Schmale Straße mit Randbewuchs, unübersichtliche Kreuzung. Ich rolle vorsichtig voran, muss dann aber doch etwas plötzlicher als gedacht bremsen, weil von rechts auf dem Radweg ein Fahrrad mit einem krampfig über den Lenker gebeugten Kurier heranschießt. Es folgt ein leiser Schlag, wie ein Händeklatschen, ein kaum hörbares Knirschen — eine Frau ist mir von hinten draufgeschwebt.
Wir steigen aus, begutachten den Schaden — nichts zu sehen bei beiden Wagen, nicht einmal ein Kratzer. Alter Passat auf neuen BMW und kein Schaden? Das ist deutsche Wertarbeit, denke ich noch und beruhige die aufgelöste Fahrerin.
Pustekuchen: Die Prüfung hinterher ergibt 2.500 Euro Schaden bei mir, wenigstens, und Totalschaden bei ihr. Absurd.
Offenbar wird bei modernen Autos der Teil direkt unter der Stoßstange aus Porzellan-Preziosen der Ming-Ära hergestellt.

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Mein 96er Ford Mondeo hat bereits ein Reh auf dem Gewissen (90km/h, ein Riss im Plastik), eine Rutschpartie auf einen VW (ein zweiter Riss) und eine Vollbremsung vor mir (eine Delle im Kennzeichen) hinter sich.
Das Reh war sofort tot, der VW bei 1.500 Euro und der BWM mit der Bremsung 2.500 Euro. Ich hätte zumindest die Vollbremsung kommen sehen müssen. Nun habe ich mich vor kurzem entschlossen, die Risse mit Industrieplastik zu flicken. Passt.
Aber die Finanzlage bei Ford soll ja nicht mehr so toll sein…
Nun ja, hm, womit soll man in Zeiten der Krise denn sonst sein Geld verdienen? Zu Boom-Zeiten wär’s wohl dabei geblieben, dass der Unfall schadenfrei ausging.
Hat das der Fahrradfahrer denn mitgekriegt und ist stehengeblieben?
@phantomas: unsinn, krise hin, boom her, bei einem unfall holt jeder (geschädigte) das maximum aus raus. Wenn mir einer ranfährt beim ausparken ist mir die kleine beule auch egal, lass mir das dann auszahlen. Eigentlich unverschämt das sowas überhaupt möglich ist, aber was solls. Egal ob in wirtschaftlich guten oder schlechten Zeiten, greed is good ;-) (ich hoffe ich habe dein statement richtig interpretiert…)
Ja, geb ich dir doch Recht. Geld kann man schließlich ganz offensichtlich nie genug haben. Ich, öhm, wollte nur eine fadenscheinige Begründung finden. ;-)
Ich darf glaubhaft versichern, daß *nicht* jeder das Maximum herausholt, sondern sehr viele vernünftig-defensiv-sparsam denkende Leute wie Du und ich ebenfalls unverschuldet Unfälle erleiden – aber man kann auch verstehen, wenn jemand sein neuwertiges Fahrzeug eben wieder fachgerecht repariert haben möchte; und für die Kosten kann er dann auch nichts.
Das liegt unter anderem an dem blöden Leasing — da muss man ja das Auto heil wieder abgeben, sonst zahlt man.
Bei meinem alten Kadett ist mir zu Studienzeiten einer draufgerauscht und hat eine Delle in die Stoßstange gemacht — da habe ich nur abgewunken, weil der Wagen eh 13 Jahre alt war und voller Beulen.
schmoller hat recht, das ist gängie Praxis seit Jahren (oder zumindest seit ich fahre). Selbst bei kleinen Kratzern oder Dellen wird direkt ein Austausch der betroffenen Teile veranschlagt, und das kann für ein älteres Modell durchaus auch schon mal wirtschaftlichen Totalschaden bedeuten (vor allem wenn man zum Begutachten zur dazugehörigen Markenwerkstatt fährt). Das wird dann zum Beulendoktor gebracht und für ein paar Euro fuffzig ausgebessert, und vom Rest geht man schön essen. Oder fährt in Urlaub.
Ich würde empfehlen es einfach genauso zu machen, es ist nicht verboten und wenn mans als einziger nicht ausnutzt benachteiligt man sich nur selbst. Sieh es als Versicherungsbonus an, Vollkasko is ja teuer genug.
Das erinnert mich haargenau an meine Geschichte, nur dass ich der Unfallverursacher war und das Ergebnis kaum glauben konnte.
