Die Idiotie der Generation Kugelschreiber

28. Juli 2009

in achdasinternet

Die Idiotie der Generation Kugelschreiber

In der Frage “Sind die Grünen jetzt AUCH total bekloppt?”, die kürzlich aufkam, weil der Fraktionschef der grünen Bremer Bürgerschaftsfraktion den Gegnern der Internetsperren vorwarf, sie hätten sich “wohl das Hirn herausgetwittert” (Quelle: welt.de), wogegen allerdings der Bundesvorstand stante pede Stellung bezog (“der Beitrag von Matthias Güldner [...] widerspricht [...] unserer grünen Programmlage”), kommt die beste und nachvollziehbarste Wortmeldung von Sabrina aus Bremen:

Sie schreiben: „Wer Ego-Shooter für Unterhaltung, Facebook für reales Leben, wer Twitter für reale Politik hält, scheint davon auszugehen, dass Gewalt keine Opfer in der Realwelt fordert.“ [...] Ich möchte [...] den Eindruck korrigieren, Menschen, die viel Zeit vor dem PC verbringen, hätten den Bezug zur realen Welt verloren.
Ich bin Jahrgang 1980, IT-Administratorin, sitze beruflich etwa 8 Stunden täglich am PC, privat ebenfalls noch mal zwischen 1 und 4 Stunden täglich. Ich habe Accounts bei Twitter, MeinVZ und noch einigen anderen Diensten, halte per E-Mail-Kontakt zu Freunden, die in anderen Städten leben und lese ausschließlich Online-Zeitungen, da ich Tageszeitungen für Papierverschwendung halte. [...] Ich habe Freunde und Bekannte im realen Leben – und nutze das Internet, um Kontakt mit ihnen zu halten. Ich reise gerne, entdecke fremde Länder – und nutze das Internet, um Tickets zu buchen, mich über meine Reiseroute zu informieren und meinen Freunden hinterher meine Erlebnisse zu schildern. Hinter all diesen Diensten und Kanälen verbergen sich reale Menschen. Nachrichten, die ich per Twitter versende, werden von realen Menschen gelesen. Das ist meiner Generation so bewusst wie keiner anderen. Es ist die „Generation Kugelschreiber“, die diese beiden Bereiche nicht auseinander halten kann. Und es stimmt mich traurig, dass ein Mitglied einer Partei, die ich nach wie vor für eine der fortschrittlichsten in der deutschen Parteienlandschaft halte, eine derartige Ignoranz gegenüber der Lebenswelt der Jüngeren an den Tag legt. (Quelle: brainweich.de)

Auf den Punkt, oder? Generation Kugelschreiber, sehr schön.

Update: Aus den Kommentaren dieses Beitrags eine Antwort von Herrn Frey:

Ja, schöner Kommentar dieser Dame, stimmt auch sicher “irgendwie”, aber tut mir leid, ich kann die ganze Hysterie um die freie Meinungsäußerung eines einzelnen Grünen nicht nachvollziehen. Facebooken, Twittern, Myspacen, ordinäre SMS schreiben, kurz: die ganzen virtuellen Annehmlichkeiten kann die Gute und der ganze besorgte Rest in Zukunft doch auch weiterhin nutzen und dass das alles manchmal sogar der Kommunikation dient, bezweifelt ja auch keiner. Nicht mal die Generation Kugelschreiber.
Dass sich aufgrund des Kommentars von Matthias Güldner so viele angesprochen und sogar beleidigt fühlen, gibt mir aber zu denken.
Sicher gibt es genug Baustellen in der Politik, die optimierungsbedürftig und diskussionswürdig sind, aber die ewig hysterischen Befürchtung, dass wir morgen “Hitler 2″ in the Deutsche Reichstag sitzen haben, halte ich schlicht für polemische Webpropaganda, mit der sich die Zensursula-Gegner nur gegenseitig ihr Weltbild zimmern, um sich selbst eine Wichtigkeit zu geben, die sie vielleicht “da draußen” nicht haben. Wie immer, ihr liebstes und einziges Gut, dass sie verteidigen: das liberale Netz.
So liberal, dass jeder, der es wagt netz-kritische Gedanken zu äußern genüsslich nieder”gebasht” wird.
Wir leben in einem freien Land mit einer schlimmen Vergangenheit und gerade die BRD wird den Anfängen wehren, wo und wie es nur geht. Wenn man so wenig Vertrauen in unsere Regierung hat, dann sollte man z. B. mal nach Korea, bzw. einen “ordentlichen” Unrechtsstaat ziehen, wo nachts wirklich Leute verschwinden und Menschenrechte wirklich und ganz bewusst verletzt werden.

