Oldschool Media

by Gunnar on 14. August 2009 · 9 comments

Ach, schlimm ist es, wenn man alt wird und das allzu bunte Treiben der weitergedrehten Welt nicht mehr verstehen mag. Ich beobachte das an mir selber mit Schrecken und versuche, den Prozess wenigstens zu verlangsamen. Ich habe einen Facebook-Account, spiele Killerspiele uncut, habe mich daran gewöhnt, dass die DDR irgendwie weg ist, kann, sollte es jemals nötig sein, mit meinem Handy Gewaltvideos aufzeichnen, zucke nicht mehr zusammen, wenn HipHop als Hintergrundmusik im Kaufhaus läuft, weiß, wie Alkopops schmecken, und habe eine gewisse Affinität für JCulture und all diesen Quatsch mit den großäugigen Männlein.

Und so. Ist natürlich manchmal schmerzhaft. Einfacher wäre es natürlich, sich schlicht in eine oberlehrerige Onkelhaftigkeit zu ergeben und immer wieder Paraphrasierungen von “Früher war alles besser” und “Die Jugend verlottert aber ziemlich, mein lieber Herr Gesangsverein” in die Schreibmaschine zu tippen. Wie etwa Frank A. Meyer, Chefpublizist des Schweizer Ringier-Verlages:

Der bürgerliche Rechtsstaat hat sich gegenüber Dieben und anderen Rechtsbrechern mit keinem Wort zu rechtfertigen, auch dann nicht, wenn sie sich zu Piraten einer neuen Netz-Weltordnung aufblasen und, wie neuerdings in Europa, sogar Parteien gründen.
Modernität ist kein Argument, Jugend schon gar nicht.
Jugend war stets das Zauberwort für Systemstürzer von rechts und links. So, wie Jugend jetzt erneut als Zauberwort der Netz-Revoluzzer gilt.
Dem faulen Zauber ist rasch ein Ende zu bereiten. (Quelle)

Huh. Hossa. “Ist rasch ein Ende zu bereiten”, das klingt wie der Ruf nach dem Einsatz der Schweizergarde gegen Killerspieler. Schneidig, Herr M, schneidig.

An alle: Wenn ich bei einer meiner altersweisen Ansprachen je den ironischen Unterton verliere, bitte ich, mich zu erschießen.

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