Ich hatte seit einer Woche den Führerschein und war damals beim Wenden rückwärts an das Nachbarsauto angedockt ;)
Nicht schnell jedenfalls und eine kurze Begutachtung des Schadens ergab, dass vermutlich der Kotflügel ausgetauscht werden müsste. Das war zwar auch nur eine kleine Beule, gerademal einen Daumennagel groß – aber ok, der Geschädigte soll ja seine Karre so gut wie vorher wiederbekommen.
Das Gutachterergebnis sprach dann ganz andere Worte: Lenkung verzogen, 5000 € Schaden.
War aber ein Skoda … ;)
ging mir mit meinem *seufz* alten Ascona vor n paar jahren genauso: im winter mit ca. 10 km/h auf n parkenden astra gerutscht. die werkstatt behauptete dann, dass die komplette stoßstange des astras getauscht werden müsste. bei mir war nicht mal der hauch eines kratzers (obwohl bei dem ascona wärs wurscht gewesen). meiner meinung nach sollten die die autos wieder etwas stabiler bauen. aufprallenergie abfangen hin oder her, aber n kleiner bumser sollte nicht gleich n tausender kosten. ich fahr jedenfalls immer noch trotz abwrackprämie meinen alten mercedes C180…
@Syko-Rc: oder man sollte einfach mit beulen weiterfahren. das auto ist ja vor allem in deutschland statussymbol und wertgegenstand, aber kein nutzgegenstand. mein ehemaliger fahrschullehrer sagte mal treffend, daß bei einem auffahrunfall in frankreich der vordermann mit nem baguette und der hintermann mit ner flasche rotwein aus dem auto springt, einer zusammen getrunken wird und fahren beide glücklich weiter. auf der anderen seite hab ich auch noch nie einen teureren wagen besessen als meinen alten golf III mit 220.000 km auf der uhr.
Anmerkung von einem, der das hauptberuflich aufarbeitet: Wenn Ihr am Unfallort mangels sichtbarer Schäden einvernehmlich erleichtert Eurer Wege gefahren wärt, ohne Adressen auszutauschen, hätte nachträglich (bei Bekanntwerden der Schadenshöhe) ein Großteil der Leute an Deiner Stelle die Polizei benötigt, um die Unfallgegnerin wiederzufinden – mit erschreckend hoher Wahrscheinlichkeit wäre die dann anschließend wegen (vorsätzlicher) Faherflucht verurteilt worden – klar ist das völlig falsch; aber Unerlaubtes Entfernen vom Unfallort (gerade in derart absurden Fällen) ist meiner Ansicht nach dasjenige Delikt, für das die meisten Unschuldigen in Deutschland verurteilt werden.
PS. Nachtrag: Man findet allein anhand des Kennzeichens jede Kfz-Versicherung über den Zentralruf der Versicherer heraus, 0180-25026 (ok, Ende Langweilermodus – entschuldigt, ich will nur nicht noch mehr Strafverfahren wegen sowas führen müssen, und Information ist der Schlüssel zur Macht ;) )
…und deswegen habe ich immer eine Kamera dabei. ^_^
Ein Kreuz mit den Autos – bei jedem Beulchen wird gleich die ganze Karosse erneuert. Am besten gefallen mit die voll lackierten Stossstangen – die ja eigentlich mal dazu da waren, kleinere Schäden abzufangen und deswegen früher auch mal aus schwarzer massiver Plastik waren und mit denen man ohne Probleme mal andocken konnte. Letztes Jahr ist mir einer auf besagte volllackierte Stossstange (die es ja nicht mehr anders gibt) aufgerollt. Minimale Delle in der Stange, kein Lackschaden – mein Authändler wollte aber gleich 3.000 Euro veranschlagen, weil er ja das ganze Heck austauschen und neu lackieren muss – “kost sie ja nix, zahlt des Gegners-Versicherung.” Eine innere Stimme, aus der Gehirnregion “Gesunder Menschenverstand”, sagte abder dann zu mir: “Tu das nicht, zock nicht den Auffahrer ab und mach deinen Autohändler nicht noch fetter.” Hab mir dann 100 Euro vom Unfallgegner geben lassen – der war ungalublich happy, da durch den Unfall seine Versicherungen gestiegen wären und als Selbstständiger in Gründungsphase zählt jeder Euro – für 50 Euro hat ein Schrauber mit einem Gummihammer vorsichtig die Minibeule rausgemacht und für die anderen 50 bin ich mit meiner Frau hübsch essen gegangen.