Und auf die Antwort noch eine Antwort von Gachmuret:

Die “Gesellschaft” und “die Demokratie” sind immer wir. Ist immer jeder einzelne. Denn wie soll sich eine Gesellschaft schließlich sonst definieren, wenn nicht durch ihre Mitglieder?Ja, mag sein, daß Online-Petitionen und tausende Blog-Beiträge nichts bringen werden. Ja, mag sein, daß sich viele zu wichtig nehmen.
Aber: Noch keine gesellschaftliche Veränderung ist ohne das Engagement Einzelner eingetreten (Viele kleine Leute an vielen kleinen Orte, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, weiß ein afrikanisches Sprichwort).
Und: Wer heute unten ist, muß dies nicht zwangsläufig auch morgen noch sein. Wahlen und Politiker sind auch nicht alles. Wer nicht gewählt wird, ist deswegen noch lange nicht ohne Einfluss. Manchmal bringt übrigens konsequentes, ausdauerndes Krachmachen etwas (siehe Bombodrom – mit ‘nem Kreuzchen bei der Wahl wären die Pläne wohl nicht vom Tisch gewesen).
Also, allein die Tatsache, daß es Menschen gibt, die sich nicht ihre Kuschelecke zurückziehen, sich ihre Meinung bilden und dann ein Kreuzchen machen, weil sie meinen, mehr eh nicht tun zu können, macht sie nicht zu naiven Illusionisten. Und das hat im Übrigen rein gar nichts mit dem Internet zu tun, sondern ist eine ganz grundlegende Frage, wie man seine Rolle als Staatsbürger definiert.

Hm. Noch eine Anmerkung von mir — ich glaube auch nicht, dass wir mit ein paar Tweets Berge versetzen können und nein, ich glaube auch nicht, dass die Internetsperren morgen zu einer Diktatur führen. Ich denke aber, man kann bei simplen Themen wie “Killerspiele” oder “Internet-Sperren” ganz gut sehen, wes Geistes Kind unsere Volksvertreter sind und sich danach eine Meinung bilden. Die Finanzpolitik eines Steinbrück oder die China-Strategie einer Merkel kann ich nur mäßig qualifiziert beurteilen, aber ob der Matthias Güldner oder der Joachim Herrmann arrogante Idioten sind, die sich nicht mal die Mühe gemacht haben, zu versuchen nachzuvollziehen, was andere Generationen so denken, das sehe ich sehr deutlich nach ein paar Zeilen Text oder einer kurzen Rede. Und das hilft doch, mein Weltbild zu komplettieren.

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Michael Ernst
28. Juli 2009 um 16:29
Michael Schropp
29. Juli 2009 um 19:19

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1 Konrad 28. Juli 2009 um 10:09

Blöd, jetzt fällt mir keine Möglichkeit ein die FDP ins Spiel zu bringen – oh – geschafft ;).

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2 dakkar 28. Juli 2009 um 10:23

Tjo aber auch wenn es lichte Blicke aus der Gruenen Richtung gibt, sind diese a) immer noch in der Minderheit und vor allem auch nicht stimmgewaltig genug und b) haben die Grünen generell schon sehr lange kein Rückrat bei irgendwelchen konflikten auf Regierungsebene bewiesen => unwaehlbar

dakky

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3 BigBadBorg 28. Juli 2009 um 11:39

off topic (mehr oder weniger):

“Stoppen Sie BRAVO — Petition an Angela Merkel gegen BRAVO. Unterschreiben Sie hier!”

Ist mir hier auf der Seite grade oben im Google-Ads-Fenster aufgefallen. Da haben wohl auch einige bizarre Zeitgenossen Blut geleckt… :)

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4 Jürgen F. 28. Juli 2009 um 18:18

Ja, schöner Kommentar dieser Dame, stimmt auch sicher “irgendwie”, aber tut mir leid, ich kann die ganze Hysterie um die freie Meinungsäußerung eines einzelnen Grünen nicht nachvollziehen.
Facebooken, Twittern, Myspacen, ordinäre SMS schreiben, kurz: die ganzen virtuellen Annehmlichkeiten kann die Gute und der ganze besorgte Rest in Zukunft doch auch weiterhin nutzen und dass das alles manchmal sogar der Kommunikation dient, bezweifelt ja auch keiner. Nicht mal die Generation Kugelschreiber.

