Keine Oase in der Servicesahara

by Gunnar on 17. Juni 2009 · 15 comments

Ich hatte diesen Zahnarzt (nennen wir ihn Nr. 1), der war ganz nett. Aber zu allen komplizierteren Sachen hat er mich überwiesen, nicht an einen Spezialisten, sondern an einen anderen Zahnarzt. Das kam mir spanisch vor. Als ich für eine, uh, interessantere Herausforderung einen Behandlungsplan wollte, hat er mir den versprochen, mich dann aber immer wieder vertröstet. Da mich Dienstleister irritieren, die mein Geld nicht wollen, habe ich den Zahnarzt daraufhin gewechselt.

Nr. 2 war ein ganz anderes Kaliber — klar, Herr Lott, sicher Herr Lott, zackzack, Herr Lott, das kriegen wir hin Herr Lott, hier (wusch!) ist der Behandlungsplan. Was hat Ihnen der andere Arzt gesagt, ach das ist Unsinn, der Fall liegt ganz anders. Klang super. Doch als dann die Behandlung losgehen sollte, war er telefonisch nicht mehr zu erreichen.

Zwei Wochen später meldete sich unter der Nummer eine ganz andere Zahnärztin, Nr. 3 nämlich. Die war jung und nett, erzählte mir, naja, mein Vorgänger ist in sein Heimatland zurückgegangen, ich führe jetzt die Praxis, überhaupt ist die Planung des Herrn nicht sehr gut, ich mache das so und so und so, das ist viel moderner und hier (wusch!) ist der Behandlungsplan. Puh. Okay. Alles super. Dann trat jedoch das unwesentliche Problemchen auf, dass die Krankenkasse gegen den Behandlungsplan (und die dazugehörigen Kostenaufstellungen) in Gift und Galle spuckte. Brief an die Kasse, Brief von der Kasse, Brief an die Kasse, Brief von der Kasse. Vor allem wurde der überhöhte Behandlungssatz beanstandet. Die Ärztin zog alle Register, die Kasse blieb stur. Schließlich legte mir die Dame nahe, die Behandlung doch schon mal ohne Kassenzusage zu beginnen, das machen wir in kleinen Schritten, das merken die gar nicht und notfalls können Sie immer noch gegen die Kasse klagen. An der Stelle wurde mir die Sache zu surreal und ich floh aus dem Behandlungszimmer.

Auf zu Nr. 4, einem Arzt in einer Art Zahnklinik. Der ließ mich eine halbe Stunde trotz Termin warten, wischte meine Beschwerde mit Schnickschnack, halbe Stunde geht doch noch vom Tisch, begann die Behandlung (kleine Sache nur), unterbrach sie, um sich mit den Instrumenten in meinem Mund nebenbei Gebissmodelle von einer Assistentin zur Begutachtung vorlegen zu lassen, machte weiter und schoss zuletzt den Vogel ab, indem er meine Frage, ob ich das mitgebrachte Röntgenbild dalassen solle (für weitere Behandlungen) mit den Worten nein, wir haben hier so viele, das kommt bei uns bloß weg ablehnte. Ich ging dann trotzdem noch zum nächsten Termin, wartete eine halbe Stunde ohne dass Notiz von mir genommen wurde, verlor die Lust und hakte auch Nr. 4 ab. Die Sache hatte dann noch ein klitzekleines Nachspiel, weil mir in der Rechnung absurde Sachen wie “besonders aufwändige Beratung” und ein paar andere, mit der nackten Realität unvereinbare Dinge aufgelistet wurde. Ich rief in der Praxis an und wurde von der zuständigen Dame mit dem Argument nein, nein, wenn das im System steht, müssen Sie das zahlen, dann stimmt das so abgeschmettert. Ich wandte ein, mich an die letzten dürren Fäden meiner psychischen Reststabilität klammernd, dass da ja wohl die Möglichkeit für Fehler bestünde und erklärte, dass ich die Rechnung um die falsch berechneten Punkte mindern würde. Die Dame wieder, diesmal schriller: Aber es steht im SYSTEEEM!!! Das DÜRFEEEN Sie nicht!!! Ich hängte ein. Dann versuchte ich es mit einem bösartigen Fax an den Chefarzt, drohte mit Anwalt, Angriffskrieg sowie Beschwerde bei Ärztekammer, Krankenkasse und NATO. Daraufhin erließ man mir, schuldbewusst oder entnervt, gleich die gesamte Rechnung. Naja. Immerhin.

Dann zu Nr. 5. Der wirkt ganz nett, aber ist da nicht so ein geldgieriger Zug in seinem Gesicht? Ein teuflisches Funkeln in seinem Auge? Fallen nur die Haare merkwürdig oder sind das Hörner da auf seinem Kopf?

{ 15 comments… read them below or add one }

Freischneider Juni 17, 2009 um 23:37

Wie sagt mein Vater immer: Sie wollen alle nur dein Bestes: Dein Geld!

“Wir können ja schonmal ohne Kassendeckung anfangen…”, da wird man betrogen, wo man dabei steht…

Antworten

hoschi Juni 17, 2009 um 23:43

Hat meiner Meinung nach mit Servicesahara, also Servicewüste Deutschland usw, nichts zu tun. Das sind halt Ärzte, was erwartest du ? In dem Bereich siehts auch woanders nicht besser aus, eher schlechter. Drum putz ich lieber jeden Tag fleissig meine Beisserchen, damit ich da nie mals wieder hin muss.
Außerdem wär ich bei Nr. 3 geblieben. Die kann ja nix dafür dass die Kasse nicht zahlt.

