Ich fahre den Ring entlang, quasi auf Autopilot. Mein Stoffwechsel ist am Ende des Arbeitstages auf 45 Prozent, höhere Hirnfunktionen sind abgeschaltet. Aber es ist der Weg, den ich hundertmal pro Jahr fahre, also ordne ich mich korrekt ein, halte Abstand, bremse vorausschauend. Aber natürlich bin ich in diesem Zustand nicht vorbereitet auf den Skoda voller Deppen, der kurz vor’m Abbiegen auf meine Spur zieht und mir voll den Weg abschneidet.
Mein Nebennierenmark prüft kurz meinen Allgemeinzustand, hält mein Überleben für fraglich und schießt mir eine Dosis Adrenalin ins Blut. Ah! Das befähigt mich, zu bremsen, in den Wagen der Deppen rüberzuschauen, geistreich “Ey!” zu rufen und die Arme zu einer dieser “Was soll das?!”-Gesten auszubreiten, wie man sie oft bei unschuldig bestraften Fussballspielern sieht. Einer der Deppen, der hinten links auf der Rückbank, schaut zurück, sieht, dass ich nur ich bin und nicht etwa eine bewaffnete Türkengang, bei schwarzen BMWs weiß man ja nie, und zeigt mir den Finger. Der Depp neben ihm hüpft zu irgendeiner Musik auf und ab, die Deppenmädels vorne schunkeln hin und her. Surreal. Ich, und da schaltet mein Hirn in Zeitlupe, ich sehe alles mit Max Payne-artiger Klarheit, werde erfasst von dieser kalten Wut, die schon viele Männer im Straßenverkehr zu Mördern gemacht hat. Mein Wagen ist jedoch mangelhaft ausgestattet, leider, mit einem sanften Antippen des Auslösers für die vorderen Maschinengewehre ist die Situation nicht zu lösen.
Ich zeige auf den Mittelfinger-Deppen, greife in meine Jacketttasche, entnehme meiner Brieftasche den Presseausweis und zeige ihn deutlich dem glotzenden Deppen, wohlweislich darauf achtend, dass das Wort “Presse” verdeckt ist. Auf ein paar Meter Entfernung sieht ein Ausweis aus wie der andere, Foto, Schrift, Wappen et cetera, ein gewöhnlicher Straßendepp wird ja wohl einen Presseausweis nicht von einer Zivilbullen-ID unterscheiden können. Mit der anderen Hand lege ich vier Finger über mein Gesicht, so dass ich wie durch Gefängnisgitter schaue. Dann zeige ich wieder auf den Deppen und setze einen genervt-herrischen Gesichtausdruck auf. Er versteht. Schaut nach vorne, sagt etwas zu seinen Mitdeppen, die daraufhin das Schunkeln einstellen. Jetzt fahren sie ganz zivil vor mir her und gucken nicht mehr zurück. An der nächsten Kreuzung biegen sie abrupt ab.
Pwnd! Brain beats Mittelfinger.
Aber huh, keine Ahnung, warum mir der Ärger diese absurde Reaktion eingegeben hat. In einem anderen, mindestens genauso plausiblen Hosenbein der Zeit hätten die Deppen gebremst, die zwei Kerle wären ausgestiegen und breitbeinig auf meinen Wagen zugestapft, um mich zu fragen, was, ey, Alter, mein Problem sei und wieso ich mit einem Presseausweis zu winken geruhe. Aber das ist nur einer Parallelwelt und damit einem ganz anderen Herrn Kaliban passiert, puh.
Ach, die Gefahren des Straßenverkehrs sind weithin unterschätzt.

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Das erinnert mich an die legendäre Road-Rage-Szene aus Lost Highway. Erst den Deppen verprügeln, und dann direkt Resozialisation durchsetzen: “Morgen kaufst du dir ein verdammtes Fahrschulbuch!”