Dass sich aufgrund des Kommentars von Matthias Güldner so viele angesprochen und sogar beleidigt fühlen, gibt mir aber zu denken.
Sicher gibt es genug Baustellen in der Politik, die optimierungsbedürftig und diskussionswürdig sind, aber die ewig hysterischen Befürchtung, dass wir morgen “Hitler 2″ in the Deutsche Reichstag sitzen haben, halte ich schlicht für polemische Webpropaganda, mit der sich die Zensursula-Gegner nur gegenseitig ihr Weltbild zimmern, um sich selbst eine Wichtigkeit zu geben, die sie vielleicht “da draußen” nicht haben. Wie immer, ihr liebstes und einziges Gut, dass sie verteidigen: das liberale Netz.
So liberal, dass jeder, der es wagt netz-kritische Gedanken zu äußern genüsslich nieder”gebasht” wird.

Wir leben in einem freien Land mit einer schlimmen Vergangenheit und gerade die BRD wird den Anfängen wehren, wo und wie es nur geht. Wenn man so wenig Vertrauen in unsere Regierung hat, dann sollte man z. B. mal nach Korea, bzw. einen “ordentlichen” Unrechtsstaat ziehen, wo nachts wirklich Leute verschwinden und Menschenrechte wirklich und ganz bewusst verletzt werden.

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5 eldersign 28. Juli 2009 um 18:40

Auf den Punkt schon, nur bin ich es leid, vor solchen nichtsblickenden Papierfetischisten meine Art zu leben rechtfertigen zu müssen. Es wird Zeit, das die sich rechtfertigen.

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6 Ellenn 28. Juli 2009 um 18:51

@ Jürgen F. :
Du klingst ganz schön nach Untertan. Fakt ist doch dass die Argumente der Sperrlistengegener viel differenzierter und faktenreicher sind als das, was einem da von Seiten der Politik entgegenblökt. Dass Du das einfach nicht zur Kenntnis nimmst und für blindes Vertrauen in “die da oben” wirbst, entspricht nicht dem was ich unter einem demokratischen Geist verstehe.
Gerade WEIL das hier eine Demokratie ist muss man sich doch einmischen, wenn man meint dass einem Rechte beschnitten werden. Wenn Dir dieses Verhalten deiner Mitbürger nicht passt, dann solltest vielleicht DU nach Korea oder China auswandern.

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7 Moritz 28. Juli 2009 um 19:50

Punkt.

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8 Player1 28. Juli 2009 um 22:55

Um nicht missverstanden zu werden, vorab die Bemerkung, dass ich in Sachen Internetsperren wahrlich nicht der Meinung von Herrn Güldner bin.

Eines dürfen wir eher digital veranlagten Menschen, ich vermeide mal absichtlich einen dieser in aller Regel abgrundtief dämlichen ‘Generation Whatever’-Ausdrücke , uns vielleicht trotzdem hin und wieder mal leicht selbstkritisch fragen: Nämlich ob all das Geblogge, Getwittere und Gefacebooke wirklich so viel von unserer kostbaren Lebenszeit verdient hat, wie es bei manchem hin und wieder erhält. Das jedenfalls ist meine ganz private Erkenntnis aus einem dieses Jahr erfrischend undigitalen Urlaub.

Vieles von dem, was man da so tut, erscheint mit nur etwas Abstand in der Tat nicht so furchtbar viel sinnvoller als den ganzen Abend vor dem Glotzomaten zu hängen und zwischen RTL und 9live hin und her zu zappen. Zumindest mir.

Und insofern hat der Mann vielleicht doch ein klitzekleines Bisschen recht. Wenn auch natürlich, um das nochmal zu wiederholen, nicht in Sachen Internetsperren.

