Fragen statt Manifestieren

by Gunnar on 11. September 2009 · 2 comments

Ich wollte das totgeborene Internet-Manifest eigentlich nicht weiter kommentieren, aber da sich mittlerweile weitere schlaue Leute dazu geäußert haben, will ich diesen Leuten wenigstens rasch zustimmen, um selber schlau zu erscheinen. Oder so.

Also. Felix Schwenzel, den ich nicht persönlich kenne, den man für sein Blog Wirres.net aber nicht genug loben kann, schreibt zum leidigen Thema :

[…] setzen wir mit manifesten, die den eindruck erwecken über jeden zweifel erhaben zu sein, der rückwärtsgewandten hybris der verleger und internetfeinde nicht einfach nur eine anders geartete hybris entgegen? wäre es nicht wichtiger zu fragen, statt zu manifestieren, zu zweifeln, statt rumzubehaupten, neugierde zu entfachen, statt klugzuscheissen?
wo bleibt die demut? ich glaube, klugscheissern, die hamburger erklärungen oder heidelberger appelle verfassen, sollte man nicht mit weiterem klugschiss antworten. sondern demut, neugier, vorsichtige und aufmerksame beobachtung der realität und offenheit predigen. überzeugen. argumentieren. begeistern. nicht rumbehaupten. […] (Quelle)

True. Viel besser kann man es nicht sagen. Ende der Diskussion. Eigentlich. Obwohl, Don Alphonso, den ich auch nicht persönlich kenne, dessen Haltung mich aber normalerweise abhält, irgendwas von ihm zu lesen, hat eine lustige Theorie zum möglicherweise geplanten zweiten Schritt nach dem Manifest aufgestellt:

Niemand schreibt sowas, setzt sich als Erstunterzeichner drunter und ist froh, wenn er es mal gesagt hat. So ein Manifest ist immer nur der erste Schritt. […] Kommunistisches Manifest -> Parteigründung. Internet-Manifest -> schön, dass wir darüber geredet haben? Bei den Teilnehmern, die grösstenteils mit Journalismus wenig, aber mit Internetkommerzialisierung zu ihren eigenen Gunsten sehr viel zu tun haben? […] Es ist ja sicher keine schlechte Idee, so ein Konzept mal zu testen und sich dann, wenn alle JA! schreien, sich auf das Schild heben zu lassen. Zumal der Ruf nach einer Standesvertretung ja auch kein ganz dummer ist, und Medien in einer Debatte auch Ansprechpartner wollen. […] Aber wenn man sowas schon als Hintergedanken hat, kann man das auch mal zugeben. (Quelle)

Ach, und wenn ich schon mal dabei bin — die grandiose Übersetzung der englischen Manifest-Fassung in lesbares Englisch (verfasst von Benji Lanyado, einem Journalisten des Guardian) darf nicht unerwähnt bleiben, ich zitiere mal im Volltext:

1) The internet is different to newspapers. Deal with it.
2) You don’t have to be Billy Big Paper to do journalism any more, anyone can do it.
3) Billy Big Paper should get into Facebook and stuff. The kids love it.
4) Note to Russia and China: Enough blocking the internet already.
5) There is loads of stuff on the internet.
6) On the internet you can change stuff after you’ve written it. Which is great.
7) Link to stuff, it’s really good when you do that.
8 ) Same as above. And by the way, Google is God.
9) There are lots of people on the internet. Talk to them.
10) See rule 2)
11) Quantity is an excellent thing. Make lots of things and put them on the internet.
12) Your old business model is rubbish. Change it.
13) Don’t charge for content.
14) See rule 12)
15) Don’t delete things.
16) Quality is king. Forget what we said in 11)
17) A good journalist listens as well as talks, despite the fact that no crowdsourcing was involved during the making of this declaration.
18) Dum de dum de daa bla bla antidisestablishmentarianism bla bla and so on and so forth la la la. [Oops, I added one at the end.]

Mehr dazu? Weitere Anmerkungen und Links gab’s hier.

UPDATE: Stefan Niggemeier probiert’s jetzt mal mit Vorwärtsverteidigung.

{ 2 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

Previous post:

Next post: