Eltern kommen, ob talentiert oder nicht, irgendwann in die Verlegenheit, ihren Kindern vorsingen zu müssen.
Anfangs ist das eine leichte Übung, da trällert man einfach irgendwas, was man mag — ich beispielsweise habe mir immer mit At the End of A Gun beholfen. Oder mit der grandiosen Moritat von Mackie Messer. Wenn dann aber in den Kindern dieses hungrige Monster, die Sprache, erwacht, reicht es nicht mehr, einfach eine halbe Strophe des englischsprachigen Lieblingsliedes zu wiederholen, dann muss es was Richtiges sein.
Vielleicht sogar was Mitsingbares.
Und dann?
Dann gibt’s da den ziemlich lustigen Eisbär oder den Harung und die Affen oder sonst ein paar hübsche Lieder, aber das Gros der bekannten und leicht auffindbare Songs für Kinder ist musikalisch mau und textlich fragwürdig. Vielleicht bin ich zu heikel, aber sowas wie…
“Häschen in der Grube nickt und weint, nickt und weint! Doktor, komm geschwind herbei und verschreib ihm Arzenei! Häschen schluck! Häschen schluck!” (*)
“Seine große, lange Flinte schießt auf dich das Schrot, dass dich färb die rote Tinte und dann bist du tot” (*)
“Der Auerhahn, der Auerhahn, der ist der würd’ge Herr Kaplan. Fidirallala, fidirallala, fidirallalalala” (*)
…erscheint mir doof und irgendwie sehr aus der Zeit gefallen. Wo sind die Lieder über Zauberlehrlinge, über Vampire, über transformierbare Roboter, über das Leben in der Stadt, über Feuerwehrautos, über Monster aus dem All, über Katzen und Hunde und Ratten und Frettchen und andere moderne Haustiere et cetera? Okay, Herr Ferri macht sowas zuweilen, aber viel mehr scheint es nicht zu geben. Oder übersehe ich da eine große, lebendige Szene von fahrenden Musikanten und selbstsingenden Eltern? Falls ja, möge man mir Bescheid geben, falls nicht…
… wollte ich mal anregen, ob es nicht lohnend wäre, eine Art Kinderlieder-Community zu gründen. Ich stelle mir das so vor: Eingeloggte User können Projekte anlegen, die dann Lieder werden — vielleicht beginnt es mit einer Idee, vielleicht mit einem kompletten Text, vielleicht mit einer neuen (oder alten) Melodie. Andere User können dann Ideen, Noten oder Texte beisteuern, am Schluss findet sich vielleicht ein musikalischer Mensch, der das fertige Werk mit der Gitarre einspielt und als Video hochlädt. Sollte doch technisch heutzutage ein Klacks sein, sowas.
Falls jemand die Idee gut findet — bitte einfach umsetzen, ab jetzt ist sie public domain. Ich habe nicht recht Lust, das selber zu machen, wäre aber bereit, ein paar Anregungen und meine hübsche Domain neuekinderlieder.de beizusteuern.

Empfehle ja Frederik Vahle. Nicht alles, aber ne ganze Menge, vor allem der alte Kram.
Neue Kinderlieder? Gute Güte, da fallen mir Rolf Zuckowski und seine Grünkernfreunde ein. Oder diese Gaga-Pfadfinderreime. Was spricht denn gegen Stücke, die dir gefallen. Das ein oder andere deutsche wird doch darunter sein. Ist Häschen Hüpf pädagogisch wertvoller als Neunundneunzig Luftballons?
Vahle muss ich auch empfehlen. Auch vor allem das alte Zeug.
Und http://www.sternschnuppe-kinderlieder.de/ (Breznbeißerbande/Taxi Maxi)
Ach ja, ein paar kindertauglich EAV-Lieder gibt’s auch :)
Die Vogelhochzeit vom Rolf Zuckowski ist auch schön, die neuen Lieder von ihm könnten allerdings mit anderem Text auch in der Volkstümlichen Hitparade laufen.