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9 Marjan 29. Juli 2009 um 00:30

@Player1:
ich denke viel eher, daß mehr über facebook, myspace und twitter geredet wird, als daß es auch so viel vom einzelnen genutzt wird. mal eben bei besagten seiten vorbeisurfen oder einen tweet schreiben kostet nicht viel zeit. vielmehr sind solche plattformen und zeitbeansprucher so neu, präsent und so wenig vom unkundigen verstanden, daß die meiste zeit, die diese technologien angeblich fressen, wohl von journalisten oder politikern verbraucht wird, die drüber reden oder schreiben.

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10 Jürgen F. 29. Juli 2009 um 02:27

@Ellenn:

Woher willst Du denn wissen, was ich an Fakten und Ideen zu dieser Sache zur Kennntis nehme, bzw. schon genommen habe? Vielleicht habe ich nur eine andere Sicht oder Einschätzung der Dinge. Die darf ich doch haben, oder? Von wegen Demokratie, freie Meinung und so.

Aber egal, stimmt schon: natürlich bin ich nur ein kleiner Untertan oder etwas netter formuliert: ein ganz kleiner Teil dieser großen Gesellschaft. Genau wie Du, bzw. wir alle. Ob man sich diesen Umstand nun schöntwittert, durch eine “interessante” Facebook-Seite aufzuwerten versucht oder sich mit seinem breiten Fachwissen über die virtuelle Welt in Foren zum “Experten” stilisiert – es ändert letztendlich nichts an der Tatsache, dass die meisten von uns eben nicht so wichtig sind, wie sie gerne wären und nicht oben an der Spitze der Pyramide leben und von dort aus mitbestimmen. Und mittlerweile denke ich, das ist auch gut so, bzw. genau DER Vorteil einer parlamentarischen Demokratie. (Was auch der Grund ist, warum ICH nicht nach Korea auswandere. Erstens stört es mich nicht groß, wenn andere eine andere Meinung haben und zweitens: Deutschland ist schon schön.)

Von mir aus darfst Du und jeder andere mich gerne als Untertan, Obrigkeitsgläubiger oder Naivling einstufen. Wobei ich aber zum Glück total harmlos bin, denn ich weiß wo im Leben mein Platz ist und will mich daher lieber nur so einmischen, wie ich es für angemessen und wirkungsvoll halte: indem ich mir eine Meinung zu den Dingen bilde und danach setze ich bei der Bundestagswahl mein Kreuzchen. (Wobei ich hoffe, dass ich mit meiner Wahl mehr Glück habe, als sonst im Lotto.)

Gut, wahrschenlich werde ich mich danach nur wieder über die Politiker und ihre Fehler aufregen. Wahrscheinlich bin ich dann aber trotzdem weit weniger enttäuscht als die, die sich der Illusion hingeben, dass sie mit ein paar Mausklicks mal auf die Schnelle ein bißchen die Welt verändern, bzw. “ihre” virtuelle erhalten – aber nach der Wahl realisieren, dass sie nur im Netz eine große, starke, bzw. laute Gemeinschaft sind.

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11 Gachmuret 29. Juli 2009 um 07:01

Nun,

wer polemisiert, sollte auch ein bißchen Polemik wegstecken, ohne nun gleich wieder die große Keule rauszuholen.
Natürlich ist der von Dir vorgeschlagene Weg eine feine Sache, um Enttäuschungen zu vermeiden. Das könnte man übrigens noch weiter treiben: Wer sich erst gar nicht mit dem ganzen Zeug beschäftigt, also zu der Überzeugung gelangt ist, so klein und unbedeutend zu sein, daß er gar keinen Einfluß hat – der wird nicht mal mehr ein wenig enttäuscht. Hat allerdings auch nichts bewegt.
Und hier sind wir beim Punkt: “Die Gesellschaft” und “die Demokratie” sind immer wir. Ist immer jeder einzelne. Denn wie soll sich eine Gesellschaft schließlich sonst definieren, wenn nicht durch ihre Mitglieder?
Ja, mag sein, daß Online-Petitionen und tausende Blog-Beiträge nichts bringen werden. Ja, mag sein, daß sich viele zu wichtig nehmen.
Aber:
Noch keine gesellschaftliche Veränderung ist ohne das Engagement Einzelner eingetreten (Viele kleine Leute an vielen kleinen Orte, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern, weiß ein afrikanisches Sprichwort).
Und:
Wer heute unten ist, muß dies nicht zwangsläufig auch morgen noch sein.
Zum Schluß noch dies:
Wahlen und Politiker sind auch nicht alles. Wer nicht gewählt wird, ist deswegen noch lange nicht ohne Einfluß. Manchmal bringt übrigens konsequentes, ausdauerndes Krachmachen etwas (siehe Bombodrom – mit nem Kreuzchen bei der Wahl wären die Pläne wohl nicht vom Tisch gewesen).
Also, allein die Tatsache, daß es Menschen gibt, die sich nicht ihre Kuschelecke zurückziehen, sich ihre Meinung bilden und dann ein Kreuzchen machen, weil sie meinen, mehr eh nicht tun zu können, macht sie nicht zu naiven Illusionisten. Und das hat im Übrigen rein gar nichts mit dem Internet zu tun, sondern ist eine ganz grundlegende Frage, wie man seine Rolle als Staatsbürger definiert.

