Der Kater und die Nahtoderfahrung

by Gunnar on 12. Juni 2009 · 13 comments

Ach, Katzenbesitzer und Katzen entwickeln über die Jahre seltsame Rituale, die Außenstehenden schrullig vorkommen mögen. Bei Hund und Herrchen bleiben die Verhältnisse, einmal geklärt, ja ewig bestehen — ist der Mensch der Chef, bleibt er’s. Ist der Hund die Nr. 1 und Herrchen bloß Futterbringer, ist das auch nichts, was sich so leicht noch mal ändert, es sei denn, die Tier-Nanny wird gerufen. Bei Katze und Mensch vermischen sich die Hierarchien regelmäßig, je nachdem, wie die Beziehung gerade läuft. Oder so.

Aber ich wollte über Rituale sprechen: Unser Kater hatte die Angewohnheit, in der Küche auf die gut hüfthohe Kommode zu springen und dort auf mich zu warten. War ich nah genug, ließ er sich seitwärts fallen, in dem Gottvertrauen, dass ich ihn im Vorbeigehen fange und langsam an meinen Beinen herabgleiten lasse, wie ein Kind auf der Rutsche. Absurdes Spiel, aber wir wussten beide, was voneinander zu erwarten war. Das ging solange gut, bis…

… eine Freundin zu Besuch kam, zufällig im richtigen Tempo zur richtigen Zeit an der Kommode vorbeiging und so dem Kater unwissentlich ein falsches Signal sendete. Der wartete den normalerweise richtigen Moment ab, kippte von der Kommode und schlug neben der Freundin auf dem Boden auf. Maunzen, Wimmern, vorwurfsvoller Blick. Die Freundin, die das Geschehen nicht deuten konnte, rief “Hey, eure Katze wollte gerade Selbstmord begehen” und war dann untröstlich, als wir ihr die Zusammenhänge erklärten.

Ich kann nicht ausschließen, dass sie uns und unseren Kater seither für einigermaßen bekloppt hält.

Aber so sind die Rituale zwischen Menschen und Katzen.

{ 13 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: