Ach, schlimm ist es, wenn man alt wird und das allzu bunte Treiben der weitergedrehten Welt nicht mehr verstehen mag. Ich beobachte das an mir selber mit Schrecken und versuche, den Prozess wenigstens zu verlangsamen. Ich habe einen Facebook-Account, spiele Killerspiele uncut, habe mich daran gewöhnt, dass die DDR irgendwie weg ist, kann, sollte es jemals nötig sein, mit meinem Handy Gewaltvideos aufzeichnen, zucke nicht mehr zusammen, wenn HipHop als Hintergrundmusik im Kaufhaus läuft, weiß, wie Alkopops schmecken, und habe eine gewisse Affinität für JCulture und all diesen Quatsch mit den großäugigen Männlein.
Und so. Ist natürlich manchmal schmerzhaft. Einfacher wäre es natürlich, sich schlicht in eine oberlehrerige Onkelhaftigkeit zu ergeben und immer wieder Paraphrasierungen von “Früher war alles besser” und “Die Jugend verlottert aber ziemlich, mein lieber Herr Gesangsverein” in die Schreibmaschine zu tippen. Wie etwa Frank A. Meyer, Chefpublizist des Schweizer Ringier-Verlages:
Der bürgerliche Rechtsstaat hat sich gegenüber Dieben und anderen Rechtsbrechern mit keinem Wort zu rechtfertigen, auch dann nicht, wenn sie sich zu Piraten einer neuen Netz-Weltordnung aufblasen und, wie neuerdings in Europa, sogar Parteien gründen.
Modernität ist kein Argument, Jugend schon gar nicht.
Jugend war stets das Zauberwort für Systemstürzer von rechts und links. So, wie Jugend jetzt erneut als Zauberwort der Netz-Revoluzzer gilt.
Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten. (Quelle)
Huh. Hossa. “Ist rasch ein Ende zu bereiten”, das klingt wie der Ruf nach dem Einsatz der Schweizergarde gegen Killerspieler. Schneidig, Herr M, schneidig.
An alle: Wenn ich bei einer meiner altersweisen Ansprachen je den ironischen Unterton verliere, bitte ich, mich zu erschießen.

[...] Oldschool Media [...]
Ihr Wunsch sei mir Befehl Herr Kaliban… allerdings…
ich glaube das einzige womit ich es – rechtsstaatlich betrachtet – wagen dürfte Sie zu beschiessen, wären nasse Papierklümpchen durch einen Strohhalm gepustet. Aber vielleicht schreibe ich darauf ja eine kleine, subtile Botschaft, die sie möglicherweise auf den tugendhaften Pfad der Ironie zurückbringt.
Wäre wünschenswerter als der letale Abgang in Richtung eines Seziertisches…
von einem Herrn, der auch dem Internet die Schuld für die Finanzkrise zuschiebt kann man wohl auch nicht mehr erwarten *rolleyes*
mir als Landsmann dieses “Publizisten” ist sowas “etwas” peinlich, andererseits boykottiere ich jegliche Form des Blick seit Jahren konsequent.
So schnell wird da wohl niemand erschossen werden müssen. Außer in der Schw- äh, nein.
Also irgendwie, dieser Herr, also ich weiß nicht, aber mir drängt sich der Verdacht auf, dass er gar nichts verstanden hat.
Photoshop scheint aber sein Freund zu sein, wenn man sich das Foto mal ansieht.
Ironischer Weise steht der Kommentar von Meyer im …, na? In diesem unserem Internetz. Ja, basta!
Nur schade, der Tonfall und die Wortwahl von Meyer ist echt jenseits von gut und böse, rechts oder links. Wohl die “extreme Mitte”?! ;-)
Somit nur ein weiterer Kommentar im Netz, der provozieren will, sich jedoch aufgrund unkonstruktiver Hetze und Polemik schon selbst disqualifiziert.
Dabei sind gewisse Nachteile, die dieses Medium mit sich bringt, nicht zu leugnen oder schönzureden, wie ich finde. Zum Beispiel die Enteignung von Kunst- und Kulturschaffenden, die er anspricht und die definitv stattfindet.
Dass das Internet an sich kein rechtsfreier Raum ist, sollte man aber auf der Netz-Gegnerseite auch mal langsam realisieren. (Aber es klingt halt einfach immer so toll! ;-)
“The Internet is a cruel and shallow trench, a long plastic hallway where thieves and pimps run free, and good men die like dogs. There’s also a negative side.” frei nach Hunter S. Thompson. Hätte der geahnt, daß da noch eine Krise kommt, hätte er wohl erst später Schluß gemacht.
Jaja, das Internet ist schuld. Schuld an der Wirtschaftskrise, an hohen Managergehältern, Amokläufen, am Weltuntergang, Arbeitslosigkeit, an der NPD, an dem Tod von Michael Jackson, quasi rückwirkend am Ersten und Zweiten Weltkrieg. Und überhaupt!
Ist dieser schriftliche Erguss eigentlich auch in der Print-Ausgabe zu lesen, oder nur im Netz?
mein lieber Herr Getaliban,
in was für ein Interpretations-Dilemma Sie den geneigten Leser hier stürzen! und das ganz cool durch Interpunktions-Abwesenheit… ; )
“…bitte ich mich, zu erschießen…”
da fehlt dann bloss noch die Erwähnung, WEN… nee, schon klar, als erstes Frank A. Meyer, und dann noch so manch andere/n… *g*
“…bitte ich, mich zu erschießen…”
nee, da bin ich jetzt mal gegen – allerdings seh ich bezgl des Ironieverlustes auch wenig Gefahr & blicke daher zuversichtlich in die Taliblog-Zukunft ; )