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12 Player1 29. Juli 2009 um 10:21

@Gunnar

‘Die Finanzpolitik eines Steinbrück oder die China-Strategie einer Merkel kann ich nur mäßig qualifiziert beurteilen, aber ob der Matthias Güldner oder der Joachim Herrmann arrogante Idioten sind, die sich nicht mal die Mühe gemacht haben, zu versuchen nachzuvollziehen, was andere Generationen so denken, das sehe ich sehr deutlich nach ein paar Zeilen Text oder einer kurzen Rede.’

Nachvollziehbar, man muss dabei nur höllisch aufpassen, politische Einschätzungen und Entscheidungen nicht nur noch nach eigenen Interessen zu treffen. Im Extremfall führt das dann dazu, dass man – wie so viele Menschen – das Kreuzchen immer da macht, wo man sich – ohne weitere Rücksicht auf das große Ganze – am meisten für sich (oder das eigene Konto) verspricht.

Insofern lohnt es sich durchaus, sich auch und gerade mit den schwierigen Themen zu beschäftigen.

Ohne Frage anstrengend und immer mal wieder vielleicht auch unangenehm, wenn dann Dinge mal nicht ins eigene Weltbild passen. Aber vielleicht ist das sogar wichtiger als sich die meist ohnehin ziemlich feststehende Meinung zu Dingen, die einen persönlich betreffen, immer wieder selbst zu bestätigen.

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13 Gunnar 29. Juli 2009 um 10:45

Nee, das sind zwei ganz unterschiedliche Dinge — das ganze netzpolitische ist für mich wie für die meisten anderen eine Frage des Interesses, nicht der Interessen: Mir persönlich sind Sperren und Verbote und Überwachungsversuche letztendlich Wurscht, ich komme schon zu den Dingen, die ich haben will und ich bin freiwillig so sichtbar in Google und sozialen Netzwerken, dass eine Kamera in meinem Badezimmer kaum eine Steigerung wäre.

Würde ich mein Kreuz nach Eigennutz machen, ginge es eher um Dinge wie Elterngeld, Steuerprogression und die Absetzbarkeit von Videospielkonsolen…

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14 Player1 29. Juli 2009 um 11:10

War auch eher abstrakt gemeint, nicht direkt auf das Thema bezogen. Sozusagen eher eine ungebetene ‘Wehret den Anfängen’-Mahnung.

Über die beschriebene Art der Urteilsbildung kommt man jedenfalls meiner Meinung nach, ohne es zu wollen und schneller als einem lieb ist dazu, dass dann wirklich irgendwann Elterngeld, Steuerprogression und die Absetzbarkeit von Videospielkonsolen die Wahlentscheidung bestimmen.

Jedenfalls wenn man nur noch so auf die Welt blickt.