Ähnlich bei mir, mir ist einer ins Firmenauto reingefahren, tür zerbeult. Leider MUSS ein solches geleastes Auto komplett wieder repariert werden, und es kam wie es kommen musste, die erste frage vom werkstattmeister: “zahlt die versicherung des gegners?”. Von da an war für ihn alles klar, fast 5000 € (!), dabei hatte ich mir irgendwie vorgenommen ihm nichts zu sagen ob es die versicherung zahlt um zu sehen ob der kostanvoranschlag dann auch so unnötig hoch ausfällt. Pustekuchen, wie wissen schon wie sie es machen müssen. Tja, das alles zahlen wir dann zusammen mit weiter steigenden KFZ-Versicherungsbeiträgen…
Ein anderes Mal hat mich einer beim ausparken angerempelt, minimale beule bei mir, nicht der rede wert. Hab dem Herrn abgeboten 100 € und die sache ist erledigt, nein er wollte die Polizei vor ort haben. Die haben dann festestellt das er schuld ist, wir haben beide die schäden unseren versicherungen gemeldet und ich war 1500 € reicher, er wurde schön raufgestuft. What a fool… :-)
Die Stoßstangen bei modernen Autos haben TATSÄCHLICH irgendwelche Porzellandinger oder so direkt hintendran eingebaut… das ist das was das eigentlich so teuer macht.
Hinter der Stoßstange sitzen irgendwelche komischen sau empfindlichen Teile die einen Stoß NOCH besser abfangen sollen, indem sie, sollbruchtechnisch, kaputtgehen. Dummerweise interessiert die nicht obs 100 oder 5 km/h sind und brechen schon bei relativ leichtem Andruck. Und DIE austauschen ist das eigentlich teure, eben weil die Stoßstange ab muss, die Dinger getauscht werden, Stoßstange wieder dran, im Zweifelsfall noch neu lackieren und und und.
Man kann die aber auch einfach kaputt lassen, die Sicherheit ist minimal weniger, die Stange hält trotzdem bombenfest und der “Schädiger” hat nicht wegen nem kleinen Wums massig kosten.
Ansonsten sind diese lackierten Stoßstangen einfach lächerlich, alle die so eine fahren und sich was drauf einbilden (Wenns Auto halt eine hat und man sich nix bei denkt isses ja was anderes ^^), sollen mal ne Woche Urlaub in Frankreich machen mim Auto…
Naja, ist es nicht auch so, dass die Kunststoff-Stoßstange heutzutage stark eingedrückt werden kann und dann ohne sichtbare Schäden wieder in den Ursprungszustand zurückfedert? Trotzdem kann dann die Karosserie, Lenkung, etc. durch den Aufprall verzogen worden und die Schadenshöhe entsprechend hoch sein.
Der Name Stoßstange ist ja auch irgendwie irreführend. Ursprünglich sollten damit gerade die kleinen Rempler abgefangen werden um echte Schäden zu vermeiden. Lackierte Stoßstangen sind m. E. daher auch völliger Schwachsinn.
Früher – vielleicht heute auch noch (?) – war es in Frankreich üblich die Parklücke passend zu vergrößern indem man die anderen Fahrzeuge weggeschoben hat. Nur die “dummen” Deutschen waren diejenigen mit total verbeulter Stoßstange, weil die immer die Handbremse angezogen hatten.
Man vergißt gerne dass auch ein “leichter Rempler” nichts anderes bedeutet, als 1200kg aufwärts, die auf ein stehendes Hinderniss rollen. Und 5km/h sind dann auch völlig ausreichend für einen verzogenen Rahmen bzw. einen Totalschaden.
Zu den lackierten “Stoßstangen”: Das sind Front- bzw. Heckschürzen – die Stoßstangen sind drunter/integriert. Diese Konstruktionen sind wesentlich ausgebuffter hinsichtlich Energieabsorption als die alten Plastik- oder gar Blechfänger. Und Schürzen sind sinnvoll für Dinge wie Fußgängerschutz, Optimierung des cw-Werts (Verbrauch anyone?) oder der Unterbringung von Technologie (Parksensoren). Natürlich sollen die Dinger leichte Stöße abhalten. Aber sie sind auch Teil des Plans bei Unfällen mit höheren Geschwindigkeiten. Da diese potentiell tödlicher sind, finde ich die Vorgehensweise der Hersteller schon ganz okay. Nur um hier mal eine zaghafte, leise Gegenstimme anzubringen. ^^
Klar, den Perfektionswahn hinsichtlich perfektem Lackzustand kann sich nur ein Volk leisten, das ansonsten keine anderen Probleme mehr hat. Ärgerlich ist das Verhalten gerade bei Leasing- oder Firmenfahrzeugen, und die werden ja immer mehr …
Die Deutsche Wertarbeit läßt sich daher wohl besser an der Unfallstatistik ablesen, die ist recht eindeutig.
schon klar. dennoch: das kleine rempler unvermeidbar sind, wäre es sinnvoll, autos auszupolstern. mit irgendwas billigem, das einen rempler verträgt und leicht auszutauschen ist. sowas sollte es geben, man könnte es, nun, “stoßstange” nennen.
klar kann man die dann noch verkleiden, mit technik füllen, für absorption verwenden — aber dann ist es keine stoßstange mehr.
