Geht das Internet weg, wenn ich die Augen schließe?

by Gunnar on 22. Juni 2009 · 17 comments

Hossa, der Herr Jürgen Rüttgers (CDU) aus Westfalen. Ich meine, hey, er ist ja schon was älter, da muss man sich mit diesem Internet und all dem nicht so auskennen, das nimmt ihm keiner übel, aber so ein Rundumschlag ist nun ein bisschen heavy. Klingt wie ein Versuch, sich die Zukunft wegzuwünschen. Wer’s nicht mitbekommen hat: Rüttgers sprach beim Medienforum NRW den anwesenden Verlegern nach dem Munde (“ich lese zwölf Zeitungen täglich”), redete Printmedien groß und das Internet klein, verdammte Killerspiele (als hätte sein Bundesland nicht eben erst in einem spektakulären Coup die weltgrößte Spielemesse an Land gezogen) und sprach sich obendrein Zensursula-mäßig dafür aus, “umstrittene Webseiten” auch ohne Gerichtsbeschluss zu sperren. Fuck the Grundgesetz, sozusagen. Dreifache Realitätsflucht.

Dass er den Qualitätsjournalismus als solchen lobte und für unverzichtbar hielt, ist schön und irgendwie lobenswert, dass er aber als Beispiel für die Unterlegenheit des Internet ausgerechnet die Sache mit dem Wilhelm bei Wikipedia heranzog, ist nachgerade grotesk — wenn dieser Fall irgendwas gezeigt hat, dann, das sowas wie Recherche oder das Überprüfen von Informationen nicht mehr zum Selbstverständnis des so genannten Qualitätsjournalismus zählt.

Ach, die CDU und das Internet, das geht nicht zusammen. Oder ist das ein eher nordrheinwestfälisches Problem?

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Jürgen F. Juni 22, 2009 um 20:57

Zu Rüttgers Zitat, dass er 12 Zeitungen täglich lese:
da ist es doch auch kein Wunder, dass er keine Zeit hat, sich mal mit diesem Interbums-Dings zu beschäftigen. Für solche Leute kommt hoffentlich auch mal eine Museumsausstellung:
“Mythos” Internet.

Obwohl diverse Politiker in der Hinsicht selbst in ein Museum gehören. Außer Herr Tauss – der kennt sich aus! (Wobei – der ist ja jetzt Pirat und kein Politiker mehr…)

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grobi Juni 22, 2009 um 21:21

Ich verstehe nicht, wieso der Mann zwölf mal dieselben Agenturmeldungen liest…

*scnr*, bin eigentlich Zeitungsfan. Trotz des unsäglichen Kölner Stadtanzeigers, der hier am Rhein erscheint. Konservative Politiker aus dem Rheinland scheinen eine besonders unsympathische Spezies zu sein. Siehe auch Rüttger’s Parteikollegen aus Bergisch-Gladbach. Der mit dem “ich muss kein Baum sein, um den Regenwald zu schützen”.

@Jürgen:
Tauss? Hmm. Ich weiß nicht, was ich von ihm halten soll. Entweder war er tatsächlich auf eigene Faust unterwegs, die Kipo-Szene zu erkunden – dann war er selten doof und hätte es besser wissen müssen. Oder er hat tatsächlich Dreck am Stecken.
So gerne ich an den zu unrecht verdächtigten einsamen Streiter glauben würde: in beiden Fällen ist der Mann in meinen Augen ein Opportunist.
Auf der anderen Seite steckt er natürlich in einer schwierigen Situation. Alleine der Verdacht zerstört Leben und ich kann verstehen, dass er sich wehren möchte.

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Jürgen F. Juni 22, 2009 um 21:37

@grobi:
Nicht falsch verstehen. Ich halte von Herrn Tauss gar nichts. Klingt jetzt böse, aber wer als Mitglied des Bundestags in solchen Dingen wie Kinderpornographie selbst “ermittelt” ist entweder echt dumm oder wirklich ein Schwein. Wobei, die Kombination “Schweinedumm” gibt’s ja auch.
Mit so einem schießt sich diese “Partei” von Emule-Usern für Emule-User nur selbst ins Knie.

