Herr Kaliban gegen das Möbelhaus

by Gunnar on 24. September 2009 · 20 comments

Ich habe neulich meine Kontoverbindung gewechselt, immer noch eines der großen Abenteuer des modernen Lebens. Von den gut 30 Firmen, die über Einzugsermächtigungen Zugriff auf mein Konto haben, vergaß ich zwei zu benachrichtigen, weil ich von ihnen nur selten Rechnungen bekomme.

Firma 1, ein Hamburger Verlag, versuchte, die Abogebühr für ein Nachrichtenmagazin einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 3,50 Euro Gebühr berechnen.

Firma 2, ein, uh, skandinavisches Möbelhaus mit vier Buchstaben, versuchte, die Bezahlung für einen Kleineinkauf einzuziehen, scheiterte, weil das betreffende Konto aufgelöst ist und schrieb mir diesbezüglich einen freundlichen Brief, in welchem um meine neue Kontoverbindung gebeten wurde. Man bedaure, aber man müsse mir wegen der entstandenen Kosten leider 35,- Euro Gebühr berechnen.

Äh, WTF? Einmal kostet das 3,50, einmal 35 Euro? Spinn’ ich?

Ich neige nun gegenüber Firmen und Behörden, die mich verscheißern wollen, zum Jähzorn und entwickle in solchen Fällen einen brennenden Ehrgeiz. Ich schrieb dann folgenden Brief:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich fordere Sie auf, mir kurz und formlos zu erklären, warum mein am 15.7.2009 um 20:13 an die Faxnummer xxxxxxxx versandtes Schreiben, das meine neuen Kontodaten und die Bitte um Aktualisierung enthielt, offenkundig nicht bearbeitet wurde, sodass es zu dem unnötigen Versuch einer Abbuchung von meinem erloschenen Konto kam.

Unabhängig von der Klärung der eingangs gestellten Frage bezüglich meines Faxes, weise ich Sie in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Sie laut Entscheid vom LG Dortmund, 25.5.07, AZ 8 O 55/06 keine pauschalisierten Personalkosten berechnen, sondern nur real entstandene Kosten weiter geben dürfen. Ich setze Ihnen hiermit eine Frist bis zum 31.8.2009, um entweder die Ihnen entstandenen Kosten zu dokumentieren oder die Gebühr neu festzusetzen.

Der guten Ordnung halber möchte ich zuletzt noch anmerken, dass mich Ihr Schreiben am 12.8.2009 erreicht hat, Sie aber eine Antwortfrist bis zum 15.8 setzen — abzüglich des zu kalkulierenden Postlaufs für die Antwort und angesichts der Tatsache, dass Arbeitnehmer gemeinhin erst abends Gelegenheit haben, ihre Briefpost zu kontrollieren, ist das eine Frist von zwei Werktagen. Das ist nach aktueller Rechtssprechung nicht illegal, aber deutlich unangemessen. Ich empfehle Ihnen, im Sinne der Kundenfreundlichkeit und des Images der Firma xxxx, in deren Auftrag Sie handeln, Ihre Politik in dieser Sache zu überdenken.

Mit freundlichem Gruße,

Gunnar L., Journalist

Das erste, das mit dem Fax, das war natürlich ein Bluff — aber hey, sollen die Spacken doch ruhig mal bei sich suchen. Das zitierte Gerichtsurteil ist aber korrekt, die übliche Politik, bei fehlgeschlagenen Lastschriften Fantasiegebühren anzusetzen, dürfte vor Gericht keinen Bestand haben. Außerdem enthält das Schreiben die üblichen Sachen, um Firmen zu ärgern — eine Fristsetzung, eine Aufforderung zur Dokumentation von entstandenen Kosten sowie das drohende Wort “Journalist” neben der Signatur. So.

Innerhalb der Frist kam die Antwort, dass man auf die komplette Forderung verzichte, weil ich ein “guter und langjähriger Kunde” sei.

Aha.

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Al September 24, 2009 um 08:04

Klassisches Mimikriverhalten künstlich aufblasen und den Gegner verwirren.
Aber manchmal leider wahr, daß man nur so weiterkommt.