Für solche Zecke hatte ich mir auch schonmal überlegt eins dieser Magnetaufpappblaulichter zuzulegen und dann ruhig Fensterrunterkurbeln (Knöpfchen drücken) und Licht auf’s Dach…
Nur wäre dann wieder die Sache mit der Amtsanmaßung, oder wie auch immer das korrekt heißen mag.
Einfach Volvo fahren, an so einem Straßenpanzer geht ein kleines Rammmanöver unbeschadet vorbei…
Ganz basal: GRÖÖÖHL :)
Kann mich nur noch dem Gröhlen anschließen.
Real-life-ownage at it’s best! =D
Wow, das sind sie, die Reaktionen, die wir uns alle im rechten Moment wünschen und meist nur um eine Haarbreite verpassen. Schlagfertigkeit, so ganz ohne Worte, nur mit der Macht der richtigen Gestik. Beneidenswert in diesem Universum. Bedauernswert für den anderen Herrn Kaliban, der jetzt wahrscheinlich in der Intensivstation liegt. Aber mit ein bisschen Sinn für Gerechtigkeit fällt die Vorstellung leicht, dass der andere Herr Kaliban ein Sadist ist, der sich nur durch einen Bart vom echten Herrn Kaliban unterscheidet. ;-)
Großartig. Warum fällt mir das immer erst ein, wenn der Wagen schon lange im Autoaufbewahrungsabschnitt des Gartens steht und ich selbst in der Furzmulde liege?
Und das trotz 10% mehr Stoffwechsel?
Großartig! Wirklich, diese Schlagfertigkeit ist beneidenswert. Ich wäre da im besten Fall drei Stunden später drauf gekommen, oder ich hätte in der Hektik und dem Ärger den Bibliotheksausweis erwischt. Schlimm genug, dass ich beim Hupen schon immer den Scheibenwischer anstelle.
Selbst vor einiger Zeit erlebt:
Auf einer Bundesstraße von einem irren Volvo bei Gegenverkehr mit mindestens 140 überholt worden. Zufälligerweise hatte mein Beifahrer ein Notebook mit Webcam dabei. Thomas gibt also Gas, bleibt dem Volvo auf den Fersen und die Webcam wird gut sichtbar an der Frontscheibe plaziert. Nach 5 Minuten die ersten Volvoblicke nach hinten. Immer im gleichen Abstand geblieben, auch nach Reduzierung der Geschwindigkeit unter die erlaubten 100 km/h. Und das dann die nächsten 15 km.
So einen vorschriftsmäßigen PKW Fahrer hatte ich dann die nächsten Minuten schon lange nicht vor mir.
Hoffentlich hatte er ein paar Tage zumindest ein schlechtes Gefühl beim Öffnen seines Briefkastens.
Manchmal bringen solche Aktionen eine gewisse Erleichterung…..
Großartig.
Wird die Schlagfertigkeit des Hernn Kaliban zufällig in Dosen abgefüllt und im Einzelnhandel verkauft? Natürlich nur ohne Pfand und mit einem Presseausweis im Set.
.Sheak
So real, so täglicher, normaler Verkehrswahnsinn *hach* *schmunzel*
muss hier mal alte posts ausgraben, aber ich habe da eben selbst etwas erlebt…
ich will hier nicht auf vorurteilen reiten… ABER ich spül meine kaffeekanne aus und sehe wie eine frau in eine parklücke perfekt einparkt…erst dachte ich mir nichts weiter dabei (münchner können halt einfach einparken^^) vom leicht erhöhten blick des 1,5ten stockwerks hier erkennt man allerdings ein großes display im auto (wohl mit einparkhilfe). sie parkt also ein, um die türe zu öffnen, auszusteigen, wieder einzusteigen und will wieder fahren (wieso auch immer)…was jetzt passiert ist einfach herrlich… sie kommt einfach nicht mehr raus… steht dann halb auf dem gehsteig und verlässt zu fuß den schauplatz…
was lernen wir aus dieser geschichte? verwende nie eine einparkhilfe wenn du nicht ausparken kannst oder keine ausparkhilfe hast
j
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