Aber ach, was wären wir alle, könnten wir nicht unbeschwert und nach Herzenslust auf hohem Niveau meckern, als würden wir Torte im Café bei Sonnenschein futtern. Wir sind nicht von ungefähr die Piefkes, fürchte ich.
Ich verstehe, dass ihr euch alle darüber aufregt, dass Parkrempler schon zu hohen Reparaturkosten führen können, dafür gibt es allerdings Gründe.
Es gibt tatsächlich bei hochwertigen Autos Bauteile hinter der Stoßstange die z.B. wabenförmig aufgebaut sind und durch ihre Verformung Energie absorbieren können. Diese können aber nur bedingt viel Energie aufnehmen (rollen auf ein Hindernis mit 2-3 km/h).
Mit einem simplen Rechenbeispiel kann man sich eine Vorstellung davon machen, wieviel Energie bei einem Aufprall mit geringer Geschwindigkeit überhaupt vorhanden ist und absorbiert werden muss.
Der Aufprall eines 1200 kg Fahrzeugs auf eine unbewegliche Wand (mit 7 km/h) hat den selben Energiewert wie ein 17 kg (geschätzt) schwerer Wasserkasten in 13,6 Meter Höhe.
Was ihr also gerne hättet ist ein Auto, das (fast) keinen Schaden davon trägt wenn jemand einen Wasserkasten aus dem 4. bis 5. Stockwerk darauf fallen lässt. Wer sich das nicht gut vorstellen kann könnte auch einen Eigenversuch starten und mit 27,1 km/h (bei 80 kg Eigengewicht) gegen eine Wand rennen. Das entspricht einem 100-Meter-Sprint in 13,3 Sekunden, ist also doch recht zügig. (Anmerkung: Dazu fällt mir das im Internet kursierende Video “toller Trick” ein; wer ernsthaft darüber nachdenkt es auszuprobieren sollte das vorher schauen)
Das zum einen, der aber sicherlich entscheidendere Punkt ist der (zum Glück) gesetzlich vorgeschriebene Fußgängerschutz. Er besagt, dass Autos, speziell an der Front, “weich” sein müssen, damit Fußgänger im Falle einer Kollision geringere Verletzungen davon tragen. Autohersteller sind davon übrigens gar nicht begeistert, weil z.B. der Motorblock direkt unter der Motorhaube liegt und das etwa die Stelle ist, wo der Kopf aufschlägt. Deswegen gibt es mitterweile Fußgängerairbags und sich aufstellende Motorhauben und dergleichen mehr.
2004 sind in Deutschland über 5000 Verkehrstote gezählt worden, wobei ca. 80% davon angefahrene Fußgänger (oder Fahrradfahrer) sind (Quelle: statistisches Bundesamt). Angenommen jedes Auto hätte einen schönen chromverzierten Bullenfänger (wie man sie beispielsweise von Jeeps kennt, ich weiß keinen Fachbegriff dafür) vor der eigentlichen Stoßstange wären teure Parkrempler sicherlich Geschichte, doch wieviele Verkehrstote mehr wir dadurch zu beklagen hätten kann man sich leicht ausmalen.
Ein Auto sollte auch allen Verkehrsteilnehmern größtmöglichen Schutz gewähren und nicht nur den Insassen. Dafür bin ich gerne bereit, Geld zu bezahlen.
Passend zum Titel “Deutsche Wertarbeit” findet man in einem bekannten Portal Filme von Crashtests mit hochwertigen Autos und welchen aus China oder Russland. Diese Bilder zeigen auf beeindruckende Art und Weise, wie sicher moderne Autos sein können.
VG Johannes
naja, das erklärt noch nicht, warum stoßstangen lackiert sein müssen.
Stoßstangen sind lackiert, weil es der Markt so fordert! Und der Markt sind wir alle! Mich eingeschlossen legt nun mal die Mehrheit der Käufer wert auf die Optik. Einen Renault Kangoo beispielsweise würde ich mir niemals kaufen, egal wie praktisch und günstig der ist und unlackiert dessen Stoßstangen sind.
Ich weiß schon, warum ich in meinen bald 35 Lebensjahren noch nie ein Auto besessen habe. Wenn ich sowas lese, verspüre ich auch nicht den Wunsch, daran was zu ändern. Traurig ist, dass das ganze ja politische Dimennsionen hat. Krise hin oder her, aber mehrere Wirtschaftszweige (Versicherungen, Autowerkstätten, Hersteller) durch so ein Larifari zumindest teilweise zu subentionieren, ist echt ein Wahnsinn.