Und noch wegen Herrn Rüttgers Zeitungskonsum:
Ich kann mir schon denken, wo er die den ganzen Tag liest. Und mit dem Internet kann man sich da eben nicht sauberwischen. Klar, dass er da Zeitungen favorisiert. ;-)

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Marjan Juni 22, 2009 um 21:38

als zugezogener NRWler glaube ich, daß die menschen sich hier für neue medien kaum interessieren. klar, Köln, die mediendeponie am rhein, ist natürlich deutschlandweites aushängeschild, allerdings doch eher für fernsehen. ansonsten… der pott ist mehr industriestandort (mittlerweile nur noch gefühlt nach den ganzen firmenabgängen von nokia etc.), das sauerland setzt auf tourismus und ostwestfalen kocht nach wie vor sein eigenes süppchen. warum sollte sonst wohl alle welt annehmen, daß es bielefeld gar nicht gebe? natürlich, weil kein bielefelder ostwestfalen/lippe verlässt. wenn jetzt Rüttgers kommt und killerspiele verurteilt und viel zeitung liest, dann klingt das ganz zustimmungswürdig für nordrheinwestfalen. weil sie ihren kopf woanders haben.

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Ryu Juni 22, 2009 um 22:14

Da bleibt nur die Hoffnung,(auch wenns hart klingt) dass diese alten säcke endlich verrecken. Tschuldigung, aber die werden die neuen Medien und deren Anhängerschaft nie wirklich verstehen.

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Kashi Juni 22, 2009 um 23:10

@Marjan: Wir Westfalen sind noch lange nicht so doof wie’s die Politiker durchblicken lassen (und in letzter Zeit geben sie sich weiss Gott Mühe damit). Warum sich viele von diesen “Killerspiel” schreienden Rohrkrepierern bei uns tummeln… keine Ahnung. Vielleicht sind die zugewandert um näher an der Quelle zu sein (z.B. Köln)? Aber um ganz ehrlich zu sein ich kann und will mich nicht wirklich mit deren Denkmustern befassen.

Das mit dem Tauss ist mir übrigens ebenfalls suspekt… weiss ned ob das ne gute publicity für die Piraten war. Bezweifle eh das es darum ging die Piraten zu unterstützen, ist wohl eher ein (schlechter) Versuch sich selbst aus der Schusslinie zu frachten.

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Der mit dem Gnu im Schuh Juni 22, 2009 um 23:17

Ob Herr Rüttgers einmal Did you know 3.0 gesehen hat?

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Heerwegen Juni 23, 2009 um 00:20

Danke für den Beitrag. Ich kann mal wieder nur zustimmen. So ists halt, wenn Leute mit beiden Füßen in der Vergangenheit stehen und mit geschlossen Augen vor dem Fortschritt politische Macht haben.

Nun denn, schade, er wirds nicht nicht lesen. Und auch nicht lesen wollen. Ist ja kein Qualitätsjournalismus (der ja offensichtlich an Papier gebunden ist).

Mal sehen, wen wir überleben müssen, damit die Führung auf dem gleichen Stand ist wie die Gesellschaft. Ich fange hier und jetzt an diese Leute zu überleben! Macht doch alle bei meinem mittelfristigen Ziel mit! Hoffentlich ist bis dahin das Internet nicht verboten!

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fly.floh Juni 23, 2009 um 10:15

das mit dem tauss ist so eine sache.
vielleicht ist es nciht die beste publicity für die piraten, vielleicht entpuppt es sich auch als fehler ihn aufzunehmen.
aber: in deutschland ist immernoch jeder so lange unschuldig bis das gegenteil bewiesen ist, und soweit ich weiß ist der herr tauss noch nicht schuldig gesprochen.
die piraten würden also ihre eigenen grundsätze verraten, wenn sie ihn nicht aufgenommen hätten.

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Gunnar Juni 23, 2009 um 10:18

Aufnehmen müssen sie ihn, das ist klar. Aber ein Amt sollten sie ihm nicht geben, wenn sie einen Funken Instinkt haben. Alter SPD-Mann mit dem Geruch nach Kinderpornografie, das ist nicht gesund für eine junge Partei.

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Sonix Juni 23, 2009 um 15:22

Er wird ja auch kein Amt bekommen.. Als Publicity ist das super, wenn man mit der Sache etwas souveräner umgehen würde als es der Herr Vorsitzende gestern bei Phoenix gemacht hat. Das war furchtbar.

Jens Juni 23, 2009 um 18:05

Rüttgers war ja auch schon mal “Tschukunftschminischter”

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maghook Juni 25, 2009 um 11:21

Hier der neueste Knüller der Internetausdrucker aus dem Hause der Union:
NRW-Jugendminister fordert Alterskennzeichnung im “World Wild Web”
[...]Bedenken, eine Altersklassifizierung sei Betreibern von Web-Angeboten nicht zumutbar oder rechtlich nicht möglich, wies der Minister zurück.[...]

http://www.heise.de/newsticker/NRW-Jugendminister-fordert-Alterskennzeichnung-im-World-Wild-Web–/meldung/141078

Wir bauen uns unser eigenes deutsches Internet.

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