Antworten

siR Juni 18, 2009 um 00:04

Lange Wartezeiten bei Ärzten finde ich auch unverschämt. Es scheint ja schon zum guten Ton zu gehören, die Leute wenigstens eine viertel Stunde warten zu lassen. Immerhin handelt es sich um ein Termin, der im Optimalfall ja ohne Wartezeit eingehalten werden sollte.

Im Krankenhaus oder bei Allgemeinärzten, die auch bei kurzfristigen Notfällen aufgesucht werden, verstehe ich eine gewisse Wartezeit ja, aber bei Zahnärzten, etc. hört der Spaß auf.

Antworten

Dominik Jungowski Juni 18, 2009 um 20:49

Zu behaupten, Notfälle würden nur in Krankenhäusern oder bei Allgemeinärzten auftreten, ist ziemlich blauäugig und völlig falsch. Beispiel: Wenn du dir einen Zahn ausschlägst, gehst du dann ins Krankenhaus oder zum Zahnarzt?

Wartezeiten bei Ärzten aller Art trotz Termin sind nun mal üblich. Was sollen die machen? Die aktuelle Behandlung abbrechen, bloß weil da einer kommt, der nen Termin hat? Wie Yukiru weiter unten schon sagt, lässt sich sowas nunmal schlecht planen.

Antworten

eldersign Juni 18, 2009 um 00:34

Wer Zahnarzt wird, ist doch nur zu verklemmt für den SM-Club. Natürlich S.

Antworten

alex Juni 18, 2009 um 01:17

Ich hatte anfangs eine sehr unfreundliche Zahnärztin.. gewechselt und bis heute bei Nr.2 keine Beanstandungen beim Service und noch alles Frisch im Mund :)

Antworten

Maak Juni 18, 2009 um 07:51

machen sie es doch einfach wie ich und krallen sie sich die schwester ihres zahnarztes. es hat nur vorteile einen zahnarzt in der familie zu haben. wartezeiten, kosten, schmerzfreie behandlung? alles kein problem, weil er weiß, dass er sich hinterher nicht verstecken kann. ;-)

Antworten

Konrad Juni 18, 2009 um 08:47

Zahnärzte sind ja schon per se schlechte Menschen, aber wenn sie dann noch einen Privatpatienten sehen übernimmt der Dämon in ihnen die Kontrolle…

Antworten

Yukiru Juni 18, 2009 um 10:03

Wegen Wartezeiten würde ich mich nicht aufregen. Das kann man halt schlecht voraussagen, wie lange eine Behandlung dauern wird, bzw. wenn man selbst dran ist, will man ja auch gut behandelt und beraten werden und nicht schnell abgespeist.

Von irgendwelchen bösen Zahnärzten bin ich zum Glück verschont geblieben, meiner fragt mich nur immer über mein Leben aus, während mein Mund mit Werkzeug vollgestopft ist.
“Na wie wars im Urlaub?”
“Mhmmhhmmpf”
“Ah, sehr schön und wie gehts der Freundin?”
“Pfmmheennmmgut”
“Was, seit wann?”
“Mhmmdoopf Mfhzweimkkpfonaten”
usw. :D

Antworten

Vivi Juni 18, 2009 um 10:31

Mein Zahnarzt sagt von sich selbst, dass er das schließlich macht, um sein täglich Brot zu verdienen. Bei so vielen Kassenpatienten und klagefreudigen Frührentnern ist er da vorsichtig.
Sagt auch von sich selbst, dass, wenn einer mit Geld und Bedrohung umgehen kann, dann doch er, als Zahnarzt *und* Jude. Lustiger Kerl, wirklich. ^_^

Antworten

Marjan Juni 18, 2009 um 10:50

wartezeit trotz termin kann ich eigentlich gut ab. neulich hatte ich eine art notfall und bin zu einem arzt gegangen, den ich nicht kannte. hab mit meinem auftritt bestimmt seinen terminplan zum umfallen gebracht, aber ich wurde ohne termin behandelt. seither nehm ich’s wartezimmern nicht krumm, wenn sie mich nicht gehen lassen, dafür hab ich immer ein gutes buch dabei.

Antworten

Marc Juni 18, 2009 um 18:52

Wenn ich das so lese überlege ich mir doch nochmal ob ich WIRKLICH so schlimme Zahnschmerzen habe oO

Antworten

Andreas A. Juni 18, 2009 um 19:07

Ne halbe Stunde warten geht ja noch. Bei meinem ehemaligen Zahnarzt (mittlerweile habe ich zum Glück einen anderen) waren Wartezeiten von 2 Stunden die Regel.

Antworten

David Juni 18, 2009 um 21:49

Mir stellt sich da vor allem eine Frage: Wie gesund ist es, in einer Großstadt wie, sagen wir, München, zu leben? Wenn schon allein die Zahnärzte derart rumzicken und den Patienten wie am Fließband bearbeiten und sich ausschließlich auf das “System” verlassen? Dann lob ich mir doch meinen Zahnarzt hier im ländlichen Süden NRWs. Der behandelt mich, seitdem ich Zähne habe, also 19 Jahre minus irgendwas, vorbildlich, auch eine im zarten Alter von 13 Jahren hinzugekommene Kieferorthopädin hatte keinen Grund, ihren Kollegen schlecht zu reden. Andersrum auch nicht.

Oder wir haben hier schlicht nur Koryphäen auf dem Gebiet der Medizin.
Ich mag das Land.

Antworten

Usakar Juni 19, 2009 um 14:46

Dem artikel hast du jetzt zahnartzt google adds auf deiner seite^^

Antworten

Leave a Comment

Previous post:

Next post: