber das ist das Geschäft der Tageszeitungen, Magazine und monatliche Formate sind davon zunächst nicht bedroht.
Was also noch?. Hipness. Coolness. Onlineness. Wozu ‘ne doofe Papierzeitung (oder -zeitschrift) lesen, wenn ich Infos auch modern und mit bunten Bildern zum anklicken online bekomme. Meiner Ansicht nach ist das Problem eher die überhöhte “Angesagtheit” der neuen Medien, das wird sich auch wieder legen. Und wenn nicht: Dann sollten die Verlage eben schauen, ob man nicht die Auflage halbiert und statt dessen online zu einem vergleichbaren Preis die gleiche Zeitschrift anbietet. Denn die Inhalte sind wohl nicht, was die Leute abschreckt. Klassischer Journalismus wird nicht alt.

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8 Drizzt 1. Juli 2009 um 00:48

Ich finde die Überschrift zur Meldung im Heise-Newsticker hat es sehr treffend formuliert: »Verleger fordern Schutz vor und Geld von Suchmaschinen«. Der Herr Burda ist genauso genial wie all die anderen Verwerter: Vorteile neuer Medien nutzen, potentielle Nachteile per Gesetz verbieten lassen und die (funktionierenden) Geschäftsmodelle anderer (die man auch hätte selber umsetzen können) mästen per Zwangsabgabe. Zu den Forderungen, die im Artikel bei Heise so schön als Liste aufgeführt sind, fällt einem wirklich nichts mehr ein: da wollen die Verleger den anderen Markteilnehmern vorschreiben, wie sie ihr Geschäft machen sollen und sich für die dann verkrüppelten und wertlosen Dienste auch noch alimentieren lassen. Wenn die dann noch so eine Zahlenspezialistin wie die Zursel finden, dann rechnet die der Politik sicher auch was vom »entgangenen Milliardengewinn« vor… ach, Moment, das gibt’s ja schon mit diversen Namen wie ZKM oder IFPI oder VDZ.

Und dabei wäre die Lösung so einfach: einfach keine Webseiten mehr betreiben, dann »klauen« die bösen Suchmaschinen auch nichts mehr.

Im Unglauben über die angehäufte Dummheit der Internetausdrucker,
Drizzt

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9 Gunnar 1. Juli 2009 um 09:28

Wobei es in der Tat ärgerlich ist, dass das jemand eine Suchmaschine hinstellt, die nach irgendwelchen obskuren Kriterien arbeitet und saubere redaktionelle Inhalte ignoriert, wenn man sie nicht speziell im Sinne eben dieser Suchmaschine anbietet.

Dieser Mechanismus hat die SEO-Experten auf Kosten der Content-Anbieter reich gemacht.

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10 Drizzt 1. Juli 2009 um 14:26

Sehe ich nicht ganz so, die meisten – insbesondere die größeren – Suchmaschinen arbeiten nach Methoden, die jedem bei ein wenig Beschäftigung mit der Materie halbwegs logisch erscheinen*, denn die haben von SEO auch nichts. Das vernichtet eher ihren Wert. Auf der anderen Seite muss sich meiner Meinung nach niemand wundern, wenn seine Seite im Nichts verschwindet, wenn er sämtliche Sachen mit Wert (wird heute gerne als »Content« bezeichnet) in irgendwelchen RIA-Formaten (ja, auch Webseiten die Dank AJAX nichts mehr anzeigen ohne aktiviertes ECMAScript sind nicht gerade förderlich) versteckt oder eine (formale) Seitenstruktur verwendet, die noch nicht mal den ersten und einfachsten Test des W3C-Validators überlebt. Im Endeffekt handelt es sich ja bei einer Suchmaschine um ein Programm, welches aus Inhalt, Struktur und Kontext versucht eine Relevanz zu einem Suchbegriff abzuleiten. Und auch wenn das diversen »Mediendesignern« nicht gefällt: die Struktur ist vorgegeben. Für die optische Aufbereitung gibt es andere Techniken, die eine Suchmaschine gar nicht anguckt.
Auch sehr beliebt um in der virtuellen Leere zu verschwinden: auf Klickstrecken und ähnlich inhaltsleeres Zeug** setzten. Dumm nur, dass das auch eine beliebte Technik von SE-Optimierungen war/ist und die Suchmaschinen auf so etwas meist gar nicht gut anspringen.

Aber um auf das Basis-Argument zurückzukommen: warum dann schon wieder nach Ver- und Geboten schreien? Das ist echt ein ganz übler Reflex (in Deutschland) bei allem und jedem sofort nach einem neuen Ver-/Gebot zu rufen. Das fängt bei PC-Spielen an, geht mit dem »rechtsfreien Raum Internet« weiter und hört den Forderungen aus der Verwerterindustrie noch lange nicht auf. Wäre es nicht schöner, wenn man sich mal konstruktiv und offen mit einer Sache auseinandersetzt? Aber nach gesetzlichen Regelungen rufen geht halt leichter.