Deine Idee finde ich sehr gut, das müsste – wie Du schon sagst – nur jemand machen. Dann aber auch gleich neue Geschichten und Märchen – da hab ich schon ein paar :)
Haha, super. Ich selbst rotiere ja mangels Einfallsreichtum immer zwischen “Alle meine Entchen” (zum Beruhigen am Tag) und “Lalelu” (zum in-den-Schlaf-singen). Der Mutter meines Kindes geht das schon auf die Nerven ;-)
Ich fand ja schon immer man sollte Kindern Rammstein vorsingen, bei der Textkreativität unterstützt das bestimmt auch die Sprachentwicklung…
Oh Schreck, Vogelhochzeit! Erinnert mich an Pappflügel-Getanze im Kindergarten, *ächz*, zum Glück ist’s lange her!
Also ich empfehle da Reinhard Lakomy: Traumzauberbaum und Geschichtenlieder. Da sind tolle Lieder über Monster, Pudel, Streuselkuchen dabei ;)
Häschen in der Grube ist doch eine gute Vorbereitung auf Ballerspiele. Daß es derartige Communities nich gibt, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Irgendwie müssen doch Zuckowski und Rosin Ihre Zielgruppe (abseits von Kassetten) abmelken
Angefangen habe ich mangels anderer Textkenntnisse mit dem Karnevalslied, “Die Karawane zieht weiter”. Dann kam “Die Blümelein, sie schlafen” und “Der Mond ist aufgegangen” (1. Strophe) dazu. (Wobei ich bei letzterem immer aufpassen muss nicht immer “Der weiße Neger Wumbaba” zu singen. Axel Hacke Leser werden wissen warum. :-) Das ist natürlich nur das Schlafliedrepertoire. Für’s Bespaßen am Tag kommt gerade “Hoppe, Hoppe, Reiter” und die “Tante aus Marokko” super an.
Ein Kollege mit einem dreijährigen Sohn erzählt häufig von Ritter Rost (Bücher + Musik). Der scheint sehr gut anzukommen.
Ansonsten gibt’s auch ein paar Ärzte-Lieder, bei denen man nur textsicherer werden muss. ;-)
Auch immer sehr schön, meist mit ein wenig Pädagogik, alles von
“Detlev Jöcker”
Mein Sohn liebt ansonsten die Hits von der Sesamstrasse.
Rolf Zuckowski, z.B. Radio Lollipop, wird auch gerne gehört.
Zur musikalischen Früherziehung empfiehlt sich natürlich auch folgendes Kleinod:
http://www.youtube.com/watch?v=2giBYnZ4CX4
Da der Herr Kaliban ja auch gitarrenorientierte Mussig hört, wäre das vielleicht was. Der Hardrock-Hase Harald ist nämlich mindestens Kult.
Mhm,
nunja, also, zu Zuckowski wurde hier eigentlich alles gesagt: http://bit.ly/MFNn ;)
Lakomy hingegen kann ich weitgehend empfehlen, die späteren Sachen sind mir persönlich ein bißchen zu sehr Zeigefinger, aber seltsamerweise stehen die Kinder drauf…
Bei diesem Tipp hier bin ich aber unsicher, ob da nicht vielleicht nur die eigene Kindheit reinspielt… http://bit.ly/3362d9
Letztlich ist das aber alles nicht das, was Du suchst, fürchte ich.
Funny van Dannen hat für jede Situation ein Lied auf Lager ;)
‘Der Kleckerer’ für die ersten Babybreisessions, ‘Schieb den Wal zurück ins Meer’ für die gestresste Mutter und ‘Das Regenlied’ für die Gummistiefelspaziergänge im Herbst.
Er produziert zwar nicht für Kinder und der Stil ist für Erwachsene häufig anstrengend, aber die Texte passen.