“Die Aufgabe des Journalisten ist es, durch den Dschungel der
irdischen Verhältnisse eine Schneise der Informationen schlagen – und den
Inhabern der Macht auf die Finger zu sehen.” (Schneider / Raue, 2006)
Ich äußere mich in diesem Blog, das eigentlich ausdrücklich nicht durch meine berufliche Tätigkeit geprägt sein soll, eher selten zum Thema Journalismus, abgesehen vielleicht von dem einen oder anderen Verweis auf doofe Produkte, kluge Worte oder offenen Wahnsinn. Oder sonstwelchen Anmerkungen. Hm, doch häufiger, als ich dachte. Egal.
Weil man mich neulich fragte, was eigentlich meine “Philosophie” zum “neuen Journalismus” sei und ich für den Vortrag eines US-Kollegen ohnehin etwas halbwegs Zitierfähiges aufschreiben musste, kann ich’s auch gleich der Weltöffentlichkeit zum Besten geben. Aber zurück nochmal zum Eingangszitat — Schneider und Raue sagen im selben Buch auch:
“Der Journalist hat nicht Überzeugungen feilzuhalten oder für Glaubensbekenntnisse zu wüten, sondern Nachrichten zu formulieren und Analysen auszuarbeiten (…) Die Ethik des Journalismus ist eine Service-Moral.”
Das ist korrekt und bleibt korrekt. Wenn wir uns alle immer zu jeder Zeit daran hielten, wären die Texte besser und die Medienblogger arbeitslos. Wohlgemerkt, ich bin schon ein Freund von starken Meinungen, aber eine öffentliche Meinung muss man sich verdienen, durch relevante Positionen, messerscharfe Analysen und — Vertrauen. Ich habe Zeitungen oder Zeitschriften, auch von mir geführte, nie als “Gatekeeper” zum goldenen Land der exklusiven Information verstanden, wir haben immer unsere Aufgabe im Ordnen, Gewichten und Erklären gesehen. Das ändert sich mit den neuen Medien nicht grundsätzlich: Klar muss man sich auf Medienkanäle anpassen, Twitter ist keine Zeitschrift; mobile Webseiten brauchen eine andere Darstellung als Portale, die man mit 1400×1050 ansteuert. Das ändert aber an der journalistischen Herangehensweise nichts — Erklärung, Empfehlung, Ordnung (und ein Schuss Entertainment), das sind und bleiben die Schlüssel zum Erfolg.
Ich sorge mich nicht um den Journalismus. Bedarf gibt es in dieser komplexen Welt genug. Man wird, jetzt und in Zukunft, seine Zielgruppen finden, wenn man Journalismus als Service versteht. Wenn man seinen Lesern objektiv und verständlich die Welt erklärt. Wenn man sich vorurteilsfrei bemüht, die Stärken jedes Medienkanals zu nutzen. Wenn man die Leser ernst nimmt und auf sie hört. Und die Aufmerksamkeit von Zielgruppen lässt sich irgendwie monetarisieren — Paid Content, eCommerce, Leads, Banner-Werbung, Data Mining, Performance Advertising, die Art ist letztendlich egal.
Wer aber denkt, der Elfenbeinturm verwandele sich, wenn man ihn ins Meer wirft, automatisch in ein seetaugliches Schiff, der wird untergehen.
Weiterlesen? Heribert Prantl nimmt sich des Themas in einem langen Text an.

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Ich denke auch, dass Journalismus immer seine Berechtigung hat. In der heutigen Zeit mit dem ganzen “Meinungsüberfluss” und der schnellen Netz-Dynamik ist das souveräne Gliedern und gekonnte Aufbereiten von Informationen sogar wichtiger denn je.
Das einzige, was ich mich immer Frage: wer soll das bezahlen? Ich denke da an die “alles-für-umsonst”-Mentalität, die sich eingebürgert hat.
Print muss sich neu orientieren, Tageszeitungen können in Papierform einfach nicht mit der Aktualität von News-Seiten konkurrieren.
Aber kann man sich bei einer reinen Ausrichtung auf das Netz “Qualitätsjournalismus” überhaupt auf Dauer leisten, bzw. genug Geld verdienen?
Bei Spielemagazinen ist der Trend zum papierlosen Publizieren sicher noch viel ausgeprägter, oder? Haben die Journalisten dann überhaupt noch Zeit zum Recherchieren, wenn sie mit drei Nebenjobs beschäftigt sind, weil die reine Webseite nicht genug einbringt und man mit Papier nicht mehr genug verdient? Vielleicht übertreibe ich, aber wie sieht das denn in der Realität aus? Würde mich echt mal sehr interessieren.
