Leben an der Straße

by Gunnar on 30. Juli 2009 · 16 comments

Unsere Tochter, das Goldkindtm, hat, ich gebe es nur ungern zu, einen Autofetisch. Wann immer sie eines sieht, zeigt sie drauf und ruft “A-U-to” oder, in der Mehrzahl “A-U-to-SCH”. Passanten schauen uns schon zunehmend irrtiert an, wenn wir spazieren gehen und fortlaufend mit dem Kind in Dialogschleifen (“A-U-to!” “Ja, Auto, super” A-UUUU-to!” “Ja, schön, komm weiter”) gefangen sind. Insofern ist es ganz praktisch, dass direkt vor dem Kinderzimmer die Bundesstraße 2R (auch der “Mittlere Ring” genannt) vorbei führt, mit ordentlich Autos aller Größen drauf. Da stellen wir sie auf die Fensterbank und haben dann stundenlang Ruhe, während das Goldkindtm den Verkehr katalogisiert (“A-U-to!” “Bus” “Ela-Weh!” “Ba-Ga”). Was mich an meine Jugend an der Bundestraße 64 erinnert, ach damals, als noch Käfer und Enten die Straßen bevölkerten.

Da wir aber nicht nur am Ring, sondern auch noch unweit des Klinikums Bogenhausen wohnen, sind unter den den 60.000 Fahrzeugen, die pro Tag das Kinderzimmerfenster passieren, auch so 15 bis 20 Krankenwagen, grüne Minnas und Feuerwehren unter Blaulicht und Sirene. Sowas schaut man sich als bekennende Autofetischistin natürlich besonders gern an. Das führt zu dem mild bizarren Ritual, dass bei jedem in der Ferne erklingenden Martinshorn die Kleine aufmerkt, “Tü-Ta!” ruft und sofort auf die Fensterbank gehoben werden will. Und natürlich bitter enttäuscht ist, wenn das Tüta schon vorbei oder vorher abgebogen ist.

Aber hey, vorhin ist es uns gelungen, einen Zug aus Feuerwehr-Einsatzleitung, Tragkraftspritzenfahrzeug, Löschgruppenfahrzeug, Tanklöschfahrzeug, Rüstwagen und, als Bonus, zwei Polizeiautos zu beobachten. Das Goldkindtm war daraufhin so high, dass Wickeln, Umziehen, Abendessen, Zähneputzen und Schlafengehen in Rekordzeit und allenfalls mit passivem Widerstand vonstatten gingen.

Was machen bloß Eltern, die auf dem Land wohnen?

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