Grüße,
Drizzt

* Kleine Anmerkung: d.h. nicht, dass es nicht Fehler in der Software hinter den Suchmaschinen gibt, die sich mittels SEO ausnutzen lassen.
** Ich will hier jetzt eigentlich nicht auf die Blogbar verweisen, aber das fällt verdammt schwer, wenn ich da an einige Webseiten von »Qualitätsmedien« denke.

11 Syko-Rc 1. Juli 2009 um 02:02

also ich lese bis auf gamestar, national geographic und p.m. History kein printmedium. ist mir zuviel papier zum wegschmeißen… wichtige nachrichten finde ich im netz oder lass es mir von arbeitskollegen erzählen (fernseher hab ich vor jahren weggeworfen, dadurch hab ich so manchen mist zum glück verpasst).

was da vorgeschlagen wird erinnert mich an die deutschquote, die vor einiger zeit fürs radio gefordert wurde… war des nicht unter anderen der udo lindenberg? egal…

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12 Pomme 1. Juli 2009 um 09:56

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich werde jetzt gepflegt meine Süddeutsche nehmen, mich auf dem Sonnen-Balkon lümmeln und entspannt lesen, was denn so alles passiert ist. :-)

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13 Christoph72 1. Juli 2009 um 10:21

…das mit der Süddeutschen gefällt mir ;)

Die Forderung von Burda, der Ruf nach staatlicher Monopolsicherung quasi, ist falsch, aber üblich. Anwälte forderten vehement, das neue Rechtsberatungsgesetz in der jetzigen Form nicht zu erlassen, weil sie ihr automatisches Monopol nicht teilweise zugunsten anderer Berufsgruppen (z. B. Steuerberater, Rechtsschutzversicherer, oder auch Autowerkstätten bei Schadensregulierung mit Kfz-Versicherern) verlieren wollten.

Wenn man die Folgen tatsächlicher Marktentwicklungen immer durch Gesetze umgehen wollte, hätten wir nicht nur noch mehr Schulden, sondern auch noch an jeder Ecke Dampfmaschinen, Tagebau und Stationen zum Pferdewechseln für die Post, böse gesagt. – Man muß sich vielmehr, ob man will oder nicht, an den Markt anpassen und die potentiellen Kunden entweder von der Qualität und den Vorteilen des gegenwärtigen Produkts überzeugen – oder auch das neue Produkt anbieten.

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14 Styg 1. Juli 2009 um 12:53

Interessant in dem Zusammenhang ist auch, dass es z.B. die GameStar – zusammen mit vielen anderen Publikationen – in schönster Regelmäßigkeit auf den einschlägigen Seiten zum Download gibt. Hab’sch mir mal eine runtergeladen. Jaja, ich kauf’ sie allesamt brav am Kiosk, keine Sorge. Alles piekfein eingescannt, teils sogar werbefrei.
Habe ich mal rechercheriert als Herr Kaliban das Thema in einem früheren Blog-Beitrag angeschnitten hatte.

Ein bisschen kriegt der Print die bei Musik- und Computerspielen herrschende Umsonst-Mentalität also auch ab. Die Wertschätzung ist nicht mehr da, man muss sich was einfallen lassen, Qualität liefern, flexibel sein. Letzteres ist Herr Burda wohl nicht. Denn er fordert Stillstand, zementiert durch die Gesetzgebung. Die Welt hat sich weitergedreht, würde ich sagen …

Ich würde auch 10 Euro auf den Tisch legen, wenn mich eine Zeitschrift dafür einige Stunden unterhält und ich nicht das Gefühl habe, mit hingeschmiertem Füll-Content oder einer bestimmten Masche abgefertigt zu werden. Kino ist auch nicht günstiger.

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15 Drizzt 1. Juli 2009 um 22:27

Kleiner Nachtrag zum Thema: bei netzpolitik.org gibt’s einen hübschen Artikel.

Grüße,
Drizzt

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16 Drizzt 2. Juli 2009 um 16:04

Noch ein Link, den ich einfach mal unkommentiert hier poste: auch bei Springer kann man zwecks Gewinnmaximierung sehr kreativ sein

Grüße,
Drizzt

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17 Sebi_313 2. Juli 2009 um 12:56

Also mal ehrlich? Ich verstehe diese ganzen Forderungen nach Staatshilfe nicht.
Ich meine, ich verstehe schon, dass sich natürlich jeder gerne vom Staat unter die Arme greifen lässt. Aber ich verstehe nicht, warum sich der Staat ständig auf sowas einlässt.
Und das auch nur, wenn große Namen wie Opel, Quelle/Karstadt, Hypo, Holzmann oder jetzt Burda im Raum stehen und das fordern.
Das erinnert mich an die ähnlich lächerliche Forderung von Bayernmanager Hoeneß, der die GEZ Gebühr zugunsten der Bundesligavereine erhöhen wollte.

Ich bin immer noch der Meinung, der Staat sollte sich aus sowas raus halten und den Markt die Sache selbst regeln lassen. Sonst würden wir heute noch mit Pferdekutschen fahren.
Wenn Burda mit der SuperIllu dicht macht, stehen Lisa, Laura und Lina bereits in den Startlöchern diese Lücke zu schließen.
Wenn Quelle pleite geht, schaffen es andere kleine Online-Shops und regionale Einzelhändler vielleicht auch endlich mal, halbwegs profitable zu sein.

Warum sollen wir alle für die Interessen einiger weniger zahlen?
Für mich geht das nur, weil die Politik da ohne ende am kummeln und korrumpieren ist.

Und warum überhaupt, gibt es das Buchpreisbindungsgesetzt???
Noch so eine überflüssige Institution die nur zum Schutz der Verlage geschaffen wurde. Unfassbar für mich …

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18 Styg 2. Juli 2009 um 15:40

Als Geschäftsführer eines kleinen Buchverlags muss ich sagen, dass man die Buchpreisbindung nicht vorschnell verteufeln sollte. Sie hat nicht nur negative Seiten. Ein Wegfall würde auch nicht unbedingt günstigere Preise nach sich ziehen.

Betrachtet man ein Buch als reine Handelsware, wirkt die Preisbindung seltsam, zugegeben. Sieht man Bücher als schützenswertes Kulturgut dessen Vielfalt erhalten werden muss, dann macht die Preisbindung Sinn. Sie aufzuheben würde bedeuten, die Qualität eines Buches anhand dessen Umsatzchancen zu bemessen. Die Preisbindung schützt kleinere Häuser, Nischen, Seltsames, Special Interest. Und es ist schon heute schwer genug, Kleinstauflagen (1000 Expl.) einigermaßen seriös finanziert auf den Markt zu bringen.

Ohne Buchpreisbindung würden die großen Ketten kleine Verlage und Buchhandlungen binnen kürzester Zeit dezimieren. Economy of Scale – eine große Handelskette kauft einen Bestseller mit 50%+x Einkaufskondition ein und gibt ihn dann mit knapper Marge als Lockangebot an den Endverbraucher ab. Der Verkaufspreis würde nur einen Bruchteil von dem der Buchhandlung um’s Eck betragen. Die kann diese Preise nämlich niemals mitgehen. Aber: Die Kette verkauft nur den Bestseller, die Buchhandlung bietet ein breites Sortiment. Dieses Sortiment ist nur durch Querfinanzierung realisierbar, ohne den Umsatz von einzelnen erfolgreichen Produkten wäre das Angebot nicht möglich.

Die Preise von Bestsellern könnten ohne Buchpreisbindung fallen, das ist korrekt. Aber: Die Preise für “normale” Bücher ohne Beststeller-Charakter würden steigen. Das zeigt ein Blick in die Schweiz, die ohne Not ihre Preisbindung abgeschafft hat. Bestseller sind günstiger, der Rest ist teils deutlich teurer, Buchhandlungen sterben, kleine Verlage sterben, es wird immer weniger veröffentlicht. Und marktbeherschend sind zwei große Ketten – die mittlerweile übrigens die Preise für Bestseller wieder deutlich angezogen haben …

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19 Gachmuret 2. Juli 2009 um 19:09

Da muß ich dem werten Kollegen vollumfänglich zustimmen.
Es ist eine Illusion zu glauben, ein Wegfall der Buchpreisbindung würde Preise senken – Schweden hat vor ca. 10 Jahren die Preisbindung abgeschafft. Mit dem Ergebnis, daß die Bücher heute, nach einer hübschen kleinen Marktbereinigung, die etliche kleine Händler dahingerafft hat, die Bücher heute deutlich teurer sind (was man im Übrigen von den deutschen Büchern nicht behaupten kann).
Die Preisbindung bewirkt, daß es egal ist, wo man ein Buch kauft – der Preis bleibt gleich. Dies hilft, ein dichtes Netz von Buchhandlungen und Verlagen zu erhalten. Insofern ist es selbstverständlich ein Gesetz, daß eine Branche (die man im Übrigen nicht allzu hoch hängen sollte – alleine Aldi Nord macht mehr Umsatz als die gesamte Buchbranche) schützt. Weil dies politisch und gesellschaftlich so gewollt ist, weil man der Meinung ist, Literatur seien eben doch keine Socken.

Und um dies noch abschließend hinzuzufügen: Keiner der hiesigen Buchhändler oder Verlage wäre derzeit “systemrelevant” genug, um auch nur einen Cent Unterstützung zu bekommen.
Ob die Big Player des US-amerikanischen Buch”marktes” nicht inzwischen too big to fail sind, steht auf einem anderen Blatt.

kurz:
Die Buchpreisbindung ist ein Schutzgesetz für Kreative, das weiterhin Sinn macht, weil es hilft, eine bunte, lebendige Buchhandels- und Verlagslandschaft samt daran hängender Kreativer zu erhalten.

Fragt mal einen Nicht-Bestseller-Schriftsteller, ob er auf die Künstlersozialkasse wirklich verzichten könnte…

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