15 Christoph72 29. Juli 2009 um 11:37

Problematischerweise ist es keine sinnvolle Option, jede Partei nicht mehr für wählbar und insgesamt für “total bekloppt” zu halten, die irgendeinen Typen in ihren Reihen hat, der ohne nachzudenken und Ahnung zu haben etwas Dummes zu irgendeinem Thema sagt oder schreibt. Dann wären nämlich seit Jahrzehnten alle Parteien ohne Ausnahme unwählbar. Abgesehen davon, daß diese Vorwürfe in der Masse auch ein bißchen arrogant wirken könnten, weil man umgekehrt sich dem Vorwurf aussetzt, keine Ahnung davon zu haben, was realistisch in der Politik machbar ist und was nicht und daß auch der beste, sorgfältigste Super-Volksvertreter nur auf die Art “drei kleine Schritte vor und dann wieder zwei zurück” vorankommt. Insofern muß ich dem dankenswerterweise zitierten Jürgen Frey schon auch zustimmen – und aus schlechter Erfahrung gleich überdeutlich dazusagen, daß ich gegen “Netzsperren” und quasi “für” “Killerspiele” bin…

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16 Gunnar 29. Juli 2009 um 13:31

Das sehe ich anders — Pragmatismus hin oder her, jede Partei hat die Repräsentanten, die sie sich selber ausgesucht hat. Und auch wenn es amokhafte Alleingänge von eitlen Provinzfürsten gibt, ein nicht unwesentlicher Teil der Kommunikation von Funktionsträgern ist entweder abgestimmt oder entspricht zumindest der Stimmungslage einer parteiinternen Gruppierung.

Wenn ich bei Äußerungen von Innenministern, Bundesvorständen und Fraktionschefs immer annehmen muss, das sei jetzt möglicherweise nicht Parteilinie, dann bleibt mir außer den Programmen kaum noch was, worauf ich eine Wahlentscheidung stützen kann.

Außerdem: Hey, ich wähle seit vielen Jahren grün — trotz Claudia Roth ;-)

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17 Christoph72 30. Juli 2009 um 09:47

…der Schlußgag war gut! ;-)

Stimmt natürlich, daß Äußerungen von Ministern und Fraktionschefs grundsätzlich mal Parteilinie sind, und wenn nicht, daß man es dann an den Schlagzeilen des Folgetages merkt. Ich würde jetzt aber den Fraktionschef der Grünen in der Bremer Bürgerschaft nicht auf den Level eines (Bundes-)Ministers heben, obwohl er formal natürlich Landesfraktionschef ist.

Bleibt das Problem, daß man wirklich nicht weiß, wen man wählen soll, weil es einfach so viele dumme Äußerungen aus jeder Partei zu so vielen wichtigen Themen gibt, daß es schon eine hohe Verantwortung ist, das kleinste Übel erst einmal zu erkennen und dann (aus-)zu wählen.

18 Jürgen F. 29. Juli 2009 um 18:43

@Garuchmet:

ok, hast recht, war schon keulig, aber das Thema “reizt” mich eben – bin halt auch nur ein Mensch. Wenn auch nur ein kleiner. ;-)

Wenn Du mir aber unterstellst, ich würde Enttäuschungen vermeiden wollen, mich in eine Kuschelecke zurtückziehen wollen, irrst du Dich. Ich denke nur, dass die Leute, die so stark auf die Power von Web2.0 bauen, eben “enttäuschtER” sind als ich, wenn sie merken, dass sie die ganze Diskussion am Ende doch sehr einseitig geführt haben und sich eben nicht soviel bewegt hat, wie sie sich erhofft haben. (Wie gesagt, da finde ich es konstruktiver wählen zu gehen, um so gwisse Leute abzustrafen. Letzten Endes können alle anderen, die jetzt auf die Politik schimpfen, es auch nicht groß anders machen – realistisch betrachtet.)

Und ich meine auch nicht, dass man sich NICHT mit der Sache beschäftigen soll. Aus gewissen Gründen ist das Vorgehen gewisser Politiker natürlich fragwürdig und problematisch, dass muss man diskutieren – keine Frage. Ich denke nur, dass diese einseitige Web-Diskussion, bzw. die Wahl der Mittel letztendlich zu einer Verzerrung der (Selbst-)Wahrnehmung führt, weil sie sowieso am falschen Ort geführt wird und die eigentlich wichtigen Dinge ignoriert, verkannt oder gar nicht wahrgenommen werden.

Egal – hätte sowieso besser nichts zu der Sache getippt. Kostet alles nur wertvolle Lebenszeit und hält vom arbeiten ab. Eine richtige Diktatur oder ähnliches wird’s in Deutschland nicht mehr geben, allein deshalb, weil so viele Leuts schlicht zu egoistisch und selbstbezogen sind. Wer von uns selbstbestimmten Individuen könnte sich denn heute noch einem Führer unterordnen? ;-)

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