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Atomaffe September 24, 2009 um 08:31

Jedes mal wenn ich von solchen Geschichten höre dreht sich mir der Magen um beim Gedanken an all jene bei dehnen so etwas funktioniert, also Firmen mit solchen Forderungen durch kommen. Unwissen und Angst füllen in diesen Fällen fast ohne Aufwand die Kassen der Firmen.

Irgendjemand hat doch mal gesagt dass irgendwann der Zugriff auf Informationen die Gesellschaft spalten werde. Dies ist der Anfang davon.

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hoschi September 24, 2009 um 10:18

Lass mich raten: trotz dieser Fantasiegebühren, gehst du immer noch in dieses skandinavisches Möbelhaus ?

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Styg September 24, 2009 um 10:24

Wenn sich die Firmen mal überlegen würden, wie sie sich’s mit der Kundschaft wegen Nichtigkeiten verscherzen. Ist aber leider an der Tagesordnung, den Jähzorn kann ich nachvollziehen, geht mir ähnlich.

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el-flojo September 24, 2009 um 10:24

Genau richtig gemacht. Bisschen auf den Putz hauen, aber schön freundlich bleiben. Wer keine Querulantensignatur hat, sollte vor allem zu einer Geheimwaffe greifen: Beschwerden immer an den Vorstand richten, und sei es nur in der namentlichen Ansprache. Für sowas gibt’s normalerweise ein Extra-Team, eine kürzere Bearbeitungsfrist und erweiterte Befugnisse, um den Kunden zu besänftigen.
Bei uns zumindest… ;-)

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Marjan September 24, 2009 um 11:01

ich hoffe nur, daß du deine kontodaten jetzt aktualisiert hast, denn in dem brief hast du das nicht getan und das fax war ja nur ein bluff.

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Gunnar September 24, 2009 um 11:15

der hier veröffentlichte brief ist gekürzt.

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Urml September 24, 2009 um 11:13

Schönes Schreiben. Plöte Elokwennz-Bestie, Sie :)

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paule September 24, 2009 um 15:27

witzig, aber so etwas ist ziemlich gut für das unternehmen
man überlege wie viele leute die 35,- zahlen und wie viele nicht/sich darüber aufregen

ich weis nicht warum aber ich liebe solche vorangehensweisen

umso besser gefällt mir allerdings das schreiben vom hern kaliban

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Eldest September 24, 2009 um 16:58

Sehr schön gemacht^^.
Vor allem das Journalist am Ende finde ich nett. Sollte man glatt auch Journalist werden, um dieses Gefühl der Allmacht, der Kraft die Welt bewegen zu können, selbst zu spüren.

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Karlmay September 24, 2009 um 17:29

also war der Herr Lott derjenige der das Möbelhaus sowie den Verlag “verscheissern wollte” weil er zu faul und bequem war seine neue Kontodaten denen mitzuteilen.

da darf man sich nicht wundern wenn dann die eigene Faulheit bestraft wird.
Und hier auch noch die Lüge von dem “Fax” breitzutreten ist noch eine Frechheit dazu, nächstes mal kümmer dich rechtzeitig um deinen eigenen Scheiss dann müssen andere nicht auf eigene Kosten deinen Arsch DIR hinterhertragen!

naja was kann man von einem Gamestar Redakteur (“Journalist” haha) schon anderes erwarten als Arroganz und selbstüberschätzung… tststs

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Gunnar September 24, 2009 um 17:43

Ich habe dem Verlag ohne zu murren seine Auslagen ersetzt. Aber genug vom Thema, darum geht es wohl eigentlich nicht. Kommen wir lieber zu Dir:

Hast Du irgendwie ein besonderes Problem mit mir?

Projizierst Du irgendwas auf mich?

Tut dir das trügerische Machtgefühl der Anonymität nicht gut?

Ich weiß nicht, ob das hier der richtige Ort ist für Deine Schreie um Aufmerksamkeit. Ich bin zwar von der Ausbildung her Sozialpädagoge, aber ich arbeite nicht mehr in dem Feld — professionelle Hilfe gibt es anderswo.