Ach, das geht schon alles — man kann auch mit Content online Geld verdienen.
Die riesigen Apparate der Goldenen Printzeit können halt nicht auf Dauer überleben, mit Ressortleitern und Stellvertretenden Ressortleitern und Tarfgehältern und Dienstwägen und klimatisierten Büros in Innenstadtlage.
Wer mit einem kleinen fokussierten Team guten Text, gute Bilder, gute Videos abliefert, wer die Vielzahl der schwach sprudelnden Einnahmequellen kreativ nutzt, der hat gute Chancen, selbst in einem TKP-schwachen Bereich wie Games.
Sehr netter Text, aber gerade der letzte Satz hat es mir angetan, an solchen Sätzen meint man dann doch den begabten (nicht zwingend professionellen) Schreiber zu erkennen.
“Der Journalist hat nicht Überzeugungen feilzuhalten oder für Glaubensbekenntnisse zu wüten, sondern Nachrichten zu formulieren und Analysen auszuarbeiten (…) Die Ethik des Journalismus ist eine Service-Moral.”
Diese reine Serviceleistung wäre mir, je nach Sparte, aber auch zu trocken. Mir gefällt es gerade in Bezug auf den jeweiligen Redakteur, dessen Warte wahrzunehmen. Um dann auch selber relativieren zu können. Man lernt diesen ja mit der Zeit kennen und einzuschätzen. Und da die Meinungen im Internet so vielfältig ausfallen können, in welche Schneise soll man nun springen? Die Ballance zwischen der Weitergabe von Informationen und persönlichen Einblicken ist meiner Meinung nach wichtig.
@benno: Persönliche Einblicke sind aber auch kaum vermeidbar denke ich, jedenfalls bis zu einem gewissen Grad, denn jeder Autor wird automatisch seine eigene Meinung in gewisser Weise einfließen lassen, je komplexer der Text sein soll desto mehr.
Aber eine eigene Meinung zu einer Sache kann ich selber entwickeln, dass Bedürfniss eine präsentiert zu bekommen besteht nur begrenzt. Über Blogs kann ich heute persönliche Meinungen und Ansichten von jedem x-beliebigen Bürger bekommen (und dazu noch einen Haufen seiner mehr oder minder spannenden Erlebnisse), aber ein Bedürfniss nach Informationen besteht weiterhin, und ich denke da geht es jedem halbwegs intelligentem Menschen ähnlich.
Klar kann heutzutage jeder schreiben was er will, aber das heißt noch lange nicht dass jeder schreiben kann was auch nur irgendwen interessiert. Deswegen denke ich, dass professioneller Kournalismus erhalten bleiben wird, weil es gut ist etwas zu lesen, in das jemand Arbeit und Zeit investiert und es nicht mal eben in der Arbeitspause zusammengeschnipselt hat. Und für gute Arbeit zahle ich auch gerne Geld.
Das auf Dauer nicht alle alten Systeme erhalten bleiben ist selbstverständlich, und mir erscheint es auch unsinnig sich daran zu klammern, denn wenn etwas sich nicht halten kann, dann wird das Gründe haben.
Hier dürften heute ein paar mehr Leser vorbeistapfen denke ich. Herr Lott hat es auf die Titelseite des Bildblogs geschafft, dank der neuen Rubrik 6 vor 9.
Ich denke Print hat Zukunft, wenn die Qualität stimmt und nicht nur von Qualitätsjournalismus gesprochen wird.
Die c’t konnte 2008 sogar die Anzahl der monatlich verkauften Ausgaben im vergleich zum Vorjahr steigern (sagt die IVW).
Nee, die C’T verliert auch, nur langsamer.
Siehe: http://meedia.de/typo3conf/ext/m2analyzer/analyzer/graph.php?time=10&category=3&titel=587
Ok die Zahlen sagen was anderes.
Sieht gegen die Spiele Magazine aber immer noch gut aus.
Siehe: http://meedia.de/typo3conf/ext/m2analyzer/analyzer/graph.php?foo=0&category=3&time=10&datatype=totalsales×pan_type=quartal&mode=startcompare&titel=587&selectedTitle=587&is_alltime=&is_individual=&titleID=587&compareID=&compareMode=totalsales&quartal_quartal_von=&quartal_jahr_von=&quartal_quartal_bis=&quartal_jahr_bis=&heft_woche_von=&heft_jahr_von=&heft_woche_bis=&heft_jahr_bis=&jahr_von=&jahr_bis=&sparte_gesamtverkauf=&sparte_einzelverkauf=&sparte_abo=&sparte_sonstige=&monat_monat_von=&monat_jahr_von=&monat_monat_bis=&monat_jahr_bis=&comparetitle=590-591-600-601-
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