Eine Geschichte über zwei Konkurse

by Gunnar on 2. September 2009 · 14 comments

Auch, wenn’s nach Schleichwerbung für meinen Arbeitgeber aussieht — wer sich im weitesten Sinne für Spieleentwicklung interessiert, sollte den Bericht von Kollege Christian Schmidt über den Untergang der Firma Ascaron lesen.

Da wäre zunächstmal der Artikel selber, namens Die Akte Ascaron, der bei gamestar.de, aber auch in etwas lesbarerer Form in der letzten Ausgabe von GameStar veröffentlicht wurde. Im aktuellen Heft sowie online finden sich weiterhin Stellungnahmen der ehemaligen Ascaron-Mitarbeiter Marc Oberhauser sowie Peter Luber dazu, die ein paar Dinge nochmal aus anderer Richtung beleuchten (und nicht vollständig mit Christians Interpretation übereinstimmen). Und abschließend, quasi “online-exklusiv” gibt’s noch das Essay von Franz Stradal. Danach hat man ein ganz ordentliches Bild, auch wenn es natürlich über Ascaron noch mehr zu erzählen gäbe.

Christian hatte die knifflige Aufgabe, aus der dünnen verfügbaren Faktenlage (Verkaufszahlen, öffentliche Äußerungen, beobachtbare Ereignisse u.a.) und einer Reihe notwendigerweise subjektiv gefärbter Erzählungen Betroffener eine möglichst sachgetreue Innenansicht einer Firma zu basteln. Das Ganze ist nicht nur ein Glanzstück des Spielejournalismus, sondern auch ein Lehrstück über das Entwickeln von Spielen in Deutschland, über Eitelkeiten, Management-Unfähigkeit und die unzerbrechliche Liebe von Spielern.

Lesenswert.

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Karlmay September 3, 2009 um 10:13

komisch ehemalige Ascaron Mitarbeiter finden den Artikel schlecht recharchiert und absolut plump.
Ein Glanzstück des Spielejournalismus? eher eine abschreckendes Beispiel!
Aussagen werden nicht hinterfragt, und es zeigt nur eine Sicht auf das Unternehmen.
“Ascaron hat nur verguggte beta Spiele in die Regale gestellt” danke! das weiss jeder Spieler, dafür brauch ich keinen Artikel

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Gunnar September 3, 2009 um 11:59

Notwendigerweise gibt es verschiedene Sichtweisen. Hier geht’s um Menschen — wie man die Rolle von Holger, Heiko, Franz, Daniel oder den anderen in dem ganzen Desaster letztlich bewertet, hängt natürlich davon ab, wie man zu demjenigen steht.

“Ascaron hat nur verbuggte Beta-Spiele ins Regal gestellt” ist hingegen etwas, das im Artikel so nicht vorkommt.

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cat5e September 3, 2009 um 14:06

Ascaron gebührt mWn die Ehre, als erste Firma den “öffentlichen Beta-Patch” eingesetzt zu haben (anno 2004, bei Sacred). Nicht nur, dass man auf diese Weise zahlende Kunden wissentlich zu unbezahlten und -gelernten QM-Testern gemacht hat, diese Kunden mit masochistischen Anwandlungen durften dann gleich auch das gesamte Spiel bei Erscheinen des “finalen” Patches neu installieren. Über die Tatsache, dass mit jedem Patch neue (z.T. showstopper) Bugs ein- und manchmal auch ältere, längst behoben geglaubte, Bugs wiedereingeführt wurden, möchte ich lieber den Mantel des Schweigens breiten. Damals deutete jedenfalls alles darauf in, dass zumindestens in Sachen Code- und Qualitäts-Management bei der Firma vieles im argen lag.

Ich habe mir damals(TM) geschworen, niemals mehr ein Spiel aus dem Hause Ascaron auch nur mit der Kneifzange anzupacken, selbst wenn sie durch einen Riss im Raum-Zeit-Kontinuum an die Entwicklungsrechte für Diablo 3 gekommen wären.

Btw: guter Artikel.

Seb September 3, 2009 um 10:29

Ich habe überhaupt keine Lust mehr den Artikel zu lesen, nach dem ich 2 Vollbild Werbebanner wegklicken musste. Auch die Flash Werbung rechts macht es schwierig sich auf den Text zu konzentrieren. GameStar.de war anders in den goldenen Zeiten…

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Patrick September 3, 2009 um 10:43

Welche Werbung? Ich liebe Adblock ;-)

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Baruch September 3, 2009 um 11:21

Ich will ja nicht kleinlich sein, lieber Gunnar, aber “die Akte Ascaron” steht in der letzten Ausgabe der Gamestar, nicht in der aktuell erhältlichen. In dieser sind dafür aber die beiden “Leserbriefe” (eigentlich mehr Stellungsnahmen/Gegendarstellungen) enthalten. Der “Essay” von Franz Stadal wiederrum ist tatsächlich online-exklusiv.

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Christian September 3, 2009 um 12:20

ich stimme Gunnar zu: Ich fand den Artikel hoch interessant und außergewöhnlich für eine Spielezeitschrift. Ich würde mir mehr davon wünschen.

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Lord Quinex September 3, 2009 um 17:18

Ja, der Artikel war definitiv interessant, und ich fand den auch nicht einseitig, jedenfalls sahs für mich nicht nach einem “Alle Ascaron-Mitarbeiter waren Idioten”-Text aus.
Es wurde einfach gezeigt, wie eine Firma auf der einen Seite solche Erfolge haben konnte, und auf der anderen Seite so viel Geld verlieren.

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Styg September 3, 2009 um 19:16

Fand’ ich für eine Spielezeitschrift sehr überraschend.

Einseitig war der Artikel sicherlich nicht, davon abgesehen will ich keine politisch überkorrekten und letztendlich meinungslosen Artikel lesen. Der Autor darf sich ruhig positionieren – und man hätte über Ascaron ganz andere Dinge schreiben können.

Würde ich in der Form gerne häufiger lesen.

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grobi September 3, 2009 um 21:14

Tja, als böser Spieleblogger, der keinerlei Verständnis für Prozentpunktbewertungsysteme mit dem Charme von Waschmaschinentests hat (aber trotzdem weiterhin Gamestar-Abonnent ist), muss ich mal in aller Deutlichkeit sagen: diese Reportagen, die diese Zeitschrift ja schon seit längerer Zeit veröffentlicht, sind in der Tat lesenswert und informativ.

Gleichzeitig muss ich Herrn Kaliban trotzdem den Vorwurf machen, dass diese sehr euphorische Erwähnung dann doch ein wenig Geschmäckle hat. Aber Schwamm drüber, dass weiß er wohl 1.) auch selbst und 2.) ist dass ja schließlich nicht 360.net hier ;-)

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Jürgen F. September 3, 2009 um 21:14

Ich für meinen kleinen Teil kann nur zustimmen: hochinteressanter Artikel, erfrischend “hintergründig”, da jenseits des üblichen “Gute Grafik, schönes Gameplay”-Spiele-Mag-Blablas.

Wie man ihn am Ende dann bewertet ist ja jedem selbst überlassen, aber ich war sehr dankbar dafür und fand ihn gut nachvollziehbar. Das Grundproblem, dass verschiedene Interessen (Qualitätsanspruch versus Marketing, suboptimales Management, u. ä.) aus verschiedenen Bereichen des Unternehmens zusammentreffen und für Ärger sorgen, wurde für mich gut nachvollziehbar und schlüssig dargestellt.
Finde es auch sehr gut, dass die Entwickler, bzw. Beteiligten selbst auch noch zu Wort kommen. Fair und gut, um eine Quersumme zu bilden.

Für jeden der in der Spielebranche arbeiten will oder sich für die Hintergründe interessiert wirklich lesenswert. Ich sag jetzt aber bewusst nicht “Mehr davon!”, sonst müsste ja wieder jemand Pleite gehen. ;-)

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Gachmuret September 3, 2009 um 22:08

Nun,

ich entnehme dem Artikel vor allem die Information, daß es mit meiner Patriziernadel nun wohl nix mehr wird. ;)
Ob und wenn ja, inwieweit sich der Artikel von sonstigen Erzeugnissen der Spielepresse abhebt, vermag ich nicht zu beurteilen, aber ich fand ihn gut lesbar und er wirkte durchaus ausgewogen.

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Christoph72 September 4, 2009 um 09:03

Sicher nicht jeder Spiele-Redakteur ist ein guter Journalist, aber Christian Schmidt gehört definitiv zu den hervorragenden.

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Daniel B. September 4, 2009 um 16:56

Die Reportagen sind allerdings schon seit geraumer Zeit eine große Stärke der GS und einer der Gründe, warum ich mir das Blatt immer noch gerne öfters kaufe. Das es in diesem Fall nicht von allen Beteiligten nur begeisterte Zustimmung gibt, ist ja wohl logisch. Wenn man Ursachen für den Niedergang ausmachen will, lässt es sich wohl schwerlich vermeiden, so manchem auf die Füße zu treten…

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