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Lord Quinex September 24, 2009 um 18:06

Die Unverschämtheit liegt ja nicht unbedingt darin, überhaupt eine Gebür zu entrichten, sondern eine von 35 Euro. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Möbelhaus tatsächlich 35 Euro aufwenden musste, wenn es der Verlag mit 3,50 Euro schafft halte ich für so gering wie die Objektivität des Kommentators Karlmay. Wenn sie die zehnfachen Kosten durch was-auch-immer verursachen, dürfte es wohl in ihrer eigenen Schuld liegen, vor allen Dingen da es wohl kaum an besserer Mitarbeiterbezahlung oder ähnlichem liegen wird.
Und das schnelle Nachgeben bestätigt diesen Verdacht doch nur.

Demnach würde ich sagen: Richtig gehandelt, wenn man nicht deutlich genug auftritt wird man hier aus sinnloseste abgezockt.

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Joel September 24, 2009 um 20:03

Eigentlich unverschämt, was Journalisten an geld sparen, nur weil sie Journalisten sind. Aber was kommt da wohl erst zurück, wenn man schreibt ‘Bild-Journalist’ :D(naja, also wenn man sich nicht zu sehr schämt)

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Groovechampion September 24, 2009 um 21:14

IKEA sucks und brandeins ist eben der man. Unterschreibst Du wirklich mit “Gunnar L., Journalist”. Sowas sollte extra-Gebühren kosten.

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Gunnar September 24, 2009 um 21:56

Täte ich nie. Ist ausgesprochen affig, zumal ich ja nichtmal mehr hauptberuflich Redakteur bin. Aber in Drohbriefen macht es sich gut.

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vafal September 24, 2009 um 23:54

Mh, gute Idee. Als “Journalist” zu unterschreiben, meine ich. Muss ich mal ausprobieren. :)

@Karlmay: Suchst du dir bitte einen anderen Nick? Der von dir persiflierte Schriftsteller würde sich bei deinem Geschreibsel im Grabe umdrehen. Das hat der gute Mann nicht verdient.

v., journalist

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Forodrim September 26, 2009 um 09:57

Das “Journalist” am Ende ist peinlich, in meiner Zeit als Supportmitarbeiter hat das eher als rotes Tuch gewirkt. Es gibt schlicht zu viele “Journalisten” die meinen sie hätten deswegen eine besondere Behandlung verdient oder könnten sich mehr rausnehmen.

Das Rest ist allerdings grossartig.

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Brian Griffin September 26, 2009 um 17:58

@Joel:

Eigentlich unverschämt, was Journalisten an geld sparen, nur weil sie Journalisten sind.

Du, Joel, nur weil es da draussen Leute gibt, die peinliche Briefe mit “Journalist” unterschreiben und/oder mit Presseausweisen vom Comic-Club Rabatte einfordern, bedeutet das noch lange nicht, dass sie auch welche bekommen.

Nach meiner Erfahrung zumindest nicht mehr, als jeder andere penetrante Rabattjäger auch. Die Vergünstigungen, die tatsächliche Journalisten im Rahmen ihrer Tätigkeit erhalten (und auch benötigen), sind in den meisten Bereichen recht überschaubar geworden.

@Forodim: Ja, eindrucksvoller kann man sich kaum als Schwätzer und Maulheld outen und sein Anliegen entwerten. Als Supporter würde ich – an guten Tagen abhängig von der Vorgeschichte – annehmen, dass sich der Kunde in betrügerischer Absicht um eine fällige Zahlung drücken will und das Mahnverfahren einleiten.

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Konservo-Thomas Februar 12, 2010 um 20:07

Ich fuhr schwarz. Und wurde erwischt. Und musste 42,42 € bezahlen. Ich überwies. Leider irrt ich mich. 42,24€ überwiesen. Nachgemahnt fü 18c, Bearbeitungsgebühr 37€. Und ärgern, immer ärgern.
Also schrieb ich einen Brief an den Vorstandsvorsitzenden, den ich mit Lacksiegel versah. Und freundlich bat, um mir die 18c zu erlassen. Mit dem Lacksiegel, dachte ich, kriege ich den Brief in die Hände eines Entscheiders. Und dem war so, einer meiner Kunden (nach der Zeit) war zufällig ein Manager des Bahnunternehmens. Der hatte sich köstlich über meinen versiegelten Brief, der ihm mit wichtiger Miene vorgelegt wurde, amüsierte. Und die Kosten erlassen. Manchmal gehts auch nett.

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